Matthias Engels: „Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun“

9783942181846

Ein historischer, literarischer Spaß, der sich mit zwei gegensätzlichen Autoren beschäftigt. Die Handlung beginnt kurz nach Neujahr 1882 und der junge Oscar Wilde betritt in New York Harbor eine neue Welt. Knut Hamsun schifft in Bremerhaven ein und macht sich auch auf den Weg nach Amerika. Oscar Wilde, bereits berühmt, tritt eine umfangreiche Vortragsreise an und wird in den amerikanischen Großstädten begeistert empfangen. Auf Knut Hamsun dagegen wartet niemand.

Hamsun, der damals noch Knut Pedersen hieß, träumte von einem Leben als Schriftsteller. Doch sein erhofftes Bild von den USA und seiner Karriere wird durch die Realität ernüchtert. Statt mit Literatur verdient er sich den Lebensunterhalt mühsam mit Gelegenheitsarbeiten.

Ein biographischer Roman, der mit Fakten spielt und ein lesenswertes Panorama der damaligen Zeit und Literatur beschreibt. Der Roman erzählt episodenhaft und kurzweilig aus den stets wechselnden Perspektiven der Protagonisten, die sehr gegensätzlich waren und gänzlich andere Lebensweisen hatten. Hamsun, der lange unbekannt war und hart arbeiten musste um sich die Rückfahrt nach Norwegen leisten zu können, steht dem dandyhaften Iren gegenüber, der berühmt war und sich feiern ließ. Der biographische Roman enthüllt aber auch Parallelen der Literaten. Beide eint u.a. die Liebe zur Kunst und ihr jeweiliges Werk hat im heutigen Kanon der Weltliteratur noch ihre Gültigkeit.

Für beide beginnt die große schriftstellerische Karriere erst nach der Rückkehr in ihrer jeweiligen Heimat. Bald gehört Wilde zur europäischen Avantgarde und Hamsun erhält sogar den Literaturnobelpreis. Doch Ruhm ist vergänglich und beide erleben existentielle Schattenseiten kennen. Wilds Homosexualität lässt ihn die Macht der Presse und der Gesellschaft spüren. Hamsun erlebt, trotz wachsenden Ruhms und der Verleihung des Nobelpreises 1920, zunehmende Vereinsamung und Entfremdung. Hamsun verstrickt sich ins Politische gerade durch seine Haltung zum Nationalsozialismus. Beide Schriftsteller sterben geächtet und verbittert.

Engels lädt den Leser ein, sich mehr mit den beiden Schriftstellern zu befassen. Man kennt beide Biographien, verfolgt dennoch gebannt den Verlauf dieser Geschichte, die auch ein tolles Portrait der damaligen Zeit und deren Errungenschaften ist.

Der Autor, ebenfalls Buchhändler, hat sich in anderen Werken schon mit Persönlichkeiten der Literatur beschäftigt. Er nähert sich diesen gekonnt und mit viel Feingefühl. Ein Roman, der sich durch die kurzen Passagen sehr kurzweilig und unterhaltsam liest. Als Leser kommt man diesen unterschiedlichen Menschen sehr nahe.
Die Kapitel beginnen neben den Ortsangaben mit Logbucheinträgen, ergänzt durch Datum und Wetter, die eine Stimmung passend zum folgenden Kapitel und Protagonisten aufbauen. Ebenfalls werden kurze Einblicke in das Zeitgeschehen des 19. Jahrhunderts mit deren großen Erfindern, Entdeckungen und Künstlern geboten, die niemals von der eigentlichen Geschichte ablenken, sondern diese gekonnt ergänzen.

„Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun“ ist eine lohnenswerte Reise.

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