Ota Pavel: „Der Tod der schönen Rehböcke“

Eine Wiederentdeckung, deren Entstehungsgeschichte bereits skurril ist. Pavel erzählt aus seiner jüngeren Sicht über seinen Vater, der stets versucht, aus den Situationen das Beste zu machen. Es sind Episoden, die an den Humor der Küsse von Roald Dahl erinnern. Es ist die Geschichte eines Vaters, der bemüht ist, sich niemals unterkriegen zu lassen, auch wenn die Nationalsozialisten kommen.

Ota Pavel (ursprünglich Otto Popper) wurde 1930 geboren. Er war Journalist, schrieb für den Prager Rundfunk Sportreportagen und reiste um die ganze Welt. Seine Reportagen schrieb er zuweilen literarisch und märchenhaft. Als er von den Olympischen Winterspielen in Innsbruck berichten sollte, begegnete ihm der Teufel, der befahl, ein Feuer zu legen, was Pavel auch in die Tat umsetzte. Er kam in eine Psychiatrie und der behandelnde Arzt empfahl ihm, seine Lebensgeschichte aufzuschreiben. Das Resultat ist „Der Tod der schönen Rehböcke“. Eine Hymne oder ein Märchen an oder für den Vater. Zumindest ist es ein herrlicher Text, der uns Hoffnung schenkt, dass es immer Lichtblicke oder etwas zu erreichen, zu tun gibt, auch wenn es der Familie finanziell schlecht geht, wenn es um einen dunkler wird oder sogar die Nazis kommen. „Der Tod der schönen Rehböcke“ wurde ein großer Erfolg und ist bereits in verschiedenen Ausgaben verlegt worden. Dies ist die bibliophile Ausgabe, die aus dem Tschechischen von Elisabeth Borchardt übersetzt wurde. Pavel starb 1973 und wurde neben seinem Vater auf den jüdischen Friedhof in Prag beerdigt.

Es sind Geschichten der Familie Popper, die im Vorkriegs-Tschechien lebt. Erzählt wird alles aus der Sicht des jungen Sohnes. Der Vater, Leo Popper, ist ein Optimist und ein einfacher, naiver Mann. Er hat eine Schläue, die sich nicht aus der Bildung nährt. Doch hat er Charme, Geduld und ein raffiniertes Wesen, wenn es um seine Zwecke geht. Doch glaubt er auch immer an das Gute, das sich dann aber auch gerne vor ihm versteckt. Er liebt es zu fischen und erwirbt einen Fischteich, der einen reichen Fang vorgaukelt und der Verkäufer des Teiches sich aber nicht bewusst war, an wen er geraten ist, denn Leo ist ein begnadeter Verkäufer der schwedischen Firma Elektrolux. Da er einen leeren Teich gekauft hatte, bekommt später der Teichverkäufer ebenfalls eine bestellte Leerverpackung. Der Vater hat die Gabe, Menschen etwas schmackhaft zu machen, Staubsauer zum Beispiel, auch in Regionen, wo noch kein Strom verlegt ist. Somit wird er ein Vorzeigeverkäufer, der aber auch über seine Grenzen schlägt. Um der Familie, besonders der Frau des Chefs näher zu kommen, verrennt er sich auch in die Kunstwelt und bedroht letztendlich seine Familie mit Ruin. Seine Ideen als Karpfen- oder Kaninchenzüchter schlagen fehl. Aber er gibt niemals auf und lässt sich nicht unterkriegen. Als es für seine jüdische Familie auch politisch bedrohlich wird, möchte er, als der Befehl der Deportation kommt, noch ein gutes Mahl servieren. Er benötigt Rehböcke. Trotz der Niederlagen, der Weltpolitik und der Lebenssituationen schlägt sich die Familie durch und überlebt.

Es sind mehrere Episoden, die wohl auf die Kindheit von Pavel schauen, diese aber literarisch verzaubern. Trotz der Ernsthaftigkeit ist dieses Werk unglaublich humorvoll und liebevoll. Das Buch ist eine positive Therapie für jede Lebenssituation.

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