Husch Josten: „Die Gleichzeitigkeit der Dinge“

Husch Josten begeistert stets durch ihre tiefgründige Unterhaltung. Der neue Roman ist fast schon ein Paradox, denn er ist leicht zu lesen und dennoch ein inhaltlich herausforderndes Werk. In Ihren Romanen beschäftigt sie sich stets mit gesellschaftlichen und philosophischen Fragen. Husch Josten versteht es mit viel Wissen, Humor und Sprachgefühl ihre Geschichten zu erzählen, die viel in sich verbergen. In ihren Texten geht es immer um das Wesentliche. Um Religion, Psychologie und um den Lebenssinn, der sich auch im Tode zeigt. In ihrem neuen Roman beschäftigt sie sich mit Themen, die gerne verschwiegen oder ausgeklammert werden. Es geht um das Sterben und den Tod. Jedoch ist es ein Roman voller Liebe, der uns Hoffnung schenkt und unsere Lebenseinstellung verändern mag.

Der Roman spielt mit den Gegensätzen, des Lebens und des Todes. Wir sollen das Leben genießen, auch wenn uns allen das Endziel bewusst ist. Dabei ist die Furcht meist auf das Sterben  bezogen, denn der Tod ist jene eventuelle Stille, die Shakespeare seinen Hamlet benennen lässt. Die Autorin schreibt stets in Bezug zu den Werken der großen Weltliteratur und zu den Gedanken der Philosophie. Das Religiöse und das Nihilistische vereint sich vorzüglich auf einer literarischen Ebene. Fast schon dem Weltlichen enthoben schaut die Autorin durch die Augen des Beobachters auf unsere irdischen Befangenheiten.

Ein Gastronom, Tobelmann, der sich ganz nach Stimmung Johannes oder Jean nennt, ist Beobachter der Ereignisse. Zwei Gäste, die er bewirtet und beide als Stammgäste kennt und deren Kenntnis voneinander ihn vorerst verwundert, sind Quelle des Gedankenstromes. Der Gastwirt denkt an das leibliche Wohl und gerade bei diesen beiden Gästen und Freunden geht er über das übliche Wohlbefinden hinaus.

Sourie erforscht mit Leidenschaft das Ende des Lebens. Er ist genau wie Tessa, ein Stammgast bei Tobelmann. Tessa hat gerade kurz hintereinander ihre Eltern verloren. Sourie, der das Lächeln im Namen trägt, ist in einem Heim beschäftigt und hat dadurch den Kontakt zu Tessa gefunden. Warum ist Sourie so versessen auf das Ableben und den Tod? Warum beschäftigt ihn das Thema Tod, Sterben und Vergänglichkeit? Bei seinen Ausführungen vermeidet er jene Phrasen, die meist aus der Unsagbarkeit formuliert werden. Denn Trost findet jeder ganz individuell und gerade der Wortbezug zur Erlösung ist zwiespältig. Kann es Erlösung bei jedem Sterbevorgang geben, wenn der Tod altersbedingt, durch Krankheit, Krieg oder durch einen Terroranschlag den Lebenden heimsucht?

Da der Exzentriker Sourie letztendlich auch verstorben ist, macht sich der Gastwirt auf die Suche nach der eigentlichen Geschichte. Die verheiratete Tessa suchte auch die Linderung des Schmerzes in einer Amour fou zu gerade jenem Todesforscher. Somit eint sich die Liebe und das Ende des Lebens in einer vermeintlichen Gemeinsamkeit. Das Ausmaß der dreifaltigen Verbundenheit erschließt sich langsam und lässt uns besinnlich innehalten. Haben die Dinge einen Sinn im Leben, oder geben wir diesen letztendlich nur einen? Ein wunderbarer und tiefgründiger neuer Leseschatz von Husch Josten.

Es ist schön, dass die Autorin langsam kein Geheimtipp mehr ist und jedes ihrer Werke ist nachfühlbar, erkenntnisreich und ein Nährboden für Gedankenspiele. Alle ihre Romane sind bisher Leseschätze und große Leseempfehlungen.

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