Eeva-Liisa Manner: „Promenadenmusik für kleine Flusspferde und andere Etüden“

Diese Literatur ist traumhaft und wirkt aus der Zeit gefallen. Schöpferisch ist hierbei die Sprache. Die Natur und der Raumklang treten spürbar hervor. Der Mensch bewegt sich in seinem individuellen Umfeld und ist in einigen Texten ein Störfaktor. Tiere als Boten, Begleiter oder Metaphern beleben oft die Szenerien. Alles wirkt in uns wie beim Erwachen, in dem Moment, wenn das Phantastische die Realität berührt und wir noch kurz im Dazwischen verweilen. Es ist eine Literatur, die über den Verstand aufgenommen, dann aber über den Verstand hinaus erfasst wird. Die Autorin spielt mit Welten, die getrennt sind durch individuelle Wahrnehmungen und die gemeinschaftliche Realität. Immer wenn wir von Wahrheiten sprechen, also in der Mehrzahl, kann diese Wahrheit nur eine Halbe sein. Wir durchdringen die Welt durch Reduktion, durch formelle Fixierung und teilen diese dadurch in immer kleinere Stücke. Die mathematische Zahl steht dann unserem poetischen Empfinden gegenüber. Eeva-Liisa Manner macht unsere Welt durch ihre Werke wieder weiter, lyrischer und schöner.

Eeva-Liisa Manner (1921–1995) wurde in Helsinki geboren und verfasste Lyrik, Theaterstücke, Kurzprosa und schuf bedeutende Übersetzungen. 1951 veröffentlichte sie „Das Mädchen auf der Himmelsbrücke“, das autobiografische Wahrnehmungen beinhaltet. Alles wird in dem Kurzroman „Das Mädchen auf der Himmelsbrücke“ aus der kindlichen Perspektive erzählt und erhält dadurch zuweilen Märchenhaftes. Ferner ist die Musik immer ein Klangraum ihrer Werke. Als Sinnbild für Freiheit, für den Lebensweg oder als Harmonie innerhalb der lauten Welt. Dies ist auch in ihren Erzählungen stets der Fall. „Promenadenmusik für kleine Flusspferde und andere Etüden“ bietet in der Deutschen Übersetzung von Maximilian Murmann eine umfangreiche Auswahl an Manners Kurzprosa. Der titelgebende Band wurde durch vier weitere Erzählungen ergänzt. Alle Texte erschienen zwischen den Jahren 1957 und 1966.   

Die Texte durchzieht eine sprachliche Membran, die sich durchlässig zwischen Traum und Hellsichtigkeit befindet. Sprache und Musik geben den Takt vor und die Etüden verwandeln sich in Promenadenmusik. Doch stellt sich die Frage, was hierbei Etüden, also Lehrstücke sind? Wer lehrt wen? Denn dass die Autorin übt, ist durch die Dichte ihrer Kunst wohl nicht gemeint. Somit sind es Stücke, die uns, die Lesenden, wachsen lassen. Ein Wachsen durch das Empfinden. Die beschriebenen Welten sind wandelbar und doch auch sehr real. Es gibt auch Momente, die beides beinhalten können. Somit sind diese Texte auch gesellschaftskritisch. Ihr Blick ist dabei immer ein gesamter. Sie schaut dabei auf die Schönheit der Natur, auf die Intelligenz der Tiere und auf den zerstörerischen Willen der Menschen. Neben den Fiebertraumwelten, der Düsternis und der Enge gibt es sehr viel Helligkeit, Humor und Zuspruch. Ihre kurzen Einblicke sind immer vieldeutig und berauschen sehr. Die Sprachbarrieren innerhalb der Tier- und Menschenwelt zeigen das individuelle Verstummen durch einen inneren Klang. Einen Klang, der durch diese Literatur in Schwingung gerät und unsere Welt erkennbar macht.

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Eeva-Liisa Manner: „Promenadenmusik für kleine Flusspferde und andere Etüden“

  1. Dankeschön für die schöne Buchbesprechung!

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