„Lonesome zweisam“

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„Ich bin immer so am Rand gewesen, habe für mich gelebt, ausgeschlossen von anderen, eingeschlossen in meiner Welt“

Das Leben spielt immer woanders. Darin sind sich Viola und Tom sofort einig. Sie studieren Germanistik in Münster im ersten Semester und verheddern sich vor der Uni in eine tiefgründige Diskussion. Gleich das erste Seminar beginnt ohne sie. Beide sind sie Außenseiter, haben in ihrem jungen Leben schon große Verluste ertragen. Viola will kein Violinchen mehr sein, keine Außenseiterin und sie möchte endlich erwachsen werden.

Der junge Student Tom geht zu jedem Spiel seiner Lieblingsmannschaft Schalke 04, schließlich besitzt er eine Dauerkarte. Trotzdem ist er lieber vor dem Stadium als drinnen. Warum?

Beide treffen sich und stehen gemeinsam, aber immer noch einsam, da sie über Ihre Gefühle nicht reden können. Sie macht ungeschickte Anspielungen, die falsch verstanden zu Verletzungen führen. Denn viel einfacher als Gefühle zuzulassen ist es, vor ihnen davonzulaufen. Je bizarrer die Ausflüchte, desto deutlicher wird es: »Lonesome zweisam« ist eine Liebeserklärung an die Liebe. Selbst wenn sie es den Liebenden nicht leicht macht. Selbst wenn sie das Leben nicht leichter macht.

Ein so kleines Buch, aber ich habe zwei Anläufe benötigt. Doch ist es ein kleiner, feiner Leseschatz.

„Lonesome zweisam“ von Christian Hanewinkel ist ein Buch das uns zwei Menschen vorstellt, die sehr jung sind und unerfahren ins Leben stolpern. Sie sind jeder für sich durchwebt von der Angst vor dem Leben, den Niederlagen. Sie fühlen sich im Abseits geborgen und stehen lieber daneben als mittendrin. Sie sind Beobachter ohne irgendwo dabei zu sein. Sie haben Angst vor der Liebe und sind daher abstoßend. Lügen sind Schutzschilder und ihre Geschichten, die sie erzählen, suggerieren dem anderen ein anderes „Ich“. Sie wollen dadurch gefallen, fallen dann aber aus ihrer gespielten Rolle und mißfallen…

Beide sind Germanistikstudenten, die ständig reden, aber nicht sprechen. Sprache dient den Menschen, um wieder miteinander zu sprechen. Um dies zu können, muß man lernen sich dem Gegenüber zu öffnen und auch zuhören können…

„Ach, nein? Dann antworte doch einfach auf meine Frage. Es gibt nie Antworten im Leben, und das ist das Problem. Fragen stellen kann jeder, aber antworten?“

Ein Roman, der mich auf dem zweiten Blick überzeugt hat und viel Charme besitzt. Es sind die zwei kauzigen Charaktere, die mich anfäglich etwas mit ihrem wirren und anfänglich pubertären Gedankengängen gestört haben, dann aber mir immer vertrauter und sympathischer wurden.

„Kafkas Verwandlung ist ein gutes Stichwort.“

Ein Buch gleich einem Konzert von Porcupine Tree, eine in sich gekehrte Welt, voller Schwere, Melancholie und Schönheit. Ab und zu erklingt eine Leichtigkeit…

„Da war er auf einem Konzert von Porcupine Tree in Köln. Und dann hören die einfach nach zweieinhalb Stunden auf. Warum können die wirklich guten Bands nicht den ganzen Tag spielen?“

3 Kommentare

Eingeordnet unter Erlesenes

3 Antworten zu “„Lonesome zweisam“

  1. Zunächst mag es so aussehen, als handele es sich hier nur um eine Liebesgeschichte von zwei unerfahrenen jungen Menschen. Doch hinter diesem Roman steckt viel mehr, er geht in die Tiefe. Wirklich schön zu lesen!

  2. Pingback: Ein Rückblick… | leseschatz

  3. Pingback: Christian Hanewinkel: “Sie suchen die Sonne” | leseschatz

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