
In diesem Werk geht es um die schönen und kleinen Dinge im Leben. Dieser Roman ist fast schon ein Klassiker der japanischen Gegenwartsliteratur und zeigt, warum diese stets begeistert. In stillen Tönen und mit einfachen aber kräftigen Bildern wird hier eine Tiefe erzeugt. Japanische Literatur wirkt oft wie ein Schattenspiel, das verspielt, schön und nuanciert ist. Der Text erstellt eine Idylle ohne kitschig zu werden. Er lässt Trauer und Melancholie zu, ohne sentimental oder verklärt zu sein. Es ist ein Buch über eine besondere Freundschaft und die Hinwendung zum Leben.
„Kirschblüten und rote Bohnen“ schenkt uns durch die Liebe für das Detail sehr viel Gutes, Schönes und Tröstliches. Im Original heißt das Werk „An“ (jap. あん) und bezeichnet eine Bohnenpaste, eine japanische Süßspeise. Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe übersetzt. Das Werk war auch die Vorlage für den wunderschönen, gleichnamigen Film von Naomi Kawase aus dem Jahr 2015. Er war der Eröffnungsfilm bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes.
Es ist die Geschichte von Sentaro. Er träumt davon, Schriftsteller zu werden und hadert mit dem Leben. Er ist gestrandet und trinkt, um einschlafen zu können. Durch seine Vorbestrafung und Haft ist er gescheitert. Nun arbeitet er im Doraharu, das keinen Ruhetag kennt. Es ist ein kleiner Imbiss, der Dorayaki anbietet. Dies ist ein pfannkuchenähnliches Gebäck, das mit einem süßen Mus aus roten Bohnen gefüllt wird. Er selbst ist angestellt, der vorherige Besitzer ist verstorben und die Witwe lässt ihn fast alles alleine entscheiden und machen. Sie selbst möchte Personelles mitentscheiden, schaut sonst aber selten vorbei. Somit ist Sentaro jeden Tag in seinem kleinen Laden, der vor einem schönen Kirschbaum steht. Er hat kein großes Geschick für die Fertigstellung des Gebäcks, dennoch funktioniert das Geschäft, wohl aber eher durch die Lage. Er verwendet eine gekaufte Bohnenpaste, da ihm die Bohnen immer anbrennen. Eines Tages steht Tokue, eine ältere Frau, vor seinem Geschäft und bewundert die Kirschblüte und spricht ihn an. Seine traurigen Augen haben sie auf seine Geschichte neugierig gemacht. Sie möchte im Laden aushelfen und hat schon seit über fünfzig Jahren die Bohnenpaste gekocht. Tokue ist vom Leben gezeichnet und hat deformierte Hände und doch kocht sie die beste Bohnenpaste, die Sentaro je gegessen hat. Somit werden sie ein Team und die neue und sehr gute Qualität der Dorayaki spricht sich herum. Auch zu den Schülerinnen aus der Region. Dabei ist Wakana, ein Mädchen aus schwierigen Verhältnissen. Tokue, die einst Lehrerin werden wollte, spricht diese oft an, wobei sie eigentlich nur in der Küche bleiben sollte. Dadurch entsteht eine Freundschaft zwischen den dreien. Doch das Leben ist unnachgiebig. Die Witwe und Inhaberin des Ladens sorgt sich um den Ruf des Doraharu, da Tokue kränklich wirkt, auch wenn sie ein wunderbares An kocht.
Durch die Nähe der Charaktere und die Enge des Doraharu wird die Größe der jeweiligen Schicksale deutlich. Was für eine Geschichte hat Tokue erlebt, was ließ sie leiden und welche Vergangenheit haben Sentaro und Wakana. Welche Geschichten warten auf sie?
Ein leichter, wunderschöner Roman über die Möglichkeiten und besonders über die kleinen Dinge im Leben. Die Lebensweisheit und Tiefe werden spielerisch und ganz zart eingefangen und hinterlassen eine wohlige, aber auch eine schöne, melancholische Stimmung.
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