
Die ersehnte Fortsetzung von „Die Romantik soll mir mal im Mondschein begegnen“ erzählt die Begebenheiten um das Café weiter. Erneut nehmen wir alle im gemütlichen Kieler Café mit dem Erzähler, mit Claudia, mit Katharina und den weiteren Gästen Platz. Ein Café als Rückzugsort , Treffpunkt und ein Ort, in dem die Hektik des Alltags durch Geselligkeit und durch leckere Warmgetränke und Gebäck ausgeblendet wird. Es ist ein kleines Café auf dem Campusgelände der Universität, das sich aber leider doch nicht gänzlich den Lebensveränderungen und äußeren Umständen verschließen kann. Mit Witz und Hingabe wird hier ein Ort mit all seinen Besuchern und Bewohnern lebendig, die uns nicht mehr loslassen.
Im Mittelpunkt steht erneut ein Café. Ein Ort, in dem Menschen verweilen, Luft holen und dem Chaos um sich herum trotzen oder entkommen möchten. Der Erzähler kehrt hier immer wieder ein. Um in der geselligen Einsamkeit der Räumlichkeiten zu schreiben oder sich mit Claudia zu treffen. Claudia ist eine besondere Freundin. Sie schreibt seit Ewigkeiten an ihrem Roman und hat ein tiefgründiges, und empathisches Verständnis. Sie erörtert gerne Lebenssituationen der anderen, ohne zu viel von sich selbst eröffnen zu müssen. Sie ist dennoch offenherzig und stets für einen guten Rat zu haben. Der Erzähler schreibt Lyrik, die ihm aus der Situation heraus aus der Hand fließt. Er schreibt alles mit einem Füllfederhalter in sein Notizbüchlein. Dabei wird das Alltägliche lebendig und das Unbehagen, das eventuell durch andere Gäste ausgelöst wurde, wird nicht in eine reale Reaktion umgesetzt, sondern in einer Wortsanktion im Notizbuch verewigt. Claudia kennt ihr grübelndes Gegenüber ganz genau. Weiß sein Schweigen und seine Worte genau zu interpretieren. Sie ist eine Freundin, die um sein Liebesleben besorgt ist, denn wandern nicht oft seine Blicke zu Katharina, die im Café arbeitet und bestellt er nicht nur bei ihr seine Lieblingswaffel? Vor einem Jahr hatten beide auch schon einen gemeinsamen Ausflug zum Weihnachtsmarkt gewagt. Doch seitdem ist viel passiert und es ist fraglich, ob Katharina weiterhin die Geduldige bleibt. Der Erzähler ist selten entscheidungsfreudig oder spontan, daher ist es erneut an den Freunden, ihm den entsprechenden Stoß oder Hinweis zu geben. Somit beginnt eine schöne Liebesgeschichten mit Treffen, Tanzunterricht und Spaziergängen an der Förde. Doch sind die Ereignisse um das Café vordergründig. Im Zentrum steht immer die Freundschaft. Eine Freundschaft, die auch Missverständnisse, leise Eifersucht und doch etliche Zuwendung und Liebe beinhaltet. Wir erfahren Lebensweisheiten, die beim Dönerkauf und dortigen preisgebotenen Musikvideos geboren werden. Für alle bahnen sich mit auslaufendem Studium neue Lebensabschnitte an und jede Veränderung beginnt das Gefüge zu strapazieren, besonders für den Erzähler, der gerne oft alles so beließe, wie es war. Doch auch er muss sich den anbahnenden Veränderungen stellen und den frischen Wind, der ins Café weht, akzeptieren. Wendepunkte zeigen oft schon am Beginn dieser Erzählkurve, dass hier etwas aus dem wohligen Ruder läuft. Zum Beispiel der Ausflug in das Gewimmel der Kieler Woche. Die Kapitel sind alle kleine Geschichten, die uns wohlig einsaugen in diese schöne Welt. Es kommt viel Liebe, aber besonders eine große Freundschaft vor. Das, was erzählt wird, sind Lebensmomente, die das kleine Besondere im Alltag beleuchten.
Dieses Buch macht enorm süchtig und wir haben alles sehr gern, was gesagt oder erlebt wird. Arne Suttkus kann wunderbar schreiben und unterhalten. Seine Dialoge sind sehr lebendig und authentisch. Wenn man ihn kennt, ahnt man, wieviel von ihm in den Erzähler gewandert ist. Die Handlung spielt erneut in Kiel und es ist mit seinem Vorgänger wohl einer der besonderen Romanzyklen aus der Fördestadt. Doch ist es eine Geschichte, die überall erlebt werden kann, wo es ein gemütliches Café gibt, das eine Tür zum Leben öffnet. Ohne viel Aufhebens wird hier still und leise ein Leben beschrieben, das in sich genug zu erzählen hat und mit Leichtigkeit, Humor und Schönheit spielt.
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