Sheridan Le Fanu: „Carmilla“

Wahre und gute Gruselromane müssen etwas Altmodisches haben, um eine authentische Stimmung zu erzeugen. Die Wurzel aller dieser Schauerromane liegt in der „Gothic Novel“. Einer dieser Klassiker ist wieder aufgetaucht. Denken wir an einen Vampir, wird uns als erstes stets Nosferatu und wohl die bekannteste Figur der Literaturgeschichte, Dracula, einfallen. Der Vampir, der unsere Lebensenergie trinkt, verbindet das Unheimliche und gleichzeitig das Romantische. Vor Dracula gab es aber bereits Carmilla von dem irischen Autor Sheridan Le Fanu. Die Novelle ist bereits 1872 erschienen und Sheridan Le Fanu gehört zu den bekanntesten Autoren der klassischen Schauerliteratur.

Carmilla ist nicht nur ein älterer Vampir, sondern auch ein weiblicher. Diese Literatur ist, wie ihre Protagonisten, unsterblich. Der Roman ist wunderbar geschrieben und baut eine Stimmung auf, die uns in ihren Bann zieht und zusammen mit ihren literarischen Opfern verzaubert. Vampire, die elegant, charmant und verführerisch sind, springen katzengleich in diese Welt hinein. Bram Stoker, Vater des Draculas, hat sich durch dieses Werk inspirieren lassen.

Erzählt werden die Ereignisse von Laura. Sie ist die Tochter eines vermögenden englischen Witwers, der in österreichischen Diensten stand. Er erwarb ein feudales Schloss in der Steiermark. Es ist die Abgeschiedenheit, die Laura eine Einsamkeit spüren lässt. Als sie ein Kind war erlebte sie einen frühen Schreck, der schnell als Traum abgetan wird. Der Vater hält sie von allem Schrecklichen fern, daher kennt sie die Angst noch nicht. In einer Nacht erkennt sie eine ihr unbekannte Frauengestalt, die sie von der Bettkante aus anschaut. Diese beruhigt sie und schmiegt sich sogar im Bett an sie an. Beim Eindämmern empfindet sie einen kurzen Schmerz, als wäre sie in die Brust gebissen worden. Sie schreit und weckt das wenige Dienstpersonal und den Vater. Die Erscheinung ist weg, aber das Bett weist noch eine warme Kuhle aus.

Jahre später erhält der Vater ein Schreiben eines Generals, den sie als Gast empfangen wollten. Seine Nichte sei unter eigenartigen Umständen verstorben, daher sagt dieser die Einladung ab. Das Schreiben wirft Rätsel auf und Laura ist traurig, da sie selten Besuch empfangen. Dafür taucht ein unerwarteter Gast auf. Sie beobachten einen Kutschunfall und die Reisende muss unbedingt weiter. Doch ist ihre Tochter dabei, die zur Freude von Laura nun für Monate auf dem Schloss bleiben darf. Es ist Carmilla, die, so sagt noch die Mutter, geistig und körperlich gesund ist. Es entsteht eine Freundschaft zwischen den beiden Frauen und sie erfahren, dass sie als Kind denselben Traum hatten. Die Zuneigung, fast schon eine romantische, erhält Brüche, denn Carmilla wird immer eigenartiger. Das friedliche Leben verändert sich und Laura plagen Träume. Bei einem Ausflug hören sie Geschichten, die wohl auf alte Zeiten zurückgreifen und wohl bereits schon lange die dortige Region und ihre Menschen heimsucht.

Ein großartiger Klassiker, der gelesen gehört. Aus dem Englischen übersetzt wurde der Roman von Elke Schönfeld.

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