Christine Lehmann: „Alles nicht echt“

In diesem sehr kurzweiligen Roman werden wir in die Handlung geworfen und stehen sofort in den Schlaglichtern der Medienwelt und den gegenwärtigen wirtschaftlichen und politischen Verkettungen. „Alles nicht echt“ fragt durch die Zeilen, was denn nun wirklich echt ist und lässt uns nach der Lektüre bestimmt stets etwas anders hinhören. Im Mittelpunkt steht das Radio mit der Fragestellung, was wollen oder sollen wir hören? 

Dabei sollen die Öffentlich-Rechtlichen nicht pauschalisiert werden. Doch die Medienlandschaft muss sich die Fragen stellen lassen, ob sie befangen, einseitig oder zu kalkuliert ihre Berichte verfasst. Kultur verschwindet immer mehr und die Gewichtung der Themen kann niemals gänzlich unbefangen oder neutral besprochen werden. Berichte und Artikel werden von Menschen mit einer freien oder dem Sender zuträglichen Meinung gemacht. Ferner gibt es noch die Frage nach der Wirtschaftlichkeit und den Zuwendungen der Anzeigenkunden. Gerade in diesen Zeiten, wo jeder seine Aussagen, unabhängig davon, ob eine Meinung oder das dazugehörige Wissen vorhanden ist oder nicht, lauthals in die Welt senden kann und eine Rumpelpumpelkultur sich ausbreitet, ist dieser Roman eine gute Gelegenheit, sich auf unterhaltsame Weise hinter die Kulissen zu begeben.

Christine Lehmann schreibt mit Charme und Witz. Es ist ein weiterer Band der Lisa Nerz Reihe, der aber ohne Vorkenntnisse der anderen Bücher gelesen werden kann. Die Bücher machen Spaß, sind pfiffig und haben etwas dezent Düsteres. Wir lernen durch diese Bücher unsere Welt etwas besser kennen. Lisa Nerz ist Journalistin und eine außergewöhnliche Frau in der Krimiwelt. Sie ist eine Feministin, die fahrradfahrend ermittelt.

Der neue Auftrag platziert sie in der Nachrichtenredaktion eines öffentlich-rechtlichen Senders. Sie wird nicht mit offenen Armen empfangen und ihr wird gleich von der Geschäftsleitung mit sehr maskuliner Körperhaltung deutlich gemacht, dass sie es dort nicht lange aushalten wird. Dies stört sie nicht, denn sie hat eine ganz bestimme Aufgabe. Als Undercover soll sie einem Datenleck nachgehen. Einen Hacker-Angriff hatte es nicht gegeben und der Datenklau führt direkt in das Funkhaus. Lisa fällt dabei auch der enorme Sendeplatz auf, der einer Populistin für ihre halbgaren Wahrheiten gewährt wird. Der Fall spielt sich hauptsächlich im Sender ab und beinhaltet, wie für einen Krimi auch üblich, eine Leiche. Es entsteht ein Spiel um die Suche nach Wahrheiten.

Ein humorvoller, schnittiger und ungewöhnlich geschriebener Kriminalroman. Unterschiedliche Stilelemente vermischen sich mit der versteckten Ernsthaftigkeit und den feinen Pointen. Die Leichtigkeit verbirgt das mögliche Übel der Gesellschaft. Ein wendiger Roman, der gute Laune zu schlechten Zeiten macht.

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