
Ein wunderbarer Debütroman, der als Coming-of-Age über die titelgebende Protagonistin einen Weg zur Identität sucht. Der Roman spielt zwischen und mit zwei Welten, denn die Ich-Erzählerin hat, wie die Autorin, einen Vater, der aus Togo stammt und eine deutsche Mutter. Kekeli meint, sie habe als junge Frau stets viele Gesichter und wundert sich, dass sie dabei selbst nicht durcheinander kommt. Mit jedem anderen Gesicht, das wir als Maske tragen, verlieren wir uns selbst. Der Roman erzählt von einer Reise in die Geschichte der Schwarzen in Deutschland und wandelt dabei auf Familienspuren der Erzählerin und ist ein Versuch ihrer Selbstfindung. Das Buch als solches verbindet ebenfalls zwei Welten, denn es ist als Roman für junge Menschen sowie für erwachsene Leser eine Bereicherung.
Kekeli lebt mit ihrer Familie in einer Kleinstadt in Süddeutschland. Die Prüfungen für das Abitur hat sie gerade, wohl mit Erfolg, vollbracht und die Zeugnisübergabe und der Abiball stehen kurz bevor. Der Jahrgang ist mit den Proben und Vorbereitungen beschäftigt. Kekeli, die nur geringe Tanzerfolge einbringt, ist dennoch mit Eifer dabei. Sie erlebt eine gute Gemeinschaft, auch wenn sie ab und zu den alltäglichen Rassismus erlebt. Denn ihr Vater stammt aus Togo. Ihre Familie ist ihr sehr wichtig, doch hat sie sich bisher kaum um ihre Geschichte gekümmert. Ihr Vater ist ein verschlossener Mann, der sich lediglich in seiner Kunst auszudrücken versucht. Kekelis Schwester ist als Schauspielerin nach Berlin gezogen und ist schwer zu erreichen. Dabei wünscht sich Kekeli sehr, dass diese zu der bevorstehenden Feier anreist. Doch wird sie es sein, die sie vorerst in Berlin besucht. Denn ihr angepasstes Leben bekommt plötzlich ganz neue Impulse. Afi, eine Cousine, die aus Togo stammt, kommt zu Besuch. Plötzlich steht Kekeli etwas außen vor, da sie bemerkt, zu wenig über ihre Familie und ihren Ursprung zu wissen. Auch wenn die Amtssprache in Togo Französisch ist, sprechen Afi, die Tanten und ihr Vater oft Ewe, das sie nicht beherrscht. Da Afi und sie fast gleichalt sind, wachsen die Cousinen freundschaftlich zusammen. Kekeli gerät in ein weiteres Gefühlschaos, denn sie empfindet immer mehr für ihren Mitschüler Kwame, der sie auch zu einem Open Mic einer schwarzen Community einlädt. Dabei lernen sie weitere kennen, die gerade ein Filmprojekt über schwarze Menschen in Deutschland machen. Sie werden eingeladen, bei den Dreharbeiten in Berlin dabei zu sein. Eine Woche vor dem Abiball, wollen sie dort Stimmungen einfangen und Interviews führen. Kekeli, Afi, Kwame und dessen Bruder Kofi reisen über die Gedenkstätte Buchenwald nach Berlin. Der Roadtrip führt sie in die lange Geschichte der Schwarzen in Deutschland und zeigt ihnen die damaligen Zustände sowie die noch bis heute bestehenden Vorurteile und den täglichen Rassismus. In einer Ausstellung findet sie einen Zeitungsartikel und stößt auf ein mögliches Familiengeheimnis und möchte endlich mehr über ihren Vater erfahren. Ihr Seelenchaos steigert sich, da sie sich immer mehr in Kwame verliebt.
Jessica Mawuena Lawson verwendet eine zugängliche und einfühlsame Sprache. Sie erzählt sehr lebendig eine Geschichte über die Suche nach Verbundenheit, Liebe und Familie. Ganz nebenbei werden viele Zusammenhänge, die schwarze Menschen in Deutschland betreffen, eingebunden. Die Figurenzeichnungen sind glaubhaft und wecken sehr viel Sympathie. Ein lebensfroher Roman, der es versteht, die Schattierungen der Geschichte und Gegenwart gekonnt einzubinden.
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