
Diese Erzählung ist ein Potpourri an Erlebnissen auf dem Weg zum Erwachsenwerden und ist geprägt durch den Drang des Schreibens. Es ist ein autofiktionaler Text, der aus der Ich-Perspektive erzählt ist. Das gibt dem Erzählten sehr viel Kraft. Wie im Buch der Charakter Salzgraf sagt, gibt es nichts Spannenderes als einem Menschen zu lauschen, der offen und ehrlich von sich selbst spricht. Wenn das erzählende Ich sich öffnet und seine Gefühle zulässt und wir uns ebenfalls dem Text gegenüber öffnen, verbinden sich dadurch Welten. Diese Erzählung verbindet ferner sehr viel Humor mit Reflektionen und gewährt einen Einblick in damalige Zeiten und in die Welt der Schreibenden. Der Inhalt und der Sprachklang sind geprägt durch einen herrlichen melancholischen Witz.
Die Behauptung des Titels, so räumt der Autor später ein, ist wohl nicht ganz richtig, zeigt aber dennoch eine Sehnsucht nach Sichtbarkeit. Denn Andreas, ein junger Mann, möchte Schriftsteller werden und sucht einen Mentor. Zu seiner Zeit fällt ihm die Wahl nicht schwer, wen er gerne dazu bestimmt hätte. Heinrich Böll prägt die Literaturwelt und wohnt nur wenige Fahrminuten von Andreas entfernt. Überzeugt auf Wohlwollen zu treffen, muss er nur wenig Mut aufbringen und sendet einen Brief mit einer frisch verfassten Kurzgeschichte ab. Er schreibt über den Verlag mit der Bitte um Weiterleitung und erhält lediglich nach einiger Zeit eine Schmuckausgabe von Bölls Werken. Diese verschmäht Andreas nun lange, bis er sie sogar irgendwann nach einem Umzug entsorgt. Das Geschenk vom Verlag ist mit keinerlei Antwort oder Begleitschreiben versehen und die Enttäuschung gärt in Andreas, der aber nicht aufgibt, an sich zu glauben. Er schreibt weiter und besucht ein Autorenkollektiv und nimmt an einem Schreibkurs bei Frieder Salzgraf teil. Der Schriftsteller Salzgraf ist gerade nach Troisdorf gezogen und mit Böll bekannt. Somit schließt sich zumindest ein ganz kleiner Kreis. Andreas und Salzgraf werden Freunde, jedoch kann Andreas bei Salzgraf ein verstörendes Verhalten beobachten und es entfaltet sich ein persönliches Drama.
Andreas, der nun in diesen Erinnerungen gräbt, verarbeitet das Damalige, während er es literarisch fixiert. Es ist das Jahr 2025 in Troisdorf und er ist 64 Jahre alt. Seine Kapitel fädeln sich nun ab 1967 auf einem Zeitstrahl auf und wir verfolgen ihn beim Erlernen des Alphabets bis zur Weitergabe des Erlernten und dem wachsenden Drang, Geschichten zu verfassen. Dabei streift er die damalige Medienwelt.
Diese autofiktionale Erzählung verbindet ganz Persönliches mit den Ereignissen und Stimmungen der 1980er Jahre. Es sind die Träume und die Wirklichkeiten eines jungen Mannes, der Schriftsteller werden möchte und wird. Es geht um Freundschaften und Liebe. Ein sehr einfühlsamer und humorvoller Text, der viel Vergnügen bereitet.
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