
In den Romanen von Malin Thunberg Schunke ist das zentrale Organ Eurojust. Dies ist eine Behörde der Europäischen Union für justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen mit Sitz in Den Haag. Hier werden grenzüberschreitende Strafverfolgungen koordiniert. Die Autorin führt somit die Grundidee von Arne Dahl weiter und hat eine Krimireihe geschrieben, die an die Filmserie „Crossing Lines“ erinnert. „Tödliche Felder“ ist der zweite Band, kann aber gut ohne Vorkenntnisse des ersten Falls gelesen werden. Wenn es Überschneidungen oder Fortführungen gibt, werden diese nebenbei verständlich eingearbeitet.
Malin Thunberg Schunke weiß, worüber sie schreibt. Die Autorin ist Privatdozentin für Strafrecht und hat als Staatsanwältin gearbeitet. Sie wurde in Schweden geboren, lebt jetzt mit ihrer Familie in Hannover und auf Sardinien. Sie hat mehrere juristische Fachbücher geschrieben und 2019 ihren Debütroman „Ein höheres Ziel“, den ersten Fall um Eurojust, veröffentlicht. Die Besonderheiten sind dabei die unterschiedlichen Rechtsstaaten. In den Büchern werden Missstände, Unmenschlichkeiten, Korruptionen und Ungerechtigkeiten aufgedeckt. Die Charaktere stammen aus unterschiedlichen Ländern und auch die Handlungsorte sind europäisch verstreut. „Tödliche Felder“ spielt vorrangig in Italien und deckt die Machenschaften der industriellen Landwirtschaft, die Arbeitsbedingungen und das darin verwobene Netzwerk des Organisierten Verbrechens auf. Besonders in den Fokus rückt dabei das italienische rote Gold, die Tomatenernte. Doch wird hier tief gegraben und es kommen noch weitere Sümpfe des Verbrechens ans Tageslicht. Durch die kürzeren und in den Perspektiven wechselnden Kapitel baut sich die Handlung sehr bildreich auf und anhand der wachsenden Charaktere wird der Spannungsbogen aufrechterhalten, wenn nicht sogar kontinuierlich gesteigert. Aus dem Schwedischen wurde der Roman von Stefanie Werner übersetzt und herausgegeben von Jürgen Ruckh.
Ein internationales Ermittlungsteam wird unter der Leitung von Fabia Moretti und Esther Edh gegründet, weil Saisonarbeiter aus Polen und Rumänien in der Nähe von Neapel verschwunden sind. Die Anfragen der betroffenen Länder in Italien blieben bisher unbeantwortet und Eurojust versucht einzugreifen. Einige aus dem Team finden den Aufwand übertrieben und verstehen nicht, warum sie als größer angelegte Behörde überhaupt agieren sollten. Was einige nicht ahnen, Italien hat eine Spur verfolgt, die jenen Hof „Ecolofruit“ einbindet, auf dem die Verschwundenen tätig waren. Ein Oberhaupt der Mafia, das in vielen wirtschaftlichen Bereichen einwirkt, aber dem bisher nichts Belastendes bewiesen werden konnte, finanziert genau jenen Hof. Der Polizist Corrado Sanna schleust einen jungen Polizisten undercover auf den Hof ein. Da dieser Polizist sehr unerfahren und die Aktion sehr gefährlich ist, trifft diese Entscheidung nicht überall auf Befürwortung. Tommaso, der verdeckte Ermittler, trifft auf unmenschliche Arbeitsbedingungen während der Tomatenernte. Auf dem Hof herrscht ein ängstliches Schweigen, dennoch kann Tommaso einiges wahrnehmen, leider nicht genug und er trifft falsche Entscheidungen und missachtet manche Vorgaben auf allen Seiten und ein spannendes Spiel innerhalb des ländlichen Verbrechersyndikats beginnt.
In einem Dorf ganz in der Nähe lebt derweil eine Mutter, die ihren sehr jungen Sohn jede Nacht losschickt, um einem Mann, der in einer Baracke festgehalten wird, Essen zu bringen. Er soll mit dem, wie ihm erzählt wird, Verbrecher nicht sprechen, doch dieser spricht zu ihm und alles verstrickt sich und hat weitere Folgen, die sich mit dem ganzen Fall verbinden.
In Stockholm bahnt sich ebenfalls eine Krise an. Diesmal beginnt diese im privaten Umfeld von Esther Edh, die eine unharmonische Beziehung zu einem Mann pflegt, der seine eigenen und düsteren Pläne schmiedet. Auch innerhalb von Eurojust kommt es zu Unstimmigkeiten bezüglich der Vorgehensweise zum Fall in Italien und zum vorherigen, der nun Klagen nach sich ziehen könnte.
Ein Kriminalroman, der mehr mit Wahrheiten spielt und das Idyllische eines skandinavischen Romans gänzlich außen vor lässt. Dennoch die länderspezifischen Gewohnheiten, Kulturen und sogar die Kulinarik einbindet. Das Unheimliche dieser Serie ist das Authentische und das Grauen macht hier enorm viel Spaß. Eine Krimireihe, die begeistert.
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