
Eine Sammlung an Texten, die unseren Blick auf die Welt verschieben, formen und vertiefen. Denn Literatur und Kultur sind die Stützpfeiler unserer Identität. Literatur und Kunst können provozieren, bestärken und zum Nachdenken anregen. Literatur vermittelt Wissen durch Emotion und Empathie. Die Sprache ist dabei die Grundlage der Stützpfeiler, die wiederum ein Bauteil sind, die dann Brücken werden. Brücken verbinden und sollten dort gebaut werden, wo es sonst Abgründe gäbe. Somit darf Literatur uns auch herausfordern, anpicken und uns über uns selbst lachen lehren.
Gaetano Altopiano wurde auf Sizilien geboren, lebt und arbeitet dort. Er ist ein Poet und Autor. Er schreibt für diverse italienische Zeitungen und hat bereits einige Bücher veröffentlicht. Die neue Publikation wurde aus dem Italienischen von Monika Lustig und Elvira M. Gross übersetzt.
Das dünne Werk „Von der Freiheit des Huhns zu picken“ ist voller Miniaturen. Diese Kurztexte und Sätze sind so sehr komprimiert, dass sie sich in uns verzahnen und die Gedanken neu ordnen. Die Inhaltsangabe und der Umfang stehen auf den ersten Blick im Widerspruch. Auch die Themenvielfalt beeindruckt durch den Umfang und alles wird erfasst. Gaetano Altopiano schreibt schelmisch und tiefgründig. Er will durch Positionswechsel die Blicke verändern und uns zum Neudurchdringen drängen. Dabei flunkert er, philosophiert oder untersucht von weisen Menschen Vorgedachtes mit eigenen Gedanken.
Ist das Huhn frei? Frei in unserer Präsenz und der Ausnutzung? Ist es dem Huhn egal, wo es picken kann oder eigentlich nur darf? Der Zeitgeist ist geprägt durch die Glorifizierung des Internets und des allgemeinen Fortschritts. Wo ist der Mensch, wenn der technologische Fortschritt den moralisch-intellektuellen bereits überholt hat? Hat unser Fortschritt uns zurückschreiten lassen? Damit beginnt das Buch und es beginnt gleich damit bei uns und bildet Konstrukte in uns, die uns innehalten lassen. Gaetano Altopiano sucht nach wahren und falschen Sätzen. Er verweilt mit uns in der Stunde, die keine Schatten wirft und erzeugt einen Klang, der sich im Resonanzraum unseres Kopfes ausbreitet. Er betrachtet Wissenschaften und zum Beispiel nicht existierende Zahlen. Dabei werden die Episoden zuweilen mit Pointen versehen, wie in Witzen üblich. Eine Sammlung an Alltäglichem, dem die Kultur zugeführt wird, die uns ausmacht. Die Texte spielen mit Gesetzen der Natur und der Gesellschaft und jonglieren sprachlich mit ökologischer-, philosophischer- und Kunsttheorie. Kultur- und Wissenschaftswelten werden zu Literatur. Gaetano Altopiano will nicht gefallen, er richtet sich nicht nach den gesellschaftlichen Normen.
Ein Büchlein voller Anspielungen, die uns anspielen. Wir hören dem Autor zu, nehmen es an oder nicht und stellen dann unsere eigenen Fragen. Der Witz steht neben der Ernsthaftigkeit und beide tanzen oder streiten dann miteinander, wie man es halt als Mensch so mag.
Zum Buch in unserem Onlineshop
Weitere Lesetipps von mir und tolle Gäste auf YouTube: Leseschatz-TV