
Die Wünsche, die Lebensträume und die Realität spielen in diesem Roman eine besondere Rolle. „Kinderwunsch“ ist die Geschichte der 39-jährigen Idit aus Tel Aviv, die einen enormen Kinderwunsch verspürt und ihre Zeit verrinnen sieht. Ihre romantischen Träume und Vorstellungen von Familie verblassen immer mehr und ihre Bemühungen führt sie zu unterschiedlichen Modellen, über Co-Elternschaft zu komplexen Adoptionsverfahren. Die Familienplanung ist der rote Faden, der aber durch das Personal und den jeweiligen Charakterblick einen großen gesellschaftlichen Raum öffnet. Es ist ein komplexer Roman, der sich mit einer Leichtigkeit entfaltet und durch die unterschiedlichen Betrachtungen immer auch Gegenpole zu den individuellen Empfindungen stellt. Es ist ein fesselndes Buch mit einem enormen Suchtfaktor und ein Spiel aus Fantasie, Wunsch und Wirklichkeit.
Die israelische Schriftstellerin Maya Arad lebt in Kalifornien und wurde bereits 2025 in den USA mit dem Jewish National Book Award ausgezeichnet. „Kinderwunsch“ ist das erste ins Deutsche übersetzte Werk von ihr. Aus dem Hebräischen von Lucia Engelbrecht übersetzt.
Idit ist eine 39-jährige Lehrerin. Sie hätte eigentlich bereits ihren Doktortitel machen können, doch hat sie den Weg wegen Empfindlichkeiten, Missverständnissen und dezenten Karrierekämpfen abgebrochen. Sie ist eine verträumte Leserin, liest gerne englische Klassiker und träumt von der einen, großen und wahren Liebe. Sie unterrichtet junge Frauen in Literatur und versucht, das Leben mit Ihren Ansprüchen zu erfüllen. Dabei steht sie sich oft selbst im Weg. In ihr regt sich schon lange der Wunsch nach einem eigenen Kind. Doch der richtige Mann ist ihr noch nicht begegnet. Ihr Traummann lässt auch wenig realen Spielraum zu und somit hatte sie bisher auch kaum ernst zu nehmende Beziehungen. Sind ihre Ansprüche an das Leben, an einen Mann und an das Glück ungerechtfertigt?
Es tauchen noch weitere Charaktere im Umfeld von Idit auf. Es sind Wegbegleiter, Begegnungen oder Freunde. Zum Beispiel die Freundin und Kollegin Anat, die mit ihrem Mann Yoni bereits eine Familie gegründet hat. Anat versucht, trotz der warnenden Stimme von Yoni, Idit zu verkuppeln. Yoni hat einen abgrenzenden Blick auf Idit. Auch der Mann, der nun durch ein Abendessen unter Freunden in das Leben von Idit tritt, hat ganz andere Ziele und Beweggründe. Doch Idit weigert sich, diese zu sehen und steigert sich in ihre Traumvorstellung hinein. Hiermit beginnt Idits großer Weg, denn nach den ganzen missglückten Treffen und gescheiterten Co-Elternschaft-Ideen kämpft Idit sich durch ein Adoptionsverfahren. Doch verrennt sie sich erneut? Ist ihre Vorstellung von Mutterschaft noch ein reales und selbstreflektiertes Bild? Letztendlich bildet sich die Frage, was ein erfülltes Leben überhaupt ausmacht? Wie weit hängen unsere Lebenswege mit unseren Träumen und Mitmenschen zusammen? Kann es gelingen, eine Realität aus den Vorstellungen und dem tatsächlichen Umfeld zu erschaffen? Können wir uns von den Träumen und Mitmenschen abhängig oder unabhängig machen, um ein gutes Leben zu finden?
Dieser Roman ist voller Leidenschaft und Hingabe zu dem Wechselspiel zwischen den Figuren. Wir werden von der Handlung, den Dialogen und den Gedanken regelrecht mitgerissen. Es ist ein Roman, der Wege aufzeigt, seinen Weg zum Glück zu definieren und eventuell zu finden. Intelligent werden Perspektiven und Lebensmodelle formuliert. Die Charakterisierungen sind groß angelegt und variieren mit dem Blick zwischen den Figuren. Somit ist es wirklich ein Spaß in diese gesellschaftliche Studie aus Realität und Vorstellungskraft einzutauchen.
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