Sasurai no Kanabun: „An jenem Tag in Hiroshima“

Dieses Buch basiert auf Erfahrungsberichten. Ursprünglich hatte die Autorin angefangen Mangas zu schreiben, weil ihre Großmutter sie bat, alles, was diese erlebt hatte, in Bildern zu erzählen. Je weiter die Autorin sich mit dem Thema beschäftigte, desto mehr sah sie die Lücken, die es in den historischen Aufzeichnungen über den Atombombenabwurf gibt. Mit ihrer Manga-Kunst möchte sie diese schließen. Es geht um das Weiterleben und die Vision von Frieden, die mit dem Wunsch einhergeht, dass so etwas nie wieder passiert.

Sasurai no Kanabun lebt als Radiologietechnikerin in Hiroshima. Sie schreibt und zeichnet Mangas, die sich mit den Überlebenden des Atombombenangriffs beschäftigen. Ihr erstes Buch handelte von den Erfahrungen ihrer Großmutter und „An jenem Tag in Hiroshima“ beinhaltet ihren zweiten und dritten Manga. Es sind die Erzählungen „Ein Mädchen in Hiroshima“ und „Ein Arzt und die Folgen der Bombe“. Die Bilder sind teilweise fast schon einfach gehalten und die menschlichen Konturen vermischen sich, lösen sich ab und zu auf und können auch gesichtslos sein. Dies ist alles ein Kunstgriff, der unsere Gedanken anregt und die Emotionen verstärkt. Denn es ist kein einfaches Werk. Es macht betroffen, wütend und unglaublich traurig. Die Übersetzung aus dem Japanischen stammt von Anna Sanner. Anna Sanner ist schon mehrfach im Leseschatz durch ihre eigenen Werke positiv aufgefallen. Ihr Verständnis für Sprache, Kultur und Geschichte machen das Buch für deutschsprachige Leser sehr zugänglich. Ihre Übersetzung hat sie durch Marginalien ergänzt, die weiteres unter den Bildern erklären.

Inhaltlich sind es ein Mädchen und ein Arzt, die ihre Geschichten erzählen. Im Mittelpunkt steht jener Tag, der 6. August 1945 um 8:15 Uhr. Doch der Bombenabwurf wird nicht bildreich ausgeschöpft, sondern es geht um den Aufbau der Charaktere im Vorfeld und deren Schicksal und Erlebnisse danach. Beide Geschichten stehen dabei für sich und es ist der Arzt, der als Student zum Militär gerufen wird und durch seine medizinische Ausbildung Militärarzt wird. Als die Bombe explodierte, sieht er seine Aufgabe unter jener Feuersäule. Was er hier erlebt, wie er hier noch helfen kann oder leider nicht mehr, gruselt und bewegt sehr. Es ist hart, seinen Erlebnissen und Beobachtungen zu folgen. Die Geschichte und die gezeichneten Bilder entstammen tatsächlichen Vorlagen und Berichten und erzeugen dadurch eine enorme Gefühlsregung. Es geht um die Opfer, die Überlebenden, die nach dem Einschlag wie Geister durch die Ruinen wandelten. Die wenigen, die überlebten, waren später auch einer enormen Diskriminierung, die aus Angst erwachsen ist, ausgesetzt. So auch die Schülerin, die in der ersten Geschichte mit ihrer Freundin vom Lande nach Hiroshima in die Mädchenschule kommt. Hier muss sie mit Hunger und den neuen Lebensbedingungen zurechtkommen. Auch wurden diese Mädchen als Schaffnerinnen und sogar als Zugführerin der Straßenbahn ausgebildet, da die Bevölkerung durch den Krieg und den Militärdienst immer weiter dezimiert wurde. Es gibt auch eine kleine, traurige Liebesgeschichte. Das Mädchen erlebt hautnah den Bombeneinschlag und wird schwer verwundet. Danach ist für sie alles anders. Nach der Genesung auf dem Land kehrt sie in die Stadt zurück und kann wieder zur Schule gehen, Bahnfahren und später in einem Restaurant arbeiten. Aber es dauert länger, bis sie sich einlebt und akzeptiert wird. Ihr Wunsch steht für die Aussage des Buches, sie wünscht sich eine Welt, in der es nie wieder Kriege gibt. Nie wieder!

Diese Lektüre ist mehr als lesenswert. Sie macht betroffen, schult die Empathie und füllt diverse Wissenslücken. Das Buch ist als Schullektüre sehr geeignet und für jeden, der Comic-Kunst schätzt sowie sich für die damaligen Ereignisse interessiert, eine Bereicherung. Das Buch geht viel weiter, als ein herkömmliches Manga, denn nach dem Schmerz gibt es die Hoffnung, dass wir alle endlich mehr verstehen lernen. 

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