
Gute Kriminalromane leben neben der Figurenzeichnung vom Setting. Von der Landschaft, der Umgebung, den Städten und besonders von den Gebäuden. Alles sollte mit Leben erfüllt sein, damit wir uns beim Lesen binden, finden und verlieren können. Wenn die Natur und die Häuser ein Eigenleben entwickeln, bekommt die Handlung etwas Unerwartetes und Unheimliches.
Das Setting steigert, gut eingesetzt, die gespannte Erwartung. Dies wusste und perfektionierte im Film der Altmeister Alfred Hitchcock und in der Literatur Arthur Conan Doyle und natürlich Agatha Christie. Besonders Letzte blitzt in literarischer Ehrverneigung im Roman „Ein schönes Kind“ von Monika Geier auf. Der Krimi als literarisches Werk verzerrt die Wirklichkeiten, um diese unterhaltend wahrhaftig spürbar zu machen. Dabei wird das Alltägliche in der Sprache und durch die Handlung zu einer Abbildung, die unsere Sicht zu verschieben vermag. Der Alltag wird genussvoll aus den Fugen gerissen und das Einfache verbirgt die kunstvolle Suche nach Wahrheiten. Der Krimi baut sich aus vielen Sedimenten zusammen, die aufeinander aufbauen und sich vermengen. Erst durch das Erspüren und Ausgraben verdeutlichen sich die Zusammenhänge. Dies passiert ganz subtil im Roman von Monika Geier. Ein Spiel aus Wahrnehmungen. Ein Verwirrspiel, das den Grusel, den Humor und die Spannung mit einbindet.
Marlie hat eigentlich einen Traumjob erhalten. Sie ist eine Architektin, die als Szenebildnerin für einen Fernsehsender eingestellt wird. Eine neue Serie soll produziert werden und der Kameramann und der Autor haben jeweils bestimmte Vorstellungen vom Setting. Marlie, die weiß, was sie kann, wird doch durch ihre Selbstzweifel gebremst. Denn der Kameramann versucht, sie zu manipulieren, da er durch nahe Verwandtschaft meint eine Location gefunden zu haben. Doch ist diese zu schattig, zu düster und überhaupt nicht geeignet. Denn die Vorgabe laut Skript ist eindeutig. Ein Gebäude wird gesucht, in der Serie „Villa Rosa“ genannt, das heiter, ansprechend, freundlich und gemütlich sein soll. Am besten mit einem Brunnen. Marlie gerät mit dem Kameramann aneinander und bricht alleine auf, um eine geeignete Villa in der Nähe zu finden. Sie durchstreift die Pfalz auf der Suche nach der besten Location und wird sehr schnell fündig. Ihre Bilder begeistern auch die Produzenten. Der perfekte Drehort. Doch alte Häuser haben ihre Geschichten. Es sind tiefe verborgene und manchmal auch tödliche Geheimnisse.
Dieser Krimi bietet erstklassige Unterhaltung und hat genügend Suspense, um immer wieder zu überraschen. Schräge und sympathische Figuren bevölkern das ganze Setting. Mit Spannung und Situationskomik wird ein cineastisches Bild aus Licht und Schattenspielen eingefangen. Ein wirklich schöner Krimispaß.
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