Franziska Hauser: „Am Ende der Kleinigkeiten“

Ein Roman über den Weg zur eigenen Rolle im Leben und unseren Beziehungen. Dabei steht die Bindung zwischen Mutter und Kind im Mittelpunkt. Dieser Text lebt von einer Hauptfigur, die uns schnell an Herz wächst und durch ihre Erfahrungen uns mit ihrer Geschichte mitreißt. Inhaltlich erinnert das Werk an „Skabelon“ von Malin C. M. Rønning und „Die Überflüssigkeit der Dinge“ von Janna Steenfatt. Emotional wird hier mit Humor und Melancholie die Geschichte von Beziehungen erzählt. Von Müttern und Kindern, von Theaterfiguren und dem echten Leben.

Irma wächst in einer Kommune auf einem Hof auf. Diese Lebensgemeinschaft besteht seit ihrer Geburt und als Kind wird sie irgendwie von allen gut oder weniger gut versorgt, nur nicht von der Mutter. Auch, wer der Vater ist, wird ihr nicht gesagt, alles was mit Irma zu tun hat, stört die Mutter. In wenigen lichtvollen Momenten, kann sie dem Kind doch Liebe geben, aber stets wechselt diese in verbale Gemeinheiten um. Irma lernt schnell, in dieser toxischen Umwelt zu überleben und ihre Mutter zu lesen. Sie weiß, wie sie zu sprechen hat, wie sie sich anzuziehen oder zu bewegen hat, damit die Mutter nicht mehr als nötig sie beleidigt oder anschreit. Auch vom schulischen Alltag möchte die Mutter nichts wissen und verlangt, dass das Kind die Unterschriften oder Materialen selbst erledigt oder besorgt. Es ist alles aus Irmas Perspektive erzählt, die mit Kinderaugen auf die Welt der Erwachsenen blickt und dadurch nicht immer alles genau versteht. Irma meint, die Mutter wird wohl ihre Gründe haben, so zu sein, wie sie ist und sucht oft die Fehler oder die Schuld bei sich. Doch überlebt sie diese furchtbare Zeit auf dem Hof, auf dem allen alles gehört, alles geteilt wird und sich keiner wirklich um Wichtiges zu kümmern vermag. Auch Weihnachten wird jedes Jahr versetzt gefeiert, da die Geschenke oder der Baum durch den Abbau der Weihnachtsmärkte organisiert werden. Irma muss schon früh immer mitarbeiten, den Abort leeren oder bei der Feldarbeit oder im Hofladen mitwirken. Als die verbale Gewalt der Mutter sich zuspitzt und Irma als Teenager das Gefühl erhält, die Mutter wolle sie aus ihrem Leben verbannen, flieht sie in die Stadt und findet sich vor dem Theater wieder. Hier findet sie Unterschlupf und darf in Absprache mit den Ämtern und der sorgenden Tante, die aber selbst gerade in einer Lebenskrise steckt und in ihrer Buchhandlung übernachtet, dort im Umfeld der Theatermenschen bleiben. Da sind Helena, die Irma bei sich aufnimmt und Blanda, die Star-Schauspielerin des Ensembles, die Irma umsorgen. Neben der Schule taucht sie ein in die Theaterwelt und schlüpft schon in kleinere Rollen und nimmt an Kursen teil. Doch merkt sie, dass sie immer spielt und gar nicht sich selbst dabei findet. Bei einer Rolle, die sie spielen darf, bekommt sie viel positiven Zuspruch, dabei hat sie diese Figur so gespielt, wie ihre Mutter ist. Sie lernt einen Agenten und den Regisseur Taron Capla kennen. Durch beide erhält sie eine Chance und nähert sich dem Regisseur auch näher an. Dabei wird sie durch ihre Vergangenheit eingeholt, denn sie erlebt die großen Dramen vor und hinter der Bühne, als Schauspielerin, Tochter, Geliebte und als Mutter. Sie muss lernen, ihre Persönlichkeit nicht nur zu spielen und sich aus den unglücklichen Abhängigkeiten des Lebens zu befreien.

Es geht um unschöne Erlebnisse, um die Liebe und um die Selbstliebe. Durch Demütigungen innerhalb der Mutterschaft und den folgenden Beziehungen wächst die Hauptfigur von einem zerbrechlichen Mädchen zu einer Frau und Mutter. Es sind keine Erfahrungen aus einer heilen Welt, die uns eine Protagonisten präsentieren, die wir nicht missen möchten und deren Geschichte uns sehr zu Herzen geht. 

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