Junko Takase: „Richtig gutes Essen“

In diesem Roman stehen das Essen und die Arbeit für soziale und gesellschaftliche Ansichten, Gebräuche und Fertigkeiten. Ein Werk über die Gemeinschaft innerhalb eines Büroraums. Die Handelnden sind die dort Arbeitenden und charakterisiert werden sie durch ihre Vorlieben in den Pausenzeiten, in der Freizeit und während des zwanghaften und gewollten Miteinanders. Arbeit und Essen gehören dabei eng zusammen. Nahrung als Kraftquelle und die Aufnahme als Ruhepunkt oder als Anlass für geselliges Miteinander oder den Austausch. Jeder sieht sich dabei als Mittelpunkt an. Jeder meint, sein Verständnis für das Essen und die Lebensmittel sei gut und richtig. Der individuelle Arbeitseinsatz ist stets der richtige Weg. Im Großraumbüro gibt es jene, die Karriere machen möchten, Überstunden akzeptieren und die Aufgaben von Kollegen übernehmen, die schwierige Tätigkeiten gerne ablehnen. Andere arbeiten genau das geforderte Pensum ab und manche bleiben sogar darunter und hoffen, sich schon irgendwie innerhalb der Kollegen und des Konzerns behaupten zu können. Die Regeln sind dabei jene, die gefordert, angepasst oder abgelehnt werden. Je nach Fasson des Charakters. Die unterschiedlichen Lebenseinstellungen finden sich auch zu Tisch wieder. Das gemeinsame Essen, die Zubereitung der Nahrung, das gepflegte Ausgehen oder der schnelle Imbisskauf stehen dabei gleichberechtigt nebeneinander. Junko Takase zeigt das gewöhnliche Alltagsleben und erzeugt das Bild der Gesellschaft.

In einem Büroraum mit mehreren Angestellten und Führungskräften kristallisieren sich drei Hauptfiguren, Nitani, Ashikawa und Oshio, heraus. Alle gehen mit dem Alltäglichen stets anders um. Für einige ist die Arbeit wichtig, für andere nur Mittel zum Zweck. Ebenfalls das Essen. Nahrungsaufnahme oder Genuss. Auch wenn der Chef zum Lunch einlädt, geht nicht jeder mit. Gerade Nitani mag essen nicht besonders, beziehungsweise schenkt dem keine große Bedeutung. Er wäre froh, gäbe es eine Tablette, durch die alle wichtigen Nährstoffe zugeführt werden könnten. Er ernährt sich hauptsächlich von Instantramen und wenn er das Fertigprodukt nicht gegessen hat, fehlt ihm etwas. Auch wenn er eingeladen oder bekocht wird, nimmt er heimlich meist noch eine Portion Instantnudeln zu sich. Ashikawa ist in dieser Belegschaft die Träumerin und oft überfordert. Ihre Aufgaben erfüllt sie bemüht und gibt gerne unliebsame Kunden oder Aufgaben ab. Auch verlässt sie die Arbeit öfters als die Kollegen bei körperlichem Unwohlsein. Dies macht sie innerhalb der Belegschaft nicht überall beliebt. Doch gleicht sie dies mit ihrem selbstgemachten und mitgebrachten Backwerk aus. Ashikawa wäre eine Frau, die Nitani wohl heiraten würde, denn dass er eines Tages heiraten möchte ist ihm bewusst. Doch fällt es ihm immer schwerer, sie zu respektieren. Dabei ist sie eine stets freundliche, lächelnde und gutherzige Person, die auch gerne für ihn kocht und ihm vom guten Essen überzeugen möchte. Zwischen den beiden ist und steht Oshio. Oshio taucht als Ich-Erzählerin auf. Alle drei stehen zueinander in unterschiedlichen Beziehungen, Träumen und Verhältnissen. Mit Oshio kann Nitani gut nach der Arbeit etwas über den Durst trinken und das Beisammensein ist unkonventioneller. Dabei spielt die Liebe zur Literatur ebenfalls eine Rolle. Doch empfindet, wünscht und träumt jeder von anderen Lebenswegen und was ist, wenn man den Weg verpasst, anders abbiegt oder sich verläuft? Es gibt gesunde und ungesunde Nahrung, Arbeit und natürlich auch Beziehungen. 

Ein leichtes, warmherziges und spaßiges Werk, das immer mehr Tiefe und sogar Spannung erzeugt. Gemeinsames Handeln und Essen wird hierbei entzaubert. Der Roman serviert passend zu unserer schnelllebigen Giergesellschaft, die den Genuss und das empathische Miteinander verlernt, einen feinen, kleinen Happen. Durch diese feine Lektüre schauen wir zum Glück mal wieder lustvoll über den gewöhnlichen Tellerrand. Der Roman wurde aus dem Japanischen von Yoko Ann Hamann übersetzt.

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