Katrin Seddig: „Gedanken zu Turnhallen“

Gedanken, die ausgesprochen oder aufgeschrieben den Drang haben, sich unter die Gedanken der Hörenden oder Lesenden zu mischen. Unsere Gedanken werden somit die von anderen oder ist es andersherum? Wir können uns aber freuen, wenn es die Gedanken von Katrin Seddig sind. Auch wenn sie sich selbst Gedanken macht, was genau sie tut, was ihre Aufgabe, ihre Arbeit ist. Sie kann es selbst nicht wirklich benennen, denn es gibt Arbeiten, die müssen gemacht werden, wie die Instandhaltung der Kanalisation. Also Tätigkeiten, die notwendig sind. Doch gibt es auch Tätigkeiten, die einfach so gemacht werden, wie morgendliche Anrufe von Verliebten, egal welchen Alters. Wie jene Tätigkeit der Schreibenden, die uns darüber erzählt. Ist es lebensnotwendig? Dies kann nur individuell beantwortet werden, aber es ist bereichernd und, wie bei dem Druckmedium Buch üblich, essentiell. Katrin Seddig hat Essays geschrieben, die nun innerhalb der Quickie-Familie erquickenderweise als Sammlung erschienen sind. Katrin Seddig hat einen ganz eigenen Sprachklang und es macht sehr viel Spaß, in ihren Gedanken zu stöbern, diesen zu verfallen und zu folgen. Das Alltägliche, das Belanglose wird dabei zur großen Bühne. Es gibt nämliche keine Trennung zwischen Unterhaltung oder Ernsthaftigkeit. Keine Grenze zwischen Humor und dem Erzählten. Jedes Thema ist gleichberechtigt, keiner der Gedanken ist dabei eine Gedankenverschwendung. Texte, die bühnenreif waren und sind, kann man nun getrost nachhause tragen. Und sich immer wieder an diesen erfreuen.

Die Texte sind Gedankenvorschläge. Vorschläge, die heutzutage selten gereicht werden. Vorschläge kommen doch meist nur noch von Facebook. Gedanken zu Bäumen, zum Wind, zu Haaren, zu Hasen und Turnhallen. Aber auch Empfindungen tauchen auf und in uns ein. Gedanken zur Liebe, zur Ehe und zum Lachen. Zu lachen, zumindest zu schmunzeln gibt es hier viel. 

Es ist eine tolle, skurrile und schräge Anthologie, die sehr humorvoll geschrieben ist und wirklich viel Freude macht. Es sind kleine Gedanken zu kleinen und großen Themen. Alles unaufgeregt durchdacht und verfasst.

Die Autorin bringt uns auf Gedanken, die sie vorgedacht hat und somit werden es nun unsere Gedanken. Also werden die „Gedanken zu Turnhallen“ letztendlich zu einem Breitensport und wir alle bekommen Bewegung in unseren Gedankenapparat und geraten dabei weniger ins Schwitzen als ins Lachen.

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