
Das Gefühl unter Wasser zu sein, schwerelos und doch bedrängt und atemlos in einer schönen, aber für Menschen nicht lebensfähigen Atmosphäre zu agieren, ist der Kern dieses Debütromans. Ein Werk über Freundschaft, über die Schönheit der Natur und die Naturgewalten. Die Geschichte wird wie ein aufbrausender Sturm erzählt. Erst ist es ein herrliches Sommerlüftchen, das dann immer mehr an Intensität zunimmt. Es ist ein Werk, das uns sehr viel über Meeresbewohner, besonders über Mantarochen zu erzählen hat. Die Hauptcharaktere sind Marissa und Arielle, die durch eine tiefe Freundschaft und einen schmerzlichen Verlust aneinandergebunden sind und ihre Geschichte ist es, die uns emotional berührt.
Die Handlung springt kapitelweise in zwei Orten und Zeiten. Zwischen den Ereignissen liegen acht Jahre und Marissa schaut aus ihrer gegenwärtigen Situation zurück auf die damalige Zeit. Eigentlich wollte sie alles verdrängen, doch ein Sturm zieht auf und während sich andere vorbereiten, beginnt sie, sich zu erinnern. Es ist das Jahr 2012 und sie lebt in New York. Lediglich ihre Narben erinnern sie ständig an die Jugend. Sie arbeitet in einer Redaktion, die Reisemagazine für wohlhabende Menschen verfasst. Ihren Zielgruppe sind Vermögende, die dem Alltag entkommen möchten und Paradiese suchen. Ihre Aufgabe ist es, Bildunterschriften zu verfassen, die klischeehaft das Positive betonen. Jedes Mal juckt es ihr in den Fingern, auch über die Schattenseiten und das dortige Leben zu berichten. Sie kennt die Kehrseite des Paradieses. Denn 2004 lebte sie in Thailand. Nach einem tragischen Verkehrsunfall, bei dem ihre Mutter verstarb, beschließt ihr Vater, nach Thailand zu ziehen. Er und seine Frau waren beziehungsweise sind Meeresbiologen und er kann nun die Forschung seiner Frau in Thailand weiterführen. In der Schule trifft Marissa auf Arielle. Beide teilen sich nicht nur die Liebe zum Meer, sondern auch die jeweils fehlenden Elternteile. Arielle hat zwar einen Vater, aber dieser ist emotional abwesend. Die Eltern von Arielle betreiben ein Hotel, doch ist es die Mutter, die in der Familie und im Resort das zentrale Herz ist. Beide Mädchen werden unzertrennliche Freundinnen. In der Woche sind sie in der Ferienanlage von Arielles Eltern und die Wochenenden und freien Stunden verbringen sie bei Marissas Vater auf den naheliegenden Inseln. Dort öffnet sich ihnen eine erstaunliche Wasser- und Unterwasserwelt. Sie lernen es schnell, sich dem wässrigen Element anzupassen und beobachten die Flora und Fauna der Rifflandschaften. Besonders die Mantarochen begeistern sie, die sie auch bald unterscheiden können. Sie verbringen eine schöne Zeit zwischen den Touristen, Einheimischen und Forschern. Sie erkunden die ganzen Inselwelten und verstehen es immer besser, sich zu behaupten und abzugrenzen. Doch die Küstenregion birgt neben der Faszination und Schönheit auch Gefahren.
Jahre später lebt Marissa wieder in New York und fühlt sich im Leben deplatziert. In ihr sitzt ein tiefer Schmerz. Überall sieht und nimmt sie ihre Freundin von damals wahr. Erneut wird sie von einer Naturkatastrophe bedroht und während dieser Tage kehrt sie in Gedanken in die Vergangenheit zurück.
Ein Roman, der uns mitreißt, viel erzählt und uns bewegt. Besonders die Faszination der Natur, besonders die der Tiere wird sehr verstärkt. Es geht um die Kraft der Freundschaft, aber auch um einen schmerzlichen Verlust. Das Buch spielt mit den Gezeiten und durch die zarte Brise und den aufbrausenden Sturm, gelangen wir immer tiefer in die Handlung. Die Handlungsstränge und die Charaktere erzeugen eine Vertrautheit beim Lesen, dass wir regelrecht vom Strudel der Ereignisse mitgerissen werden. Das Buch liest sich wie ein packender Film, der nachhaltig viele Bilder in uns hinterlässt. Aus dem Englischen wurde der Roman von Simone Jakob übersetzt.
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