Marco Balzano: „Bambino“

Marco Balzano stellt uns einen Antihelden vor, dessen Weg wir atemlos verfolgen. Der Weg eines gekränkten und empathielosen Jungen, dessen Wut sich gegen alle richtet und der ein brutaler Faschist wird.

Der Roman beginnt nach dem Zweiten Weltkrieg und Mattia, der Bambino genannt wird, trinkt in einer Bar in Triest einen Espresso. Er wird erkannt und spürt den Pistolenlauf in seinem Rücken. Stimmen drängen ihn fort, fesseln und verbinden seine Augen. Er hat sich in seinem Leben viele Feinde gemacht und alle kennen ihn. Jetzt ist er gefangen und in der Dunkelheit beginnt er sich zu erinnern. Als Kind ist ihm stets langweilig und er entwickelt wenig Mitgefühl für Lebewesen und verbringt oft seine Zeit in der Werkstatt seines Vaters, einem Uhrmacher. Die Schulzeit verändert einiges, er wird immer herrischer und auch seine Lehrer spüren dies, wenn sie ihn auf Fehler hinweisen. Er empfindet sich als niemandes Sohn, denn eine Nähe zum Vater findet sich nicht und die Mutter sagt ihm auf dem Sterbebett, sie sei nicht seine wahre Mutter. Ist seine leibliche Mutter eine Slowenin? Sein Vater beharrt darauf, dass er und seine verstorbene Frau die echten Eltern sind. Seitdem steigert Mattia sich in eine Gefühlskälte und in ihm brodelt eine beständige Wut. Auch sein Freund wendet sich von ihm ab. Eine Gemeinschaft findet er bei den Schwarzhemden, die ihn bei sich aufnehmen. Er fällt auf, weil er unscheinbar und zierlich wirkt, dann aber keiner Schlägerei aus dem Weg geht und stets bereit ist, Gewalt auszuüben. Da er bartlos ist, wird er Bambino gerufen. Er geht innerhalb der gewalttätigen Faschisten seinen Weg und wird, als der Krieg ausbricht, Gruppenleiter. Doch verliert Bambino im Krieg immer mehr seine eigene Vision. Er ist sehr unmenschlich und doch ein Mensch. Nach den ganzen geschichtlichen Wirren hat sich Bambino überall Feinde gemacht und die Menschen erinnern sich an seine Taten. Er sagt, er habe vieles getan, um sich zu retten.

Ein Roman der sehr feinfühlig das Leben eines Antihelden erzählt. Eine junger Mann, der durch Kränkungen und Bezugsverlust innerhalb der Familie zu einem Faschisten wird. Hierbei wird nichts verschönt oder verklärt erzählt. Balzano baut die Geschichte fast nüchtern auf, damit sich diese viel kräftiger in uns entfalten kann. Der Roman wurde aus dem Italienischen von Peter Klöss übersetzt.

Zum Buch in unserem Onlineshop

Weitere Lesetipps von mir und tolle Gäste auf YouTube: Leseschatz-TV

2 Kommentare

Eingeordnet unter Erlesenes

2 Antworten zu “Marco Balzano: „Bambino“

  1. das klingt ziemlich eindrücklich. ich habe das noch nie so genau reflektiert, aber das ist vermutlich genau das problem, dass solche menschen komplett empathielos sind und deshalb so handeln (können, müssen?) danke für die empfehlung/ vorstellung – so wie für so viele andere, ich lese deine buchbesprechungen immer sehr gern! liebe grüße von diana

    • Vielen lieben Dank! Ich freue mich sehr.
      Ich denke, würden die Menschen mehr Bücher lesen, gäbe es in der Welt weniger Probleme, denn Bücher lassen uns empathisch werden!
      Herzliche und erlesene Grüße
      Hauke

Hinterlasse einen Kommentar