Franziska Hauser: „Am Ende der Kleinigkeiten“

Ein Roman über den Weg zur eigenen Rolle im Leben und unseren Beziehungen. Dabei steht die Bindung zwischen Mutter und Kind im Mittelpunkt. Dieser Text lebt von einer Hauptfigur, die uns schnell ans Herz wächst und durch ihre Erfahrungen uns mit ihrer Geschichte mitreißt. Inhaltlich erinnert das Werk an „Skabelon“ von Malin C. M. Rønning und „Die Überflüssigkeit der Dinge“ von Janna Steenfatt. Emotional wird hier mit Humor und Melancholie die Geschichte von Beziehungen erzählt. Von Müttern und Kindern, von Theaterfiguren und dem echten Leben.

Irma wächst in einer Kommune auf einem Hof auf. Diese Lebensgemeinschaft besteht seit ihrer Geburt und als Kind wird sie irgendwie von allen gut oder weniger gut versorgt, nur nicht von der Mutter. Auch, wer der Vater ist, wird ihr nicht gesagt, alles was mit Irma zu tun hat, stört die Mutter. In wenigen lichtvollen Momenten, kann sie dem Kind doch Liebe geben, aber stets wechselt diese in verbale Gemeinheiten um. Irma lernt schnell, in dieser toxischen Umwelt zu überleben und ihre Mutter zu lesen. Sie weiß, wie sie zu sprechen hat, wie sie sich anzuziehen oder zu bewegen hat, damit die Mutter nicht mehr als nötig sie beleidigt oder anschreit. Auch vom schulischen Alltag möchte die Mutter nichts wissen und verlangt, dass das Kind die Unterschriften oder Materialen selbst erledigt oder besorgt. Es ist alles aus Irmas Perspektive erzählt, die mit Kinderaugen auf die Welt der Erwachsenen blickt und dadurch nicht immer alles genau versteht. Irma meint, die Mutter wird wohl ihre Gründe haben, so zu sein, wie sie ist und sucht oft die Fehler oder die Schuld bei sich. Doch überlebt sie diese furchtbare Zeit auf dem Hof, auf dem allen alles gehört, alles geteilt wird und sich keiner wirklich um Wichtiges zu kümmern vermag. Auch Weihnachten wird jedes Jahr versetzt gefeiert, da die Geschenke oder der Baum durch den Abbau der Weihnachtsmärkte organisiert werden. Irma muss schon früh immer mitarbeiten, den Abort leeren oder bei der Feldarbeit oder im Hofladen mitwirken. Als die verbale Gewalt der Mutter sich zuspitzt und Irma als Teenager das Gefühl erhält, die Mutter wolle sie aus ihrem Leben verbannen, flieht sie in die Stadt und findet sich vor dem Theater wieder. Hier findet sie Unterschlupf und darf in Absprache mit den Ämtern und der sorgenden Tante, die aber selbst gerade in einer Lebenskrise steckt und in ihrer Buchhandlung übernachtet, dort im Umfeld der Theatermenschen bleiben. Da sind Helena, die Irma bei sich aufnimmt und Blanda, die Star-Schauspielerin des Ensembles, die Irma umsorgen. Neben der Schule taucht sie ein in die Theaterwelt und schlüpft schon in kleinere Rollen und nimmt an Kursen teil. Doch merkt sie, dass sie immer spielt und gar nicht sich selbst dabei findet. Bei einer Rolle, die sie spielen darf, bekommt sie viel positiven Zuspruch, dabei hat sie diese Figur so gespielt, wie ihre Mutter ist. Sie lernt einen Agenten und den Regisseur Taron Capla kennen. Durch beide erhält sie eine Chance und nähert sich dem Regisseur auch näher an. Dabei wird sie durch ihre Vergangenheit eingeholt, denn sie erlebt die großen Dramen vor und hinter der Bühne, als Schauspielerin, Tochter, Geliebte und als Mutter. Sie muss lernen, ihre Persönlichkeit nicht nur zu spielen und sich aus den unglücklichen Abhängigkeiten des Lebens zu befreien.

Es geht um unschöne Erlebnisse, um die Liebe und um die Selbstliebe. Durch Demütigungen innerhalb der Mutterschaft und den folgenden Beziehungen wächst die Hauptfigur von einem zerbrechlichen Mädchen zu einer Frau und Mutter. Es sind keine Erfahrungen aus einer heilen Welt, die uns eine Protagonisten präsentieren, die wir nicht missen möchten und deren Geschichte uns sehr zu Herzen geht. 

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Torsten Harmsen: „Broiler, Wimpel, Westpaket“

Unsere Erinnerungen sind durch äußere Einflüsse geprägt oder werden durch diese geweckt. Meist sind es Dinge oder ein bestimmter Geruch oder Geschmack. Diese Erinnerungen sind mit unserem Umfeld wandelbar und oft mit der Kindheit und Jugend in Verbindung zu bringen. Denn wir wachsen mit diesen Dingen, doch mit der Fülle verringern sich die Wahrnehmungen zum Einzelnen. Die Dinge verändern sich und unser Bezug zu diesen ebenfalls. Doch das damalige Gefühl bleibt meistens. Torsten Harmsen geht nun einigen dieser Dinge nach und nimmt uns mit.  Der Autor wurde 1961 im Osten Deutschlands geboren und vollzieht somit eine individuelle Wiedervereinigung. Es gibt hier fast keine Trennung. Denn wir vermissen, erinnern oft dasselbe. Sei es der Kassettenrekorder, die Schreibmaschine, das Radio und das familiäre Essen bei und mit den Eltern. Auch die damaligen Eissorten vom Kiosk vermissen wir sehr. Welche Dinge haben uns beeinflusst, die es heute oft nur noch belächelt gibt?

Ein Buch, das uns mitnimmt in eine Reise in die Vergangenheit des Autors, dann aber unsere eigene Stimme, Stimmung und Gedanken einbezieht. Wir schwelgen, lachen und bedauern. Alles gleichzeitig und haben dabei viel Freude. Ohne dabei sentimental oder verklärt zu werden. Eine Reise, die eine Wertigkeit entfacht, die wir ab und zu verloren zu haben scheinen. Doch zeigt sich auch, dass wir Altes erneut und wieder zu schätzen wissen, wie zum Beispiel die Schallplatte. Auch das Buch, das niemals aussterben wird, solange wir uns der Bedeutung bewusst sind und bleiben!

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Nadine Schneider: „Das gute Leben“

Viele Bücher darf ich bereits vorab lesen, da die Verlage mich für deren Werbung und Verlagsvorschauen um einen Kurztext gebeten haben.  Zum Beispiel für den Roman „Das gute Leben“ von Nadine Schneider. Die Autorin lebt in Nürnberg und stammt aus einer rumäniendeutschen Familie. Sie studierte Musikwissenschaft und Germanistik. Ihr erster Roman „Drei Kilometer“ wurde mehrfach ausgezeichnet. 2021 las sie beim Ingeborg-Bachmann-Preis und ihr Roman „Wohin ich immer gehe“ erschien.

In „Das gute Leben“  geht es um Orte, die man bemüht war zu verlassen und um die Rückkehr. Es ist eine große Mütter-Töchter-Geschichte über vier Generationen, ein Buch von Abschied, Neuanfang und der Arbeit des Lebens. Der Roman entfaltet das Leben der Erzählerin, ihrer Mutter, Großmutter und Urgroßmutter zwischen kommunistischem Rumänien und dem Wirtschaftswunder-Deutschland.

Dies ist mein Text, den der Verlag von mir verwendete:

„Dieser Roman ist einfach wunderbar. Es ist komponierte und komprimierte Literatur, die an die Werke von Zsuzsa Bánk und Iris Wolff erinnert. Sehr atmosphärisch baut sich eine Welt auf, die voller Geschichte und Sprachklang ist. Poetisch wird hier eine Tiefe  eröffnet, die das Leben in allen Facetten beleuchtet. Das Leben, das wir uns wünschen und jenes, das wir durch das Umfeld geprägt zu leben lernen. Durch die Lektüre wird die Definition eines schönen Lebens sehr individuell beleuchtet. Die Landschaftsbeschreibungen passen sich den Charakterisierungen an und spiegeln die Ereignisse, die das Leben prägen. Kurz und gut, ein Leseschatz!“

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Sasurai no Kanabun: „An jenem Tag in Hiroshima“

Dieses Buch basiert auf Erfahrungsberichten. Ursprünglich hatte die Autorin angefangen Mangas zu schreiben, weil ihre Großmutter sie bat, alles, was diese erlebt hatte, in Bildern zu erzählen. Je weiter die Autorin sich mit dem Thema beschäftigte, desto mehr sah sie die Lücken, die es in den historischen Aufzeichnungen über den Atombombenabwurf gibt. Mit ihrer Manga-Kunst möchte sie diese schließen. Es geht um das Weiterleben und die Vision von Frieden, die mit dem Wunsch einhergeht, dass so etwas nie wieder passiert.

Sasurai no Kanabun lebt als Radiologietechnikerin in Hiroshima. Sie schreibt und zeichnet Mangas, die sich mit den Überlebenden des Atombombenangriffs beschäftigen. Ihr erstes Buch handelte von den Erfahrungen ihrer Großmutter und „An jenem Tag in Hiroshima“ beinhaltet ihren zweiten und dritten Manga. Es sind die Erzählungen „Ein Mädchen in Hiroshima“ und „Ein Arzt und die Folgen der Bombe“. Die Bilder sind teilweise fast schon einfach gehalten und die menschlichen Konturen vermischen sich, lösen sich ab und zu auf und können auch gesichtslos sein. Dies ist alles ein Kunstgriff, der unsere Gedanken anregt und die Emotionen verstärkt. Denn es ist kein einfaches Werk. Es macht betroffen, wütend und unglaublich traurig. Die Übersetzung aus dem Japanischen stammt von Anna Sanner. Anna Sanner ist schon mehrfach im Leseschatz durch ihre eigenen Werke positiv aufgefallen. Ihr Verständnis für Sprache, Kultur und Geschichte machen das Buch für deutschsprachige Leser sehr zugänglich. Ihre Übersetzung hat sie durch Marginalien ergänzt, die weiteres unter den Bildern erklären.

Inhaltlich sind es ein Mädchen und ein Arzt, die ihre Geschichten erzählen. Im Mittelpunkt steht jener Tag, der 6. August 1945 um 8:15 Uhr. Doch der Bombenabwurf wird nicht bildreich ausgeschöpft, sondern es geht um den Aufbau der Charaktere im Vorfeld und deren Schicksal und Erlebnisse danach. Beide Geschichten stehen dabei für sich und es ist der Arzt, der als Student zum Militär gerufen wird und durch seine medizinische Ausbildung Militärarzt wird. Als die Bombe explodierte, sieht er seine Aufgabe unter jener Feuersäule. Was er hier erlebt, wie er hier noch helfen kann oder leider nicht mehr, gruselt und bewegt sehr. Es ist hart, seinen Erlebnissen und Beobachtungen zu folgen. Die Geschichte und die gezeichneten Bilder entstammen tatsächlichen Vorlagen und Berichten und erzeugen dadurch eine enorme Gefühlsregung. Es geht um die Opfer, die Überlebenden, die nach dem Einschlag wie Geister durch die Ruinen wandelten. Die wenigen, die überlebten, waren später auch einer enormen Diskriminierung, die aus Angst erwachsen ist, ausgesetzt. So auch die Schülerin, die in der ersten Geschichte mit ihrer Freundin vom Lande nach Hiroshima in die Mädchenschule kommt. Hier muss sie mit Hunger und den neuen Lebensbedingungen zurechtkommen. Auch wurden diese Mädchen als Schaffnerinnen und sogar als Zugführerin der Straßenbahn ausgebildet, da die Bevölkerung durch den Krieg und den Militärdienst immer weiter dezimiert wurde. Es gibt auch eine kleine, traurige Liebesgeschichte. Das Mädchen erlebt hautnah den Bombeneinschlag und wird schwer verwundet. Danach ist für sie alles anders. Nach der Genesung auf dem Land kehrt sie in die Stadt zurück und kann wieder zur Schule gehen, Bahnfahren und später in einem Restaurant arbeiten. Aber es dauert länger, bis sie sich einlebt und akzeptiert wird. Ihr Wunsch steht für die Aussage des Buches, sie wünscht sich eine Welt, in der es nie wieder Kriege gibt. Nie wieder!

Diese Lektüre ist mehr als lesenswert. Sie macht betroffen, schult die Empathie und füllt diverse Wissenslücken. Das Buch ist als Schullektüre sehr geeignet und für jeden, der Comic-Kunst schätzt sowie sich für die damaligen Ereignisse interessiert, eine Bereicherung. Das Buch geht viel weiter, als ein herkömmliches Manga, denn nach dem Schmerz gibt es die Hoffnung, dass wir alle endlich mehr verstehen lernen. 

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Sophie Sumburane: „Keine besonderen Auffälligkeiten“

Sophie Sumburane hat einen Krimi geschrieben, der auf einen wahren Fall zurückgreift und durch den Schreibstil und die Charakterentwicklungen zu den belletristischen Kriminalromanen zählt. Dieser Roman handelt vorrangig von den Menschen und Opfern, die in diesem Fall übersehen und vergessen wurden. Sie schenkt diesen Menschen Beachtung, um Ihnen das Menschliche zurückzugeben, das ihnen genommen wurde. Letztendlich beschreibt das Buch einen langen Weg in die Freiheit. Sophie Sumburane stieß bei ihren Recherchen auf große Wunden, die diese Ereignisse verursacht haben und hat diese nun zu einem Roman verarbeitet. Dabei streift sie viele Begebenheiten, Entwicklungen und Themen und baut diese subtil oder ganz ersichtlich, je nach passender Möglichkeit, mit ein. Die Handlung erzählt einen spektakulären Fall in den letzten Stunden der DDR, der von den politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen umspielt wurde. Der Roman „Keine besonderen Auffälligkeiten“ erscheint zeitgleich mit der ARD-Dokuserie „Crime Time“, in der die Autorin mitwirkt.

Dieser True-Crime ist mehr ein Roman, denn die Hauptfiguren, Hedi und Gabi, sind fiktiv und Sumburane benennt vieles, verändert aber auch Namen um den tatsächlichen Vorbildern ihre Freiheit zu lassen. Der Täter bleibt namenlos, denn es geht um seine Opfer, die somit in den Fokus geraten und die menschliche Würde zurückerhalten. Der Roman fängt die damalige Stimmung gekonnt auf und lässt die durch den Fall und die Wendezeit verunsicherte Gesellschaft sehr lebendig werden. Aus unterschiedlichen Perspektiven baut sich die ganze Handlung zusammen und benutzt auch damalige Quellen als Fundament der Geschichte.

In dem brandenburgischen Dorf Deetz geht Hedi schwimmen. Sie wundert sich noch über die dort abgelegten und wohl vergessenen Kleidungsstücke. Während sie im Wasser ist, sieht sie einen Mann, der sie beobachtet. Diesen Mann sieht sie erneut, als sie mit ihrer Freundin Gabi ebenfalls dort freizügig badet. Den Mann, den sie dort kurz sehen konnten, passt zu der späteren Täterbeschreibung, denn ein Mord passiert in einer nahegelegenen Kleingartenanlage. Das Opfer wurde misshandelt und ermordet aufgefunden. Die Gemeinde möchte nicht wahrhaben, dass einer von Ihnen so eine abscheuliche Tat begangen haben könnte. Eventuell war es ja ein Mensch aus dem Westen, wo doch alles Böse herkommt. Doch der Staatsschutz und die Polizei ermitteln vorerst gegen den Ehemann der Verstorbenen. Doch wird dieser wieder freigelassen, überlebt aber nicht seinen Verlust. Der Sexualmord wird dann überschattet durch die zeitgeschichtlichen Ereignisse. Der Fall der Mauer und die Wiedervereinigung verändern alles. Die Polizei ist überfordert, weil sie immer weiter durch die Abwanderung dezimiert wurde und die damaligen Stasimitarbeiter sind aufgeflogen und oder untergetaucht. Die Lebensbedingungen haben sich für die Menschen in Deetz verändert und Frust und Arbeitslosigkeit breiten sich aus. Auch Hedi folgt ihrem Verlobten nach Berlin. Doch ist für sie der Wechsel in die vermeintliche Freiheit und in die Großstadt eher ein Gefängnis, denn aus Angst, dass sie den Täter gesehen haben könnte und aus beständiger Eifersucht und Besitzdenken, isoliert Hedis Verlobter sie in der Wohnung. Gabi lässt dies alles keine Ruhe, denn ein weiterer Mord ist geschehen, doch erhält dieser noch weniger Beachtung, denn die Tote wurde auf einer Müllhalde gefunden. Gabi beginnt ein Volontariat bei der Bild-Zeitung, die nun überall erhältlich ist, um mehr über den Fall ermitteln und über diesen schreiben zu können. Doch zeigt die Redaktion mehr Interesse an schnellen Schlagzeilen. Erst als es zu weiteren Fällen kommt, wird deutlich, dass es sich um einen Serientäter handelt, der als „Rosa Riese“ Schlagzeilen erhält.

Sumburane lässt in diesem Roman eine großartige Milieustudie einfließen, die die damaligen Ereignisse verwendet, um auch auf unser Jetzt zu zeigen. Die Wende- und die Nachwendezeit wird spürbar nachempfunden. Die neuen Begebenheiten, die Träume und die Möglichkeiten verwandelten sich auf einen Schlag. Lebensläufe wurden verändert, Ausbildungen brachen ab oder waren nicht mehr möglich. Die an das System der DDR gewöhnten Menschen waren plötzlich in einem neuen Umfeld und mussten den Weg zu ihrer Freiheit finden. Dies ist der Weg von Hedi und Gabi, die in den Strudel der Zeit, der Umbrüche und den damaligen Fall um das bestialische Phantom mitgerissen werden.

Ein packender Kriminalroman, der das Genre durch den Wahrheitskern, die gelebten Stimmen und die Charaktertiefe enorm ausdehnt.

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Alexander Schnickmann: „Gestirne – Weltraumgedichte“

Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2026. Dies sind die Abenteuer von Schnickmann.  Dies sind kosmisch schöne, humorvolle Gedichte. Der Wunsch nach Ferne, Weite und nach Auflösung wird hierbei das Gepäckstück für einen Weltraumflug. Die unbegreifliche Unendlichkeit zeigt uns in ihrer Dunkelheit und Kälte unsere erdwarme Endlichkeit.

Die unendliche Weite und das tödliche Umfeld treffen in lebensbedingender Atmosphäre auf den Zufall des Lebens. Alles bedingt einander, umkreist und zieht sich an. Die Flugbahn und die Aggregatzustände stehen dabei stets in Verbindung zu den anderen Himmelskörpern oder dem Nichts. Die kosmische Sicht ist ein Blick in uns. Im All gefriert alles, nur aus unseren Mündern steigt unerlässlich Rauch auf. Das Individuum verliert sich im Weltraum und kann dennoch an Bedeutung gewinnen. Das Licht reist durch Dunkelheit und wird erst in der Reflexion sichtbar. Dieser Lichtstrahl wird vom erzählenden Ich aufgefangen und bringt Helligkeit in seine Betrachtungen. Er hält die Welt an, um auszusteigen, er steigt empor, um zurückzuschauen. Die Welt rückt dabei in eine Ferne und wirkt unerreichbar wie die Liebe. Die lyrische Stimme weiß von den Planeten mehr zu sagen als vom Gegenüber. Ihr Wunsch nach Verständnis wird eine Space Odyssee oder – Oddity? Manchmal meint man auch, David Bowie, Patti Smith oder Björk singen hier leise mit. Im galaktischen Flug wird eine internationale Sprache gesprochen und das Englische spielt in den Gedichten mit. Diese Lyrik funktioniert auch durch die Setzung, denn die Form gibt ebenfalls Ideen und Stimmungen weiter. Die Texte schauen nur vermeintlich weit, denn das Raumschiff „USS Schnickmann“ ist ein geschrumpftes U-Boot, das im lyrischen Ich abtaucht. Es ist ein verlorener und trauriger Blick voller Sehnsucht nach gefestigter Umlaufbahn, Liebe und doch nach unabhängiger Freiheit. Somit ist das All nur eine Ausflucht und der Flug sucht sein Ziel und Nähe. Wir sind alle Sternenstaub und der Blick durch das lyrische Teleskop schaut lediglich in eigene Zustände.

Diese sprachlich schöne Himmelskarte ist, wie könnte es bei einem Weltraumflug anders sein, eine Herausforderung. Doch gibt es in der fernen und nahen Welt viel zu entdecken, empfinden und schmunzeln. Diesen Flug durch und zu den Gestirnen macht man wohl, einmal angefangen, immer wieder.

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Junko Takase: „Richtig gutes Essen“

In diesem Roman stehen das Essen und die Arbeit für soziale und gesellschaftliche Ansichten, Gebräuche und Fertigkeiten. Ein Werk über die Gemeinschaft innerhalb eines Büroraums. Die Handelnden sind die dort Arbeitenden und charakterisiert werden sie durch ihre Vorlieben in den Pausenzeiten, in der Freizeit und während des zwanghaften und gewollten Miteinanders. Arbeit und Essen gehören dabei eng zusammen. Nahrung als Kraftquelle und die Aufnahme als Ruhepunkt oder als Anlass für geselliges Miteinander oder den Austausch. Jeder sieht sich dabei als Mittelpunkt an. Jeder meint, sein Verständnis für das Essen und die Lebensmittel sei gut und richtig. Der individuelle Arbeitseinsatz ist stets der richtige Weg. Im Großraumbüro gibt es jene, die Karriere machen möchten, Überstunden akzeptieren und die Aufgaben von Kollegen übernehmen, die schwierige Tätigkeiten gerne ablehnen. Andere arbeiten genau das geforderte Pensum ab und manche bleiben sogar darunter und hoffen, sich schon irgendwie innerhalb der Kollegen und des Konzerns behaupten zu können. Die Regeln sind dabei jene, die gefordert, angepasst oder abgelehnt werden. Je nach Fasson des Charakters. Die unterschiedlichen Lebenseinstellungen finden sich auch zu Tisch wieder. Das gemeinsame Essen, die Zubereitung der Nahrung, das gepflegte Ausgehen oder der schnelle Imbisskauf stehen dabei gleichberechtigt nebeneinander. Junko Takase zeigt das gewöhnliche Alltagsleben und erzeugt das Bild der Gesellschaft.

In einem Büroraum mit mehreren Angestellten und Führungskräften kristallisieren sich drei Hauptfiguren, Nitani, Ashikawa und Oshio, heraus. Alle gehen mit dem Alltäglichen stets anders um. Für einige ist die Arbeit wichtig, für andere nur Mittel zum Zweck. Ebenfalls das Essen. Nahrungsaufnahme oder Genuss. Auch wenn der Chef zum Lunch einlädt, geht nicht jeder mit. Gerade Nitani mag essen nicht besonders, beziehungsweise schenkt dem keine große Bedeutung. Er wäre froh, gäbe es eine Tablette, durch die alle wichtigen Nährstoffe zugeführt werden könnten. Er ernährt sich hauptsächlich von Instantramen und wenn er das Fertigprodukt nicht gegessen hat, fehlt ihm etwas. Auch wenn er eingeladen oder bekocht wird, nimmt er heimlich meist noch eine Portion Instantnudeln zu sich. Ashikawa ist in dieser Belegschaft die Träumerin und oft überfordert. Ihre Aufgaben erfüllt sie bemüht und gibt gerne unliebsame Kunden oder Aufgaben ab. Auch verlässt sie die Arbeit öfters als die Kollegen bei körperlichem Unwohlsein. Dies macht sie innerhalb der Belegschaft nicht überall beliebt. Doch gleicht sie dies mit ihrem selbstgemachten und mitgebrachten Backwerk aus. Ashikawa wäre eine Frau, die Nitani wohl heiraten würde, denn dass er eines Tages heiraten möchte ist ihm bewusst. Doch fällt es ihm immer schwerer, sie zu respektieren. Dabei ist sie eine stets freundliche, lächelnde und gutherzige Person, die auch gerne für ihn kocht und ihm vom guten Essen überzeugen möchte. Zwischen den beiden ist und steht Oshio. Oshio taucht als Ich-Erzählerin auf. Alle drei stehen zueinander in unterschiedlichen Beziehungen, Träumen und Verhältnissen. Mit Oshio kann Nitani gut nach der Arbeit etwas über den Durst trinken und das Beisammensein ist unkonventioneller. Dabei spielt die Liebe zur Literatur ebenfalls eine Rolle. Doch empfindet, wünscht und träumt jeder von anderen Lebenswegen und was ist, wenn man den Weg verpasst, anders abbiegt oder sich verläuft? Es gibt gesunde und ungesunde Nahrung, Arbeit und natürlich auch Beziehungen. 

Ein leichtes, warmherziges und spaßiges Werk, das immer mehr Tiefe und sogar Spannung erzeugt. Gemeinsames Handeln und Essen wird hierbei entzaubert. Der Roman serviert passend zu unserer schnelllebigen Giergesellschaft, die den Genuss und das empathische Miteinander verlernt, einen feinen, kleinen Happen. Durch diese feine Lektüre schauen wir zum Glück mal wieder lustvoll über den gewöhnlichen Tellerrand. Der Roman wurde aus dem Japanischen von Yoko Ann Hamann übersetzt.

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Taniguchi und Utsumi: „Von der Natur des Menschen“

Eine Perle in der Welt der Mangas. Sehr literarisch und feinfühlig werden hier alltägliche Universen geöffnet und dabei stehen immer das menschliche Miteinander und das Gegeneinander im Vordergrund. Es sind Kurzgeschichten, die zu Herzen gehen und uns durch die einfühlsamen Worte und Bilder sehr bewegen. Ein Manga, das fern der üblichen schrillen, hektischen und wilden Comicwelt steht. Es geht um die Würde des Alters, um die erste und späte Liebe, um die Akzeptanz der individuellen Lebenswege und um den Respekt füreinander und gegenüber der ganzen Umwelt.

Es ist die Geschichte eines Paares, die sich ein Haus gekauft hat. Bei der Besichtigung war die Gartenanlage einer der wichtigsten Beweggründe des Umzuges. Doch wurde diese verändert. Lediglich ein großer Baum steht dort noch. Dessen Schatten- und Laubspiel begeistert sie sehr. Doch ist der Baum in der Nachbarschaft auch ein Ärgernis. Großeltern, die mit ihrer Enkelin zu einem Freizeitpark fahren, bekommen langsam die Tragweite deren Verlustängste mit, weil sie sich nicht traut, die Fahrgeschäfte zu benutzen. Sie sucht stets den Blick der Begleiter. Ein Designer, der in einem Küstenort den Auftrag eines Hotels bekommt, trifft auf seine Exfrau und seine Tochter, die er seit Jahren nicht gesehen hatte. Seine Tochter ist Künstlerin und hat in jener Stadt eine Ausstellung. Ein Bild berührt ihn sehr. Die Geschichte zweier Brüder, deren Lebensweg gänzlich anders verlaufen ist und die Traurigkeit und die Distanz besonders im letzten Blick bei der Verabschiedung des spontanen Besuches auffällt. Ein Geschwisterpaar, das sich nach Jahren zum ersten Mal wiedersieht. Beide wurden durch die Scheidung der Eltern getrennt und die spätere Vereinigung und das Einleben in die neuen Familienverhältnisse waren durch viel Schmerz geprägt. Bei einer Gemäldegalerie trifft eine ältere Frau auf ihre erste Liebe. Ihre damalige Ehe war eine Zwangsheirat und zum ersten Mal verschwindet das weinende Gesicht in ihrer Wahrnehmung der Lichtspiele an der Außenwand der Galerie. Zwei Jungs, die mit ihrer Mutter umgezogen sind, können ihren geliebten Hund nicht mitnehmen. Doch plötzlich meinen sie diesen zu hören und machen sich auf den Weg durch den unheimlichen Wald auf die andere Seite der Stadt. Dort finden sie zur Hälfte ein Glücksgefühl. Eine französische Künstlerin, die wegen der Liebe nach Japan gezogen ist, erleidet einen traurigen Verlust und die Schwiegermutter, die sie einst ablehnte, taucht bei einer ihrer Ausstellungen auf.

In diesem Manga gibt es in den Kurzgeschichten und Bildern sehr viel zu entdecken und besonders nachzuempfinden. Ein emotionales Kunstwerk. Ein Werk, das sprachlich und durch die Zeichnungen sehr atmosphärisch jene Alltagssituationen des menschlichen Miteinanders einfängt. Das Manga ist von Jiro Taniguchi und Ryuichiro Utsumi. Die Übersetzung stammt von John Schmitt-Weigand.

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Hendrik Otremba: „Der Gräber“

Dieser Roman birgt vieles in sich, wobei die Handlung überschaubar ist. Ein Unsterblicher, der Zeuge des zivilisatorischen Niedergangs wird und die Zerstörung der Welt, wenn nicht sogar von Welten miterlebt. Dabei schimmern letztendlich, neben der Düsternis, stets die Hoffnung und die Wiederbelebung auf. Otremba bedient sich cineastischer und literarischer Bilder. Ein „Highlander“, der in einer „Mad Max“-, „The 100“- oder „Battlestar Galactica“- Szenerie miterlebt, was er verliert. Die Szenerie ist aber lediglich das Konstrukt für Gedanken und Emotionen. Er ist der Gräber. Jemand, der viele zu Grabe getragen hat, in der Geschichte und Erinnerung gräbt und das Alte vergräbt und die Erde umgräbt. Dabei immer überlebt. Das Überleben ist einfach so und bleibt unerklärt. Denn nur so kann diese literarische Figur funktionieren. Wir werden Zeugen vom politischen, sozialen und ökologischen Untergang und von erschütternden Ereignissen, die sich in unserer Gegenwart bereits abzeichnen könnten. Die Erde als ehemaliges Paradies hat keinen Bestand mehr und die Menschheit hat sich erneut aus dem Garten Eden verbannt. Doch gibt es dabei auch die Erinnerungen an die Liebe, eine letzte körperliche Liebe und dann ebenfalls eine neue Liebe, die von den letzten oder den ersten Menschen empfunden wird.

Die Handlung spielt in einer Zukunft und umfasst aber durch das lange Leben und die Erinnerungen die Jahre 1942 bis 2196 und den Tag X. Der Gräber ist Oswalth Kerzenrauch und er stirbt nicht. Somit ist er verflucht, alles mitzuerleben und die, die er liebt, zu überleben. Sein Name stellt die Frage, ob das Leben nur der Rauch ist, der sich beim Ausblasen einer Kerze verflüchtigt? Die Einsamkeit ist seine Verdammnis. Aber er will bleiben, denn die Menschen, die die Kriege und Zerstörung überlebt haben, sind ausgewandert und leben auf einem fernen Planeten Nektar II. Eine letzte Fähre wird bald zum letzten Mal die Erde aufsuchen und jene mitnehmen, die noch umsiedeln möchten. Am Anfang der Handlung sitzt der Gräber am Rande eines Kraters in einer Kulisse, die einst Berlin war. Er erinnert sich an das Leben vor dem Kollaps. Seine Gedanken kreisen um seine jetzige Situation, aber auch um seine Vergangenheit, besonders denkt er an seine Tochter. Was bedeutet es, die Menschen zu überleben, die man liebt? Sein Blick zurück ist unsere Gegenwart. Ein Morgen scheint es für ihn, der ewig lebt, nicht mehr zu geben. Doch wächst etwas Neues. Die Erde beginnt, sich zu erholen und neues Wachstum taucht auf. Die Hauptfigur, mal beim Vornamen, Nachnamen oder einfach der Gräber genannt, möchte eigentlich nicht wie andere das letzte Raumschiff besteigen. Die Fähre, die einen alten Bekannten aus dem Otremba-Universum zurückbringt. In einem vorherigen Roman „Kachelbads Erbe“ werden Menschen, die in ihrer Gegenwart nicht mehr leben wollen oder können, kryonisch eingefroren. Einer dieser gefrosteten Menschen kehrt nun zurück und wird ebenfalls Zeuge. Dies ist der Anfang einer langen, aber wohl gar nicht so weiten Reise.

Der Roman lebt von den Eindrücken und den Stimmungen, die er erzeugt. Kluge Sätze leben hier in einem letzten menschlichen und möglichen Szenario. Es ist immer wieder der Mensch, der sich unverändert in neue Laufbahnen beamt und eventuell nicht lernfähig und dadurch womöglich nicht lebensfähig ist. Doch gibt es im Roman auch die Liebe, das Schöne innerhalb der Ruinen. Neben der Zerstörung und dem Untergang gibt es somit auch Hoffnung.  Otremba hat ersichtlich viel Spaß und Mühen auf sich genommen, diese Welt zu erschaffen, zu zerstören und aufzubauen. Er erfindet Bilder und Sprachen für eine Zukunft, in die er den Gräber setzt, der nun auf uns zurückblickt und womöglich weiterhin in und für uns überdauert.

Ein Roman über das Post-Anthropozän. Wäre es ein musikalisches Kunstwerk, könnte es wohl als Prog-Death-Metal-Platte mit viel Harmonie, Raffinesse und Emotion beschrieben werden. Nach dem im „Leseschatz“ gefeierten „Benito“ ein neues, tiefgründiges Werk, das erobert werden möchte. Erinnerungen an die Welten, die der französische Kultautor Alain Damasio erschuf, werden wach. Durch einen unsterblichen Hauptcharakter kann das Bild der Weltenerschaffung sehr weit ausgedehnt werden. Ein Roman über und aus der Zukunft über uns und unsere Gegenwart.

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Florian Knöppler: „Mit dem ersten Licht“

Der neue Roman von Florian Knöppler zeigt erneut, was er am besten kann. Seine Werke sind sehr atmosphärisch geschrieben und handeln von Menschen mit besonderen Lebenswegen. Ferner spielen die norddeutsche Landschaft, die Fauna und Flora eine wichtige Rolle. Diesmal reisen wir mit dem Roman aber nicht in die Zeitgeschichte, sondern tiefer in die persönliche Entwicklung seiner Protagonisten. Florian Knöppler hat ein großes Feingefühl für Menschen und charakterisiert diese in seinen Werken stets sehr glaubhaft und liebenswürdig. In „Mit dem ersten Licht“ ist ein Lebensweg beschrieben, der sich zum Guten entwickelt. Erneut lässt der Autor besonders das Erwachsenwerden  sehr lebendig werden. Ein Erwachen mit unterschiedlichen Hintergründen, das neben den psychologischen und gesellschaftlichen Schattenseiten die lichtvollen Momente sucht. Es ist ein ungewöhnlicher Entwicklungs- und Liebesroman, der tiefe Sehnsüchte neben die Ängste stellt und die Protagonisten zu ihrer Entschiedenheit bringt. Der Text ist, wäre er ein Gemälde, mit einem Vanitas zu vergleichen. Denn neben den kraftvollen Lebensbildern tauchen auch Momente der Einsamkeit, Traurigkeit und Vergänglichkeit auf. 

Arne lebt mit seiner Familie behütet in Schleswig-Holstein und die Umgebung prägt seine Wahrnehmung. Doch empfindet er sich stets als außenstehend und ist in einer tiefen Einsamkeit gefangen. Eine Einsamkeit, die ihn auch in der Gesellschaft befällt und die er nicht wirklich begreifen kann. Sein Vater ist Arzt und stets bemüht, die Familie durch seine positive Kraft zu ummanteln. Die Mutter zieht sich oft zurück, ist energielos und lebt lediglich ab und zu für Ihre Kunst wieder auf. Arne und seine Schwester wissen um die Stärken und Schwächen der Eltern und werden dadurch sehr einfühlsame Menschen. Besonders Arnes Tierliebe kristallisiert sich immer mehr heraus. In der Schule taucht eine neue Mitschülerin auf. Es ist Laura, die Arne sofort fasziniert. Sie ist es, die ihn aus seiner Einsamkeit befreit und dazu bringt, mehr von sich preiszugeben. Doch immer wenn er und Laura sich näher kommen, zieht sie sich zurück. In ihrer Familie scheint weniger Harmonie zu sein und plötzlich fehlt Laura auch länger in der Schule. Arne ist noch zu sehr mit sich beschäftigt und zu jung, um zu erkennen, was mit Laura los ist. Später geht sie für ein Jahr in die USA und lebt nach der Schulzeit kurz in Italien. Arne, der immer an Laura denken muss, besucht sie dort und eine lichtvolle Zeit beginnt. Durch ein Drama und unausgesprochene Verletzungen, Emotionen und Gedanken kommt es immer wieder zu Brüchen. Erst viel später, wieder zurück in Deutschland, in Bonn und in der nordischen Heimat, erkennt er, dass nicht nur er Laura braucht, sondern auch sie seine Unterstützung benötigt. Arne muss sich selbst festigen, um auch das Umfeld annehmen zu können, wie es ist.

Ein bewegender Roman, der das Leben zeigt, das sich zum Positiven und Lichtvollen entwickeln möchte. Doch ist dieser Weg stets durch Ängste, Sorgen und von Traurigkeit, wie bei einem Schattenspiel, unterbrochen. Sehr einfühlsam werden die Charaktere beschrieben, die durch ihre Leidens- und Lebenswege wachsen. 

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