
Wir verstehen uns als Leuchtturm im Büchermeer und nun gibt es ein Buch, das die befeuerten Türme und die Literatur verbindet. Wobei in der Moderne das Licht der Leuchttürme nicht mehr durch Leuchtfeuer sondern mit starken elektrischen Lampen erzeugt wird, befeuert uns die Literatur unverändert und weiterhin. Leuchttürme üben eine besondere Faszination aus. Der englische Begriff sagt es wörtlich: Haus des Lichts. Ein Ort, der nicht nur beherbergt und schützt, sondern sein Licht als universal verstandene Sprache versendet. Das Leuchtfeuer weist auf gefährliche Stellen hin, auf Klippen, Riffe oder auf Ablagerungen von Sediment. Meist stehen die Leuchttürme in der Nähe von Häfen. Leuchttürme ziehen den Blick auf sich, senden aber auch den Blick zurück, denn er wurde auch von einem Leuchtturmwärter als Auge des Lichts bezeichnet.
Leuchttürme sind Wegweiser und stehen seit Bestehen für Abenteuer und Sicherheit. Sie sind ein Symbol des Fernwehs und gleichzeitig für Heimat. Sie haben stets etwas Erstaunliches und Magisches. Die Gebäude und die Geschichten, die sich um diese ranken, sind mannigfaltig und schon immer eine Quelle für unsere Erzählungen. Das Leben als Leuchtturmwärter ist entbehrungsreich, weckt aber in uns stets die Phantasie eines Lebens voller Abenteuer. Diese Vorstellung ist nah an der der Seefahrer, denn beide sind aneinander gebunden. Es gibt auch nicht nur jene Türme, die auf festem Boden, auf Felsen oder auf Inseln stehen, sondern auch jene, die als fixierte Feuerschiffe den Seeleuten ihren Kurs zeigen.
Wie wäre es, wenn wir Leuchttürme sammeln und die Verbindungen zur Literatur herstellen könnten? Dies ist das Anliegen der literarischen Reise von Jazmina Barrera. In ihren Erinnerungen, Texten und Gedanken reisen wir mit ihr zu bestimmten Leuchttürmen, die sie aufgesucht hat. Es sind aber auch Türme, die ihr und uns in der Weltliteratur begegnen können. Jeder Turm wird kurz mit seiner Bauweise und dem spezifischen Leuchtsignal vorgestellt. Türme mit Lichtsignalen stehen nicht unbedingt immer an der Küste, sondern können uns auch im Landesinneren oder in den Städten überraschen. Denken wir zum Beispiel an den Eiffelturm, der auch abends sein Licht auswirft. Eines eint jedes Lichtsignal: Hier ist Leben, hier sind Menschen. Somit ist es nicht verwunderlich, dass sich in der Welt der Bücher immer wieder Leuchttürme finden lassen. Der Turm gilt dabei als moderne Errungenschaft, aber auch als Orientierungshilfe, als Signal der Hoffnung. Denken wir an die Werke von Max Frisch, Ray Bradbury, Herman Melville, Jules Verne oder Robert Luis Stevenson, dessen Großvater sich dafür einsetzte, dass die schottische Küste mit Leuchttürmen ausgestattet werden sollte. Es gibt so viele Beispiele in der Welt der Literatur, besonders auffallend ist dabei natürlich das Werk von Virginia Woolf.
Das Buch „Leuchttürme“ gehört in jeden Bücherschrank. Ein Buch für alle, die in sich eine Sehnsucht nach dem Meer verspüren, ein Fernweh kennen, das durch reale oder erzählte Reisen gesättigt werden kann. Die gesammelten Gedanken von Jazmina Barrera erzeugen eine Weltlust und ihre Texte lassen uns heimkommen. Das aufwendig und schön gestaltete Werk wurde aus dem mexikanischen Spanisch von Grit Weirauch übersetzt.
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