
Lyrik muß nicht immer verkopft oder schwer zugänglich sein. Lyrik kann auch einfacher sein und durch die reduzierte Sprache Geschichten erzählen. Alltagslyrik, die körperlich ist. In den Gedichten von Rafael Mantovani ist der Alltag aber kein gewöhnlicher. Alles ist anders und doch bekannt oder nachzuempfinden.
Diese Lyriksammlung ist voller Selbstironie. Sie sucht sprachlich nach Halt und Orientierung. Es ist eine melancholische und humorvolle Innenschau eines erzählenden Ichs. Es philosophiert, spürt nach und macht sich Gedanken über Männlichkeit, Liebe, Körperlichkeit, Fremdsein und über Kühlschränke, Hundefutter, Milchstraßen und Salz und Zitronen. Dabei haben das Umfeld des schreibenden und des erzählenden Ichs oder die Zeiten der Pandemie einen Einfluss auf das Geschriebene.
Es sind sehr körperliche Zeilen. Ein Körper aus Sprache und Klang. Ein Körper, der den Himmel verspeist hat. Himmel als etwas Leichtes, etwas Fernes oder als ein Bild unserer Hoffnungen. Diese Gedichte sind gefühlte Empfindungen, kluge Spielereien und erzeugen einen intimen Einblick in eine Seelenwelt, die wiederum eine neue Männlichkeit beinhaltet.
Das Liebesleben des erzählenden Ichs, das oft aus Hoffnung besteht, wird betrachtet. Liebe aus Sehnsucht nach Nähe und Körperlichkeit. Die Stimme, die viel ins Innenleben schaut, wirft aber auch den Blick ins Umfeld, zum Gegenüber und auf bestimmte Situationen. Das Du taucht auf, das wiederum dem Erzähler gleich zu sein scheint. Zumindest ist es sauer, weil es jemanden an der Seite nicht gibt. Daher kann man dieser fehlenden oder unbekannten Person auch nicht böse sein. Aber es hindert uns zumindest auch keiner daran, ungehalten zu sein. Die Betrachtungen verwenden zuweilen ein Skalpell, das Ideen, Gefühle und das Fassbare freilegt.
Diese Anthologie ist eine Auswahl aus zwei Werken des Autors. Ausgewählt und aus dem brasilianischen Portugiesisch übersetzt von Christiane Quandt. Ein vielschichtiges Bild von persönlichen Ausnahmegedanken.
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