
Der neue Roman von Florian Knöppler zeigt erneut, was er am besten kann. Seine Werke sind sehr atmosphärisch geschrieben und handeln von Menschen mit besonderen Lebenswegen. Ferner spielen die norddeutsche Landschaft, die Fauna und Flora eine wichtige Rolle. Diesmal reisen wir mit dem Roman aber nicht in die Zeitgeschichte, sondern tiefer in die persönliche Entwicklung seiner Protagonisten. Florian Knöppler hat ein großes Feingefühl für Menschen und charakterisiert diese in seinen Werken stets sehr glaubhaft und liebenswürdig. In „Mit dem ersten Licht“ ist ein Lebensweg beschrieben, der sich zum Guten entwickelt. Erneut lässt der Autor besonders das Erwachsenwerden sehr lebendig werden. Ein Erwachen mit unterschiedlichen Hintergründen, das neben den psychologischen und gesellschaftlichen Schattenseiten die lichtvollen Momente sucht. Es ist ein ungewöhnlicher Entwicklungs- und Liebesroman, der tiefe Sehnsüchte neben die Ängste stellt und die Protagonisten zu ihrer Entschiedenheit bringt. Der Text ist, wäre er ein Gemälde, mit einem Vanitas zu vergleichen. Denn neben den kraftvollen Lebensbildern tauchen auch Momente der Einsamkeit, Traurigkeit und Vergänglichkeit auf.
Arne lebt mit seiner Familie behütet in Schleswig-Holstein und die Umgebung prägt seine Wahrnehmung. Doch empfindet er sich stets als außenstehend und ist in einer tiefen Einsamkeit gefangen. Eine Einsamkeit, die ihn auch in der Gesellschaft befällt und die er nicht wirklich begreifen kann. Sein Vater ist Arzt und stets bemüht, die Familie durch seine positive Kraft zu ummanteln. Die Mutter zieht sich oft zurück, ist energielos und lebt lediglich ab und zu für Ihre Kunst wieder auf. Arne und seine Schwester wissen um die Stärken und Schwächen der Eltern und werden dadurch sehr einfühlsame Menschen. Besonders Arnes Tierliebe kristallisiert sich immer mehr heraus. In der Schule taucht eine neue Mitschülerin auf. Es ist Laura, die Arne sofort fasziniert. Sie ist es, die ihn aus seiner Einsamkeit befreit und dazu bringt, mehr von sich preiszugeben. Doch immer wenn er und Laura sich näher kommen, zieht sie sich zurück. In ihrer Familie scheint weniger Harmonie zu sein und plötzlich fehlt Laura auch länger in der Schule. Arne ist noch zu sehr mit sich beschäftigt und zu jung, um zu erkennen, was mit Laura los ist. Später geht sie für ein Jahr in die USA und lebt nach der Schulzeit kurz in Italien. Arne, der immer an Laura denken muss, besucht sie dort und eine lichtvolle Zeit beginnt. Durch ein Drama und unausgesprochene Verletzungen, Emotionen und Gedanken kommt es immer wieder zu Brüchen. Erst viel später, wieder zurück in Deutschland, in Bonn und in der nordischen Heimat, erkennt er, dass nicht nur er Laura braucht, sondern auch sie seine Unterstützung benötigt. Arne muss sich selbst festigen, um auch das Umfeld annehmen zu können, wie es ist.
Ein bewegender Roman, der das Leben zeigt, das sich zum Positiven und Lichtvollen entwickeln möchte. Doch ist dieser Weg stets durch Ängste, Sorgen und von Traurigkeit, wie bei einem Schattenspiel, unterbrochen. Sehr einfühlsam werden die Charaktere beschrieben, die durch ihre Leidens- und Lebenswege wachsen.
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