
„Endzeit“ ist der vierte und wohl auch der letzte Roman um Ted Garner, ein Profiler der Royal Canadian Mounted Police Regina. Der Band kann eigenständig gelesen werden, verbindet sich aber mit der vorherigen Laufbahn. Der jetzt ehemalige Profiler wird erneut tätig und ihm wird einiges zugemutet. Der Titel kann als Anspielung auf das Serienende, aber auch auf den Inhalt, der sich mit einigen Endzeiten beschäftigt, gelesen werden. Erneut geht der Text tief in die Landesgeschichte ein. Es ist die Geschichte der First Nations und die Beeinflussung von deren Kultur und Lebensweise durch die Übergriffigkeit der Weißen. Ein weiterer Hinweis für „Endzeit“ ist die Prepperszene, Verschwörungsmythen und Endzeitparanoia.
Der Held der Buchreihe ist der unnahbare, leicht arrogante Ted Garner. Ein Fall wurde gerade abgeschlossen, denn die Handlanger sind belangt worden. Doch Garner will das ganze Netzwerk zerschlagen. Es geht um eine der einflussreichen Mafia-Familien und eine Spur führt ihn nach Montreal. Dort trifft er auf seine Vergangenheit und eine alte und unmögliche Liebe. Da er durch sein dortiges Auftreten für Sichtbarkeit sorgt, passiert ein unfassbares Drama, das ihn zu seiner Kündigung veranlasst. Zwei Jahre später ist er als Therapeut tätig und schätzt seine jetzige Berufung und Einfühlungsmöglichkeit selbst sehr begrenzt ein. Denn Paartherapie oder ähnliches strapazieren sein angeschlagenes Gemüt und seine Nerven. Umso erstaunter und innerlich erfreut ist er, als sein damaliger Vorgesetzter ihn aufsucht und um Unterstützung bittet.
In einem weitabgelegenen Haus ist ein brutaler Mord verübt worden. Eine junge Familie ist das Opfer. Die Mutter und zwei ihrer Kinder sind mit einer Axt erschlagen worden. Vom Vater, der auch nicht unbeschadet sein soll, und vom jüngsten Sohn fehlen jegliche Spuren. Walker, der frühere Chef von Garner, benötigt ein Täterprofil. Garner beginnt, sich mit dem Fall zu beschäftigen und die Spuren führen tief in die Wildnis Kanadas. Garner, der sich schnell eine eigene Meinung bildet und von Ehrgeiz, aber auch von Vorurteilen getrieben ist, meint schnell einen Täter in der Gemeinschaft eines Reservates der First Nations gefunden zu haben. Ein junger Mann, der gerade aus der Haft entlassen wurde, soll die Tat begangen haben. Doch es kommt zu weiteren Wendungen und Garner wird klar, dass seine Aufgabe nicht beendet ist und ein mörderisches Schauspiel beginnt in der frostigen Natur.
Ein moderner Kriminalroman, der Althergebrachtes mit aktuellen Themen verbindet. Das Erbarmungslose innerhalb der weiten und wilden Landschaft steht hier der Erbarmungslosigkeit der Menschen gegenüber. Frauke Buchholz schreibt flüssig und szenenorientiert und baut dadurch eine zügige Spannung auf. Vergleichbar wäre ihr Romanzyklus mit den Romanwelten von Waubgeshig Rice oder Tony Hillerman. Durch die teilweise gröbere Sicht und den Hang, die Figuren auch als Antihelden zeichnen zu wollen, kann der Vergleich auch zu James Lee Burke gezogen werden. Die Autorin hat sich durch ihre Aufenthalte in zahlreichen Reservaten Kanadas einen guten Einblick erschaffen können und gibt ihr Wissen über Kultur und Gesellschaft durch ihre Romane gekonnt, spannend und in passender Stimmung weiter.
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