
Amélie Nothomb kreist stets um ihren Ursprung, der für sie in der Ferne liegt. Es ist eine Heimat, die weggedriftet ist. Jeder Ortswechsel ist stets mit einer Verwirrung verbunden und dieses Gefühl der Deplatzierung ist ihr wohlvertraut. Diesem Gefühl spürt und reist sie nach. „Die unmögliche Rückkehr“ ist somit kein wirklicher Roman, sondern ein Reisebericht der besonderen Art. Sie versucht anzuknüpfen und diese Rückkehr wird für sie zu einem Rausch. Die Erinnerung und die Wieder- oder Neuerkundung stellen die Frage, ob eine Rückkehr überhaupt möglich ist. Sie schlüpft in ihr junges Ich und schaut mit ihren erwachsenen und belebten Augen auf das Land der aufgehenden Sonne. Sie entdeckt das Land wieder und mit einem ganz anderen Blick.
Als belgische Diplomatentochter wurde sie 1967 in Kobe geboren und verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Japan und Fernost. Als Studentin war sie ebenfalls länger in Japan, um später ihre Lieblingsstadt Paris zu entdecken. Ihre Romane werden weltweit gefeiert und sie hat diverse Preise erhalten. Gegenwärtig lebt sie in Brüssel und Paris. Japan ist in ihr ein ständiger und literarischer Sehnsuchtsort. Doch seit ihrer Kindheit und den vielen Umsiedelungen durch die Tätigkeit der Eltern hat sie sich eine Sesshaftigkeit gewünscht und sich auferlegt. Reisen mag sie nicht besonders, schon gar nicht zum reinen Vergnügen. Eine gute Freundin hat gerade einen Bildband veröffentlicht und dadurch zwei Flugtickets gewonnen. Der Zielort darf selbst bestimmt werden. Pep möchte nach Japan und Amélie soll mit, als Freundin, als Reisebegleitung und als landeserfahrene Führerin. Ein Unbehagen macht sich in Amélie breit und die Pandemie verzögert das Vorhaben, das dann aber doch letztendlich gelingt, zu unserer aller Glück. Denn bereits als der Flug in den Sinkflug geht und die Landmasse ersichtlich wird, freut sich Amélie. Sie war lange nicht mehr hier und ihre Wahrnehmung hat sich verändert. Sie erlebt alles neu und nimmt uns mit ihrem Text mit. Eine Reise, die zu einer ganz persönlichen wird und uns regelrecht an die Hand nimmt, mitreißt und begeistert. Dabei wird alles zu einem Abenteuer, das uns das Fremde, das Schöne und das Tiefgründige zeigt und es ist stets mit viel Hingabe und Humor geschrieben. Pep, die zum ersten Mal in Japan ist, nimmt neben der Japankennerin unsere Rolle ein, die das Land, die Städte und die Kulturen zum ersten Mal erlebt. Wir staunen, wir geraten ins Wundern und möchten selber sehen und schmecken. Denn die beiden Frauen testen und essen Länderspezifisches, sehen sich Sehenswürdigkeiten an und taumeln durch die belebte und erlebte Kultur. Amélie kennt den Sprachgebrauch und muss ihre Freundin, für die sie übersetzt oder dolmetscht, oft bremsen und stets in die jeweilige Gebräuchlichkeit umdenken.
Ein wunderbares Buch. Dieser literarische Reisebericht weckt eine enorme Sehnsucht, Japan selbst zu erleben. Die Verwebung von Selbstreflexion und Reisen geben dem Buch eine Tiefe und der besondere Blick, der oft Humor besitzt, erzeugt trotz der Kürze des Textes eine längere Verweildauer. Aus dem Französischen wurde das Werk von Brigitte Große übersetzt.
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