Bela Chekurishvili: „Margo ist fort“

Diese Lyriksammlung von Bela Chekurishvili verankert sich, löst sich und blickt dann zurück. Gleich den zwei Raben aus der Mythologie. Einer sitzt der Erzählstimme auf der Schulter und schaut in das gegenwärtige Umfeld und einer ist fortgeflogen. Beide berichten, was sie sehen. Bela Chekurishvili ist ebenfalls fortgegangen und in ihren Betrachtungen, Gedanken und Emotionen wandert sie zwischen den Welten. Sie bemisst den Abstand inmitten der verlassenen Heimat und dem gewählten Exil.

Bela Chekurishvili wurde 1974 in Georgien geboren. Sie studierte georgische Philologie an der Universität Tbilissi und Germanistik und Komparatistik an der Universität Bonn. Sie war langjährig als Kulturjournalistin sowie als Lehrerin tätig. Sie lebt als freischaffende Autorin und Übersetzerin in Berlin und Köln.

Ihre Gedichte sind sehr bodenständig und erzählen poetische Geschichten. Diese wurden von Norbert Hummelt übersetzt. Wobei eine lyrische Übersetzung mehr eine Nachdichtung ist. Die Texte zeigen uns die Bedeutung des Gedichts. Die Wirkungskraft des Wortes. Das aufgeschriebene Wort vermehrt sich durch das Druckmedium und wird zu einem gehörten Klangraum und die Bedeutung variiert und vervielfältigt sich. Die Tinte gibt dem Gesagten Unsterblichkeit und das Wort vergeistigt sich und wird wie Wein genossen, der ebenfalls durch die Anbauregion und die Quelle das Wesen des Umfeldes transportiert und von uns inhaliert werden kann. Ein Gedicht muss kein verkopftes Werk sein, kein Grabspruch, sondern einfach durch Klang, Reim und Inhalt uns berühren.

Ein Federkiel verwandelt Hymnen zu etwas Althergebrachtem und erneut rennt zum Beispiel Lola durch Berlin und im Finale bleibt die Frage nach der wahren Liebe. Ein Stoffbeutel erlangt große Bedeutung und die Gegenstände sind es, die unsere Erinnerungen binden. Wir schauen in unbekannte Gesichter und lernen, dass wir nicht alle Hoffnung fahren lassen sollten. Immer wieder ist da auch die Angst.  Die Angst vor Verlust hat dabei mehr Gewicht als jene vor der Gewalt und die härteste Strafe entpuppt sich als jene, plötzlich ein Geheimnis alleine bewahren zu müssen. Neben den menschlichen Betrachtungen sind dann noch die aus dem Tierreich. Gedichte, die im Insektarium zusammengefasst sind.

Diese Gedichte sind leicht lesbar und verständlich. Lyrik ist die kürzeste Form, um ein Ganzes emotional mit Worten zu bekleiden, damit wir das Gesagte nachempfinden können. Ein Fortgang schützt nicht vor dem Verlassen und der Einsamkeit in der Gesellschaft. Diese Lyrik trotzt den alltäglich gewordenen Widrigkeiten und erzählt darüber, was es zu bewahren gilt.

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