Iris Wolff: „Die Unschärfe der Welt“

Iris Wolff Die Unschärfe der Welt

Erneut ein sehr feinfühliges Werk von Iris Wolff. Die Sprache schwebt förmlich durch die ganze Geschichte. Durch die poetischen Schilderungen und Charakterisierungen leben die Figuren noch länger im Lesenden. Mit deutlichen Bildern und einer klaren Sprache erleben wir die Verknüpfungen von einer Familie und deren Begegnungen in einer politisch wandelbaren Zeit. Iris Wolff erzählt erneut Geschichten und außergewöhnliche Momente über mehrere Generationen und Ländergrenzen hinweg. Gleich ihren vorherigen Werken ist „Die Unschärfe der Welt“ ein atmosphärisch wunderschönes Buch, das sich immer mehr im Leser entfaltet.

Was machen Grenzen, die wir uns auf Landkarten oder in der Sprache setzen, mit uns? Was bedeuten Erinnerung und die Bilder, die sich andere von uns gemacht haben? „Die Unschärfe der Welt“ verbindet und entzweit, um am Ende letztendlich doch einen Bogen geschlagen zu haben. Die Unschärfe verliert ihre Konturlosigkeit und die Figuren treten mit ihren Geschichten immer plastischer hervor. Iris Wolff agiert mit Inhalt und Sprache wie eine Zauberin, die wie jeder Magier anfänglich in ein Thema einführt, dann etwas offenbart und wieder verschwinden lässt bis es wieder auftaucht. Ein Zauberkünstler lebt für das Finale. Vorher zeigt er uns, was er möchte, was wir sehen sollen, um uns dann zu überraschen.

Vor dem Hintergrund des zusammenbrechenden Ostblocks und der Geschichte des 20. Jahrhunderts wächst dieser Roman mit seinen Figuren. Da sind Hannes und Florentine, die zwei Reisende beherbergen, die Jahre später erneut die Wege der Familie kreuzen werden. Aber hätten die beiden den jungen Liebenden aus der DDR auch dann geholfen, wenn sie gewusst hätten, was sie damit in Gang gebracht haben? Ihr Sohn, Samuel, der sehr introvertiert und still durch das Leben wandert, bildet den hauptsächlichen roten Faden. Er lernt das Leben und Lieben kennen und hilft Oz, einem Freund. Doch ist es auch die Liebe, die diese beiden Menschen über Grenzen hinweg entzweien wird.  Hier fliegt auch mal ein fauchender Drache als Symbol der Bedrohung durch die traumsichere Episode. Auch die Geschichte der Großeltern wird erzählt und die von Bene, dem Buchhändler, der nicht verstehen kann, warum man Bücher überhaupt leihen mag, wenn diese doch zum Leben des Lesenden dazugehören. Jedes Buch birgt doch die Chance, den Leser so zu berühren, dass man jenes Buch niemals wieder hergeben mag. So auch die Bücher von Iris Wolff. Diese Werke und die Lebenswege und Schicksalsschläge der hier beschriebenen Wahlverwandten bleiben in Erinnerung und gehören in den Kanon der wichtigen, jungen Literatur.

Ein kunstvoller Roman, der begeistert und einen mit der schönen Sprache durch die Geschichte schweben lässt.

Zum Buch / Shop

Weitere Lesetipps von mir auch auf YouTube: Leseschatz-TV

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Erlesenes

Alexa Hennig von Lange: „Die Wahnsinnige“

Alexa Hennigvon Lange Die Wahnsinnige DuMont

Der Kampf einer Frau, die ihre Emotionen zeigt und lebt, um Selbstbestimmung und Freiheit. Es ist ein Roman vor historischer Kulisse. Johanna I. von Kastilien ist Infantin und könnte den Thron eines Weltreiches erben. Doch geht sie in die Geschichte als Johanna die Wahnsinnige ein. Alexa Hennig von Lange hat diese historische Persönlichkeit zum Glück gefunden und schreibt über sie einen Roman, der das womögliche Leiden dieser Frau in Literatur verwandelt. Viel zu lange war der Wahnsinn weiblich. Frauen wurden sogar noch bis in das 19. Jahrhundert als Wahnsinnige oder Hysterikerinnen weggesperrt. Dieses Schicksal ereilte auch Johanna von Kastilien. Doch war sie wirklich eine Wahnsinnige?

Johanna von Kastilien wurde 1479 in Toledo geboren und starb 1555 in einem Kloster in Tordesillas, in dem sie die letzten fünfundvierzig Jahre ihres Lebens in Gefangenschaft verbracht hatte. Bis zuletzt war sie Titularkönigin von Kastilien, León, Aragón und dem neu entdeckten Amerika (westindische Inseln und Festland am Ozean). Sie hat diesen Titel nie angestrebt und er fiel ihr auch letztendlich erst zu, als alle anderen, die Anrecht auf den Thron hatten, verstorben waren.

Der Roman beginnt mit einem Brief, den Johanna von Kastilien an ihre Tochter im Jahr 1525 schreibt. In diesem wird der tiefe Wunsch nach einer besseren Welt spürbar. Ein Sehnen nach Freiheit in einer verrückten und männerdominierten Welt. Doch möchte man eine Welt neu formen, muss man sich selbst verändern. Die Handlung beginnt 1503 in der Festung La Mota. Johanna von Kastilien soll hier aus Sicht der Menschen ihres Umfeldes zur Vernunft kommen. Ihre Mutter, Isabella, die Königin, regiert mit herrischer Hand und strenger Härte. Viele starben durch ihren Erlass auf dem Scheiterhaufen. In ihrer Tochter sieht sie nicht die Erbin ihres Weltreiches. Johanna bedeutet die Macht nichts. Sie hat ein Gespür für Ungerechtigkeiten und zeigt ihre Gefühle und lebt diese oft aus. Sie wurde, als sie noch ein Kind war, mit Philipp dem Schönen aus Flandern verheiratet. Diesen hat sie schon länger nicht mehr gesehen. Anfänglich wurde aus der politischen Hochzeit auch Liebe. Doch Philipp ist untreu und hält sich viele Mätressen und somit schwindet die Hoffnung auf Liebe in Johannas Welt und es wächst in ihr Wut, Trauer und Schmerz. Diese junge, verletzte Frau will 1503 zu ihrem Mann, um mit ihm zu reden und ihm ihre Wut zu präsentieren. Doch wird sie auf Geheiß ihrer Mutter festgehalten. Sie wird durch die Bediensteten und die Kirchendiener betreut und bewacht. Sie geht nicht zur Beichte und fordert ihr Umfeld heraus. Sie will ihre Freiheit, die anscheinend nur den Männern vorbehalten ist. Sie möchte Liebe erfahren und für ihr Leben selbst Entscheidungen treffen dürfen. Sie, die als Jugendliche verheiratet wurde und Kinder bekam, als sie selbst noch eines war, beginnt ihre Emotionen zu zeigen. Oft sind es Wutausbrüche. Doch ist sie deshalb eine Wahnsinnige? Hat sie ihre Gefühle nicht unter Kontrolle oder will sie nur menschlich behandelt werden in einer Zeit, in der Ungerechtigkeit und das Streben nach Macht vordergründig waren? Ist es das Umfeld, das wahnsinnig war oder hat es diese junge Frau wahnsinnig werden lassen? Diesen Fragen geht die Autorin nach und hat damit einen historischen Roman geschrieben, der durch den Blick zurück ein Bild der Gesellschaft beschreibt. Eine Welt, in der Machtmissbrauch, Ausbeutung und Härte immer weiter verfeinert wurden und sich eventuell bis heute nicht groß verändert haben.

Alexa Hennig von Lange hat ihren Stoff gefunden und füllt diesen mit Leben. Der Roman erzeugt eine passende Stimmung und trotz der modernen Fingerzeige ist es ein Roman im historischen Gewand. Die innerlich rebellische Autorin hat eine Persönlichkeit zum Leben erweckt, die ihr somit aus der Seele gewachsen wirkt. Der Roman beschreibt den Wunsch nach Individualität in Bezug auf das Umfeld und die eventuelle Bestimmung. Ein sehr lesenswerter Roman.

Zum Buch / Shop

Weitere Lesetipps von mir auch auf YouTube: Leseschatz-TV

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Erlesenes

JJ Amaworo Wilson: „Damnificados“

001

Ein Märchen, das keines ist. Ein Abenteuerroman, der schelmisch die Wirklichkeit beschreibt. Der Roman wird fast schon einfach erzählt, entfaltet aber eine enorme Wirkung, erzeugt cineastische Bilder, spielt mit Kultur, Mythen sowie Religion und beweist einigen Humor.

Es ist der Aufschrei der Opfer, der Armen und der Verdammten. Sie haben einen Anführer, einen Krüppel, der sich um seine mitstreitenden Seelen sorgt und kümmert. Die Geschichte von Nacho Morales, dem Krüppel, ist somit auch irgendwie die Geschichte von Moses und Noah. Denn er wurde als Säugling von einem Lehrer im Schilf eines Flusses gefunden und führt nun eine Schar Überlebender der Müllkriege an und baut eine Art Arche.

Diese Arche ist aber eher ein Monolith, ein Koloss von einem Bauwerk. Es ist ein Turm und das drittgrößte Gebäude von Favelada. Er steht dort am Rande der Stadt, die auf Müll erbaut wurde. Alles beginnt damit, dass die Menschen ihren Müll in die Wüste schickten. Doch die Menschen, die sich dort ansiedelten, lieferten diesen Müll zurück und es begann der erste von fünf Müllkriegen. Die Opfer, die Verdammten und die Armen ziehen nun in diesen Turm. Angeführt von Nacho und seinem kraftvollen Begleiter. Der Turm wurde damals von einem Irren errichtet, der sich ausversehen zu Tode stürzte, und steht schon seit Generationen leer. Das Gebäude wird durch die Damnificados besetzt und bedingt wohnbar gemacht. Es müssen noch biblische Plagen und mystische Wesen vertrieben, bekämpft und überstanden werden. Doch die Gemeinschaft wächst zusammen und bekommt auch immer mehr Zuwanderer. Strom und fließend Wasser gibt es auch ab und zu. Es gibt einen Bäcker, der auch schon mal das Antlitz Jesus bäckt. Es gibt einen Schönheitssalon und Schulen. Die Etagen füllen sich mit Leben und aus dem Leben im Turm wird eine Utopie. Nachos Bruder, der verlorene Sohn, taucht auch wieder auf, wie leider auch die Nachfahren des Erbauers des Turms, die ihr Eigentum zurückverlangen. Eine erneute Schlacht bedroht nun die Damnificados, ein Kampf, der aussichtslos erscheint.

Biblische Bilder tauchen immer wieder auf. Der Turmbau von Babel, die Sintflut, Moses und viele mehr. Die Vielschichtigkeit der Kulturen und die diversen Sprachen sind aber kein Zerwürfnis wie einst in Babel, sondern schaffen ein buntes Miteinander. Der Autor JJ Amaworo Wilson, Sohn einer Nigerianerin und eines Engländers, wurde in Deutschland geboren. Er lebte an vielen Orten der Welt und hat somit seine eigene Vielfältigkeit in das Werk einfließen lassen. Das Buch wurde bereits mit Preisen nominiert. Diese Geschichte um den Turm, der in dieser Utopie auf Müll gebaut und von den „Verdammten“ besetzt wurde, ist inspiriert vom „Torre de David“ in Caracas. Dieser wurde von Bewohnern der Armenviertel besetzt bis zu der Räumung im Jahr 2014. Wilson hat daraus einen märchenhaften Abenteuerroman geschrieben. Die Einfachheit erzeugt starke Bilder und erzählt die Geschichte der weltweit sozialen Ungerechtigkeiten. Eine Fabel, die mit biblischen und historischen Verweisen auf unsere Gegenwart zeigt. Eine Utopie, die durch den realen Bezug Wirklichkeit sein könnte, wären da nicht die riesigen Libellen oder der zweiköpfige Wolf mit seinem Rudel. Ein bunter Roman, voller skurriler Ideen und Charaktere. Aus dem Englischen von Conny Lösch.

Zum Buch in unserem Onlineshop

Weitere Lesetipps von mir auch auf YouTube: Leseschatz-TV

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Erlesenes

Kristof Magnusson: „Ein Mann der Kunst“

005

Im neuen Roman von Kristof Magnusson geht irgendwie die Kunst baden. Ein zurückgezogener Künstler trifft auf Kunstfreunde, die zu entscheiden haben, ob der berühmte Maler ein eigenes Museum bekommt. Dabei prallen Welten aufeinander und einiges gerät aus dem Ruder und eskaliert. Der witzige und unterhaltsame Roman lässt einen wahrhaftigen und überspitzten Blick in den Kulturbetrieb zu und malt ganz nebenbei ein buntes Gemälde unserer Gesellschaft.

Im Mittelpunkt steht ein berühmter Maler. Seine Werke sind weltweit bekannt und gefragt. Für viele Kunstströmungen war er ein Wegbereiter. Er mimt den Unnahbaren und ist menschenscheu. Durch seine wenigen Auftritte wirkt er zuweilen sogar menschenverachtend. Er inszeniert sich und ist ganz ein Mann der Kunst. Er lebt zurückgezogen und dem allgemeinen Leben enthoben. Er blickt im wahrsten Sinne des Wortes auf uns herab. Dies symbolisiert auch sein Wohnsitz. Er lebt in einer alten Burg in den Hängen des Rheins.

Die Hauptfigur ist in der Baubranche tätig und stolpert durch seine Mutter in das kommende Abenteuer. Diese ist Kunstfan und somit im Vorstand des Fördervereins eines Kunstmuseums. Es kommt zu einer Erbschaft und ein Grundstück neben dem Museum könnte genutzt,  beziehungsweise bebaut werden. Somit träumt die Museumsleitung von einem eigenen Museum für den weltberühmten Künstler KD Pratz. Bundes- und Ländergelder sind ziemlich zügig organisiert und bewilligt, wenn der Förderverein ebenfalls eine finanzielle Unterstützung zusagt. Da der Ausnahmekünstler aber durch seine schwierige Persönlichkeit nicht nur Bewunderer hat, plant man einen Ausflug zu dessen Burg, um die Fördervereinsmitglieder und den Künstler für die Idee des neuen Museum zu begeistern. Soviel darf verraten werden, dass dieser Wochenendausflug gänzlich aus dem Ruder läuft. Nicht nur der Künstler inszeniert sich und achtet auf seine Wirkung und den persönlichen Einfluss. Der Maler provoziert und zeigt auf das Unvollkommene in der Gesellschaft, der Kultur und der Weltpolitik. Dabei erhöht er sich selbst und das einstige Idol einiger Angereister verliert immer mehr an Achtung. Stück für Stück verlieren alle ihre Gemütsruhe und es eskaliert.

Kristof Magnusson spielt mit seinen Figuren und reizt diese. Er spannt den Bogen um diverse Kunstformen innerhalb des Künstlerromans. Die Comicwelt steht gleichberechtigt neben der darstellenden und bildenden Kunst. Die charismatische Selbstdarstellung spannt den Bogen bis zum künstlerischen Musikbusiness und gipfelt im Vergleich mit der Bühnenfigur des irischen Sängers Bono Vox. Mit viel Verve überspitzt Magnusson seine Beobachtungen und schreibt über die Kunstschaffenden, die künstliche Scheinwelt und die glitzernden Charaktere der Kunststars. Der Kulturbetrieb und seine Förderer treffen sich und bilden dann doch einsame Inseln, die es nicht schaffen, Zugang zueinander zu finden. Oder doch? Wird es am Ende das KD Pratz Museum geben oder geht die Kunst baden und daraus wird wieder neue Kunst, eine Mitmachkunst für jedermann?

Kristof Magnusson schreibt mit viel Humor und versteht es, besonders die Dialoge sehr lebendig wirken zu lassen. Das ganze Werk ist flüssig zu lesen und belebt durch die schrulligen Figuren. Ein sehr unterhaltsamer und spaßiger Roman.

002

 

Zum Buch in unserem Onlineshop

Weitere Lesetipps von mir auch auf YouTube: Leseschatz-TV

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Erlesenes

Anja Goerz: „Jakobs Schweigen“

Anja Goerz Jakobs Schweigen dtvDer neue Krimi von Anja Goerz wurde inspiriert von einem wahren Fall. Der Roman baut eine feine Spannung auf. Die Gespanntheit liegt  in dem, was passiert ist und was die Charaktere gemacht haben, damit das geschilderte Drama geschehen konnte. Mit wenigen Skizzen umfasst Anja Goerz ein Setting und das ganze Personal. Im Mittelpunkt steht eine wohlhabende Familie, die im innersten aber zerworfen und gebrochen ist. Viele Beziehungen sind verfahren und zerstört. Die spannende Frage ist, ob es eine Situation gibt, die so ausweglos erscheint, dass man seinen Vater erschießt?

Der Prolog erzählt den Mord an einem angesehenen Rechtsanwalt in Bremen. Er wird mit vier Schüssen ermordet. Bevor er verstirbt, erkennt er den Mörder und seine letzte innere Frage bleibt das Warum.

In den folgenden Kapiteln kommen die Protagonisten im Umfeld des Ermordeten zu Wort. Laut der Polizei ist der siebzehnjährige Jakob, der Sohn des Erschossenen, dringend tatverdächtig. Dieser wurde von einer Zeugin vermeintlich gesehen und er hat Zugang zu der Kanzlei und allen Räumlichkeiten. Ferner tauchen auch noch Schmauchpuren auf, die ihn ebenfalls belasten. Doch Jakob zieht sich zurück und schweigt. Alle innerhalb des Umfelds der angesehenen Familie sind durch diesen Mord entsetzt. Ein ehemaliger Polizist, der mit der Großmutter befreundet ist, sucht diese auf und berichtet vom bisherigen Ermittlungstand. Es ist die Großmutter, Dora, die an die Unschuld von Jakob, ihrem Enkel, glaubt. Für sie bricht eine Welt zusammen. Ihr Mann ist verstorben und nun wurde ihr Sohn ermordet und der Enkel wird des Mordes verdächtigt. Ihre Tochter, Kirsten, die ebenfalls ihre Probleme hat und wieder zu ihr gezogen ist, betäubt sich mit Alkohol und ist unzuverlässig und emotional instabil. Ihr Schwiegersohn, der Mann ihres Sohnes, hasst sie und ihr Freundeskreis wendet sich von ihr ab. Was bleibt ihr noch? Nur die Kraft, Jakob zu helfen, denn sie bleibt standhaft von dessen Unschuld überzeugt. Wolfgang, ein Freund und ehemaliger Rechtsanwalt, unterstützt sie bei ihren Nachforschungen. Dabei tritt immer mehr die innere Zerrissenheit der Familie zutage und durch die Recherche wird die wahre Tragödie sichtbar und erschüttert sie.

Doras Mann, Hanjo, war damals das Familienoberhaupt. Er war ein strenger, altmodischer und sehr konservativer Mann. Als sein Sohn, Michael, seine Homosexualität entdeckt, wird dieser fast aus dem inneren Kreis der Familie ausgeschlossen. Dabei wird auch dieser später wiederum seinen eigenen Sohn, Jakob, mit strenger Hand erziehen. Michael toleriert unter anderem dessen vegetarische Weltsicht nicht. Mit einigen Wutausbrüchen und emotionalem Kräftemessen wird der Alltag zwischen Vater und Sohn bestritten. Auch David, der Mann des Ermordeten, hatte seine Geheimnisse, versuchte aber zwischen Michael und Jakob die Wogen zu glätten. Doch jetzt, nachdem Jakob unter Mordverdacht steht, wird auch die Angst deutlich, die David vor Jakob hat. Reichen aber die inneren Zerwürfnisse innerhalb der Familie aus, dass man zu einer Waffe greift?

Durch die wechselnden Perspektiven und in kursiv gestellten Rückblicke baut sich langsam ein gesamtes Bild auf, das aber immer wieder wechselhaft bleibt. Viele Verdachtsmomente werden gestreut und der Roman bleibt bis zum Ende überraschend spannend. Ein psychologisches Rätselspiel, das feine und mitreißende Lesestunden verspricht.

012

Danke an Anja Goerz und dtv! Denn dies ist bereits der sechste Roman, auf dessen Rückseite ich zitiert werde.

Zum Buch /Shop

Weitere Lesetipps von mir auch auf YouTube: Leseschatz-TV

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Erlesenes

Laura Vogt: „Was uns betrifft“

Laura Vogt Was uns betrifft ZytgloggeEin ziemlich intimer Roman, der das Weibliche von innen nach außen stülpt. Bei dieser anspruchsvollen Lektüre wird man zu einem heimlichen Beobachter. Die Themen werden für den Lesenden anschaulich und fast schon spürbar. Ein Roman, der für weibliche und männliche Leser wichtig ist, fast schon therapeutische Wirkung haben könnte. „Was uns betrifft“ betrifft uns, egal welches Geschlecht.

Im Großen und Ganzen geht es um Selbstfindung, Entfremdung, Entfernung, Nähe und Familie. Die Autorin spielt dabei mit den gesellschaftlichen und familiären Rollenbildern, um diese auch wieder gekonnt zu zersprengen. Es ist kein  Beziehungsroman, sondern eher ein sprachliches Einfühlen in das Innenleben der Protagonisten. Im Vordergrund sind es drei Frauen, Rahel, Fenna und Verena. Der Hauptcharakter, die Schwester und die Mutter. Rahel wäre eigentlich Sängerin. Sie schrieb Texte und liebte den Jazzgesang. Doch dann wurde sie schwanger und von Martin, dem Vater des Kindes, sitzengelassen. Dies ist ein wiederkehrendes Trauma in der Familie, das Alleingelassen werden. Auch Verena, Rahels Mutter, hat sich einst getrennt, um jetzt mit einer Frau zusammenzuleben. Somit hat bisher nur die Mutter auf ihre innere Stimme gehört. Rahel verliert ihre Stimme und auch das innere Gespür zu sich selbst kurzweilig. Als das Kind in ihr wächst, lernt Rahel den Schriftsteller Boris kennen. Auf einer seiner Lesungen kommen sich beide näher. Es ist eine Freundschaft, die unaufdringlich und fürsorglich beginnt. Boris schlägt auch ein gemeinsames Wohnen vor. Er lebt in einem großen Haus mit vielen Zimmern, die bisher ungenutzt sind. Aus dieser Gemeinsamkeit wird mehr und Rahel wird erneut schwanger, diesmal von Boris, der bleibt, aber langsam Rahel nicht mehr versteht, da diese in eine nachgeburtliche Depression fällt. Rahel verliert ihre Welt und geht auf Distanz. Besonders zu dem neugeborenen Kind und zu Boris, der immer hilfloser erscheint. Fenna, die  Schwester wirkt getriebener, entschiedener und hat auch mit ihrer Weiblichkeit zu tun. Die Mutter wird kränklich und es kommt zu einem Treffen in Boris Haus. Kann zu einer gemeinsamen Nähe zurückgefunden werden?

Ein Roman über Frausein, Schwangerschaft, Geburt und das Zusammenleben. Ein Text voller Vielschichtigkeit. Mit sehr viel Feingefühl und Einfühlungsvermögen werden die Figuren ausgearbeitet. Das Innenleben macht diesen Roman lesenswert und dadurch sogar spannend. Durch die Sprache und den genauen Blick der Autorin schält sich ein Bild aus der angelegten Oberfläche und bekommt dadurch immer mehr Tiefe. Ein Roman um das Alleingelassen sein und um das Empfinden zwischen Mutter, Tochter, Mann und Frau. Die Vorstellungen des Weiblichen und Familiären werden literarisch beleuchtet und erfahrbar. Der Wunsch nach Individualität, der einhergeht mit der Sehnsucht nach Gemeinsamkeit. Dies Buch könnte uns alle betreffen.

Zum Buch / Shop

Weitere Lesetipps von mir auch auf YouTube: Leseschatz-TV

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Erlesenes

Kai Wieland: „Zeit der Wildschweine“

Kai Wieland Zeit der Wildschweine Klett-Cotta

Dieser Roman beweist die Wichtigkeit der Literatur. Diese Kunst betritt Niemandsorte, die verloren wirken, aber doch in sich Keime der Phantasie, der Kreativität und des Erschaffens tragen. Ein Erfassen und Fixieren durch Wort oder Bild. Ein Foto nimmt auf, belichtet das Seiende. Die Literatur lässt das Gesichtete durch den Autor lebendig werden. Diese zwei Kunststränge stehen mit im Vordergrund des Romans. Sie werden sogar im folgenden Verlauf zu Rivalen. Gleich am Anfang wird einer der Protagonisten mit Tyler Durden, der Person, die nur in der Vorstellung der Hauptfigur im Film „Fight Club“ lebt, verglichen. Somit ist auch die Beziehung der beiden Hauptcharaktere in diesem Roman von vornherein fragwürdig.

Leon ist als Reisejournalist tätig. Er ist ein Getriebener, ein Mensch, der befürchtet stets etwas zu versäumen. Daher hat er für das beständige und sesshafte Leben seiner Familie wenig Verständnis. Er will vieles erreichen, können und sein. Dabei investiert er für den Weg zu seinen Zielen wenig. Er will Gitarre spielen können, übt aber niemals. Er will surfen, geht aber lediglich ab und zu boxen. Im Boxring trifft er auf Janko und es kommt zu einer ersten Konfrontation, die aber beide zusammenwachsen lässt. Denn Janko ist Fotograf und Leon bekommt von seinem Verlag den Auftrag, in Frankreich „Lost Places“ zu suchen und zu beschreiben. Janko soll mit, damit er diese sogenannten Niemandsorte mit seiner Kamera einfängt.

Leon lebte lange am Rande eines Waldes. Diesen Wald sollte er als Kind nicht betreten, denn dort hausen Wildschweine, die Leon aber noch niemals zu Gesicht bekommen hat. Sein Vater schlägt jetzt dem erwachsenen Leon vor, dass sie beide die Wohnsitze tauschen. Wird dem Vater tatsächlich das Haus zu groß oder möchte er, dass Leon endlich einen Anker im Leben setzen kann?

Die Handlung hat somit zwei Handlungsstränge. Beide sind durch die Bilder der verlorenen Ortschaften geprägt. Das innere, kulturelle und gesellschaftliche Verlassen eines Lebensraumes. Die Familiengeschichte um Leon, seine Schwester und den Vater, der im Laufe der Handlung auch gesundheitliche Probleme bekommt. Der andere Strang ist die Reise nach Frankreich, in dessen geografischem Zentrum Dünkirchen steht. Leon und Jankos verschiedene Sichtweisen werden immer deutlicher. Beide streben ihren Idealen und Idolen nach und es kommt zum Zwist.

Das Buch lebt von der Polarisierung und den exzentrischen Figuren. Die Handlung wird belebt durch die Bilder, die der Text heraufbeschwört. Der Inhalt und die Sprache sind durch leichte Melancholie und feinen Humor geprägt. Vieles findet im Roman einen Vergleich in Bezug auf Literatur, Musik, Film und Fotokunst. Diese „Lost Places“ sind Sinnbilder von etwas Verlorenem und Fallengelassenem. Aber diese Orte wecken auch den Wunsch an etwas festzuhalten, an etwas zu glauben. Das Vermissen ist komplex und bedeutet viel mehr als etwas besitzen zu wollen. «In den Hipster-Cafés dieser Welt füllen sich alte Holzregale mit gebundenen Büchern, und gleichzeitig verschwinden Buchhandlungen aus unseren Städten.« (Seite 156)

Mit diesen Roman beweist Kai Wieland erneut, dass er sich einen Platz in der wichtigen jungen Literatur erschrieben hat.

Zum Buch / Shop

Weitere Lesetipps von mir auch auf YouTube: Leseschatz-TV

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Erlesenes

Arnd Rüskamp: „Der letzte Käpt’n“

Arnd Rüskam Der letzte Käpt´n Emons

Ein Küstenkrimi, der erneut bekannte Gesichter aus der Realität auf Papier lebendig werden lässt. Dies ist der vierte Fall um die Kieler Polizistin Marie Geisler. Der Titel verspricht Maritimes, doch ist der hier genannte Käpt´n der Anführer einer Rockergruppe, die sich gerne des Marine-Jargons bedient. Dieser Rockerkapitän ist beruflich Zahnarzt und seine dentale Denkweise überschneidet sich gerne mit der des erfolgreichen Anführers. Denn jemand, der ihm im Weg steht, wird auch mal mit einem faulen Zahn verglichen. Die Entfernung ist blutig, aber danach hat man meistens seine Ruhe.

So beginnt der Krimi auch gleich mit einer Hinrichtung. Bei einer Routinekontrolle am Hafen wird ein toter Biker gefunden. Der Ermordete ist ein Schwede und sollte anscheinend mit Hilfe eines Speditionsunternehmens post mortem in seine Heimat überführt werden. Marie Geisler und ihr Team beginnen mit den Ermittlungen. Alle Spuren führen zu Sven Mulder einem Zahnarzt in Neumünster. Nebenbei ist er der Kopf der White Sharks, die ihr Vereinsheim am Westensee haben. Sven Mulder handelt mit Waffen. Sein Gewissen wird dabei nicht in Mitleidenschaft gebracht, denn Waffen sind wie seine medizinischen Instrumente Werkzeuge. Die Verwendung entscheidet über den Nutzen und der Verwender hat somit die Verantwortung. Durch ein gutes und verstecktes, fast schon unsichtbares System tritt Sven Mulder als Verkäufer auf. Er macht sich bei seinen Handlungen mit regulären Lieferwagen fast unsichtbar.

Marie Geisler freut sich eigentlich auf ihren Urlaub, den sie nach einem bevorstehenden Seminar antreten wollte. Durch den Leichenfund am Hafen ist die erste Vermutung, dass es sich hier um einen Bandenkrieg handeln könnte. Ein neuer Kollege, Gregor Sachse, der ebenfalls gewisse Kontakte in die Rockerszene hat, soll sich nun in das Milieu einschleusen. Es läuft einiges aus dem Ruder und es gibt einen weiteren Toten…

Arnd Rüskamp hat sich mit seinem vierten Fall sprachlich und inhaltlich steigern können. Die Landschafts- und Ortsbeschreibungen sind sehr gekonnt eingesetzt und verlangen keine Kenntnisse, sondern wecken durch die Beschreibung eine eigene Stimmung. Doch kennt man sich in den Ortschaften aus, wirkt alles sehr realistisch und glaubhaft.

Im vorherigen Fall, „Windstärke 10“, wurde ich zum ersten Mal literarisch gesichtet. Ich lief in Friedrichsort kurz über die Straße. Jetzt in „Der letzte Käpt´n“ tauchen Sonja und ich gemeinsam auf und werden mehrfach im ganzen Text erwähnt. Ein kurzes Beispiel:

«Astrid Moeller war ob der spontanen Hilfsbereitschaft ein bisschen überrumpelt. Hauke und seine Frau Sonja arbeiteten Hand in Hand.»

Seite 213 (Siehe auch Seite 257 und 326 – eigentlich läge es nun an uns, Arnd Rüskamp einen Apfelkuchen zu bringen!). Wir sagen vielen, vielen Dank!

Jetzt sind wir nicht nur Lesebotschafter sondern auch lebendige Figuren auf Papier! Also ein Krimi, der uns sehr belebt!

Siehe auch: Leseschatz-TV: Im Gespräch mit Arnd Rüskamp (YouTube) vom 24.04.2019

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Erlesenes

Ulrike Almut Sandig: „Monster wie wir“

Monster wie wir Ulrike Almut Sandig Schöffling

Ein unglaublich starkes Debüt, das sprachlich und durch den Inhalt überzeugt. Können wir die Monster in uns bekämpfen? Ist Gewalt eine Lösung und was kann vor dieser retten? Was wird aus Menschen, die als Kinder stets mit Gewalt konfrontiert waren? Wem kann man Vertrauen schenken und wie kann man sich gegenseitig heilen?

Das Buch ist in vier Abschnitte eingeteilt. Die beiden mittleren sind die Hauptkapitel, die jeweils die Geschichte von Ruth beziehungsweise von Viktor erzählen. Gleich im Prolog spricht Ruth aber auch jenen Voitto an, der erst im letzten Kapitel gänzlich auftaucht. Vorher ist er eine aufdämmernde Figur, der Ruth alles berichtet und die sie öfters im Text direkt anspricht.

Die Handlung beginnt in der ostdeutschen Provinz. Eine Umgebung, die durch den Kohleabbau geprägt ist und verschlungen wird. Ruth und ihr Bruder Fly wachsen im dörflichen Pfarrhaus auf. Ruth ist noch zu klein, um vieles, was um sie und mit ihr passiert, zu erfassen. Die Stimmung übernimmt sie dennoch sofort. Der Streit der Eltern wird immer spürbarer, bis die Mutter mit ihr später auch kurzweilig ihren Mann, den Pfarrer, verlässt. Ruth findet für sich die Musik als Fluchtmittel. Sie lernt schnell die Geige und das Klavier zu spielen. Die um sie herrschende Bereitwilligkeit zur Gewalt und den immer wieder auftauchenden Missbrauch erklärt sich Ruth mit Vampirgeschichten. In Folge wird es immer die Musik bleiben, die sie in Einklang bringt. Eine Art des Schutzgefühls findet sie stets bei ihrem Freund Viktor. Bei ihm wird sie sich auch trotz seiner Entwicklung sicher fühlen.

Viktor erlebt zu Hause ebenfalls Gewalt und Missbrauch. Später findet er die Möglichkeit, seine Empfindungen auszublenden. Was Gewalt bedeutet weiß er und er will nun selbst abschrecken. Er trainiert, um stark zu wirken, rasiert sich den Kopf und trägt Springerstiefel mit weißen Schürbändern. Für Viktor ist es überall besser als zu Hause. Somit stellt nur sein Erscheinungsbild seinen Weggang als Au-pair nach Frankreich in Frage. Er schummelt auch bei den Bewerbungsunterlagen und fängt bei einer wohlhabenden Familie an. Doch nimmt er sein inneres Monster mit und begegnet in Frankreich auch mindestens einem neuen und doch bekannten Monster in Menschengestalt.

Wohin es letztendlich Ruth oder Viktor verschlägt, ist durch Gewalt geprägt. Die Familien und das Umfeld geben den beiden keinen Schutz. Findet Ruth weiterhin Zuflucht und Schutz bei Viktor,  auch als er sich wie ein Nazi kleidet und sich auch so benimmt? Kann das Zusammenbrechen der DDR ihnen Raum zur freieren Entfaltung geben? Ihr Erwachsenwerden beginnt im Äußeren und vollzieht sich langsam im Inneren. Wer ist jener Voitto, dem Ruth ihre Geschichte erzählt? Wird er oder Viktor bei ihrem Konzert auftauchen? Können sich beide von der Gewalt in ihrem Leben befreien?

Das Buch ist ein Monster – und was für eins. Es ist aufwühlend, kraftvoll und begeistert von Anfang an. Man merkt der Sprache an, dass die Autorin eine gefeierte Dichterin und Klangkünstlerin ist. Inhaltlich gibt es viel zu entdecken und zu empfinden. Es geht nicht allein um Selbstbefreiung oder Selbstbestimmung, dafür ist dieses Monster zu komplex. Es ist ein Romandebüt, aber das siebte Buch der Autorin.

Zum Buch / Shop

Weitere Lesetipps von mir auch auf YouTube: Leseschatz-TV

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Erlesenes

Nicolas Mathieu: „Rose Royal“

Nicholas Mathieu Rose Royal Hanser Berlin

Ein Kurzroman, der überrascht und von einer Frau erzählt, die Höhe- und Tiefpunkte im menschlichen Miteinander erlebt. Doch ist sie vorbereitet und hat zur Sicherheit stets eine Pistole in ihrer Handtasche.

Nicholas Mathieu hatte mit „Wie später ihre Kinder“ einen großen französischen Gesellschaftsroman geschrieben und hat nun einen knappen Roman, eher eine Novelle, verfasst. Der Text stellt eine Protagonistin in den Mittelpunkt, die abgeklärt, tough, lebens- und liebeshungrig  ist. Das literarische Werk ist ein Psychogramm einer Frau, die vom Leben, besonders von den Männern, gezeichnet wurde und sich entschließt, sich nichts mehr gefallen zu lassen. Sie traf in ihrem Leben auf Männer, die nicht auf ein Nein hören konnten, sie hat eine Ehe hinter sich und Kinder zur Welt gebracht. Aber alle ihre Misserfolge im privaten und beruflichen Leben haben sie innerlich gestärkt. Sie möchte sich niemals wieder wehrlos erleben und hat sich eine Pistole organisiert, die sie nun stets bei sich trägt. Ab sofort soll die Angst die Seite wechseln.

Wir lernen Rose als fünfzigjährige attraktive Frau kennen, die sich eines Abends mal wieder in eine Kneipe begibt. Neben ihrer Freundin trifft auch eine Gruppe von Abiturienten ein, die lauthals feiern möchten. Als die Trink- und Feierlaune gestiegen ist, betritt Luc die Szenerie. Sein Auftreten ist der erste Wendepunkt im Roman. Er taumelt mit seinem stark verletzten Hund in die Bar. Da dem Hund nicht mehr zu helfen ist, erlöst Rose diesen kurzentschlossen mit ihrer Waffe. Trotz dieses blutigen Anfangs werden Rose und Luc in Folge ein Paar.

Die Beziehung dümpelt und ist für keinen der Beiden mit Glücksmomenten gefüllt. Das Glück finden sie wohl eher in ihren gemeinsamen Trinkgelagen. Er ist ein wortkarger Mann, der seine Männlichkeit mit seinem Wagen vorgaukelt. Dabei ist gerade sein Liebesleben verklemmt und ungenügend. Sie erträgt es bisher und tröstet ihn oft mit den Worten: „Macht nichts. Morgen schauen wir weiter.“ Doch ist Luc in seinem männlichen Stolz gekränkt und wird handgreiflich.

Das Versagen der Beziehung wird immer offensichtlicher. Ist doch eine Versöhnung möglich? Oder gleiten sie in ihre Gewohnheiten ab? Kommt es zu einem erneuten Schuss aus der Pistole?

Ein schonungsloser Roman, der am Ende überrascht und Charaktere ins Leben geholt hat, die in Erinnerung bleiben. Ein kurzer Lesemoment, der aber wie ein Pistolenschuss knallt und einiges aufwirbelt. Aus dem Französischen übersetzt wurde das Buch von Lena Müller und André Hansen.

Zum Buch / Shop

Weitere Lesetipps von mir auch auf YouTube: Leseschatz-TV

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Erlesenes