
Es ist der Blick von einem, der zurückgekehrt ist. Das Buch beschreibt eine Veränderung der Perspektive oder die Verschärfung der Sehkraft. Der Titel deutet den wiederholten Einblick, aber auch den Blick aus dem oder auf den toten Winkel an. Der Autor sagt, er ist kein Geschichtenerzähler und doch hat er viel zu berichten. Es sind kurze Abhandlungen und Texte die den Stil eines Tagebuches verfolgen und gespeist sind aus Erinnerungen und Einsichten. Denn was sieht man, wenn man nach vielen Jahren in das eigene Land heimkehrt? Die Blicke von außen, nach außen und besonders nach innen werden hierbei fixiert. Kulturelles, Politisches und Gesellschaftliches wird durchdacht. Der Blick ist ein tiefgründiger, ironischer und die festgehaltenen Gedanken regen zum Nachsinnen an.
Rudolf Rach lebt von und mit Texten und ihren Interpretationen. Somit gibt er uns nun die Möglichkeit, durch seinen Blick unseren zu schärfen oder zu hinterfragen. Er wurde in Köln geboren. Er studierte Philosophie, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft. 1971 bis 1978 war er Leiter des Suhrkamp Theaterverlags. Bis 1981 war er Stellvertretender Generalintendant an den Bühnen in Essen. Danach war er erneut bis 1986 beim Theaterverlag Suhrkamp und ging in diesem Jahr nach Paris. Dort leitet er den Verlag L`Arche Editeur und bleibt über dreißig Jahre als unabhängiger Verleger tätig. Jetzt lebt er wieder in Köln und hat mehrere Werke verfasst. In seinem neuen Buch beschreibt er sein Leben, seine Empfindungen und Gedanken, die er sich anhand der Gegenwart macht. Sein Leben zwischen Deutschland und Frankreich. Ein Leben, das durch Kunst und Literatur geprägt ist. Nun treiben ihn die weltweiten Veränderungen um. Dabei ist ein Kompendium aus 89 kleinen Blicken entstanden. Seine Texte sind Lebenserinnerungen, Begegnungen, Anekdoten und Reflexionen. Er beschreibt Vertrautes und Fremdes. Er schaut auf die globalen Krisen und auf die individuellen Sorgen. Die Welt wird zerdacht, tritt als globale Heimat auf, während andere die Grenzen neu setzen. Die Abstände werden durch die Digitalisierung geringer und doch entfremden wir uns mehr denn je. Wie blickt das Ausland auf Deutschland? Wie blicken wir auf unser Umfeld? Wie gehen wir mit unserer düsteren Vergangenheit um? Stationen entlang des eigenen Lebens geben den roten Faden und dieser verwebt sich mit den politischen und kulturellen Ereignissen.
Diese Einblicke sind stets persönliche Betrachtungen, die uns zum Nachdenken bringen. Ein Bericht über die Veränderungen und Stagnationen. Alles mit scharfem Blick, der aber nicht frei ist von Ironie. Ein Blick in und durch den Spiegel. Diese textlichen Blicke sind eine anregende Lektüre.
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