
Eine Novelle, die sofort eine Stimmung erzeugt, die an klassische, aber auch moderne Gruselerzählungen erinnert. Ein Spiel zwischen Käufer und Verkäufer, Dieb und Gaunerin, Noblesse und Armut. Die Novelle bezieht sich auf Gustav Meyrink, dessen Wohnsitz hier Raum gibt und sich die phantastische Welt hieraus Raum bricht. Die Verbindung zu den Klassikern der Gothic Novel und der phantastischen Literatur ist gegeben. Ferner die Offenlegung des Spießbürgertums und die daraus erwachsende Surrealität. Doch erzeugt Dana Polz etwas Eigenes und erzählt mit einem umgangssprachlichen Sprachklang ihre Geschichte, die dialoglastig geschrieben ist. Der Text übt eine Faszination aus, lässt uns gruseln und sogar schmunzeln. Vorrangig geht es bei der kleinen und einfachen Geschichte um den Ausgleich von Ordnungen.
Der Juwelier Severin Bukolic mag die Menschen nicht sehr. Er mag sie als Objekt, als Träger seiner Kunstwerke. Hierbei liegt seine wahre Bestimmung, das Erkennen, wen was kleidet. Kunden, die sich etwas selbst aussuchen, werden bei ihm oft enttäuscht, denn er verkauft nur etwas, was er passend für die Person auserwählt hat. Es muss für Ihn stimmig sein und sobald dies in Schräglage mit der Vision des Charakters und der echten Persönlichkeit gerät, verkauft er lieber nichts. Seine Angestellten wissen von seiner Besessenheit. Doch eines Tages betritt das Fräulein Grisell sein Atelier und bewundert seine Werke in der Amethysten-Auslage. Dieser Stein ist fordernd, eigenwillig, schonungslos und passt nicht zu dem Erscheinungsbild von Grisell. Daher verkauft er ihr nichts, wobei sie alles haben will. Als er etwas anderes zeigen möchte und kurz abgelenkt ist, ist sie mit dem Schmuck verschwunden, hat aber Geldbündel liegen gelassen. Severin empfindet es, trotz der eigentümlichen Bezahlung, als Diebstahl und mit der Hilfe eines Detektivs gaunert er sich den Schmuck zurück. Der Bestohlene wird ein Dieb und ein Kreis schließt sich aus immer mysteriöseren Erlebnissen.
Severin, der sich krebskrank empfindet, hat eigentlich nichts mehr zu befürchten, doch der wuchernde Kern ist einer ganz anderen Natur und diese findet er erst durch weitere Begegnungen mit Grisell und ihrem merkwürdigen Umfeld, in dem auch Tote zu sprechen scheinen. Der Schmuck wandert zwischen den Beiden und das Strahlen der Edelsteine verändert die jeweilige Sicht und wer letztendlich wen beklaut, gerettet oder sich mit Schuld beladen hat, bleibt im Spektrum der Erscheinungen.
Eine kurzweilige und unterhaltsame Novelle, die trotz der umgangssprachlichen Dialoge viel Charme besitzt.
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