
Ein großer und begeisternder Hemingway-Roman. Um dem Inhalt Gewicht und Wahrhaftigkeit zu geben, ist die eingenommene Ich-Perspektive ratsam. Sobald der Kern sich nur um gehörtes und lediglich wiedergegebenes handelt, verliert sich der persönliche Bezug. So eine Theorie. Kann nur eine eigene Erzählweise erfolgreich sein, wenn es tatsächlich erlebt wurde? Lebt Literatur nicht auch von der Imagination, Phantasie und Empathie? Michael Kleebergs Roman spielt mit dieser Fragestellung und tischt uns einen Roman auf, der sich um die Mythen des großen amerikanischen Autors dreht. Dabei tauchen wir ein in eine faszinierende Welt um die Wirkungskraft der Literatur innerhalb der Kulturgeschichte und unserer Weltgeschichte. Die Werke von Hemingway erhalten eine neue Lesweise und sein Personenkult eine andere Perspektive.
Der Titel deutet auf den antiken Helden Achilles hin. Ein Held, der ohne Patroklos nicht denkbar ist und gleichzeitig durch das Bild der Ferse sehr verwundbar ist. Die griechische Tragödie also in traumhafter Kulisse auf Sizilien. Hier mündet die Handlung in einem Fund, der alles in ein anderes Licht rücken könnte. Wie in einem Hemingway-Werk, bäumt sich hierbei ein Eisberg auf. Hemingway minimierte die Sprache und Emotionen stets, um bei seinen Lesern Empathie, eigene Gefühle und Gedanken zu erzeugen. Dabei sehen wir stets die Spitze des Berges, den Rest gilt es selbst in sich zu ergründen. Hemingway als männlicher Autor, der über Krieg oder über den Stierkampf schreiben konnte, aber dennoch auch die Verletzlichkeit anzudeuten verstand. Er war ein Wegbereiter der modernen Literatur. Ihm widmet Michael Kleeberg sein Werk und hat dadurch ebenfalls große Literatur geschaffen. Es ist ein wunderbares und lehrreiches Spiel aus Realität und Fiktion.
Durch die Handlung ziehen sich das Leben und die Begeisterung des amerikanischen Autors. Alles aus der Perspektive des Erzählers, des suchenden Ichs, der auf den Spuren seines Idols wandert. Ein junger Mann, der Autor werden möchte. Ein junger Mann, der sich nach seiner Männlichkeit fragt. Es ist Michael Kleeberg, der sich fragt, was einen guten Schriftsteller ausmacht und wie man zu einer Ikone werden kann. Dies nicht auf das Ego bezogen, sondern auf das kreative Werk, das bleibend sein soll. Um etwas erzählen zu können, sollte man etwas erlebt haben. Somit macht sich der junge Kleeberg auf, um zu erfahren, was sein Vorbild erlebte. Er möchte auch den Krieg erleben und verlässt nach dem Abitur Hamburg und fliegt nach Costa Rica, um sich beim Freiheitskampf einzubringen. Dort erlebt er einen kurzen Kampf und lernt seine große Liebe kennen. Sie ist Amerikanerin und beide träumen von einer gemeinsamen Zukunft und er begleitet sie zurück in die Staaten. Ihr Vater, dessen Familie durch den Holocaust umgekommen ist, empfängt ihn als Deutschen ungern. Doch das Treffen mit der Mutter wird das Leben von Kleeberg verändern, denn es stellt sich heraus, sie ist die erste und große Liebe seines Idols. Nun beginnt sein Wissensdrang sich enorm zu steigern. Sein Leben lang wird er Hemingway erforschen und sogar seine Arbeiten über ihn schreiben, um letztendlich auch sich zu finden. Beim Schreiben möchte er hinter die letzten Geheimnisse seiner Ikone kommen. Der amerikanische Held, der sich selbst zu inszenieren wusste und in Europa, letztendlich in Taormina, ein Geheimnis neben seinen ganzen Mythen hinterlassen hat.
Michael Kleeberg ist ebenfalls ein Autor, der schreiben, erfahren und erfühlen kann, was sich von seinem realen Leben unterscheidet. Es gibt den Autor des Buches, den realen und jenen, den Erzähler, der wie sein Idol ausschmückt und verändert. Der Erzähler ist ein literarisches Produkt, das sich der Wahrheit annähert. Der Roman ist ein Werk der Fiktion. Er basiert auf dem aktuellen Stand der Hemingway-Forschung. Auch wenn Autor und Erzähler viel gemeinsam zu haben scheinen, ist die Handlung inspiriert oder hineinmontiert. Dies ist alles so klug aufgebaut, dass es eine Freude ist, den Wahrheiten und Fiktionen, die hier gleichberechtigt alles beleben, zu folgen. Ein Roman, der begeistert, auf das Werk Hemingway neugierig macht und mit viel Überzeugungskraft die Liebe zur Literatur in jeder Szene feiert. Der Kunstgriff, die Hauptfigur nach sich zu benennen, ist ein weiterer Fußabdruck des Idols, der der versteckten literarischen Wahrheit Gewicht gibt. Ein wirklich großer Roman.
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