
Ein Roman, der vieles heraufbeschwört und zeigt, dass das Hervorgebrachte niemals wirklich geendet hat. Durch die vielschichtige Handlung, die bis in unsere Gegenwart greift, werden die Charaktere und die Geschichte sehr lebendig. Der Erzählstil ist zugänglich und die Erzählebene wechselt in den Zeiten, um aufzuzeigen, wie aktuell die damaligen Ereignisse heute noch oder wieder sind. Der Roman verarbeitet die reale Geschichte einer außergewöhnlichen Frau, ihr liebloses Familienverständnis und ihren Kampf für die Freiheit. Der Titel stammt aus dem Gedicht „Der Panther“ von Rilke und bezieht sich auf die Handlung, denn es ist das hinter Gittern gefangene Tier, das die Freiheit nur durch die Stäbe erahnt und müde wird. Das Gefühl der Vereinsamung innerhalb der gesellschaftlichen Mauern und der Wunsch nach Freiheit des inneren Wesens sind die Hauptmerkmale des beschriebenen Frauenlebens in extremen Zeiten und Umständen.
Die Kinder von Luise haben bisher wenig von ihrer Mutter über die eigene Familie erfahren. Das ändert sich im Jahr 2016, als diese bei Luise Fotos finden und Luise sich auf die Spurensuche begibt, um endlich Antworten zu erhalten, warum sie eine lieblose Kindheit hatte. Sie versucht für ihre Kinder eine innere Versöhnung zu finden. Ihre Mutter, Inge, hat das Muttersein niemals erfüllen können und Luise bei Freunden, fernen Verwandten oder in Heimen aufwachsen lassen.
Inge wird streng erzogen und fürchtet sich vor den Gefühlsausbrüchen ihres Vaters. Eine innere Wut, die sich wie ein explodierendes Tier aus dem Innersten befreit, wütet und sich aber auch schnell wieder bezähmt. Dieses innere Tier wächst auch in ihr und mit ihrem Erwachsenwerden gewinnt diese innere Zerrissenheit immer mehr an Stärke, die sie aber lernt zu bändigen. Es sind die Jahre des wachsenden NS-Regimes und ein Unwohlsein, eine Unsicherheit und ein gegenseitiges Misstrauen breiten sich aus. Mit der Machtübernahme verändert sich das gesellschaftliche Miteinander und Inge ahnt den Schrecken, der sich immer mehr ausbreitet. Ihre erste große Liebe muss mit seiner jüdischen Familie auswandern und die Angst vor dem ausufernden Machtgefühl der Mitläufer wächst. Diese Angst vor dem Regime breitet sich in der Kunstszene aus, die Inge sehr schätzt. In der Kunst, besonders in der Musik, kann sie ihre Freiheit finden. Es ist gerade die Kunst, die sie bewundert, die verboten wird. Inge geht oft den Weg entgegen der gängigen Gewohnheiten und sie beginnt, Medizin zu studieren. Das entspricht nicht dem damaligen Frauenbild und sie muss sich überall behaupten. Ihre Verzweiflung und Wut wachsen mit dem Schrecken des NS-Regimes und dem beginnenden Krieg. Sie wird ungewollt schwanger und die Ehe mit dem Vater des Kindes hält nicht lange. Sie muß viel arbeiten und kann keine Verbindung zu der eigenen Tochter aufbauen. Während der Ausbildung lernt sie die perfiden Machenschaften der Medizin, Politik und Machthaber kennen. Sie findet Halt in der Musik und lernt die Pianistin Elly Ney kennen. Während die Angst vor der Gestapo immer greifbarer wird, freundet sie sich mit Alex Schmoerll an und unterstützt den Widerstand der Weißen Rose. Die inneren und äußeren Zustände der damaligen Zeit prägen Inge und ihre Tochter Luise. Die Geschichte hat nicht aufgehört.
Der Roman lässt uns die Dunkelheit der damaligen Zeit nachspüren und verbindet die Vergangenheit sehr gekonnt mit unserer Gegenwart. Die Figurenzeichnung ist sehr nahbar und wir verbinden uns zügig mit den Charakteren. Die Verletzlichkeit, die Sorgen, Ängste und die Wut werden regelrecht spürbar beschrieben.
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