Essie Chambers: „Swift River“

Eine zu Herzen gehende Coming-of-Age-Saga über Rassismus und Toleranz. Eine Heldin, die am Anfang ihr Fahrrad putzt, damit es geklaut wird, weil sie sich fürs Radfahren als zu dick empfindet, lässt uns mit ihrer Geschichte nicht mehr los. Sie ist in ihrem Umfeld die einzige Schwarze und wir erleben ihren Weg zu sich selbst. Dabei wächst sie in ihrer Persönlichkeit mit jeder Seite.

Diamonds Vater ist verschwunden als sie neun Jahre alt war. Nur seine Schuhe, Brieftasche und Haustürschlüssel am Ufer sind zurückgeblieben. Die Familie muss sich stets behaupten und ist, als einzige schwarze in ihrer Umgebung, vielen Anfeindungen ausgesetzt. Vorurteile und Rassismus prägen ihren Alltag. Beschuldigungen führten sie in jene Situation, die den Vater spurlos verschwinden und die junge Heldin und ihre Mutter alleine mit ihren Fragen und Emotionen ließ.

Diamond beginnt als Teenagerin sich mit der Lebenssituation und dem Verlust auseinanderzusetzen. Ausschlaggebend ist ein Brief und sie beginnt, sich Fragen zu stellen. Über ihre Herkunft und die Geschichte ihrer Familie. Durch unterschiedliche Zeitebenen setzt sich langsam die ganze Geschichte mit ihren Geheimnissen zusammen. Auf ihren Weg zur Emanzipation begleiten wir Diamond und tauchen ein in ihre Welt. Es beginnt mit dem Verlust des Vaters, den sie anfänglich stets idealisierte, dann die Abnabelung von der Mutter, die leicht den Bezug zur Realität verliert und stets überfordert ist.

Es geht um den alltäglichen Rassismus und um Selbstbehauptung. Der Verlust wird für Diamond somit ein eigener. Das Empfinden des verloren sein wird immer spürbarer. Dann kommt der Wendepunkt. Durch diesen Wechsel keimt Hoffnung auf und der Weg zum Erkennen, Annehmen und zur inneren Befreiung wird angelegt.

Ein Entwicklungsroman, der episch geschrieben ist, erzählt eine tragische Familiengeschichte. Ein wunderschönes, trauriges, aber auch humorvolles Werk, das durch seine Sprachbilder cineastische Momente entfacht und uns trotz der Schwermut ganz viel Hoffnung schenkt. Übersetzt wurde der Roman von Simone Jakob.

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Tammy Armstrong: „Pearly Everlasting”

Dieser Roman ist voller Wildnis, Abenteuer und macht eine vergangene Zeit erlebbar. Der Debütroman ist packend geschrieben und erinnert an „The Revenant – Der Rückkehrer“ von Michael Punke, „Aus hartem Holz“ von Annie Proulx und natürlich an John Irving „Letzte Nacht in Twisted River“. „Pearly Everlasting“ spielt in einem Holzfällercamp und im Zentrum ist die Familie des dortigen Kochs mit ihrem Bären. Tammy Armstrong hat somit eine noch feministischere Antwort in die Irving-Welt gesetzt. Sie verwebt Geschichte mit Abenteuer und lässt den Schwarzbären einen Bären sein, ohne diesen zu vermenschlichen. Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, die in dieser rohen Welt aufgewachsen ist und den Namen einer Pflanze trägt. Alles in dieser Welt und in den Beschreibungen ist von wuchernder Natur geprägt, in der der Mensch versucht seinen Platz zu finden. Die natürliche Umkehr kommt später, hier ist es noch der Mensch, der sich seine Ressourcen erhalten muss.

Die spannende Geschichte beginnt 1918 mitten in der Wildnis Kanadas. In einem Holzfällercamp lebt der Koch Edon mit seiner Frau Eula, die als Heilerin tätig ist. Die Umgebung ist rau und unwirtschaftlich. Die Menschen haben es gelernt, sich der Natur anzupassen. Die Arbeit und das Leben in der Wildnis verlangen ihnen alles ab und nicht selten hat Eula es mit schwer verletzten Arbeitern zu tun, wo auch die Naturmedizin nicht mehr helfen kann. Die Kinder der Familie finden sich ein in diese Welt und haben eine natürliche Schläue, sind rau und gutherzig. Durch die Naturverbundenheit erhält die Jüngste von Ihnen auch den Namen einer Blume „Pearly Everlasting“. Das gefährliche Waldleben und die Witterung beherrschen das Leben im Camp. Während eines sehr frostigen Frühlings, der auch falscher Frühling genannt wird, bringt der Vater einen Bärenjungen mit. Das Tier war hilflos und ist leicht zu domestizieren. Eine besondere Nähe zu Pearly Everlasting entsteht, da beide zusammen aufwachsen. Bruno, der Bär, wird somit zum wilden Bruder. Dieser sucht seine Freiheiten, doch ist er stets eng an das Familienleben gebunden. Von einem Norweger lernt das Mädchen das Kulning, den skandinavischen Lockruf, der auch bei dem Bären funktioniert.

Die Menschen im Camp haben sich an den Bären gewöhnt. Doch irritiert das Tier mit seinen Streichen und einige, besonders der Campleiter, können das Tier nicht ausstehen und möchten es verkaufen. Doch kann die Gemeinschaft dies abwenden. In den folgenden Jahren kommt es aber zu einer Katastrophe. Als Pearly fünfzehn Jahre alt ist, wird eine Leiche gefunden und der Bär war zugegen. Doch hat der zahme Schwarzbär tatsächlich einen Menschen gerissen? Am kommenden Morgen ist Bruno weg. Jemand hat ihn weggebracht und keiner weiß genau wohin. Doch hat Pearly eine Vermutung und ist fest entschlossen ihren Bruder zurückzuholen und macht sich auf in die Wildnis und in die Welt.

Ein Foto, das 1903 in einem Holzfällercamp gemacht wurde, war die Inspiration für den Roman. Das Bild zeigt eine Frau, die ihr Neugeborenes zusammen mit einem Bärenjungen stillt. Daraus hat die Lyrikerin und Autorin nun eine abenteuerliche Geschichte konstruiert, die die Wildheit in das Zentrum stellt. Der Versuch, die natürlichen Lebensbedingungen den menschlichen Wünschen zu unterwerfen. Durch die Spannung und die wunderbaren Landschaftsbeschreibungen fesselt der Roman sofort. Meistens ist die Erzählerin Pearly Everlasting selbst. In wenigen Kapiteln kommen andere und ergänzende Perspektiven hinzu. Aus dem kanadischen Englisch wurde der Roman von Peter Torberg übersetzt.

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Ein Fall für die Patchwork Kids

Wer „Die drei Fragezeichen“ mag, wird die „Patchwork Kids“ lieben. Die Jugendbuchreihe wurde von Björn Sülter ins Leben gerufen und es sind Detektivgeschichten um drei Kinder. Ihre Eltern haben sich im Leben neu gefunden und aus zwei Familien wurde eine. Die Kinder finden sich ein in das neue Familienleben, in das neue Patchwork-Leben und aus heiterem Himmel geraten sie stets in neue spannende Abenteuer.

Die Verweise dieser Jugendbuchreihe sind groß. Viele Detektivgeschichten stehen hierbei Pate und doch ist diese neue Buchreihe etwas ganz anderes und bringt frischen Wind in das Jugendbuch. Es gibt viele Andeutungen und Anspielungen, sodass wir als Erwachsene stets ins Schmunzeln geraten und jedes Lesealter auf wunderbare Weise unterhalten wird. Die „Patchwork Kids“ erinnern an „Die Baker Street Boys“ von Anthony Read, der von  Arthur Conan Doyle inspiriert wurde. Die „Patchwork Kids“ sind eine moderne Antwort auf die „Baker Street Boys“, denn hier vermischen sich Abenteuer und Historie mit ganz viel Humor. Durch das Setting, die Handlung und die ansprechende Aufmachung sind diese Bücher eine Verneigung vor den großartigen Werke um die „Drei ???“. Aber diese Kinder benötigen keine Visitenkarte, um sich in unsere Köpfe einzubrennen. Diese Bücher machen Spaß, sind klug und jedes der Kapitel, die sehr kurz gehalten sind, endet pointiert. Für junge und erfahrene Leser ein Genuss, denn hier es gibt viel zu erleben und zu erfahren. Es gibt Verweise auf die Weltliteratur, auf historische Begebenheiten und bietet kurzweilige sowie spannende Unterhaltung. In Bezug auf viele herkömmliche und den Markt überflutende Krimis kann sich diese Jugendbuch-Reihe inhaltlich und stilistisch gut behaupten.

Jeder Band ist für sich im Fall abgeschlossen und kann apart gelesen werden. Denn die Familie und die drei Kinder werden stets gut eingeführt. Es gibt bisher zwei Bücher, weitere sind schon in der Fertigstellung. Die Ideen liefern der Handlungsort und dessen Geschichte. Es wird Bände geben, in denen Alcatraz oder auch Jack London zu spannenden Fällen inspirieren. Um Los Angeles gibt es viel zu erzählen. Hier strandeten die Exilliteraten, Nazis, Filmgrößen und Millionäre. Geschrieben werden die Bücher von Björn Sülter und Volkhard Hanns.

Im ersten Abenteuer, „Der verschwundene Millionär“, geschrieben von Björn Sülter geht es um die Entstehung der Patchwork-Familie. Jack muss sich mit der neuen Lebenssituation arrangieren. Mit dem neuen Freund seiner Mutter sind auch dessen Kinder Ian und Ellie in das kleine Haus an der kalifornischen Küste eingezogen. Eine gemeinsame Kreuzfahrt lässt sie in ein großes Abenteuer stürzen. Es geht um einen Juwelendiebstahl und um das Verschwinden eines berühmten Fahrgastes (Mehr zum ersten Fall siehe Leseschatz-TV)

Im neuen und zweiten Fall der „Patchwork Kids“ greift Volkhard Hanns die Stimmung und viele Situationen wieder auf. Erneut ist es Jack, der sich, wie im ersten Fall, gleich mit der Polizei anlegt. Nach dem damaligen Ungeschick auf dem Riesenrad ist es nun eine Situation mit dem Nachbarn, die ihn negativ auffallen lässt. Doch hat er es genauso beobachtet und leider glauben ihm nur seine neuen Geschwister. Der Nachbar Mr. Silver bekommt nachts Besuch und wird anscheinend bedroht, wenn nicht sogar gewürgt. Doch als die Polizei ankommt, die Jack gerufen hatte, ist alles normal, der Täter verschwunden. Als der geheimnisvolle Nachbar dann aber einen Infarkt erleidet und ins Krankenhaus kommt, wollen Jack, Ian und Ellie mehr über die Ereignisse wissen, um auch Jacks Geschichte zu bestätigen. Jack hat im Gespräch mitbekommen, dass es wohl um einen Schatz geht. Der Name Silver erinnert auch an die Schatzinsel und somit erfahren sie, dass der eigentliche Name Silberstein ist und auf eine jüdische Kaufmannsfamilie zurückgeht. Dann taucht ein Professor Murphy auf, dessen Großvater ein Nazi war und eine unheimliche Ranch gründete. Alles scheint mit den damals entwendeten Kunstwerken zu tun zu haben. Doch was haben der Bürgermeister und die plötzlich auch auftauchende Mafia aus Italien damit zu tun? Mit tollen Wendungen beginnt eine spannende Schatzsuche und erneut sind das Wissen und der Einfallsreichtum der Kinder gefragt.

Diese Jugendbücher machen ungemeinen Spaß und sind ein Auftakt einer Reihe, die hoffentlich genau, wie ihre genannten Vorgänger, Kultkreise ziehen wird.

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Hugo, Ciponte & Palmerino: „Der Glöckner von Notre-Dame“

Diese Graphic Novel ist ausdrucksstark und visualisiert in der Kürze das ganze Drama. Die Illustrationen sind von Andrea Grosso Ciponte und der Text wurde von Dacia Palmerino überarbeitet. Das Werk basiert auf dem berühmten Original von Victor Hugo, das bereits mehrfach adaptiert wurde. Es ist ein Wunderwerk voller Drama und Romantik und stellt, so auch der eigentliche Titel „Notre-Dame de Paris. 1482“, die Kathedrale in den Mittelpunkt. Die Comic-Adaption ist eine schöne, gruselige und lohnenswerte Erweiterung um den Kosmos des unglückseligen Glöckners. Das Kunstwerk erinnert an das Hauptwerk und erzeugt eine Stimmung, die bleibend ist und den Wunsch erzeugt, sofort zu den Werken von Hugo zu greifen.

Das düster Romantische des Werkes steht dabei im Mittelpunkt und wird in jedem Bild großartig eingefangen. Die Interpretation des Klassikers kann nicht alles erfassen, ist aber dennoch eine grafische Inszenierung der Haupthandlungsstränge. Die Werke von Victor Hugo sind sehr vielschichtig und werden oft in den Nacherzählungen oder Verfilmungen auf einen Handlungsstrang reduziert. Dieser Band versucht mehr anzudeuten und zeigt die Tiefe, die der Roman beinhaltet. Es entsteht ein Bild des französischen Spätmittelalters mit all seinen Bevölkerungsschichten. Wer in den Text und die dazugehörigen Bilder eintaucht, wird willkommen geheißen im Hof der Wunder. Es geht um die unerfüllte Liebe, die Anders- und Einzigartigkeit mit schicksalhaften Begegnungen und um die dunkle Seite der Seele. Der Glöckner ist Quasimodo und im Herzen von Paris, in der Kathedrale, lebt er. Es ist das Jahr 1482 und der missgestaltete Glöckner wurde einst als Findelkind von Dom Claude Frollo, einem Diakon und eines im Ruf stehenden Hexers aufgezogen und als Glöckner ausgebildet. Der laute Glockenklang hat Quasimodo taub werden lassen. Er wird von der Gesellschaft zum Narrenkönig gekrönt und später verurteilt. Er ist Herr der Kathedrale mit seinen Türmen und Winkeln. Seine Liebe gilt der Tänzerin Esmeralda. Doch auch andere buhlen um ihre Liebe und Leidenschaft, Verrat, Vorurteil und Obsession schmieden das Schicksal aller und die Handlung läuft auf die Katastrophe zu. 

Die Bilder zeigen das Unheimliche und erzeugen einen Grusel und vertiefen kunstvoll jene Geheimnisse der Kathedrale und jener, die in uns Menschen liegen. Das Ende verdeutlicht zwar den Tod, aber auch die Hoffnung auf ewige Liebe. Eine Kathedrale als Zentrum der Macht und der Geschichte zeigt hoch in den Himmel empor und wirft ihre düsteren Schatten auf die kleinen Menschen.

Ein wunderbare Umsetzung und Interpretation des Weltklassikers. Die Graphic Novel wurde aus dem Italienischen von Nicole Thamm übersetzt.

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Willi Achten: „Die Einmaligkeit des Lebens“

Der Roman dreht sich um Raumforderungen. Im Landschaftsbau, in der zwischenmenschlichen Beziehung, als medizinische Diagnose und in der eigenen Psyche. Willi Achten stellt erneut sein feines Gespür für seine Figurenentwicklung unter Beweis. Die Nahbarkeit der Charaktere fesselt sofort und wir werden von Anfang an von den Protagonisten und der Handlung in Bann gezogen. Der deutschsprachige Lyriker und Autor verwebt in „Die Einmaligkeit des Lebens“ die Themen, die ihn mit allen seinen Werken umtreiben. Es geht um zwei Brüder, deren Geschichte auf zwei Zeitebenen beschrieben wird. Es sind Simon und Vinzenz. Ihr Heranwachsen und die Brüderlichkeit werden im Jahr 1988 um das Osterfest erlebbar gemacht. Immer ist es Vinzenz, der dem Erzähler, Simon, stets aus der Bredouille helfen kann. 2017 sind sie erneut vereint, um doch den Abschied einzuleiten. Die Faszination des Textes sind der Sog und der Wirbel, der um die Protagonisten erzeugt wird. Der Roman hat eine Leichtigkeit und ist doch schwere Kost. So verhält es sich auch mit der Handlung und den Szenen, die voller Licht, Schönheit sind und dann von Trauer und dunklen Schatten bedroht werden. Der Roman lebt von der Zuversicht und der beständigen Hoffnung auf mögliche Lösungen und Besserungen. Leben und Tod bedingen einander und beim Erkennen entsteht ein ganz neuer Raum.

Im Teenageralter sind sie stets vereint. Vinzenz ist immer gegenwärtig, wenn Simon ihn benötigt. Es beginnt mit der Judasfigur eines Altars in einer Kapelle. Es ist die Osterwoche 1988 und durch eine Ungeschicklichkeit bricht Simon jene Figur aus dem Schnitzaltar. Simon verheddert sich gerne in Missgeschicke. Gegenüber der Bank hat er die Unterschrift gefälscht, auf einer Party verstreuen sie im wilden Tanz Asche von Hinterbliebenen. Somit ist es eine Zeit voller Schuld, Ängste und Ärger. Stets ist es Vinzenz, der mit einer Lebensleichtigkeit und Raffinesse jedes Hindernis zu beseitigen versucht. Durch die Reparatur des Altars wird er auch in Folge Restaurator werden, während Simon den Hof der Eltern übernehmen wird. Die Dorfgemeinschaft steht zu oder hält gegen die Jungs. Alles ist sehr fromm und reglementiert. Doch gibt es Ausflüchte und Freiräume, die es zu erkennen und zu erobern gilt. Besonders die Liebe zu Martha darf für Simon nicht scheitern. Diese Erlebnisse lassen die Brüder noch mehr zusammenwachsen. Aus der Ferne haben diese damaligen Probleme eine Leichtigkeit, die im Gegensatz zu den gegenwärtigen Problemen eher zum Schmunzeln anregen. Der Roman springt in den Zeitebenen und 2017 kehrt Vinzenz auf den Obsthof nach Kirschrath zurück, den jetzt Simon bewirtschaftet. Doch Vinzenz ist anders. Er ist unkonzentriert, ungeschickt und sehr oft gereizt. Simon beginnt, sich Sorgen zu machen. Auch um den Hof, denn der Kohleabbau fordert immer mehr Raum und die meisten aus der Gegend haben die Angebote angenommen und sind bereits weggezogen. Simon verharrt und ignoriert die Schreiben und verdrängt das Unabwendbare. Vinzenz Zustand wird schlimmer und die Diagnose der Raumforderung im Kopf schmettert beide zu Boden. Nun ist es Vinzenz, der von seinem Bruder Hilfe benötigt.  

Das Wechselspiel zwischen der Teenagerzeit mit seiner Leichtigkeit und dem kleinen Schattenspiel und dem späteren, sorgenvolleren Alltag, erzeugt einen spannenden und empathischen Leserausch. Die Probleme und die Sorgen wachsen im Laufe des Lebens. Der kindliche Beistand kehrt sich hier im Roman um und erhält eine enorme Intensität. Neben der Trauer hat das Buch etwas ungemein Tröstliches und Positives. Es wirkt erlebt und ist wohl, in Bezug auf die Erlebnisse des Autors, sein persönlichstes Werk. Neben der Entwicklungsgeschichte baut Achten sein beständiges Umweltthema gekonnt ein. Ein leicht zugänglicher Roman, der eine große Tiefe aufbaut und unsere Lebensphilosophie beleuchtet.  

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Durian Sukegawa: „Kirschblüten und rote Bohnen“

In diesem Werk geht es um die schönen und kleinen Dinge im Leben. Dieser Roman ist fast schon ein Klassiker der japanischen Gegenwartsliteratur und zeigt, warum diese stets begeistert. In stillen Tönen und mit einfachen aber kräftigen Bildern wird hier eine Tiefe erzeugt. Japanische Literatur wirkt oft wie ein Schattenspiel, das verspielt, schön und nuanciert ist. Der Text erstellt eine Idylle ohne kitschig zu werden. Er lässt Trauer und Melancholie zu, ohne sentimental oder verklärt zu sein. Es ist ein Buch über eine besondere Freundschaft und die Hinwendung zum Leben.

„Kirschblüten und rote Bohnen“ schenkt uns durch die Liebe für das Detail sehr viel Gutes, Schönes und Tröstliches. Im Original heißt das Werk „An“ (jap. あん) und bezeichnet eine Bohnenpaste, eine japanische Süßspeise. Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe übersetzt. Das Werk war auch die Vorlage für den wunderschönen, gleichnamigen Film von Naomi Kawase aus dem Jahr 2015. Er war der Eröffnungsfilm bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes.

Es ist die Geschichte von Sentaro. Er träumt davon, Schriftsteller zu werden und hadert mit dem Leben. Er ist gestrandet und trinkt, um einschlafen zu können. Durch seine Vorbestrafung und Haft ist er gescheitert. Nun arbeitet er im Doraharu, das keinen Ruhetag kennt. Es ist ein kleiner Imbiss, der Dorayaki anbietet. Dies ist ein pfannkuchenähnliches Gebäck, das mit einem süßen Mus aus roten Bohnen gefüllt wird. Er selbst ist angestellt, der vorherige Besitzer ist verstorben und die Witwe lässt ihn fast alles alleine entscheiden und machen. Sie selbst möchte Personelles mitentscheiden, schaut sonst aber selten vorbei. Somit ist Sentaro jeden Tag in seinem kleinen Laden, der vor einem schönen Kirschbaum steht. Er hat kein großes Geschick für die Fertigstellung des Gebäcks, dennoch funktioniert das Geschäft, wohl aber eher durch die Lage. Er verwendet eine gekaufte Bohnenpaste, da ihm die Bohnen immer anbrennen. Eines Tages steht Tokue, eine ältere Frau, vor seinem Geschäft und bewundert die Kirschblüte und spricht ihn an. Seine traurigen Augen haben sie auf seine Geschichte neugierig gemacht. Sie möchte im Laden aushelfen und hat schon seit über fünfzig Jahren die Bohnenpaste gekocht. Tokue ist vom Leben gezeichnet und hat deformierte Hände und doch kocht sie die beste Bohnenpaste, die Sentaro je gegessen hat. Somit werden sie ein Team und die neue und sehr gute Qualität der Dorayaki spricht sich herum. Auch zu den Schülerinnen aus der Region. Dabei ist Wakana, ein Mädchen aus schwierigen Verhältnissen. Tokue, die einst Lehrerin werden wollte, spricht diese oft an, wobei sie eigentlich nur in der Küche bleiben sollte. Dadurch entsteht eine Freundschaft zwischen den dreien. Doch das Leben ist unnachgiebig. Die Witwe und Inhaberin des Ladens sorgt sich um den Ruf des Doraharu, da Tokue kränklich wirkt, auch wenn sie ein wunderbares An kocht.

Durch die Nähe der Charaktere und die Enge des Doraharu wird die Größe der jeweiligen Schicksale deutlich. Was für eine Geschichte hat Tokue erlebt, was ließ sie leiden und welche Vergangenheit haben Sentaro und Wakana. Welche Geschichten warten auf sie?

Ein leichter, wunderschöner Roman über die Möglichkeiten und besonders über die kleinen Dinge im Leben. Die Lebensweisheit und Tiefe werden spielerisch und ganz zart eingefangen und hinterlassen eine wohlige, aber auch eine schöne, melancholische Stimmung.

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Yukiko Tominaga: „Vermissen auf Japanisch“

In diesem Debütroman verbinden sich mehrere Aspekte. Es zeigt sich in „Vermissen auf Japanisch“ eine generationenübergreifende und länder- sowie kulturumspannende Verbundenheit. Durch einen Verlust zeigt sich die Menschlichkeit innerhalb der Familien, deren Mitglieder eine eingerissene Lücke zu füllen versuchen.

Yukiko Tominaga geht das Thema des Verlustes anders an und verlässt die herkömmlichen Pfade. Sie gibt dem Schmerz seinen Raum, füllt diesen aber mit den agierenden Figuren mit viel Humor und Liebe. In der Reduktion und Stille, die der Text erzeugt, liegt seine Stärke. Subtil und spielerisch werden die Bindungen von Mutter zu Kind, Frau und Ehemann, Witwe und Stiefmutter humorvoll und liebevoll beschrieben.

Kyoko lebt in San Francisco mit ihrem Sohn Alex. Sie ist voller Trauer und Wut und möchte doch für ihren Sohn eine gute Mutter sein. Sie wurde alleingelassen. Aber nicht mutwillig oder aus fremden Bestreben. Sie hat ihren Mann überraschend verloren. Ihre eigene Familie lebt weit entfernt in Tokio. Als sie diese besuchte passierte es. Levi, ihr Ehemann, reparierte das Auto. Als er unter dem Wagen war, der auf einer Hebebühne stand, fiel dieser tödlich auf ihn herab. Die Trauer und das Vermissen beherrschen die Szenerie. Auch die Lebensfreude, die sie ihrem Sohn vorspielen möchte, gelingt kaum. Aber Alex, ihr Sohn, gibt ihr Mut und Kraft. Dennoch bleibt in Kyoko eine innere Leere. Kann sie diese bei ihrer Familie in Japan füllen oder bei der Wahlfamilie in den USA? Emotionen und Mitgefühl sind eng mit der Sprache verbunden. Doch gibt es im Japanischen keine wörtliche Übertragung von „Ich vermisse dich“. Vermissen bedeutet nicht zwingend Einsamkeit. Daher ist hier die anwendbare Sprache spezifisch und bleibt doch vage. Dieser Sprachgebrauch steht am Anfang des Romans und deutet den Versuch an, mit der kommenden Handlung diese Lücke kulturell, psychologisch und philosophisch zu beleben. Die Einsamkeit und die Wut werden menschlich spürbar. Kyoko versucht, sich und die Firma ihres Mannes wieder aufzurichten. Doch fühlt sie sich einsam und verlassen. Die Entfremdung mit der alten Heimat und der fehlenden zwischenmenschlichen Intimität machen ihr zu schaffen. Halt gibt ihr die Schwiegermutter Bubbe, die um ihren Sohn trauert, aber Kyoko neuen Lebensmut und Liebe schenken möchte. Bubbe ist eine jüdische und herzensgute Frau mit viel Lebenserfahrung und Mitgefühl, die an der amerikanischen Ostküste lebt. Somit spielt der Text mit Nähe und Ferne. Es geht dabei auch mehr um die entstehende Kraft, die Menschen, die für einen da sind und aufbauen können, durch Schweigen, Zuhören oder Handeln. Die Lebensroutine, sofern es überhaupt eine gibt, wird durch den plötzlichen Verlust und dann durch die Mitmenschen durcheinander gebracht. Letztendlich muss jeder sein Leben dann selbst neu definieren und finden, ist dabei aber niemals allein. Diesen Mut und Zuversicht macht das Buch. Das Werk verbindet Kulturen und Gefühle. Dabei spielt die Autorin mit Ernsthaftigkeit und Humor. Es geht um Entfremdung und Versöhnung mit den Menschen und mit den Lebenssituationen.

Die Autorin wurde in Japan geboren, lebt seit vielen Jahren in den USA. Dies ist ihr Debütroman, der aus dem amerikanischen Englisch von Juliana Zaubitzer übersetzt wurde.

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Susanne Behrends: „Sommer auf Fanö“

Am 10. April war Susanne Behrends bei uns zu Besuch. Wir sprachen über ihren Debütroman „Sommer auf Fanö“. Was wie ein gemütlicher Ferienroman klingt, verbirgt in sich dann doch etwas mehr. Denn neben der Unterhaltung zeigt es den feministischen Freiheitskampf. Fanö als eine der bekanntesten Nordseeinseln und Urlaubsorte ist eine dänische Insel in der Hand von Frauen. Starke und bedeutende Frauen haben hier das Sagen und führen diverse Ämter aus. Somit ist das Setting nicht nur eine sommerliche Liebeserklärung an die Insel, sondern zeigt dann Lebensmöglichkeiten und ist ein unterhaltsamer Ruf nach Unabhängigkeit. Denn es sind vier Frauen, die sich in ihrer Bindung und Abhängigkeit zu den Männern in Frage stellen.

Es beginnt sagenhaft, denn die nordische Insel ist geprägt von Sagengestalten und Mythen. Auch hier zeigen sich bereits die starken Frauen. Susanne Behrends erzählt dann über das Leben von Frauen und zeigt jeweils ganz andere und doch sich gleichende Perspektiven. Die Zeiten und das Umfeld sind jeweils andere, doch gibt es ein verbindendendes Element. Es sind die Jahre 1905, 1969 und 2023.

2023 reist Katrine zu ihrer Verwandten Ida nach Fanö. Sie ist unglücklich, denn ihre Beziehung scheint am Ende zu sein. Ihr verheirateter Liebhaber hat sich für seine Familie entschieden. Ida ist die Enkelin von Lene, die 1905 mit Mads verlobt ist, der zur See fährt. Sobald er zurück ist, soll Hochzeit gefeiert werden. Doch träumt sie von der Freiheit und möchte der Enge entkommen. Als der industrielle Erik Hansen aus Kopenhagen sie mit ihrer Tracht ablichten möchte, verändert sich ihr Leben. Dann ist da noch Sylvia, die 1969 erneut Urlaub mit der Familie auf der Insel macht. Sie stellt das Hausfrauendasein in Frage und verlangt mehr vom Leben. Somit stellen sich alle Frauen die Frage, was für ein Leben sie eigentlich führen möchten.

Auf Leseschatz-TV gibt es ein kurzes Gespräch mit Susanne Behrends und eine Mini-Lesung:

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Malte Borsdorf: „Frau Schebesta räumt die Welt auf“

Frau Schebesta räumt die Welt auf. Sie tritt zumindest  in die Welt von Lou, die mit ihrer kindlichen Sicht alles beobachtet und erzählt. Lou ist eigenwillig und hat eine lebendige Phantasie. Sie gibt den Menschen in ihrem Umfeld je nach Stimmung andere Namen. Ihr Vater, der eigentlich Torsten heißt, ist für sie meist Trotzki. Mit Frau Schebesta tritt eine Bombenentschärferin auf und bringt Aufregung in das kleine Dorfleben in der Nähe von Kiel.

Eine Bombenentschärferin als namensgebende Romanfigur ist etwas Besonderes. Durch diese Tätigkeit kann ein ungewöhnlicher und beeindruckender Blick auf die Altlasten und das Trauma eines jeden Krieges geworfen werden. Auch durch die verschiedenen Generationen und Herkunftsländer der Charaktere werden unterschiedliche Perspektiven angedeutet und vertieft. Trotz der grundlegenden und schwerwiegenden Idee, hat das Buch etwas enorm Leichtes und Verspieltes, da es Lou ist, die durch ihre junge Sichtweise uns zu begeistern versteht.

Lou lebt, seit ihre Mutter weggegangen ist, mit ihrem Vater bei Oma Gitte. Ihr Vater arbeitet für ein Bestattungsinstitut. Sie leben in Flint, einem Dorf nahe Kiel. Jeder Kieler wird sehr schnell die Ähnlichkeit und den Bezug zu Flintbek herstellen können. Für Jugendliche gibt es hier wenig zu erleben. Tjomka ist mit seiner Familie aus Tschetschenien gekommen und ein guter Freund für Lou. Auch Tjomka erhält je nach Umfeld und Stimmung unterschiedliche Namen. Oft ist er Artjom, der, wenn er mit anderen Jungs zusammen ist, gerne auch mit Böllern oder Ähnlichem spielt. Dann ist es Lou, die sich schnell aus der Szenerie herauszieht und nach Hause geht. Beide fühlen sich verantwortlich für einen streunenden Hund und gehen zusammen zur Schule. Dort stellen die Eltern oder andere Erwachsene gerade ihre unterschiedlichen Berufe vor. Dadurch lernen sie Frau Schebesta kennen. Oma Gitte meint, Frau Schebesta sei gut, sie räume auf und mache die Welt besser. Lou ist nun interessiert und möchte mehr über den Kampfmittelräumdienst erfahren. Frau Schebesta will Lou und Artjom ihren Beruf zeigen und bietet ihnen ein Praktikum an. Kiel und die umliegenden Dörfer waren im Krieg eine besondere Einflugschneise der Luftflotte. Die Kinder sind neugierig, nur Oma Gitte findet das Praktikum gefährlich und wird an die damalige Zeit erinnert. Somit wird die Handlung getragen durch die Altlasten des Zweiten Weltkriegs, die gegenwärtigen Krisen und Kriege. Dies wird durch die unterschiedlichen Perspektiven verdeutlicht und tatsächlich muss dann auch eine Bombe entschärft werden und es knallt und nichts ist mehr so, wie es war.

Ein besonderes und kleines Werk, das durch die Zeilen eine Schallwelle in uns verbreitet und dadurch sehr bewegt. Auffallend sind die Charaktere, die jeweils ihren eigenen Charme haben und länger in guter Erinnerung bleiben werden. Eine ungewöhnliche Sichtweise auf das wieder aktuelle Weltgeschehen.

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Mona Harry: „Fliegen ist doch eigentlich ganz leicht“

Ein Buch, ein Kunstwerk. Mit Mona Harry lernen wir, wie leicht fliegen ist. Fliegen als Metapher einer Sehnsucht und Sorgenfreiheit. Wie Möwen, die spielerisch die nordische Küste umspielen. Der Möwenklang ist, wenn man genau hinhört, stets der Ruf der Freiheit. Diesen hat Mona gehört und immer wieder verfolgt, inhaliert, zu Papier und auf die Bühnen gebracht. Die Bühnen der Poetin, der Slammerin sind Veranstaltungssäle und jene leiseren Bühnen in unseren Herzen und Köpfen. Als Slam-Poetin ist sie seit 2011 auf Bühnen im gesamten deutschsprachigen Raum unterwegs.

Die neue Anthologie „Fliegen ist doch eigentlich ganz leicht“ ist mal wieder, wie könnte es bei ihr anders sein, eine Liebeserklärung an die Himmelsrichtung, die nach oben zeigt. Denn haben wir nicht alle ihren Singsang vom „Norden“ im Ohr oder sind mit ihr ins Blaue geradelt? Hier sind sie wieder vereint, die Möwen, die Meere und der Ruf der Freiheit und der Wunsch nach Leichtigkeit im Leben.

Dies ist ein Best-of ihrer Texte und Unveröffentlichtes. Die Hymnen werden durch Bilder ergänzt.  Mona Harry ist nicht nur Wortakrobatin, sondern auch eine bildende Künstlerin. Ihre Bildwelten passen sich ihren Worten an und verzaubern ihre Sprachlandschaften. Besonders die fliegenden Fische haben es ihr angetan. Als Poetin blickt sie aber nicht nur in die Schönheit der Natur, auf die nordische Heimat, sondern auch auf die politischen Ereignisse und sie wird sehr persönlich. Das Fliegen leiht sie sich bei Douglas Adams, bei dem es heißt, dass fliegen doch ganz einfach sei. Dann bleiben lediglich das Wundern und die Hoffnung, eine kichernde Hoffnung, es wird keine vogonische Dichtkunst.

Mona Harry schenkt auch den Geschichten ihre Liebe. Geschichten, die Räume erzeugen: „Ich habe einen Raum wie ein Rucksack im Gepäck … Ich trage diesen Ort im Innersten nach außen“.

Das Buch ist ein Quell voller Leidenschaft, Humor und Schönheit. Es klingt, es sprudelt und es braust auf. Also lernen wir fliegen und machen die Möwen nicht gleich zu Mücken und freuen uns über fast alles …

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