Ursula K. Le Guin: „Die linke Hand der Dunkelheit“

Die Bücher von Le Guin sind  visionäre Werke, die Gesellschaftliches und Politisches durch die räumliche und zeitliche Distanz betrachten. Ihre Texte sind oft eine Metapher des Gegenwärtigen in Bezug auf ein „Was wäre wenn?“. Das Geschehen des Moments während des Schreibprozesses in die Ferne katapultiert. Le Guin hat mit James Tiptree Jr. die feministische Weltsicht in der Science-Fiction fixiert. James Tiptree Jr. ist das männliche Pseudonym von Alice B. Sheldon und wird noch im Leseschatz behandelt werden. Science-Fiction ist demnach keine Flucht aus der Welt, wie die meisten Fantasy-Romane, sondern greifen Trends und Phänomene aus dem Hier und Jetzt auf. Dabei muss Science-Fiction nicht prognostisch sein, kann aber zum gegenwärtigen Verständnis hilfreich sein. 

Ursula Kroeber Le Guin wurde am 21. Oktober 1929 in Kalifornien geboren und starb 2018 in Portland, Oregon. Bekannt ist sie vor allem durch die Science-Fiction-Romane des Hainish-Zyklus. Dieser Zyklus aus Romanen und Kurzgeschichten spielt in einem alternativen Universum mit dem Zentralplaneten Hain. Die Bewohner sind mehr oder weniger verwandt. Einige weisen genetische Merkmale auf, die auf genetische Experimente hinweisen. So werden zum Beispiel, die androgynen Bewohner des Planeten Winter, d.h. Gethen, nur einmal pro Monat sexuell aktiv und bilden lediglich hierfür die Geschlechtsorgane aus.

Ursula K. Le Guin wird vielen durch den Fantasy-Zyklus „Erdsee“ bekannt sein. Doch sind ihre Science-Fiction-Romane und -Kurzgeschichten tiefgründiger und weitblickender. Dies beweist die Neuübersetzung von „Die linke Hand der Dunkelheit“. Neu übersetzt von Karen Nölle. Hier trifft ein Abgesandter auf eine androgyne Menschheit, um diese für den Beitritt in den Weltenverbund zu überzeugen. Der Planet ist Gethen, der Winterplanet, der beständig mit Eis bedeckt ist. Die politische Lage ist aufgespalten. Zwischen der Monarchie Karhide und deren Nachbarland Orgoreyn, einem Überwachungsstaat, existieren enorme Spannungen. Der terranische Abgesandte, Genly Ai, hat einen wichtigen Ansprechpartner, den Premierminister Estraven, der aber in Folge des Hochverrats beschuldigt wird. Genly verliert vorerst seinen Verbündeten und muss sich entscheiden, wo seine Prioritäten und seine Loyalität liegen.

Dieser Roman aus dem Jahr 1969 ist sehr aktuell und bietet nebenbei eine spannende, literarische Abenteuer-Geschichte. Es ist eine Freude, diese Werke neuentdecken zu dürfen.

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John Vercher: „Wintersturm“

Dieser Roman ist eine Wucht und schafft es durch die Handlung und die Sprache einen Kosmos aus Rassismus zu öffnen. Die Handlung und die Sprache spielen miteinander und passen sich jeweils authentisch der Figurenzeichnung an. Es ist der Debütroman von John Vercher, der den amerikanischen Originaltitel „Three-Fifths“ hat und von Wolfgang Franßen übersetzt wurde. Diese „Drei-Fünftel-Klausel“ war 1787 ein Kompromiss zwischen den Süd- und Nordstaaten. Dabei wurde festgelegt, dass jeweils drei von fünf Sklaven bei der Volkszählung sowohl für Steuerzwecke als auch bei der Sitzzuteilung im Repräsentantenhaus mitgezählt werden sollten. Die daraus resultierende Entwicklung, dass jedes Leben, jedes Schwarze Leben (Black Lives Matter) zählt, ist die Grundidee des Romans. Tituliert wurde das Buch als Kriminalroman ist aber ein für den Verlag typischer Text, der über einen klassischen Krimi hinausgeht.

Pittsburgh im Jahr 1995 und der Strafprozess gegen O. J. Simpson beherrscht die Medienlandschaft. Der zweiundzwanzigjährige Bobby Saraceno jobbt in einem Gastronomiebetrieb. Eines Abends im Winter, nach Feierabend, steht er im Hof mit einem Kollegen und sie sehen dort eine unheimliche Gestalt. Ein großer Weißer sitzt dort auf der Ladekante seines Pick-ups und beunruhigt durch seine Präsenz Bobby und den Kollegen. Doch ist es Bobbys Freund Aaron, der gerade aus der Haft entlassen wurde und sich innerhalb der drei Jahre Haft sehr verändert hat. Sie waren beste Freunde und sammelten in jüngeren Jahren Comics. Aaron war oft auf der Suche und dadurch ein sogenannter Wigger, ein Weißer, der das Verhalten, die Ausdrucksweise und den Kleidungsstil Schwarzer imitierte. Wegen Drogendelikten kam er ins Gefängnis und wurde dort misshandelt und verbat Bobby, ihn zu besuchen.

Jetzt, drei Jahre später, in der Nacht ihres Wiedersehens, zeigt sich, wie sehr Aaron sich radikalisiert hat. Seine Kleidung, die Erscheinung und seine Tätowierungen sprechen eine eindeutige Sprache. Er ist ein weißer Rassist geworden. Am Abend ihres Wiedersehens kommt es zu einer Katastrophe, die den Ausgangspunkt der ganzen Handlung darstellt. Beide organisieren sich gemeinsam zu später Stunde etwas zu essen. Dabei geraten sie an einen jungen Schwarzen, der sich durch das Gebärden von Aaron angegriffen fühlt. Es kommt zu einer Auseinandersetzung, bei der Aaron mit einem Ziegelstein den jungen Schwarzen brutal auf den Kopf schlägt. Bobby und Aaron brechen, ohne sich um den Verletzten oder Toten zu kümmern, sofort auf.

Dies ist der Auftakt der eigentlichen Geschichte. Bobby muss sich seinen Dämonen stellen, denn er ist an der Tat beteiligt und hat nicht eingegriffen oder sich gestellt. Erzählt wird nun aus verschiedenen Perspektiven der ganze Kosmos um die Charaktere und der Weg zur Gewalt und zum Ungleichgewicht der Gesellschaft. Dieser Noir-Roman wirft den „Menschlichen Makel“ von Philip Roth als Krimi auf die Straße. Dieser Kriminalroman ist eine Milieustudie um den amerikanischen Rassismus. So wie Aaron anfänglich die Schwarzen imitierte, gibt sich Bobby als Weißer aus. Bobby hat seine Identität verborgen, auch vor seinem besten Freund, er ist ein gemischtrassiger Schwarzer.

Der Wintersturm verdichtet sich gleich den Geschichten um die Charaktere und es wird ein Wirbelwind um den alltäglichen Rassismus und um die Lügen des Lebens. Ein fesselndes, brutales und authentisch wirkendes Werk, das ein düsteres, erschreckendes Gesellschaftsbild zeigt. Dieses Bild wird im Roman lediglich gemalt und die Bewertung passiert im Kopf und Herzen des Menschen vor den Zeilen.

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Caroline Schmitt: „Liebewesen“

Dass es sich bei „Liebewesen“ um keinen üblichen Liebes- und Beziehungsroman handelt, macht die Umschlaggestaltung sehr deutlich. Ein Debütroman über eine schwierige Beziehung. Dabei werden Sätze in einem erfrischenden Sarkasmus formuliert und leichtgängig werden hierbei komplexe Themen ehrlich und empathisch behandelt. Das, was dem Buch Tiefe verleiht, wird oft nur kurz eingeworfen und lässt das Interesse am Handlungsverlauf explosionsartig steigen, während die Charaktere dabei implodieren und mit dem Leben, der Liebe und der Sexualität überfordert sind.

In diesem Roman haben die Hauptcharaktere Probleme, im Leben anzukommen. Sie sind alle angeschlagen. Dies ist im Roman keine Überlastung oder sehr große Überspitzung, sondern stellt ein Bild der gesellschaftlichen Gegenwart dar. Leicht, zuweilen witzig und böse verwandelt sich der Inhalt vom klischeebefreienden Liebesroman zu einem Text über innig gärende Traumata.

Die Erzählerin ist Lio. Sie wohnt mit ihrer besten Freundin in einer Wohngemeinschaft und arbeitet als Biologin. Sie forscht an der Möglichkeit des biologischen Anbaus in fremder Umgebung, zum Beispiel im All. Dies trifft auch auf ihr Leben zu, denn sie fremdelt in ihrer Umgebung und kann sich niemandem gänzlich öffnen. Sie mag sich selbst nicht und hasst sogar ihren Körper. Sex ist für sie etwas zu ertragendes und kein Beziehungshöhepunkt. Dies geht auf ihr erstes Sexerlebnis zurück, das sie bisher nicht verarbeiten konnte. Ihr Bericht springt auch zu ihrer Kindheit und das Bild ihres Elternhauses verdichtet sich, in dem sie keine mütterliche Geborgenheit erleben konnte.

Durch alberne Späße, die sie und ihre Freundin mit einer Dating-App machen, lernt Lio Max kennen. Max ist die morgendliche Stimme eines Radiosenders. Während seiner Beiträge ist er stets der gutgelaunte Morgenmensch. Nur Lio lernt auch seine dunklen, depressiven Seiten kennen, in denen er sich verkriecht. Die beiden wachsen zusammen und doch geht das Gemeinsame oft, durch Unverständnis und Kommunikationprobleme, aneinander vorbei. Beide versuchen beständig, die Beziehung, trotz unterschiedlicher Sichtweisen, aufrechtzuerhalten. Auch wenn es wehtut. Als Lio ungewollt schwanger wird, spitzt sich die Situation zu. Sie traut sich nicht mit Max über die Schwangerschaft zu reden. Dies und ihrer Erinnerungen drohen sie zu zerbrechen.

Pointiert und klug wird hier die Kompliziertheit des Lebens und der Liebe beschrieben. Das Buch behandelt eine Sprachlosigkeit, die durch diesen Text benannt wird und Gehör bekommt. Der Roman ist ein radikaler und ehrlicher Befreiungsschlag.

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Sonja Rüther: „Einraumpalast“

Sonja Rüther schreibt Unterhaltungsromane, die stets Themen behandeln, die trotz der Leichtigkeit eine Tiefe zulassen, wenn man diese möchte. Es geht im Roman um die Liebe zu Büchern, die Liebe an sich und um das Bild, das wir uns voneinander machen. Das Spiel mit Klischees, Rollenfunktion und Erwartungen wird hier gekonnt behandelt und stets verwandelt, so dass sich immer neue Fährten innerhalb der Entwicklung und des Handlungsstrangs öffnen. Die Handlung kreist um die sich verändernde Verlagslandschaft. Im Mittelpunkt steht ein junger Mann, der in der dortigen Poststelle anfängt und Einblicke in den herstellenden Buchhandel erhält. Dabei trifft er auf eine Frau, die ihn fasziniert, ihre Geheimnisse hat und in ihm anfänglich ein Helfersyndrom erweckt.

Die Figurenzeichnungen sind sehr authentisch und die Handlung wird gleich den Charakteren wechselhaft. Der erste Eindruck muss nicht immer der Richtige sein. Matthis ist innerlich jung geblieben und liebt es, frei zu sein. Im Liebesleben und im beruflichen Alltag. Er hangelt sich von Gelegenheitsarbeit zu diversen Jobs. Er möchte sich nicht verbiegen lassen. Denn er ist Heavy-Metal-Fan und zeigt dies auch gerne mit seinem Kleidungsstil. Solange er aber Jobs annimmt, die ihn nicht überfordern und er mit wenig Gehalt auskommt, darf auch keiner sein Aussehen kritisieren. Sein Freundeskreis ist ihm sehr wichtig und diesen stellt er über alles, was mit dem Erwachsenwerden bei einigen an die jeweiligen Grenzen stößt. Besonders, wenn die Lebenspartner nicht die Leidenschaft für die brachialen, aber noch melodiösen Metal-Konzerte teilen, die die Clique so oft wie möglich im Jahr zelebriert.

Matthis hat einen neuen Job. Er liebt Bücher und hat nun eigentlich eine traumhafte Einstellung gefunden, die ihn auch nicht sehr überfordert. Er arbeitet in der Poststelle eines Verlages, der als Familienunternehmen auf alte Traditionen baut. Das Verlagsprofil besteht aus guter Unterhaltung mit Anspruch und qualitativ hochwertigen Druckerzeugnissen. Doch schwindet in der Gesellschaft immer mehr die Wertschätzung für solche Werke und der Verlag hadert mit seinem Profil. Matthis verbringt ungern Zeit mit den Kollegen, nicht weil er die Menschen scheut, er aber lieber für sich ist und in der unteren Teeküche liest. Doch nutzt diese Teeküche auch Lovis. Lovis Antworten und Erscheinung sind zuweilen für Matthis nebulös, aber gerade dies fasziniert ihn. In Folge erfährt er, dass sie die Tochter des Verlegers ist und mit dem zukünftigen Verlagsleiter verlobt ist. Der kommende Verlagsleiter hat eher das Wirtschaftliche des Verlages im Blick. Dabei ist der Buchhandel stets ein Vermittler zwischen Kultur und Wirtschaft. Matthis, der Bücher liebt, kann durch Lovis auf die Programmgestaltung Einfluss nehmen. Denn ein eigentlich abgelegtes Manuskript, das er zufällig gefunden hat, begeistert ihn.  Auch kommen sich Matthis und Lovis näher. Sie, die auch musikalisch begabt ist, lernt durch ihn die Freude der lauten Musik kennen. Doch hat sie ihr Geheimnis und eine tragische Vergangenheit, die sie gekonnt verbirgt. Matthis Freunde raten ihm, sich nicht zu verlieben, doch könnte es hierfür bereits zu spät sein.

Ein Roman, in dem es um vieles auf sehr unterhaltsame Weise geht. Die Klischees eines Traditions-Verlages treffen auf einen Metalhead. Verlage in ihrer herkömmlichen Weise werden oft als antiquiert hingestellt und Metalheads als dümmlich. Nicht bei Sonja Rüther. Hier hat alles seinen realen Bezug und seine authentische Wahrnehmung.

Somit ist dieser Roman eine Liebeserklärung an die Kunst, die Bücher und die Musik. Der Freiheitswunsch und die Vielfältigkeit sind der Antrieb dieses Buches. Vielfalt in der Gesellschaft aber auch in der Welt der Literatur. Erneut schafft es die Autorin, mit wenig skizzierten Sätzen eine Nähe zu den Figuren und deren Handlungsfeld aufzubauen. Die Liebe zum Geschichtenerzählen und zum Lesen wird auch durch die Bezüge und Anspielungen verdeutlicht. Zum Beispiel die Namen Matthis und Lovis erinnern an jene Räuberburg von Lindgren, in der Ronja ihren Freiheitsdrang in den Donnerdrummel rief. Hier erschallt nun die moderne und unterhaltsame Antwort in einem Einraumpalast.

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Yeoh Jo-Ann: „Zweckfreie Kuchenanwendungen“

Ein wunderbarer Roman, der Herz und Kopf berührt. Ein außergewöhnlicher Text, der uns nach Singapur mit seinen gesellschaftlichen und kulturellen Errungenschaften sowie kulinarischen Raffinessen entführt. Das Werk spielt mit großen Bildern und richtet sich gegen die Leistungsgesellschaft. Besonders Singapur ist geprägt durch ein strenges, High-Tech-orientiertes Staatsbild. Diesem Bild setzt die Autorin, Yeoh Jo-Ann, die Resignation, die Armut und die Obdachlosigkeit gegenüber und wurde mit dem Epigram Books Fiction Prize ausgezeichnet. Auch die deutsche Übersetzung besticht durch den übertragenen und lebendigen Sprachklang. Übersetzt von Gabriele Haefs.

Das Buch lebt von den sympathischen Charakteren, die sich nicht dem Leistungsdruck hingeben. Sukhin Dhillon ist Lehrer für englische Literatur und mag die gesellschaftlichen Zusammenkünfte und Verpflichtungen nicht. Innerlich rebelliert er gegen alles, was zur Pflichterfüllung gehört. Er lebt in seiner Sprachkunstwelt und liest in den Pausen lieber Stephen King oder den Wüstenplaneten-Zyklus, bevor er sich auf oberflächliche Kollegiums-Gespräche einlässt. Er hat einen Freund, der versucht, ihn ins gesellschaftliche Leben zu integrieren. Auch seine Eltern versuchten, ihn zu verkuppeln. Doch diese Versuche scheitern kontinuierlich. Besonders die Frauen, die sich nicht für seine Leidenschaften begeistern können, haben bei ihm wenige Chancen. Seine Liebe gilt dem Lesen und Kuchenessen. Dabei hatte er eine große Liebe, die ihn aber damals wegen zu hoher Erwartungen an die Zweisamkeit verlassen hat.

Der traditionelle chinesische Feiertag, das „Chinese New Year“ soll in der Schule gefeiert werden und Sukhin soll Dekomaterial besorgen. Als er in Chinatown die Besorgungen macht, stolpert er über eine Kartonbehausung. Kartonage hat in seinem Leben einen besonderen Stellenwert. Seine Eltern sammeln Kartons, die sie eventuell benutzen wollen, aber auch aus nostalgischen oder weniger nützlichen Gründen. Der innere Kartonberg in den Räumlichkeiten seiner Eltern steht der Kartonbehausung auf der Straße gegenüber, über die er nun fällt. In dieser kargen Wohnstätte lebt eine Obdachlose, die ihn erkennt und anspricht. Es ist seine alte Liebe Jinn.

Jinn hatte für eine Event-Agentur gearbeitet, die verschwenderische Veranstaltungen für reiche Menschen organisiert. Doch wie sich nun herausstellt, lebt Jinn seit sechs Jahren auf der Straße und scheint ihr Leben so zu mögen. Sie und Sukhin treffen sich regelmäßig und sie weiß den mitgebrachten Kuchen sehr  zu schätzen. Lebensmittel stellen für sie einen besonderen Mittelpunkt dar. Sie weiß die Genüsse, die Vielfalt der Gemüse- und Obstsorten zu würdigen. Sie organisiert mit weiteren Hilfsbedürftigen Lebensmittel aus Abfallcontainern und kocht Essen für Arme und Obdachlose. Auch Sukhin macht nun mit und lernt eine neue Sichtweise kennen. Warum Jinn aus der Leistungsgesellschaft ausgestiegen ist, erfährt Sukhin bei seinen Besuchen peu à peu.

Ein lebenskluger, bildreicher und wunderschöner Roman voller Herzlichkeit. Märchenhaftes wird angedeutet und große Literatur zitiert, somit spielt der Roman stets mit Gegensätzlichkeit, mit Parallelen und taucht dabei ein in unsere Gesellschaft und zeigt dabei ein von den meisten  übersehenes Leben. Dabei verklärt der Text niemals und ist gänzlich durch den Sprachklang und die Sinnlichkeit gut zu erfassen. 

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Annie Ernaux: „Der junge Mann“

Die Grande Dame der literarischen Miniaturen gewährt uns erneut einen privaten Blick in ihr Leben, das durch die Bezüge, wie alle ihre Werke, ein Sinnbild der Gesellschaft ist. Sie erhielt 2022 den Literaturnobelpreis, denn ihre Werke schaffen viel Raum für Gesellschaftliches, Politisches und für Emanzipation. In Ihren Büchern erzählt sie von ihrer Kindheit in einer Unterschichtenfamilie, wie sie sich durch Bildung und Studium hocharbeitete und von dem Leben ihrer Familie. Alle Werke sind prägend für die französische Gegenwartsliteratur. Das aktuelle Buch benötigt erneut wenige Worte, um einen großen Raum zu öffnen. Diesmal ist es die Umkehr der Muse. „Der junge Mann“ erzählt von ihrem Tabubruch aus damaliger Sicht. Ernaux ist Mitte fünfzig und beginnt ein Verhältnis mit einem dreißig Jahre jüngeren Studenten. Er bleibt im Roman farb- und namenlos. Lediglich auf ein „A“ wird er reduziert. Durch seine Jugend wird sie ihrer Generation entzogen, gehört aber nicht mehr zu seiner. Er lebt spartanisch und unbequem. Das Provisorische zieht sie dennoch an und dadurch durchlebt sie ihre eigene Vergangenheit erneut. Es sind nicht nur die Leidenschaft und der Sex, sondern die Auseinandersetzung mit dem Umfeld und dem Erlebten, das sie reizt. Ein Tabu in der Gesellschaft, dass sie als alternde Frau einen jungen Mann ausführt. Andersherum wäre es oft ein Heldenstück. Es schmeichelt ihr, dass er seine gleichaltrige Freundin für sie verlassen hat. Er verkörpert etwas, das sie verlassen und hinter sich gelassen meinte. Er, der Mann der mehr will, aber es nicht bekommt, schafft es, Brücken zu schlagen. Verbindungen zu ihren ganzen literarischen Werken. Die Distanzierung passiert mit dem Verfassen ihres Werkes über ihre damalige und heimliche Abtreibung („Das Ereignis“).

Annie Ernaux, die anhand ihrer Fotografien, Erinnerungen und dem Schreiben an ihre Schwester immer sehr ehrlich in ihr Leben schaut, schafft es erneut, durch die sprachliche Reduktion Großes zu erzeugen. Sie schaut in ihren bisherigen Werken auch auf ihren Vater oder ihre Mutter und erzeugt durch ihre minimalistischen Texte stets eine enorme und emotionale Wirkung. „Der junge Mann“ verbindet nun ihre vorherigen Werke auf kurzweilige Weise. Kunstvoll und sehr pointiert ist dieses Büchlein geschrieben. Ein Werk wie eine Befreiung. Denn auch der junge Mann will Kinder, möchte besitzen, erträgt aber ihre Schönheit nicht und es kommt zum Bruch. Der Blick auf den Bildungsweg als Befreiung ist keine bloße Wiederholung ihrer Aussagen und Berichte. Die intime Sicht ist stets politisch und bricht mit gesellschaftliche Tabus. Ein kleines und doch erneut ein großes Werk von Annie Ernaux. Aus dem Französischen von Sonja Finck übersetzt.

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Feridun Zaimoglu: „Bewältigung“

Ein Künstlerroman über einen namenlosen Autor, der versucht einen Roman über Hitler zu schreiben. Der Autor will begreifen. Dabei verwischen sich immer mehr die Grenzen zwischen Recherche, Obsession, Wahn und Wirklichkeit. Der Autor will den Menschen Hitler begreifen und sucht diesen nicht nur in der Literatur, sondern besucht die historischen Orte und Menschen. Doch wird der Stoff giftig und greift den Autor an. Es wird zu einer enormen Aufgabe und Bewältigung.

Feridun Zaimoglu schreibt, als würde er es selbst sein. Beide Autoren haben türkische Wurzeln und leben in Kiel. Zaimoglu ist oft mit seinem Notizbüchlein zu sehen, in dem er sich Notizen, Dialoge und Zitate notiert. So auch der Namenlose, der sich vornimmt gerade Hitler zum Protagonisten seines neuen Werkes zu machen. Hitler wird dabei mal reduziert auf „H“, um dann auch wieder das „Menschenschwein“ zu werden, der er war. Wie kam es zu jener Überidentifikation von so vielen mit dem postkartenmalenden Führer?  Woher stammen der Hass, der Faschismus und der Wahn? Der Stoff gärt, als würde Zaimoglu nach Aufmerksamkeit haschen, doch ist es der Versuch, die Sprachlosigkeit zu fassen. Immer tiefer versinkt der Autor in die Gedankenwelt um und von Hitler und verliert sich dabei in dieser. Als Schriftsteller den Verbrecher literarisch zu bändigen, kann nicht gelingen und das Begreifen wird zu einer Bewältigung und letztendlich entgleitet ihm die Kontrolle.   

Ein Roman, eine Recherche und eine Reise in die Vergangenheit. Die Verwandlung und die Verwischungen zwischen realen Figuren und den fiktiven heben sich kontinuierlich auf und es endet als sprachlosmachender Kunstroman.

Ein Roman, der sich rhythmisch in die Köpfe bohrt und dort noch lange tonangebend sein wird. Ein wichtiges Buch gegen das Ausblenden und Vergessen.

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Josefine Rieks: „Der Naturbursche“

Ein Roman über den Selbstfindungstrip eines gestrauchelten Literaten. Ein Autor, der in sich den Stoff für einen neuen Roman sucht und sich dabei in seinen Verlusten suhlt und den Naturbuschen findet. Es geht um die Aufgabe der Literatur, die Wirkung der Kunst und kreist dabei um die Popliteratur, die damals jung und neu war und doch zuweilen in der gekränkten Egoschau diverser angesagter Vertreter mündete. Die Handlung spielt 2001 und Andreas Martin von Hohenstein ist ein Popliterat der 90er Jahre. Er wird von einer Schreibblockade geplagt und zieht von Berlin in das Haus seiner verstorbenen Eltern ins Ostwestfälische. Dort hofft er, Ruhe zum Schreiben zu finden und in der ländlichen Idylle überhaupt Ideen für einen Roman zu bekommen.

Seine Wahrnehmungen kreisen beständig um sein Selbst. Besonders sein Trennungsschmerz beschäftigt ihn. Er hat seine Frau zu Studentenzeiten kennengelernt und beide haben früh geheiratet. Sie bewegten sich in Studentenkreisen, die auf Markenklamotten achteten, aber das Oberflächliche tadelten. Diese Ironie wurde hoch gehalten als Waffe oder als Mittel zur äußerlichen Abgrenzung. Diesen Zynismus möchte Andreas ablegen. Er gibt das Koksen auf, zieht sich in die Einsamkeit zurück und reflektiert das Erlebte. Ihm ist das Populäre abhandengekommen. Dies wird ihm bewusst, als er sich gerade in Kiel befindet und in launiger Gesellschaft in einer Gaststätte in Laboe gefragt wird, wo er gewesen sei, als die Anschläge vom 11. September passierten. Gerade diese Anschläge, die die bisherige Weltsicht zum Beben brachten, hat Andreas gar nicht mitbekommen. In der Konsequenz zieht er sich nun zurück und sucht ein Schreibrefugium. In der alten und nun neuen Heimat findet er eine homoerotisch aufgeladene Freundschaft zu einem charismatischen und spirituellen Mann. Der naturromantische Selbstfindungstrip ist der Stoff für diesen letzten Roman, den Andreas zwanzig Jahre später zu Papier bringt. Denn es ist ein Roman im Roman. Es ist das Alterswerk von Andreas, das wir lesen. Er blickt auf seine damalige Periode zurück. Als er noch Autor war beziehungsweise versucht, einer zu bleiben. Dabei wandern seine Betrachtungen auch zeitlich etwas weiter zurück und offenbaren seine verletzte Künstlerseele. Seine Berufung als Autor wurde von seiner Familie und seinem Umfeld oft in Frage gestellt. Dies und die Trennung von seiner Frau haben stets sein Ego angekratzt. Durch die narzisstische Weltsicht ist der Text oft sehr humorvoll.

In diesem Roman ist viel zu entdecken. Ein Gedankengeflecht, das um die alternde Popliteratur kreist, die sich selbst zuweilen dementiert. Dabei ist der Roman stets klug und witzig geschrieben. Niemals sind es Gedankengänge, die sich in verzweifelten Pointen verlaufen. Popliteraur, die ihren Höhepunkt zu Zeiten der Harald Schmidt Show hatte, die sich aber auch Sendeplätze mit Big Brother & Co teilen musste. Eine Demaskierung der maskierten Charaktere in der Kunstwelt. Eine witzige und lohnenswerte Lektüre, die eine junge Antwort auf die Werke von zum Beispiel Benjamin von Stuckrad-Barre, Christian Kracht oder Bret Easton Ellis ist. Hier wird die Demontage gefeiert, das Ablegen von narzisstischer Männlich- und Spießigkeit. Dabei wird der gegenwärtige Literaturbetrieb betrachtet und durchleuchtet. Ein Buch, das unglaublich viel Spaß macht zu lesen. 

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Cherie Jones: „Wie die einarmige Schwester das Haus fegt“

Wie aus weiter Ferne lockt dieser Roman uns in ein Paradies, das nur aus der Distanz ein Traumland zu sein scheint. Der Blick geht tief und gleich Schlägen prasselt der Inhalt und die Sprache auf den Lesenden ein. Die schöne Kulisse von Barbados wird Schauplatz für einen Choral aus Gewalt. Gewalt vordergründig ausgeübt an Frauen über Jahrzehnte hinweg. In einem kleinen Küstenort treffen reiche Menschen, die Villen am Strand besitzen, und Reisende auf Menschen, die schon lange in Armut leben. Somit ist der Ort nur für die Vermögenden und Touristen ein Traumziel. Für die einen somit ein Paradies und für die Anderen ein Fleck Erde, in dem sich ihre Not entfaltet und auf den eingeführten Reichtum trifft. Es kommt somit zu Konfrontationen, die zu Katastrophen führen. Die Handlung spielt hauptsächlich an einem Strandabschnitt von Baxter´s Beach und erzählt die Geschichte von Lala. Durch verschiedene Perspektiven und Sprünge in die Vergangenheit werden die Tragweite der Geschehnisse für die agierenden Charaktere und der Ursprung der Gewalt verdeutlicht. Ein Roman, der uns durch seinen kriminellen Spannungsbogen fesselt und durch die Dichte und Nähe zu den Figuren aufzurütteln versteht.

Das großartige und erbarmungslose Werk stand auf der Shortlist Women´s Prize for Fiction und hat den Deutschen Krimipreis gewonnen. Übersetzt wurde der Roman aus dem Englischen von Karen Gerwig. Durch die Handlung und die distanzierte, aber enge Sprache baut sich eine Stimmung auf, der sich der Lesende wohl kaum entziehen kann. Die Geschichte, die dem Werk den Titel gibt, basiert auf einer Warnung der Eltern an die Kinder. Wer sich seiner Neugier hingibt und sich der Unterwelt nähert, kann in diese gerissen und verschlungen werden. Ungehorsam gegenüber den Eltern und den Ehemännern kann ins Verderben führen, so die bildreiche Warnung an die Kinder. Doch für Lala klingt dies verlockend und birgt einen Hauch von Freiheit. Später haben sich die Befürchtungen der Großmutter und Mutter bewahrheitet. Lala taumelt und lebt im Abgrund und ihr Mann buhlt mit dem Verbrechen.

Adan ist ein Krimineller, der in einem Umfeld agiert, in dem Einbruch, Drogenhandel und Prostitution auf der Tagesordnung stehen. Er gerät in einen Strudel, als ein Einbruch in einer Strandvilla aus dem Ruder läuft und er dabei jemanden ermordet. Gerade in der Nacht, in der seine Frau Lala ein Kind blutig zur Welt bringt. Er ist kein sorgender Ehmann, sondern neigt auch in der Ehe zu Wutausbrüchen. Ein späterer und sinnloser Streit führt auch zum tragischen Tod des gemeinsamen Babys. Dies ist der Auftakt des Romans, in dem im Mittelpunkt Lala steht, die durch die Ereignisse hofft, dem Kreislauf zu entkommen. Aber ihre fast noch kindliche Art und die Ehe mit Adan binden sie an die Armut und die Gewalt. Wie die weiblichen Generationen vor ihr.

Ein ergreifender Roman, der uns hinter die vermeintliche Schönheit eines Paradieses blicken lässt. Das Werk ist eindringlich und authentisch geschrieben und entfaltet eine enorme emotionale Wirkung beim Lesen. Liebe, Verbrechen und Klassenunterschiede treffen hier sehr explosiv und literarisch aufeinander.

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Neues aus der Lyrikschatzkiste II

Lyrik ist eine Gattung der Literatur, die in der Verknappung durch das gezielte Wort, den Rhythmus und die Form Inhalte vermittelt. Es ist eine Kunstform, die durch die Reduktion ein Mehr erzeugt. Gedichte sind somit Werke, die wie von einem Steinmetz vom überfüllten Umfang befreit werden und lediglich das Wesentliche bestehen lassen. Dadurch ist die Lyrik nicht immer zugänglich, nicht immer ad hoc verständlich. Sie ist wie ein Samen, der gelesen langsam im Lesenden keimt und wachsen kann. Gedichte können dabei zu Bergen wachsen, Brocken werden, die es zu erklimmen gilt, um dann am Ende auf uns selbst zu blicken. Dies schreckt leider allzu oft ab und die Lyrik wird innerhalb der Buchwelt zu wenig beachtet. Denn es macht Spaß, sich den Wortklängen und Spielen hinzugeben. Gottfried Benn schreibt in einer Zeile: „Die Jahre halten ohne Schnee und Frucht bedrohend das Unendliche verborgen“ (Verlorenes Ich). Diese Weltflucht kann zeitgleich aber auch ein Einladung sein, die Welt etwas besser zu erfassen. Gedichte sind meist mehr mit dem Herzen als mit dem Kopf aufzunehmen. Es klingt etwas verkitscht, aber Lyrik ist meist eingefrorene Emotion, die im Betrachter innwendig schmilzt und das eigene Erlebte mit dem des Verfassers verschmelzen lässt.

Folgende Werke möchte ich zum Jahresausklang erwähnen:

Lina Atfa „Grabtuch aus Schmetterlingen“. Gedichte in Arabisch und Deutsch. Übersetzt und nachgedichtet aus dem Arabischen von Brigitte Oleschinski und Osman Yousufi. Mit einem Vorwort von Jan Wagner. Schmetterlinge als mythische Lebewesen, die durch ihre Verwandlung für einen Neuanfang stehen und seit jeher als Metapher für die Seele stehen, werden laut dem Titel mit einem Grabtuch, nach seiner letzten Erscheinungsform, zugebettet. Diese Gedichte haben einen enormen und tiefen Sprachklang und die Texte berühren und spannen einen Bogen über Krieg, Flucht und die Ankunft bei Nachbarn. Diese Lyrik schaut auf sich selbst, um zu der Erkenntnis zu kommen, dass Literatur sich mit dem Umfeld und der persönlichen Geschichte wandelt. Aber gerade dies muss der Literatur wiederum egal sein. Es tauchen bekannte Persönlichkeiten auf, wir erlesen Anekdoten, Geschichten und Humorvolles. Eine Nähe und eine Distanz verweben sich miteinander. Die Vergangenheit tanzt mit der Jetztzeit und legt ein passendes Corona-Gedicht anbei.

Ásta Fanney Sigurðardóttir „Ewigzeit“. Zweisprachige Ausgabe. Aus dem Isländischen übertragen von Jón Thor Gíslason und Wolfgang Schiffer. In den Isländischen Gedichten taucht man meist ein in eine klangvolle Märchenwelt, die uns dabei unsere Welt vor Augen führt. Nordische Mythologie und Sagen treffen auf den ewig verletzenden Menschen. Ein Wechselspiel zwischen Wirklichkeit, Traum und Albtraum. Diese Lyrik bietet auch Popkultur an und erklingt wie fixierte Songtexte, die auf eine Vertonung warten. Der eigene Kosmos, die selbst geschaffene Wirklichkeit sind oft eine Illusion, die den Träumenden nach dem Erwachen noch in den Gliedern steckt. Ein Klangraum voller Wunder.

Jacqueline Thör „Der Mensch und das Meer“. Jacqueline Thör verknappt ihre Kunst immer mehr und erzeugt dadurch einen Resonanzraum im Lesenden. Hier wird sich gänzlich auf das Minimalistische und das Wesentliche beschränkt und gerade dadurch erklingen die Worte länger nach. In den Bildern steht das von Menschen Geschaffene der Natürlichkeit gegenüber. Lyrik, die uns einlädt, einen Berg zu besteigen um sich selbst zu erblicken. Alles ist erneut rhythmisch, klangvoll und stilistisch durchdacht. In der Einfachheit versteckt sich oft ein Gedanke, der aufblitzt und erst später erhellend nachhallt. Einiges ist leicht verspielt und es macht viel Spaß, immer wieder in das Büchlein hineinzublicken.

Jedes Jahr bringt der Schöffling Verlag das Jahrbuch der Lyrik heraus. Die Ausgabe 2022 wurde von Matthias Kniep und Nadja Küchenmeister herausgegeben. Dieses Buch ist für seiende und werdende Lyrikliebhaber ein Pflichtkauf. Das Buch schreitet die poetischen Landschaften des deutschsprachigen Raums ab. Ein Klangraum voller Entdeckungen. Diese Anthologie bietet einen Einblick in das, was nur Lyrik alljährlich vermag.

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