Marlen Schachinger: „Landschaften in Schalen“

Marlen Schachinger verwebt in ihren Romanen stets Gesellschaftliches und Politisches. Sie betrachtet unser Miteinander und lässt dabei das Private öffentlich und das politische Leben familiär werden. Ihr neuer Roman bekräftigt ihr schreibendes Ansinnen, was sie mit „Martiniloben“ begann. Sie verteidigt die demokratischen Grundwerte, beobachtet aber unser menschliches Zusammensein und stellt Fragen über unsere Gesellschaft. Ihre Bücher sind lesenswert, verlangen uns aber einiges ab. Ein aufmerksames Lesen ist nötig, denn Schachinger spielt mit Sprache und Perspektiven. Zeitweise werden auch Dialoge in kubanischem Spanisch geführt, was die Authentizität bestärkt. Wir müssen aber nicht der Sprache mächtig sein, denn es erklärt sich durch den Kontext oder durch den Sprachklang. Die Andersartigkeit des Buches wird bereits mit der Seitennummerierung, die hier anhand einer Strichzählung erfolgt, deutlich. Ein Roman, der das Gesellschaftliche mit der Natur, den Pflanzen vergleicht und somit unsere eigenen kleinen Welten wie bepflanzte Schalen betrachtet. Gleich am Anfang zeigt sich eine begrenzte Weltauffassung. Eine Glasscheibe, die die sichtbare Welt unterteilt. Hier eine Straße voller Schlaglöcher, dahinter Poollandschaften mit Palmen.

Ein Wiener Journalist, Viktor, reist nach Kuba, um mit einem Autor ein Interview zu führen. Die politischen Bedingungen machen es nicht leicht und Viktor muss sich den Gegebenheiten unterwerfen und kann nicht als einfacher Tourist agieren. Er übernachtet bei Benita, einer Professorin für Sprache und Literatur. Viktor verbringt eine längere Zeit bei ihr auf Kuba und eine Zuneigung beginnt. Durch seinen Aufenthalt wird er Zeuge der dortigen Umstände. Benita ist die agierende Person, während Viktor oft hadert. Die Perspektiven wechseln und die eigentliche Erzählstimme meldet sich überwissend auch zu Wort und dadurch entsteht ein Biotop aus diversen Garten- und Politlandschaften.

Viele Jahre später, kurz vor dem Ruhestand erlebt Viktor ein Ableben seiner gewohnten journalistischen Tätigkeit. Auflagenhöhe entscheidet über Qualität und Werbeträger beeinflussen die Inhalte. Viktor wird wortärmer und gibt sich erneut den Umständen hin. Er vertrocknet innerhalb der Kultur, dem Feuilleton und seine Kubazeit und seine Gegenwärtigkeit bekommen Ähnlichkeiten und erneut steht eine Reise dorthin bevor. Doch hat sich vieles verändert.  

Ein Roman, der wunderbar geschrieben ist, uns etwas abverlangt und dann einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Eine literarische Reise aus den Besprechungsräumen zu der wirklichen, verwandelten Welt.

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Marlen Schachinger: „Landschaften in Schalen“

  1. Wir von der Edition Arthof danken herzlichst für diese Rezension des Romans von Marlen Schachinger-Pusiol! Es bedarf der Buchhändler*innen wie Sie, damit das literarische Feld im Dialog aller Beteiligten lebt: Danke dafür!

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