Archiv der Kategorie: Erlesenes

Helle Helle: „SIE und BOB“

Die dänische Meisterin des minimalistischen Erzählens ist mit zwei Romanen, die in der Deutschen Übersetzung als ein Buch erscheinen, zurück. Ihre Werke sind voller stiller Geschichten, die, wenn man nicht aufpasst, in ihrer Fülle sang- und klanglos vorbeirauschen könnten. Man muss Helle Helle zuhören und ganz genau in die Schilderungen hineinhorchen, um alles im Roman erfassen zu können. In der sprachlichen und inhaltlichen Reduktion versteckt Helle Helle emotionale und kluge Kniffe, die das Dramatische langsam erklingen lassen.

Sie sind Mutter und Tochter.  Aber auch das ganze Umfeld. Bob kommt auch in „Sie“ bereits im Freundeskreis vor, um dann im zweiten Teil, d.h. Roman, die Hauptfigur zu werden. Aber beide Geschichten drehen sich um sie, die Tochter, die stets im Mittelpunkt steht. Da die Präsenz der Namenlosen, der Ich-Erzählerin, auch bei Bob raumeinehmend ist, lässt sich hier ein groß angedachter Romanzyklus vermuten. Im zweiten Teil erzählt sie von Bob und ihrem gemeinsamen Leben und besonders von den Erlebnissen, woran sie selbst nicht teilhat.

Das kindliche, leichte Leben verläuft sich für die Erzählerin als die Mutter sagt, sie habe wohl einen Stein verschluckt. Die Krankheit der Mutter lässt diese nur noch wenig Nahrung zu sich nehmen und die Kraft schwindet im Verlauf der Handlung immer mehr. Die Diagnose wird genannt und es sind nur noch wenige Wochen, die die beiden zu haben scheinen. Somit ist der Alltag ein Abschiednehmen. Doch bleibt die Mutter im Roman gegenwärtig und sie verlässt das Buch nicht. Somit ist es ein Alltag einer Schülerin, die in den 80ern aufs Gymnasium geht und Freunde trifft, die Liebe kennenlernt und versucht, ihren Schmerz und den drohenden Verlust in Worte zu kleiden.

Später ist es Bob, den sie aus ihrem Freundeskreis kennt, dessen Perspektive der Roman wiederum aus ihrer Sicht einnimmt. Sie sind ein Paar und wohnen in Kopenhagen. Während sie weiß, was sie will und die Lebensziele zukunftsorientiert erahnt, mäandert er noch in seiner Selbst-und Sinnfindung. Er treibt im wahrsten Sinne durch die Gassen und Straßen der Küstenstadt, bis er einen Job findet. Nebenbei richtet er die kleine, aber gemeinsame Wohnung ein und wünscht sich eine Zukunft mit ihr.

Die Krisen und das Dramatische blitzen in den kurzen Sätzen lediglich auf. Die Sprachmelodie und das Weggelassene erzeugen einen großen Resonanzraum im Lesenden. Mit enorm leisen Tönen wird hier ein Crescendo aufgeführt. Helle Helles Romane verlangen ein aufmerksames Lesen und Einfühlen, um das Erzählte erfassen zu können. Mit viel Empathie und Tiefgang werden die Charaktere skizziert. Ein großer Roman, der mit wenig Handlung Großes zu erzählen versteht. In der Kleinigkeit, aber niemals Nichtigkeit, versteckt sich das Eigentliche. Die Übersetzung stammt von Flora Fink.

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Tschabua Amiredschibi: „Data Tutaschchia“

Dieses Heldenepos über einen Freiheitskämpfer zählt in Georgien zu den bekanntesten Werken der Gegenwartsliteratur und wurde mit dieser Ausgabe erstmals ins Deutsche übersetzt. Eine fiktive Räubergeschichte aus dem Kaukasus, die auf Weltgeschehen hinzudeuten vermag.

Tschabua Amiredschibi hat diesen Roman in Haft erdacht und seinen eigenen Freiheits- und Unabhängigkeitswunsch in dieser Literatur verewigt. Er lebte von 1921 bis 2013 und wurde Opfer des stalinistischen Terrors und 1944 verhaftet. 1960 kehrte er aus seiner Verbannung zurück und unterstützte in Folge die Unabhängigkeitserklärung Georgiens. 1992 wurde er ins georgische Parlament gewählt. Sein Roman „Data Tutaschchia“ hat Kultstatus und wurde nun von Kristiana Lichtenfeld übersetzt.

Data Tutaschchia ist ein Name, der bereits legendenhafte Anspielungen verbirgt, wie sich einer der zahlreichen Anmerkungen im Anhang und der kleinen Vorgeschichte entnehmen lässt. Die persönliche Tragik der Lebensgeschichte des Autors und die brutale Politik sind die Antriebskraft dieses umfangreichen, aber großartigen Romans. Der Erzähler erhält eine Vielzahl von Manuskripten, die ihm der Graf Szegedy, Hauptmann der damaligen Gendarmerie, nach dessen Ableben hinterlassen hat. Diese Schriftstücke sind die Grundlage für die Geschichte des Räubers und Freiheitskämpfers Data Tutaschchia. Somit wird die Geschichte durch verschiedene Textarten, Perspektiven, Anekdoten und Berichte erzählt. Data Tutaschchia wurde gezwungen, als Abrage, als Freiheitskämpfer, in die Berge zu gehen. Er tötete, da jemand seiner Schwester gegenüber einen unehrenhaften Schritt unternommen hatte. Nach der Flucht folgen Vernehmungsprotokolle oder Berichte über den Versuch, den Abragen dingfest zu machen. Es ist das Jahr 1885 als Data Tutaschchia in den Untergrund geht. In Georgien, Teil des Russischen Zarenreiches, toben die Vorboten der Oktoberrevolution. Doch die Politik ist nicht von Interesse für den edlen Räuber, sondern eher die Ungerechtigkeit und die Käuflichkeit der Menschen. Durch seine Taten wird er vom Volk bewundert und verehrt. Er hilft einem Bauern, der sich dann doch als undankbar erweist, aber dadurch den Tatendrang von Data Tutaschchia entfacht. Er ist kein politischer Revolutionär, aber ein freiheitsdenkender Räuber.

Data Tutaschchia schlägt sich in der Landwirtschaft durch und erhält dadurch oft Unterschlupf. Er greift stets ein, wenn den Menschen Ungerechtes passiert. Zum Beispiel in einem Dorf, in dem die Menschen im Bergwerk tätig sind, aber doch hintergangen werden. Stets ist er ein gerechter Rächer. Besonders bei Wucherei, Ausnutzung oder Verlogenheit. Besonders die Bestechlichkeit der Polizei und der Regierungen geraten dabei in den Fokus. Dabei gerät er immer mehr in den Blickwinkel seiner Widersacher.

Die Perspektiven wechseln wie die Ortschaften. Dadurch verdichtet sich die Handlung immer mehr. Die ganzen Akzente der Erzählungen um den Freiheitskämpfer werden dramatischer und politischer. Die Lebensgeschichte des Autors und die revolutionäre Stimmung der damaligen Zeit verbinden sich zu einem phantastischen Roman. Alle Berichte und Passagen sind sehr lebendig erzählt und voller lebensnaher Figuren, die hier und dort das Erzählte auszuschmücken verstehen. Alles ist aber so gekonnt ausgewogen und literarisch fixiert, dass man hier tatsächlich von einem Meisterwerk sprechen darf.

Dies ist kein verklärtes Heldenepos, sondern eine Geschichte, die auf vielen Ebenen auf die Geschichte und auf das Gegenwärtige hindeutet.

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Neues aus der Lyrikschatzkiste I

Lyrik ist Wortspiel, Verknappung und Verdichtung des zu Sagenden und der transportierten Emotionen. Gedankenspiele und Bilder werden durch Laut, Rhythmus und Form zu einem persönlichen Einblick und Erlebnis.

In diesem Beitrag sollen drei Bände in Kurzform erwähnt werden, die gänzlich unterschiedlich sind und doch von der Konzeption Ähnlichkeiten aufweisen. Der Lebensfluss, der körperlich wird, um dann vergeistigt im Text auszuklingen.

Siljarosa Schletterer: „azur ton nähe“

Flüsse und Gewässer sind bereits oft besungen worden und tauchen beständig als Naturphänomen in der Lyrik und Literatur auf. Wasser als Lebenselixier oder als wegreißende Gefahr. Bäche und Ströme als Lebensadern der Welt. Es gibt das ruhige, klare Wasser, aber auch das überschäumende Gewässer, das Lehm und Lebensraum mit sich reißt. Diesem Kaleidoskop des Wassers spürt Siljarosa Schletterer in ihrem Band nach. Sie vertont die jeweils eigene Sprache der Fluss- und Seenlandschaft Mitteleuropas. Dabei wandelt sich das Nature Writing in einen eigenen, wässrigen Klang und wird letztendlich zu einer Nähe, die unsere Menschlichkeit miteinbindet. Siljarosa Schletterer ist Autorin und Kulturvermittlerin. Ihr ist das Verbindende stets wichtig: Musik und Sprache, Wissenschaft und Kunst, Natur und Mensch. Ihre Gegenwartslyrik wird umrahmt durch die Bilder von Franz Wassermann.

Sünne Lewejohann: „als ich noch ein tier war“

In diesem Band pulsiert eine Körperlichkeit, die eine Wehmut und Wut ausstrahlt, die nach einer toxischen Beziehung entstanden ist. Dabei gärt das Tierische im Unterbewussten der erzählenden Stimme, die Schmerz oder Zorn zu Explosion bringt. Sehnsucht nach Liebe und Abgrenzungen klingen gleichwertig nebeneinander. Der Reigen geht von der Erkenntnis Tierisches zu empfinden bis zum Abtöten des inneren Untieres. Somit ist der Weg ein Weg der Heilung nach emotionaler und sexualisierter Gewalt. Machtmissbrauch und Rollenmuster greifen ein in diese Seelenwelten, verursachen Fluchtgedanken und transferieren Trauer in Wut und letztendliche Befreiung. Abgerundet wird das Buch durch Zeichnungen der Autorin. Sünje Lewejohann, geboren in Flensburg, veröffentlichte einen Roman und ihre Lyrik wurde bereits ausgezeichnet.

J. Heinrich Heikamp: „Geradewegs gehen wir“

Das letzte Büchlein in dieser Vorstellung birgt ebenfalls einen Fluss, der eher ein Bach ist. Der Gill ist ein Bach, der sich gerne mal als Fluss tarnt. So sind auch die Gedichte und Aphorismen von Heinrich Heikamp mal verspielt naiv und dann auch wieder mit einer schlummernden Tiefe gesegnet. Es sind Verse die mit dem Lebenssinn spielen. Dabei schimmert auch zuweilen Humor durch das Geschriebene. Durch das Naive erklingt auch dabei leichte Selbstkritik und gibt der Einfachheit etwas Sympathisches. Es ist eine Reise durch das Lyrikverständnis des Autors. J. Heinrich Heikamp, Jahrgang 1964, ist Verleger, Kulturmanager und Schriftsteller.

Alle drei Werke sind Lebenswege, die Persönliches in Klangemotion verwandeln und Naturmetaphorik verwenden. Die ersten sind Gedichte, die sich durch häufigeres Erlesen erst gänzlich zu entfalten verstehen. Dabei sind diese Werke Konzepte, die jeweils als ein Ganzes zu lesen und zu verstehen sind. Denn alle eint eine Achse der persönlichen Entwicklung.

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Dinçer Güçyeter: „Unser Deutschlandmärchen“

Ein Roman mit vielen Stimmen. Ein Märchen, das die Welt bunter macht und nicht schwarzweiß malt. Es ist die Geschichte einer Familie, türkischer Griechen, die uns im Chorgesang ihre Erinnerungen vortragen. Aufgezeichnet von Dinçer Güçyeter, der den Frauen seiner Familie eine Stimme gibt und selbst auf der Suche nach Worten seine Sprache gefunden hat. Es ist ein Roman, denn wenn das Erlebte zur Poesie wird, verweben sich Erinnerung, Wahrheit mit Literatur. Der Roman ist eine lyrische Welt, die die Wahrheit in der eigenen Geschichte sucht.

Dinçer Güçyeter ist ein Sprachkünstler, dem Emotionen wichtiger sind als gekünsteltes Wissen. Wenn man ihn kennt, weiß man, in ihm schlummert Schüchternes und Extrovertiertes. Er lebt und liebt die Kunst, die Lyrik und die Kraft und die Wirkung des Wortes. Entstanden ist ein Roman in seinem ganz eigenen Klangbild, der nichts verschönt: Vergewaltigung, Missverständnisse, Armut und diverse Konflikte. Die Handlung erstreckt sich vom Anfang des letzten Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Erzählt wird in Bildern, Träumen, Gebeten und in Monologen sowie Dialogen. Die Prosa wird dabei zur Poesie.

Dinçer Güçyeter, der für seine Gedichte ausgezeichnet wurde und Verleger ist, hat nun seinen ersten Roman geschrieben. Wie seine Sprache zur Kunst wird, werden auch er und seine Familie zu Kunstfiguren, die lebendig werden und die Geschichte von Gastarbeitern erzählen. Verwurzelt ist die Geschichte in anatolischem Leben. In der Hoffnung dem kalten Boden und der Armut zu entkommen und der Familie etwas zurückgeben zu können, wird Fatma, die Tochter von Hanife, mit einem Mann verheiratet, der sein Glück in Deutschland sucht. In Deutschland, so ist noch der Glaube, könne man den Wohlstand von den Bäumen pflücken. Die Einsicht, dass alle Menschen auf derselben Welt tanzen, wird aber auch in der Ferne entromantisiert. Der Mensch wird eingeordnet und abgestempelt. Das Lied des Buches singt von der Herausforderung als Gastarbeiter und deren Nachkommen, die in Deutschland ein neues Leben beginnen wollen. Das Fremdsein bleibt ein beständiges Gefühl, in der Sprache, den Menschen und den Gewohnheiten. Der Vater hat durch dubiose Geschäfte einen enormen Schuldenberg und seine Kneipe macht nicht genug Gewinne. Fatma arbeitet viel in den Fabriken und Feldern. Auch  Dinçer, ihr Sohn, möchte bereits als Kind seinen Teil dazu beitragen und beginnt auf den Höfen mitzuarbeiten. Später macht er eine Ausbildung als Werkzeugmechaniker, doch seine Liebe gilt den Künsten.

Ein Roman, der vieles verbindet. Kulturen und Menschen. Er öffnet Welten und lädt ein, diese besser verstehen zu lernen. Er verbindet diverse Schreibstile und Stimmen und macht das Erzählte zu etwas sehr eigenem. Ein lyrischer Roman, der ein bodenständiges Märchen erzählt, das uns von Schatten, aber auch von der Buntheit zu berichten weiß.

Dinçer Güçyeter und sein Lektor Wolfgang Schiffer

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Gökhan Göksen: „Charlotte und Fatima“

Ein aufrüttelnder Roman, der seine emotionale Wirkung immer stärker aufzubauen versteht. Was passiert, wenn das alltägliche Leben, besonders das Familienleben zersprengt wird? Am Beispiel zweier Frauen, die sich nicht kennen und lediglich einmal erblicken, geht Gökhan Göksen den Fragen nach, welchen Weg man bereit ist zu gehen, wenn einem die Liebsten genommen werden.

Die Handlung spielt in unterschiedlichen Orten und Zeiten. Von der Gegenwart bis in eine sehr nahe Zukunft blicken wir auf zwei Familien. Eine lebt in London, die andere in Kairo. Dabei schauen wir durch verschiedene Perspektiven auf die Ereignisse. Die Schilderungen sind zum Beispiel Sitzungen bei einer Therapeutin oder der Blick der Frauen auf ihren Familienalltag. Charlotte ist verheiratet und hat zwei Kinder. Der Sohn befindet sich im schwierigen Alter und verbringt viel Freizeit vor dem Computer. Die jüngere Tochter liebt es, Fußball zu spielen. Sie planen endlich wieder einen Urlaub zu machen, gerne soll es nach Ägypten gehen. Die Handlung wird hierbei nicht chronologisch erzählt. Ab und zu blickt Charlotte in Gesprächen auf die damaligen Ereignisse zurück. Die Handlung kreist um zwei schreckliche Anschläge, die die Welt im Großen und Kleinen für zahlreiche Menschen verändert hat.

In Kairo lebt Fatima, die ebenfalls verheiratet ist und Kinder hat. Ihre Geschichte wird nicht ganz so umfangreich erzählt wie die von Charlotte, ist aber nicht minder bewegend. Charlottes Weg ist auch ausschweifender und greift auf viele äußere Entwicklungen ein. Ferner taucht eine Krankenschwester als Charakter auf, die eine Komapatientin betreut. Da die Patientin bisher von niemandem erkannt wurde, wird sie lediglich Ms. Right genannt.

Alle Schilderungen laufen auf schreckliche Handlungen in London sowie in Kairo hinaus. Was ist tatsächlich geschehen? Wie geht es Charlotte, die anscheinend ihre ganze Familie verloren hat. Was passiert in Kairo und was oder wer vernichtet Fatimas Familie? Und wer ist Ms. Right? Dies sind die Fragen, die sich kontinuierlich aufbauen und einen enormen Spannungsbogen aufbauen. Dabei geht es immer um die Frage, wie entscheidet man sich? Ist man bereit, bis zum Äußersten zu gehen? Entscheidet man sich für den Hass oder kann man lernen zu verzeihen und zu vergeben?

Der Text schwankt zwischen Leben und Tod, Körperlichkeit und Entmenschlichung. Er spielt mit der bleibenden Ohnmacht bei großen Verlusten. Die Perspektiven wechseln und bewerten nicht, dies geschieht im Kopf des Lesenden. Wenn dies überhaupt möglich ist. Dann taucht eine weitere Stimme im Kanon auf, die Einfluss nehmen möchte. Wie eine Figur aus dem Brechtschen-Theater, spricht sie uns direkt an und verkündet Diabolisches. Es wirkt als würde der Beelzebub oder der innere Teufel zu uns sprechen wollen.

Ein ergreifender Roman, der auch zulässt, dass ein Charakter im Roman neugierig auf das vorherige Werk des Autors ist und dies auch jetzt beim Leser erweckt. Ein Buch, das zu fesseln versteht und durch die Emotion und die klug aufgebaute Handlung viel zum Nachdenken und Nachwirken hinterlässt.  

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Ulrike Dotzer: „Goldener Boden“

Ein bildreicher Roman über Flucht, Vertreibung und den Versuch anzukommen. Ein Familienepos, das durch den Schilderungsreichtum zu begeistern versteht. Mit ganz genauer Beobachtungsgabe und einem Gespür für Zeiten und Figuren entwirft Ulrike Dotzer einen umfangreichen, aber niemals überfüllten Roman. Die Autorin, die als Journalistin tätig ist, hat Geschichte und Philosophie studiert und ist für das Programm von ARTE, dem europäischen Kultursender, verantwortlich. Somit versteht es die Autorin, journalistischen Spürsinn und kulturelle und gesellschaftliche Entwicklungen in Literatur zu verwandeln. Im Mittelpunkt stehen im Roman der Neuanfang und die dafür benötigten Kräfte.

Eine Familiengeschichte, in der die Hauptcharaktere das Schöne kreieren und für sich bewahren möchten. Drei Generationen, die von Auswanderung, Rückkehr und Neubeginn geprägt werden. Der goldene Boden, das Vermögen, das jenes Fundament für den Aufbau darstellt, ist der Fleiß und das Glück von Gustav Hirsch.

Der Roman spannt einen großen Bogen von 1896 in New York bis 1956 in Kiel. Die Abschnitte im Roman beginnen jeweils 1956 um das Osterfest. Die ganze Familie kommt in Kiel zusammen, um sich zu sehen. Dabei stehen im Mittelpunkt der alte Gustav Hirsch und Clara, Gustavs Tochter. Gustav ist damals mit neunzehn Jahren nach Amerika aufgebrochen, um den Rekrutierungsbehörden des Kaisers zu entkommen. Er ist voller Hoffnung in Amerika, besonders in New York, Arbeit zu finden. Sein Freund ergattert sich einen Tagesjob am Hafen, der sich in Folge als keine so gute Wahl herausstellt. Gustav hat nach ersten Startproblemen dann doch Glück und findet eine Anstellung bei einem Herrenausstatter. Er macht dort Botengänge und Lagerarbeiten. Bei seiner Zimmersuche wird er bei einer Familie fündig, die einen Barbier-Salon betreibt. Ab sofort hat Gustav somit zwei Arbeitsstellen und lernt fortan das Friseurhandwerk. Dies ist der Grundstein für den folgenden Handlungsverlauf. Später, als Gustav Amerika wieder verlassen muss, zieht er nach Stolp in Pommern. Ein halbes Jahrhundert später flieht von dort seine Tochter Clara mit ihren vier Kindern nach Westen. Mit harter Arbeit baut sich die Familie stets neue Existenzen auf. Zunächst in Bad Bibra, dann später in Kiel. Für sie hat das Handwerk einen goldenen Boden und ihre Einstellung, niemals aufzugeben oder sich unterkriegen zu lassen, verfestigt sich immer mehr. Doch gibt es auch einen dunklen Schatten, den ein Schweigen ummantelt. Die SS-Vergangenheit von Claras Mann. 

In diesem Roman leben drei Generationen vom Beruf des Friseurs und sie haben den Wunsch, die Menschen schöner zu machen. Dabei durchwandert die Familie Weltgeschichte. Das Historische wird durch die Schilderungen sehr lebendig. Das Kaiserreich, die Auswanderung, der Nationalsozialismus, der Krieg und die Nachkriegszeit. Dabei bleibt es immer der amerikanische Traum, der die Familie bewegt, sich immer wieder emporzuarbeiten. Mit einer Fülle an Details und Wissen wird dieser Roman zu einem Erlebnis und die Dichte der Handlungen und der Charakterisierungen lassen alles und jeden sehr plastisch erscheinen. Ein historischer Roman, der uns in die Spiegel von Friseuren blicken lässt und uns selbst erkennen lehrt.

Dieser Roman ist ein wort – und handlungsstarkes Debüt von Ulrike Dotzer.

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Gerrit Hansen: „Die kleinen unbedeutenden Fälle von Hauptkommissar Knut Hansen aus Kiel“

Es ist mir eine große Freude, denn es gibt sie, die Bücher, die durch den Leseschatz erst möglich werden. Gerrit Hansen gab mir vor langer Zeit sein Manuskript und der Hauptkommissar Knut Hansen hatte es mir sofort angetan. Durch meine Aktivitäten in der Buchwelt, konnte ich Gerrit dabei unterstützen einen Verlag zu finden. Leider blieb es längere Zeit bei einem selbstvertriebenen E-Book. Doch hatte ich das Buch stets im Hinterkopf und habe es erneut als Leseschatz den Verlagen angeboten. Nun hat es geklappt und ab sofort darf das Buch als gedrucktes Werk die lesende Welt erobern.

Hierbei handelt es sich um Kurzgeschichten, die einfach Spaß machen. Nordische Klischees treffen auf eine Art Nick Knatterton, der sich als ein sympathischer Seebär entpuppt. Die Mini-Krimis sind voller Witz und Alltagskomik.

Die Geschichten sind in einer anspruchsvollen und schönen Sprache geschrieben und geben dem Unbedeutenden und Nebensächlichen ihre Bedeutung zurück.

Die Fälle, sofern man von einem Kriminalfall überhaupt sprechen kann, handeln meist nicht von üblen Bösewichten. Es sind keine blutigen Erzählungen, sondern eher augenzwinkernde Bagaluten-Geschichten. Knut Hansen ist schon dem Namen nach ein nordisches Unikat und hat sein ehemaliges Inseldasein in die Großstadt Kiel transportiert. Die Kurzgeschichten sind bestückt mit viel Liebe zum Detail. Es gibt viel zum Lachen, aber auch zum klugen Schmunzeln. Bis zur Auflösung rät man stets gerne mit und vor dem erwarteten Lichtblick hatte man wohlige Leseminuten mit einer riesigen Portion Spaß.

Eine ungemein süchtig machende Lektüre…

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Miguel de Unamuno: „Nebel“

Eine Wiederbelebung eines Klassikers, der großartige Lesestunden verspricht. Die Handlung spielt nebulös mit dem Urgedanken der Schöpfungskraft und erzählt nebenbei eine Liebesgeschichte. Ein unglaublich verspielter Text, der irrwitzig und philosophisch zugleich ist. Das Werk ist eine Berauschung und spielt kunstvoll mit dem bekannten Literaturverständnis. Die vorliegende Lebensgeschichte ist bravourös erzählt. Die Kunst, die Vernebelung des Lebens aufklaren zu lassen, hat diverse Mitstreiter animiert. Jonathan Carroll hat sich für „Das Land des Lachens“ wohl durch die Auflehnung der Figuren gegenüber dem Verfasser, gleich wie zum Beispiel Flann O’Brien “ In Schwimmen-zwei-Vögel“ inspirieren lassen. Der Spanier Miguel de Unamuno (1864-1936) schrieb „Niebla“ 1914 und legte 1935 eine revidierte Fassung vor. Nun erscheint „Nebel“ erneut  in der Übersetzung von Otto Buek, Roberto de Hollanda und Stefan Weidle. Zwei Vorworte, ein Nach-Vorwort und dann noch ein Nachwort von Wilhelm Muster ummanteln den Text und vertiefen die unbeschreibliche Lesefreude.

Das Figurenspiel beginnt eines Tages vor der Haustür von Augusto Pérez. Ein wohlhabender, alleinstehender Mann, der sich nun fragt, in welche Richtung er spazieren möchte. Seine vornehme Haltung verharrt mit dem Blick gen Himmel. Wenn es regnen sollte, gelten seine Gedanken dem mitgeführten Schirm. Ein Objekt, das aus seiner ungenutzten Schönheit entrollt werden müsste, ist ihm ein Graul. So hadert er im Leben beständig. Sein Weg ist nicht durchdacht, sondern den Launen entsprungen. Auch die Entscheidung, ob er sich jetzt nach links oder rechts wenden soll, wird ihm von einer anmutigen Frau, die vorbeischreitet, abgenommen. Der innere Monolog des Müßiggängers wird ganz von der weiblichen Erscheinung eingenommen. Er folgt ihr und meint, sich in Folge verliebt zu haben. Die angebetete Frau ist Eugenia, eine Klavierlehrerin, die die Musik verachtet. Sie ist ihrerseits in den arbeitsfaulen Neffen der Portiersfrau verliebt. Durch die Begegnung mit Eugenia hat Augusto Pérez einen Mephisto-Trank getrunken, er ihm nun die Schönheit der Frauen vor Augen führt und er die Liebe überall zu finden vermag. Doch gilt sein Verliebtsein besonders jener unerreichbaren Eugenia. Seine Liebes- und Lebensverwirrung bespricht er mit allen in seinem Wirkungskreis, auch mit der ihm zugewandten Wäscherin Rosario. Da seine Hochzeitspläne scheitern, wendet sich Augusto Pérez nach diversen Anläufen und Verwicklungen verzweifelt an Miguel de Unamuno, seinen Autor.

Die Selbständigkeit des Lebens scheint ein Spiel zu sein. Am Ende bleibt lediglich die einseitige Kommunikation mit Orpheus dem Hund von Augusto Pérez. Was ist Liebe? Was ist der Sinn des Lebens und woher stammt die Schöpfungskraft? In den Monologen, dem Zwiegespräch zwischen Schöpfer und Schöpfung,  geht es um fast alles. Der Nebel soll gelichtet werden.

„Das gehört alles zusammen, mein Herr, das ist alles eins: Anarchismus, Esperanto, Spiritismus, Vegetarismus, Phonetik … Das ist alles ein und dieselbe Sache. Krieg der Autorität! Krieg den vielen Sprachen! Krieg der gemeinen Materie und dem Tod! Krieg dem Fleisch! Krieg den h´s! – Und nun: Leben Sie wohl.“

Ein Weltklassiker gespickt mit wunderbaren Figuren. Müßiggänger und unter anderem mystische Anarchisten bespielen diese Lebensbühne. Eine phantastische Tragikomödie, die den melancholischen Witz perfektioniert und dabei pure Lesefreude versprüht. Das Buch, diese Wiederbelebung und Entdeckung, ist ein Ereignis.

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Frank Rudkoffsky: „Mittnachtstraße“

Ein Roman, der das Kleine ganz groß werden lässt und dabei literarisch unsere Gesellschaft seziert. Frank Rudkoffsky hat nach „Fake“ erneut einen klugen und pointierten Roman geschrieben, der unsere gegenwärtige Welt widerspiegelt. Voller zerbrechlicher Egos, die sich wegen der empfundenen Nichtigkeit größer machen wollen. Somit ist es ein Werk über Machtstrukturen, Befindlichkeiten und Konflikte. Die „Mittnachtstraße“ gibt es in Stuttgart, ist aber eine wegweisende Metapher. Die beschriebene Haltestelle und der Verweis auf die Kleingartenanlage schaffen den Raum für den sozialen Handlungsort. Sehr vielen Themen spürt Frank Rudkoffsky in seinem Roman nach. Dabei überlädt er den Inhalt niemals. Es wirkt nicht gekünstelt, weil es Themen sind, die uns tagtäglich begegnen können. Ferner sind die Charaktere authentisch entworfen und entfalten sich im Verlauf ungemein. Die Generationsfrage steht dabei im Mittelpunkt. Jede Generation deklariert für sich, es besser zu wissen und zu können als die vorherige. Wäre dem so, hätte die Menschheit wohl bereits größere Fortschritte machen können. Können wir überhaupt in der Gegenwart noch gut handeln? Malte, der Protagonist zählte sich zumindest immer zu den Guten bis ihm alles aus den Händen entgleitet und alles aus den Fugen gerät.

Die Probleme, die ihn beschäftigen sind vielfältig. Seine Tätigkeit als Journalist hat ihn ausgebrannt und die Arbeit erfüllt ihn nicht mehr. Seine Ehe kriselt und er und seine Frau reagieren oft überreizt. Seine Frau, die gerade eine eigene Apotheke gegründet hat, arbeitet mehr als vorher. Die Kinder fordern somit auf ihre Weise die Aufmerksamkeit der Eltern. Die kleine Tochter hat ihre besonderen Bedürfnisse und entwickelt die familientypischen Wutausbrüche. Der pubertierende Sohn sieht in Malte einen Heuchler und Versager. Maltes Vater, der zu cholerischen Wutausbrüchen neigt, war nie eine gute Bezugsperson und taucht nach einer langen Zeit plötzlich wieder auf. Um sich der ganzen Verantwortung und den Belastungen, besonders denen durch das Auftauchen des kranken Vaters, zu entziehen, geht Malte in ein selbstauferlegtes Exil. Gerade an den Ort, den er stark verachtet und mit negativen Erinnerungen belegt. Der jetzt verwahrloste Kleingarten seines Vaters. In dem dortigen Häuschen ist der Vater, dessen Umfeld und sein Geruch allgegenwärtig. Doch Maltes größtes Problem ist er selbst. Beständig steht er sich selbst im Weg und will sich seine Depression nicht eingestehen. Innerhalb der Familie gärt nun das Gift, das von Generation zu Generation weiterverabreicht wird. Der Kosmos einer Kleingartenanlage ist ein wuchernder Schauplatz, in dem unsere Gesellschaft verwurzelt ist.

Ein Roman der ganz genau hinsieht und das, was uns umtreibt, kunstvoll beschreibt. Sehr einfühlsam und wirklichkeitsnah erleben wir die Widersprüche, die Verzweiflungen und Krisen unserer Zeit. Generations- und geschlechtsunabhängig sind wir nah miteinander verbunden. Ein beeindruckender neuer Roman von Frank Rudkoffsky, der mehr Nähe und Emotionen zulässt als sein vorheriges Werk „Fake“.

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Melanie Raabe: „Die Kunst des Verschwindens“

Ein magischer Raabe. Melanie Raabe, die bisher durch ihre Thriller aufgefallen ist, hat nun einen Roman geschrieben, der die Magie des Moments in den Mittelpunkt stellt. Momente oder Begegnungen, die augenscheinlich zufällig sind, aber das Leben nachhaltig prägen und verändern können. Dies kann während eines Theaterstücks passieren, wenn man gebannt dem Verlauf auf der Bühne folgt und das vorgespielte Werk im Moment mehr Lebensinhalt hat als das tatsächliche und reale Umfeld. Solche Momente sind es, die uns allen Gänsehaut bereiten können und etwas im Herzen oder im Geiste in Bewegung setzen. Dies kann aber auch eine kurze Begegnung zweier Fremder sein, die plötzlich etwas im anderen zu erkennen scheinen. Auch lässt Melanie Raabe in diesem Roman Raum für viel Mystik, Magie und den alltäglichen Zauber. Tritt Magie in unser Leben oder erscheint diese lediglich, weil wir diese herbeisehnen und wir das Erlebte als ein Mysterium deuten wollen?

Silvester als zeitlicher Raum, der einen Wechsel darstellt und gleichzeitig durch den Moment des Dazwischen eine Atempause ermöglicht. Ein Augenblick außerhalb einer erdachten Zeit, die manch anderes zutage treten lassen kann. Zwei Frauen erleben an einem Silvesterabend einen kunstvollen Wechsel, der ihrer beider Leben verändern wird. Silvester als Wendepunkt.

Ellen Kirsch ist eine erfolgreiche Schauspielerin und ein Hollywoodstar. Eine Serie wird gerade groß beworben, in der sie die Hauptrolle spielt. So mimt sie zum letzten Mal in New York den Puck im Sommernachtstraum, um dann nach Berlin zu reisen. Die Bühnenkunst prägt ihr Leben und sie geht gänzlich in der Verwandlung auf der Bühne auf. In Berlin soll die Serie beworben werden und eine Premierenfeier ist geplant. Doch wird ihre Ankunft durch einen Schatten verfärbt, denn ein väterlicher Freund ist verstorben und weil sie sich gegen übergriffige Männer gewehrt hatte, verfolgt sie eine Internethetze. Eine angemietete Penthouse-Wohnung steht ihr während des Berlinaufenthaltes zur Verfügung. Das Gebäude steht genau gegenüber der Wohnung von der Fotografin Nico. Nico, die auch in jungen Jahren vom Schauspielerleben träumte, ist nun eine Fotokünstlerin. Nico schwebt gerade selbst etwas im Leben, im Beruflichen sowie im Privaten. Beide begegnen sich zufällig auf der Straße im winterlichen Berlin und empfinden eine unheimliche Nähe. Diese bestätigt sich bei weiteren ungeplanten Begegnungen. Zu Silvester hat Ellen Gäste eingeladen und lädt spontan Nico dazu ein. Diese, fast schon magische Nacht, die auch eine Reise in die Kunst der Museumsinsel und ihren Geistern bedeutet, offenbart die Seelenverwandtschaft. Was sieht Ellen in Nico?

Ellen hat ein Gespür für Veränderungen und bei der Anreise nach Berlin hatte sie bereits ein ungutes Gefühl. Dies bestätigt sich bei einem Besuch eines „Lost Place“ und seitdem ist Ellen verschwunden. So schnell sie in Nicos Leben gesprungen ist, ist sie auch wieder weg. Auch zur Premierenfeier taucht sie nicht auf. Nico macht sich ihre Gedanken und sorgt sich. Nicos Vater hat eine neue Beziehung und plant einen Umzug nach München. Daher möchte Nico unbedingt erneut in die Kisten ihrer Mutter schauen, bevor diese verschwinden. Sie begreift,warum sie sich nicht lösen kann. Sie macht sich auf die Suche nach Ellen, nach ihrer eigenen und der Geschichte ihrer Mutter.

Ein Roman, der eine sofortige Bindung an die Figuren ermöglicht. Mit wenigen Kunstgriffen gelingt es Melanie Raabe, Bilder und Figuren aufzubauen und wachsen zu lassen. Sie schafft magische Momente, die auch mal durch tierische Begegnungen angedeutet werden oder durch das jeweilige Setting. Dies sind inwendige Szenen in städtischen Kulissen oder in der freien Natur. Ein Buch, das uns wieder an den Zauber des Lebens glauben lässt. Mit Spannung, Charme und mit viel Liebe zu den agierenden Frauenfiguren ist der Roman geschrieben, der zwischen beiden Perspektiven wechselt und am Ende nur eine weitere zulässt. Der Wechsel von der Thriller-Literatur ist Melanie Raabe gekonnt gelungen und es scheint, „Die Kunst des Verschwindens“ ist ihr bisher größtes Herzensprojekt.

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