
Wie das Comeback-Konzert einer geliebten Metal- oder Rockband, die nie weg gewesen ist, könnten wir diese Gedichtsammlung feiern. Doch sind es Gedichte? Ist alles nur Theater? In seinem Roman „Kapitulation“ erzählt er uns von einem seit Jahren erfolglosen jungen Mann, der sich als Dichter berufen fühlt und zum tragischen, aber auch humorvollen Sinnbild einer Generation wird. Hierbei wird das Scheitern zelebriert. Denn Lyrik, Theater, Roman, was soll das alles, außer viel Arbeit zu machen, denn Gedichte schreiben ist, laut Decar, Kampfsport. Ja, so ist es wohl, denn auch das Lesen möchte erarbeitet werden. Aber dann möchten beide Seiten, die erzeugende Stimme und die konsumierenden Augen und Ohren, Spaß dabei haben. Bitteschön, kann man haben. Autor und Verlag waren sich dann auch gleich der Nummer eins sicher und „Decar Nr. 1“ ist die Lösung.
In diesen Miniaturen, Gedichten und Spaßbildern wird uns ein Durchritt durch die literarischen Gegenwartsgattungen angeboten. Die Erzählstimme oder der Verursacher ist ein verkopfter Künstler oder ein Performance-Unterhalter, dies liegt ganz bei der persönlichen Stimmung und der Laune. Es muss ja nicht die eigene Laune sein, die dies entscheidet. Denn um diese auf allen Seiten zu heben, gibt es dieses Büchlein.
Die Texte umfassen das ganze Sein, das zwischen Herumgeistern, Herummurren und dem Sterben liegt. Dieses Sein kann sich auch mal beim Ankreuzen von Katalogware oder beim Einkringeln der Fernsehsendungen in der Zeitung für Oma und Opa erwischt fühlen. Das Sein hängt auch mal in Hamburg beim Fußball oder zuhause im DVD-Menü fest. Die Nummer Eins möchte zumindest wie Tom Cruise sein und sich lachend vor Einsamkeit im Schrank verstecken. Es gibt auch kritische Momente, besonders jene, die Decar vorhalten, er würde die Kunst durch Langeweile verschmutzen. Doch der Kritiker ist bekannt, benannt und ein kurzer Zauberspruch verbannt die missliche Laune. Somit Pendeln die Texte zwischen herzlicher Abrissbirne und herzloser Liebelei. Brecht als Vorbild kann hierbei zumindest nicht optisch mithalten. Dies zeigt auch die Erkenntnis, dass wir wohl alle alt und dennoch neu geworden sind. Erträglich wird ein Langstreckenflug wohl dann nur mit viel alkoholischem Getränk, gereicht in vielen geöffneten Flaschen. Es rumpelt im 21. Jahrhundert, also darf diese Sammlung auch rumoren. Somit sind wir wieder am Anfang: Was soll das? Es ist wohl eine Verteidigung, denn die Faulheit, das Nichts, die Götter, der Irrweg und die Arbeit gehören verteidigt. Denn wir wissen ja nun, Gedichte schreiben ist Arbeit!
Eine Anthologie, die Spaß macht und mit einer Leichtigkeit den Sinn und den Unsinn miteinander tanzen lässt. Hier geht es ja auch um alles und nichts. Somit verwendet Decar auch alles, was Literatur vermag und entzieht es ihr auch wieder. Lügen, Täuschung, Wahrheit und Hingabe sind nur Worthülsen, die wir selber fühlen und füllen dürfen. Ein leichtes, verrücktes und sehr unterhaltsames Werk, das auch was zu sagen hat.
Zum Buch in unserem Onlineshop
Weitere Lesetipps von mir und tolle Gäste auf YouTube: Leseschatz-TV








