Seumas O’Kelly: „Das Grab des Webers“.

Sláinte! Heute ist Saint Patrick’s Day, also lasst uns die irische Literatur feiern. Es sind Namen wie Máirtín Ó Cadhain, Flann O’Brien, James Joyce oder Edna O’Brien, um nur wenige zu nennen, die uns immer wieder begegnen und begeistern. Irische Literatur hat eine tiefgründige Erzähltradition. Sie ist oft melancholisch oder morbide. Aber stets mit einem feinen Humor versehen. Oft geht es um Identität, Glauben, Familie und um Armut. Ein weiterer Klassiker ist aufgetaucht. Seumas O’Kelly „Das Grab des Webers“. Es ist ein Friedhofsroman und erinnert an „Die Asche des Tages“ von Máirtín Ó Cadhain und öffnet in seinem minimalistischen Umfang ein ganzes Universum an Gedanken, Charakteren und Lebensereignissen. Eine kraftvolle Erzählung.

Seumas O’Kelly, zwischen 1875 und 1881 in Loughrea im County Galway, Irland, geboren, 1918 in Dublin gestorben, war ein irischer Journalist und Schriftsteller. Seine Kurzgeschichte „The Weaver’s Grave“ gilt als ein Meisterwerk des Genres. Aus dem Englischen wurde das Werk von Kurt Heinrich Hansen übersetzt.

Der Weber ist verstorben. Sein eigentlicher Name ist Mortimer Hehir und er war zum vierten Mal verheiratet. Die Witwe, seine vierte Frau, trauert im Umfang, wie es einer Frau in Folge zusteht und sie möchte ihren verstorbenen Ehemann beerdigen. Er sprach von seinem Grab und es war alles geregelt. Doch was ist sein Grab und wo ist es? Es soll der Friedhof sein, der eigentlich nicht mehr genutzt wird, der schon überfüllt ist. Eine Kartei gibt es nicht, nur die Angehörigen wissen um die Grabstätten. Hier soll sein Grab sein und um dies zu finden, geleiten die Witwe zwei ältere Männer, der Nagelschmied und der Steinbrecher. Beide meinen, sich zu erinnern. Doch irren sie auch nur umher und zanken sich. Mit dabei die Totengräber, deren Nerven enorm strapaziert werden. Eine weitere Stimme wird befragt und es heißt, der Weber wollte unter der Ulme beerdigt werden. Unter der Ulme ist sein Grab. Mit frischem Mut geht die Suche weiter, denn wo steht der Baum, gibt es hier überhaupt eine Ulme?

Ein Meisterwerk der irischen Erzählkunst. Ein lebensweises Werk, voller melancholischem Witz und lebendigen Charakteren.

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