
Diese Kurzgeschichten sind verrückt, tiefgründig und humorvoll. Es sind Geschichten über irgendwie alles und nichts. Ganz einfach und doch ganz schwer. Das Umfangreiche lauert lakonisch in der Kürze. Die knappen Beobachtungen öffnen dabei ganze Horizonte, die unsere Wahrnehmungen verändern können. Es sind Wortspielereien, die zuweilen treffsicher einen ganzen Kosmos verrücken. Es sind Texte, in denen wir uns festleben können.
Der Hamburger Verleger und Autor Lou A. Probsthayn ist stets für einen literarischen Quickie zu haben. Sein Verlag verlegt jene Quickies von bekannten und unbekannten Größen. Er selbst begründete Lesereihen und gründete seinen Verlag „Literatur Quickie“, der ausschließlich Kurzgeschichten publiziert. Gegenwärtig und nebenbei schreibt er selbst und beglückt uns mit seinem zarten, zynischen und lakonischen Sprachsound, der uns über Krankheiten, Körper, Vergänglichkeit, Angst und Freundschaft erzählt. Sein literarischer Zugang ist stets ernst und schonungslos und mit einem Humor versehen, der das Alltägliche oder das Drama in eine Schräglage versetzt, die uns über uns schmunzeln lässt. Alles regt an, sich weitere Gedanken zu machen. Manchmal steht am Ende eines Textes eine Ratlosigkeit im Raum, die aber eine weitere Beschäftigung verursacht. Manches ist auch herrlich verrückt. Anderes wiederum liebevoll und aus dem wahren Leben geschöpft. Nichts ist hier vorhersehbar oder selbstverständlich.
Der Reigen wird mit Ansgar eröffnet, der mit dem Hund spazieren geht. Ansgar ist tüddelig und alles muß ihm gesagt werden und der Weg anhand von Klebezetteln angezeigt werden. Doch sein ewiges „Stimmt“ hilft ihm nicht und letztendlich verliert sich einer auf dem Weg. Es geht dann weiter mit Panikattacken, Pizza bestellen oder geschnittenem Brot. Ein leeres Paket, das vom Absender an sich gesendet wurde. Alles ist normal, wenn es nicht durch die Kommunikationsschwäche der Charaktere oder die Probleme eine ganz andere Perspektive erhält. Die Verletzlichkeit des Menschen wird durch das Körperliche oder den Krieg gesteigert und doch versteht es Lou Probsthayn stets Linderungen anzubieten.
Die Erzählungen sind immer unterhaltsam, unangestrengt und herzlich. Das stille Drama im Leben findet Erleichterung durch Literatur und diese Texte lassen uns etwas mehr vom Leben verstehen und wir fühlen uns oft verstanden, auch wenn einiges unverstanden ist, das erst in uns rumoren, reifen oder wachsen darf. Die Neugier auf Menschen, auf das Unbekannte des nachbarigen Nachbarn treibt uns um. Letztendlich haben wir die Texte ausgetrunken und die leeren Flaschen sammeln sich in unserem verdrängten Umfeld. Durch diesen Blick auf Andere und Anderes minimieren wir unsere Belanglosigkeit, die Abstumpfung und die Empathie wächst.
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