
Ein Kunstwerk, das den Beweis für die Wirkung der Literatur darstellt. Als gedrucktes Buch mit den eingeklebten Bildern und den inhaltlichen Gedankenspielen ist es eine wunderbare Entdeckungsreise. Hier trifft Nature Writing auf Science-Fiction. Diese Naturlyrik entführt uns, lässt uns träumen und das Erlesene bekommt in unserer Phantasie einen Wahrheitskern. Die Literatur lebt der Wirklichkeit voraus und meist sind es die Geschichten, die unseren Geist beflügeln und uns antreiben, die Realität der Literatur anzupassen. Mit Jules Verne waren wir bereits auf dem Mond, bevor wir tatsächlich dort landeten. Mit Ben Bova erkundeten wir durch seine Bücher den Mars auf erschreckend realistische Weise. Nun versetzt uns Robert Steinmüller genau in jene Zeit zurück, wo der Mond noch magisch war. Nicht nur seine dunkle Seite beflügelte die Kreativität der Literaten, der Filmemacher und Musiker.
In der frühen Mondforschung hielt man die dunklen Tiefebenen des Mondes für Meere und beschrieb sie deshalb mit maritimen Begriffen. Das Buch folgt den Aufzeichnungen von Enzo G. Benevolio (1742 – 1795). Ein Student der Lehren nach G. B. Riccioli (1598 – 1671), dem Namensgeber der Mondmeere. Für die Menschen ist es seither ein Traum, die Meere des Mondes zu bereisen und zu erforschen. Benvolio ist Mondforscher und Kenner, er berichtet über die Meere und sagt, wenn wir einmal die Meere des Mondes besucht haben, werden wir den Ort stets in uns tragen, der uns somit auch verwandelt. Die Mondmeere als Reiseziel, um letztendlich uns und unsere Welt zu verändern. Eine bildhafte Vorstellung eines Gelehrten zur Zeit der Aufklärung. Die Landschaften mit tropischen Urwäldern, mit Ozeanen, die kalt, stürmisch, ruhig oder unermesslich sind. Dabei erforschen wir Fauna und Flora des Mondes. Das unbekannte Leben erwacht durch diese Zeilen. Alles eine Illusion? Beim Durchlesen wird diese Frage immer belangloser, denn die Abenteuer, die wir durch das Buch erleben können, scheinen unglaublich real.
Das Buch ist eine Bereicherung und wenn das Reisen für einige wohl gar nicht möglich ist, ist es ein wunderbares Gedankenspiel, denn wenn die Welt schon nicht erreichbar ist, warum dann nicht einfach durch die Literatur zum Mond fliegen? Ein Gedankenspiel, das inhaltlich und in der Drucklegung begeistert. Hierbei zeigt sich auch die verlegerische Liebe, denn mit sehr viel Hingabe wurde das wunderschöne Werk gefertigt. Die Meere sind durch Karten erfahrbar und durch handeingeklebte Bilder, die sich hochklappen lassen, visualisiert. Die Texte werden durch diverse Zeichnungen belebt.
Das Buch ist ein Wunder. Die Meere des Mondes als lebendige Wasserlandschaften faszinieren. Die Möglichkeiten eröffnen phantastische, wunderbare und philosophische Fiktionen. Das Buch erweitert unseren fixierten Lebensraum ins Unermessliche. Diese Auslegungen sind Wunschträume, die in den alten Betrachtungen münden. Dabei wirkt es so real und wir glauben den Schriften von Enzo G. Benvolio. Doch ist es ein fiktiver Charakter. Diese Aufzeichnungen existierten nicht. Doch was, wenn wir ihm glauben wollen und die Abenteuer einfach weiterträumen …
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