
Dieser Debütroman bindet uns durch viel Empathie an die Hauptfiguren und erzählt die Geschichte von Freundinnen, die sich mit dem Alltag voneinander immer weiter durch das Erwachsenwerden entfernen, aber stets die Sehnsucht nach der alten Nähe, der stillen Einvernehmlichkeit und der jugendlichen Leichtigkeit empfinden. Es ist der tiefe Blick in die Beziehungen einer Freundschaft und gleichzeitig wird der Weg in die bindende Erwachsenenwelt beschrieben. Wie kann Freundschaft, Familie, Partnerschaft, Kinderwunsch und der Lebenstraum in Einklang gelingen?
Die Nähe schwindet mit dem Erweitern des persönlichen Umfelds, das sich im Alltag anhäuft. Die Verbindungen aus der Vergangenheit müssen mit den neuen Begegnungen und Situationen mithalten können, sonst driften alle Wege durch das individuelle Lebensumfeld auseinander. Die drei Charaktere im Roman bemühen sich, die Einigkeit, die Innigkeit und die Verbundenheit nach Verletzlichkeiten, Ungesagtem und sogar Neid wiederzufinden. Die Nähe und das Vertraute aus den jugendlichen Zeiten fehlen oft im erwachsenen Alter. Diese gilt es zu bewahren, mitzunehmen und aufzubauen. Es sind Henri, Merle und Katharina. Ihre Freundschaft findet sich beim Studium und ihre Nähe hält Schweigen aus, setzt beständiges Verständnis voraus und fühlt sich an, als wäre es eine Gemeinschaft für immer.
Jetzt sind sie Anfang dreißig und das Leben stellt sich ihren Träumen, alten Hoffnungen und Wünschen in den Weg. Sie haben weiterhin Kontakt, doch die täglichen Meldungen und Absprachen werden zu wöchentlichen und sie sehen sich nur noch selten. Katharina arbeitet in einer Buchhandlung und fühlt sich im Team sehr wohl. Doch langsam stellt sie ihre feste Beziehung zu ihrem Freund in Frage, der alles so belassen und genießen möchte, wie es ist. Ihr Kinderwunsch ist sehr groß und jedes Mal, wenn sie diesen anspricht, vermeidet er die tiefere Auseinandersetzung. Eine Unbeschwertheit findet sie bei dem ehemaligen Praktikanten und ihre Gefühlswelt gerät in Konflikte. Sie neidet heimlich Merles Leben, die bereits Mutter ist. Doch auch Merle hadert mit ihrer Situation. Sie ist rund um die Uhr für das Baby da, denn ihr Partner kümmert sich um den Hausbau und nimmt sich wenig Zeit für die kleine Familie. Merle trifft auf eine alleinerziehende Mutter und eine neue Nähe wächst, die sie an ihre Jugendfreunde denken lässt. Henri hat sich das Unabhängige und die vermeintliche Leichtigkeit bewahrt, denn sie macht noch gerne Partys und jobbt in einem Museum. Sie träumt von einem eigenen Kino und sucht nach Möglichkeiten und der passenden Immobilie. Ihre Beziehung zu ihrer Mutter ist stets etwas schwierig und wird vertieft, als ihre Großmutter ins Krankenhaus kommt und sie diese besuchen. Alle drei vermissen die Aussprache, die Nähe und die Freundschaft zu- und miteinander, denn das Trennende aus dem jetzigen Alltag tritt deutlicher hervor als das Verbindende. Doch die Gemeinsamkeiten sind immer da, nur nicht mit den wirklichen Gefühlen angesprochen worden. Daher droht die Gefahr, die alten Freundschaften zu verlieren. Gerade jetzt, wo die Freundschaft wichtiger wird, als damals, als alles leicht erschien.
Mit Hingabe werden die Figuren charakterisiert und ihre Gedanken und Empfindungen sind nachspürbar erzählt. Die Lebensentscheidungen und die Träume verändern sich, nicht zwingend aber die menschlichen Beziehungen, wenn wir ehrlich, empathisch und gesprächsbereit sind. Das Setting ist Köln, aber auch die Schleiregion und Jette Kötschau macht es uns leicht, die Hauptfiguren sofort zu mögen und dadurch neugierig auf den Handlungsverlauf zu werden.
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