
Kristof Magnussons Romane versprechen stets gute Unterhaltung. Kristof Magnusson schreibt mit viel Humor und versteht es, besonders die Dialoge sehr lebendig wirken zu lassen. Ein Abenteuer- und Agentenroman, der mit einer cleveren Grundidee daherkommt. Die Handlung spielt in Zeiten der historischen Veränderungen und während des Auskühlens des Kalten Krieges. Das ganze Werk ist flüssig zu lesen und belebt durch die schrulligen Figuren. Alle seine Charaktere haben in diesem Roman eine Doppeldeutigkeit und im Prolog wird ein Ende beschrieben, dessen Werdegang und Geschichte dann erzählt wird und eventuell doch noch mit Überraschungen aufwartet und eventuell nicht das Ende der Geschichte ist. Das Ende der historischen Begebenheiten kann für einige das Aus ihrer Berufung, Weltsicht oder Tätigkeit bedeuten. Dabei liegt es an der Betrachtungsweise, wie die Gegenwart aufgefasst wird, als Beendigung des Vergangenen oder als Neuanfang für Zukünftiges.
Die Grundidee wurzelt im Literaturbetrieb. Die Handlung spielt in der Welt, die John le Carré sich erdacht haben könnte und doch bringt Magnusson hier den Witz mit hinein. Erinnerungen an den Klassiker „Das Rußlandhaus“ werden wach, wobei die pure Spannung hierbei immer mehr der Situationskomik und dem Humor Platz einräumt. Die Grundidee ist, dass Künstler und besonders Dichter ideale Spione sind. Sie können stundenlang irgendwo sitzen, Menschen beobachten und sich Notizen machen. Menschen, die bemerken, dass sie von Künstlern beobachtet werden, finden daran keinen Anstoß, sind offener oder fühlen sich sogar geschmeichelt. Somit können die spionierenden Künstler, wenn sie wortgewandt und empathisch sind, dem Gegenüber sogar einige Informationen entlocken. Dichter kommen dabei noch weit herum, sie reisen zu Buchmessen, zu Lesungen oder Buchpräsentationen. So ein Autor ist Jakob Dreiser. Er schreibt Lyrik und erhält überall Anerkennung. Er verweilt in Rom und wird gerade groß gefeiert. Der Kalte Krieg ist endlich Geschichte und die russische Botschaft lädt zu einer Gartenparty ein. Dort ist unter anderem auch Dieter Germeshausen. Ein Doppelagent, der immer irgendwie Pech zu haben scheint und meint einen großen Einfluss zu haben und doch nie wirklich Erfolge vorzuweisen hat. Das Ende seiner Zeit ist durch die politischen Umbrüche eingeläutet und doch hat er weiterhin seine Pläne. Einen großen Coup in Kasachstan möchte er noch machen bevor er untertaucht. Er hat Jakob Dreiser schon länger beobachtet und rekrutiert ihn auf dem Gartenfest. Dreiser ist ohne Gehaltsverhandlungen sofort dabei, ahnt er doch endlich Abenteuer zu erleben. Ferner tauchen noch weitere Charaktere auf, deren Loyalitäten auch oft in unterschiedliche Richtungen gestreut sind. Die Reise geht nach Kasachstan und eine turbulente Geschichte beginnt. Es geht um eine kulturelle Veranstaltung, eine alte Hubschrauberfabrik und um den Erwerb solcher Flugkörper. Dabei bespitzelt jeder irgendwie jeden und es kommt sogar zu einer Vergiftung in einer Hotelbar.
Magnusson macht, was er am besten kann. Fabelhafte Geschichten ersinnen und in diese schrullige Figuren hineinzuwerfen. Das Buch hat sehr viel positiven Witz und ist weit weg von einem gewöhnlichen Spionageroman. Die Handlung wird durch wechselnde Perspektiven erzählt, die alle mit viel Liebe zum Leben erweckt wurden. Ein großer Lesespaß.
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