Sophia Lunra Schnack: „Worte wie Mandelblüte“

Die Mandelblüte ist ein Farbspektakel und die Worte in dem neuen Buch von Sophia Lunra Schnack kleiden sich gleichfalls. Nach ihrem Debüt „feuchtes holz“ bindet uns die Autorin erneut an ihre Zeilen mit ihrer Wortakrobatik, die ein literarisches Fraktal ergibt. Kunstvolle Zeilen, die den Sprachklang und Raum verändern. Ein Kreislauf aus Prosa und Lyrik, die sich bedingen, ergänzen und ineinander auflösen, um daraus erneut geschöpft zu werden. Es sind Erzählungen, deren Inhalte in Worte gegossen werden. Eine sinnliche Welt offenbart sich hierbei. Somit muss das Werk erfasst werden, wirken dürfen und dann sich entfalten. Wie jene Mandelblüte, die ein Spektakel an filigranen Farben verspricht, aber auch eine süße und bittere Frucht in sich trägt. Die Autorin erzeugt Membrane und Schwingungen, die somit zu einer Spachosmose werden. Alles vermengt sich und erschafft Neues. Auch Wörter entstehen neu oder verbinden sich zu etwas ganz eigenem.

Die Autorin tastet sich an den Abschied, an das Loslassen heran. Ein Erinnern und Erforschen der Familie, des Erlebten und Erfahrenen. Was ist das Bleibende, das Konstante in einer wandelbaren Welt? Die Blicke, die sie fixiert, verwandeln sich, wie die Räumlichkeiten und die Lebensformen. Körper, Sprache, Natur und Klangraum sind Verweilorte, die sich verändern, nichts bleibt, aber nichts verklingt wohl gänzlich.

Diese Erzählungen passen sich dem Debütroman an und es kommen auch Bilder aus diesem zurück, zum Beispiel der Steg am Anfang beider Werke. Ganz einfach wird hier die Prosa in Lyrik weitergeführt, ohne zu verwirren, sondern nur die Lesegewohnheit wird passend unterbrochen und die Aufmerksamkeit verändert sich. Der Sprachklang dient hierbei nicht der einfachen Übermittlung des zu Sagenden, sondern variiert durch das Spiel mit allem, was Sprache vermag. Wie ein Spiel aus den Gewässern der Weltmeere, die alle verbunden sind, doch süß und salzig sein können. Wild, aufbrausend und ganz still ist das Sprachmeer wie die natürliche Vorlage. Dadurch verändern sich der Mensch, die Landschaft und die Melodien und verändern auch wir uns beim Inhalieren der Geschichten, denn wir empfangen eine eigene Stille und hören staunend beim Lesen zu. Die Episoden offenbaren sich mehr durch Bilder und die Sprache, somit muss man es aufmerksam wirken lassen.

Die Autorin lässt uns somit teilhaben an Gefühlen, Gedanken und dem Schaffensprozess. Die Lebenswahrnehmungen sind reale Begegnungen, die verändernd sind, sich lösen und somit den Abschied und den Fortgang erklären. Das Buch hat etwas Zartes und Schweres und so ist es auch zu lesen. Schwer lässt sich alles sofort erkennen, aber die Leichtigkeit der Sprache trägt uns hinfort, um dann innezuhalten und eventuell zurückzukehren.

Die Werke der Autorin sind etwas ganz besonderes, wunderschön, aber auch fordernd. Ihre Werke loten Grenzen aus, spielen mit diesen und benutzen Literatur in ihrer ganzen Vielfalt und Möglichkeit.

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