
Ein fesselnder Roman, der uns durch seine ungeschönte Sprache, das Setting und die Handlung sofort gefangen nimmt. Ein Apartmenthaus in New York in dem sich Arm und Reich trifft und somit als Gebäude für eine Gesellschaftsstudie herhält. Ein Roman, der sehr zynisch, tiefgründig und humorvoll geschrieben ist. Es ist kein herkömmlicher Kriminalroman, aber die Spannungsmomente werden gleich mit der ersten Szene platziert.
Eine noble Wohnadresse in New York, die alles verbindet. Reich, Arm, Kunst, Skrupellosigkeit, Menschliches und Unmenschliches. Mittendrin der Portier, der Nachportier, der für alle da ist und sich zum ersten Mal bewaffnet. Dass er sich bewaffnet wird gleich am Anfang gesagt, zu einer Zeit, als um das luxuriöse Gebäude Unruhen entstehen. Es brennt in der Stadt, nachdem zwei Schwarze durch Polizeigewalt umgekommen sind.
Der Portier Chicky übt seine Tätigkeit gewissenhaft und schon seit Jahren aus. Er kennt die Bewohner, er kennt die Gewohnheiten und den individuellen Umgang. Seine Frau ist verstorben und seitdem hat er einen hohen Schuldenberg an Rechnungen zu begleichen. Sein Blick auf die Welt seiner Behüteten ist ein ganz anderer, als der jener, denen er den Eingang ermöglicht. In einem Apartment lebt Emily Longworth mit ihrem Ehemann, den sie seit Jahren verabscheut. Für ihn ist jedes Mittel recht, um Geld zu machen. Seine schmutzigen Geschäfte kennt Emily, aber die finanziellen Konsequenzen einer Trennung könnte sie nicht verkraften. Auch im Gebäude lebt der Galerist und Kunstvermittler Julian Sonnenberg. Er ist innerlich gestürzt und empfindet sich als irrelevant. Als Kunsthändler und innerhalb seiner Familie. Er wird nicht mehr benötigt. Inmitten dieser Welten steht Chicky, der Portier, und es beginnt zu brodeln.
Eine bissige Gesellschaftskritik voller Spannung und Humor. Der Stil, das Vokabular und die aufbauende Stimmung erinnern an die Werke von Stephen King, ohne den übernatürlichen Horror benötigen zu müssen, denn das gesellschaftliche Bild ist ausreichend. New York als Sehnsuchtsziel mit dem Versprechen des amerikanischen Traums gerät ins Wanken. Mit wenigen Charakteren und mit nur einem Setting baut sich ein ganzes Panorama auf. Ein Blick in die gegenwärtige Welt, auf die politische und gesellschaftliche Entwicklung, zwischen Arm und Reich. Außerhalb und in den vermeintlich geschützten Wänden herrschen die Verrohung, der Rassismus und die Diskriminierung. Viele Themen werden in diesem Spannungsroman eingebaut, ohne die Handlung zu überlagern. Ein facettenreiches Werk, dessen Handlung und besonders das Ende nachhaltig beschäftigen werden. Die Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch stammt von Karin Dufner.
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