
Ein Spannungsroman, der außergewöhnlich erzählt ist und an Werke von Richard Russo oder John Vercher erinnert. Durch den Erzählstil, die Handlung und den mit den Perspektiven wechselnden Sprachklang verspürt man den Blues, den Sog und die Stimmung von Storyteller-Songs. Denn dieser Roman spielt mit Rhythmus, Brüchen und Wechseln. Dadurch erhalten die Geschichten, die zu einer Geschichte werden, immer mehr Tiefe und durch die Wendungen einige Überraschungen.
Neben den drei Hauptfiguren ist es das Setting, das im Mittelpunkt der Betrachtungen steht. Dieser Roman erzeugt ein weites Bild einer amerikanischen Kleinstadt. Ken Jaworowski übernimmt die Bildgestaltung des Kleinstadtlebens, die zum Beispiel Richard Russo in seinen Romanen als Gesellschaftsbild perfektioniert hat, und baut daraus einen enorm spannenden Kriminalroman. Szenenhaft bauen sich drei Handlungsstränge innerhalb des Ortes Locksburg auf und steigern für sich beständig das Tempo, um dann ineinanderzufließen. Die Hauptfiguren nehmen uns in ihrem Handlungsverlauf gänzlich für sich ein. Es sind Carla, Reed und Liz.
Locksburg in Pennsylvania ist ein heruntergekommener Ort und durch das dortige industrielle Sterben macht sich eine Trostlosigkeit breit, die der Nährboden für Arbeitslosigkeit und Kriminelles ist. Viele haben es nicht geschafft, diesen Ort zu verlassen und können bisher nur auf Besseres hoffen oder von schöneren Lebensumständen träumen. Carla träumt von einer eigenen Gastwirtschaft und Liz von einer Musikkarriere. Reed möchte ein Versprechen einlösen, auch wenn die, der er das versprochen hatte, bereits verstorben ist. Alle diese Wege werden durch die Umstände geprägt oder umwunden.
Carla steht kurz davor, ihr eigenes Restaurant zu eröffnen. Ihr Mann, der Vater ihres Sohnes, ist weg. Er hat die Großstadt aufgesucht und mit dem Kleinstadtleben und der Beziehung gebrochen. Ihr Vater lehrte sie beim Wetten auf Pferderennen, wie man Gewinner erkennt. Doch ist diese Gabe oder der Wunsch dieser Gabe nicht verlässlich. Gerade als ihr Sohn ihr ein Geständnis macht, das alles aus der Bahn wirft. Auf einer Party ist eine Freundin nach einem Drogendeal nicht wieder aufgetaucht und wird seitdem gesucht. Gerade diese Leiche, gesteht nun ihr Sohn, habe er im Garten vergraben.
Liz tritt in kleinen Bars auf und möchte ihre Songs vorstellen. Doch das wenige und bierlaunige Publikum möchte anderes hören. Ihr Auto wurde gerade repariert und ist leider erneut kaputt. Eine dubiose Werkstatt, die ihr ein Freund vermittelt, kann schnell helfen, verlangt aber auch zügige Zahlung und der Betreiber, ein Krimineller, versteht keinen Spaß. Gerade jetzt, wo sich eine gute Chance für Liz aufgetan hat.
Reed, ein junger Mann mit Autismus, trauert auf seine Weise um den Verlust seiner Mutter. Bei der Trauerfeier ist er abwesend und ihm wird auch viel Schuld aufgelastet. Er, der alles wörtlich nimmt, versteht einiges dadurch falsch oder einfach anders. Es geht um eine Puppe, die er einst gefertigt hatte, die wohl nicht wirklich schön ist, aber seine Mutter nach eigener Aussage liebte. Diese Puppe solle, nach eigenem Wunsch, immer bei ihr sein. Also jetzt auch mit in den Sarg gelegt werden, doch sein Bruder verweigerte dies, aber ein Versprechen ist ein Versprechen.
Das Buch beginnt mit diesen Episoden und nimmt dann immer neue Wendungen und die Handlungen berühren sich. Es kommt gleich am Anfang zu einigen überraschenden Höhepunkten, die dann zu einem Spannungsbogen aufgebaut und gesteigert werden. Aus dem Englischen wurde der Roman von Lea Dunkel übersetzt.
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