Thees Uhlmann: „Sophia, der Tod und ich“

Sophia, der Tod und ich Kiepenheur

Für mich ist der Roman jetzt schon ein Kultbuch! Thees Uhlmann, der Autor, ist sonst besser bekannt als Musiker. Er ist als Solokünstler unterwegs aber auch Gründungsmitglied und Sänger der Band Tomte. Jetzt tritt er in die Fußstapfen von Sir Peter Alexander Baron von Ustinov, der Gott und den Teufel alias „Der alte Mann und Mr. Smith“ auf die Menschheit losgelassen hat.

In Uhlmanns Debutroman gibt sich der Tod die Ehre und bringt ordentlich Leben in die Bude. Was passiert, wenn eines Tages eben jener bei einem klingelt und sagt, dass man nur noch wenige Minuten zu leben hätte?

Beim Ich-Erzähler, einem melancholischen – fast schon kaputten Typen, klingelt es an der Tür. Schon das Öffnen der Wohnungstür und das, was man vom bevorstehenden Treppenhaus erwarten kann, wir hier zelebriert. Einige mögliche Verläufe des Öffnens werden im Kopf des Erzählers durchgespielt. An der Schwelle steht der Tod, der ihn abholen soll. Als blöden Scherz empfunden, knallt der Erzähler dem eigentlich noch nicht erwarteten Gast die Tür vor der Nase zu. Beim Pinkeln materialisiert sich der tatsächliche Tod aber wieder und sitzt am Badewannenrand. Es verbleiben nur noch drei Minuten, dann müssen sie nun wirklich los…

Doch kann unser Held dem Tod vorerst von der Schippe springen, denn es klingelt erneut an der Tür und Sophia tritt ein. Wenn der Tod bereits bei einem klingelt liegt es nahe, daß man seine bevorstehenden Verabredungen vergessen könnte. Sophia ist seine Ex-Freundin, die er lange bekniet hatte ihn bei dem Besuch seiner Mutter zu begleiten. Da Sophia noch nicht zu den baldigen Kunden des Todes gehört, kann dieser vorerst nicht eingreifen und erlebt seinen ersten „Urlaub“. Es entsteht ein unglaublich lustiger Road-Trip über den Besuch der Mutter bis ganz in den Süden zum Sohn des Hauptprotagonisten, den dieser noch einmal sehen möchte. Er hat seinem Kind seit sieben Jahren jeden Tag Postkarten gesendet und nur sporadische Antworten zu besonderen Anlässen bekommen – diese aber lediglich von der Mutter verfasst.

Die Geschichte ist unglaublich witzig, schräg und mit tollen Dialogen gewürzt. Der Stil ist ungewöhnlich und die Dialoge als Drama geschrieben. Mir hat das Buch sehr viel Freude gemacht, denn neben den urkomischen Sätzen und der abgedrehten Geschichte verbergen sich auch leise, melancholische Töne.
Ein aberwitziges Buch und ich habe mich sehr gefreut, daß Gérard Otremba von Sound & Books ebenfalls in dem Roman ein Kultbuch erahnte.

Also: Buch kaufen, aufschlagen, lesen und einfach kluge Unterhaltung und viel Spaß haben. Froh sein, wenn es an der eigenen Tür noch nicht klingelt…

Zum Buch

Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Thees Uhlmann: „Sophia, der Tod und ich“

  1. Pingback: Es ging „nicht um die Summe der Tage […], sondern um die Fülle der Gefühle.“ (250) | Bibliophilin

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