Sascha Reh: „Aurora“

Sascha Reh Aurora Schöffling & Co.

Dieser Weg zur Morgenröte ist sehr überraschend und sehr unterhaltsam. Die Handlung spielt im tiefsten Winter auf Bornholm und ist fast schon eine erhellende Weihnachtsgeschichte und ein kleiner Aufruf gegen die Weinerlichkeit und für ein gradliniges Miteinander.

Ole ist Journalist für das Kopenhagener Dagbladet und hatte vor kurzem noch eine eigene Kolumne, die ihm jetzt entzogen wurde. Er hat privat und beruflich einige Enttäuschungen erlebt und hadert leicht verbittert mit seinem jetzigen Dasein. Nach außen mimt er den selbstbewussten und über allen Dingen stehenden Reporter und wirkt daher nicht selten arrogant. Er wird von der Redaktion degradiert und soll sich von Kopenhagen auf den Weg nach Bornholm machen. Ein kräftiger Schneesturm hat die eigentlich milde Insel überrascht und er soll über diesen verheerenden Wintereinbruch berichten. Sein erster Weg führt ihn zu einer Rettungsstelle, wo gerade ein Notruf von einer Schwangeren eintrifft. Die Wege sind alle unpassierbar und kein normaler Verkehr ist auf der Insel mehr möglich. Eric, der auch gerade in der Station ist, soll aushelfen und Ole, der eine Story wittert, fährt mit. Es ist aber keine normale Fahrt durch die verschneite Winterlandschaft.  Eric ist beim Heer und mit einem Schützenpanzer vor Ort. Mit dem Panzer geht es zu der Hebamme Tamara und dann weiter zu der schwangeren Frau, die laut Eric Aurora heißt.

Während der Fahrt nutzt Ole die Zeit, um den beiden Gespräche aufzuzwingen. Auch hat Ole einen Funkspruch mitangehört, der vermuten lässt, dass Eric nicht ganz erlaubt in den Besitz des Panzers gekommen ist und sogar seinen Vorgesetzten bedroht hat. Eric ist Techniker, der wie Ole degradiert wurde und anscheinend irgendetwas im Schilde führt. Auch Tamara erzählt nie die ganze Wahrheit und so wird die Fahrt immer abenteuerlicher und wendungsreicher.

Die Handlung spielt auf einer tiefverschneiten Insel in einem engen Panzer, der zu Weinachten auf dem Weg zu einer Schwangeren ist. Diese enge Handlung könnte beklemmend wirken, wenn da nicht dieser ständige Dialogwitz wäre. Der enge Innenraum des Panzers schafft Raum für ein tiefgründiges Kammerspiel, in dem es unter anderem um Männlichkeit und Gleichberechtigung, d.h. das Wechselspiel zwischen Mann und Frau, geht. Ein rasanter, kluger Lesespaß, der anhand einer kleinen überspitzten Momentaufnahme unsere Gesellschaft beleuchtet. Nach der dunklen Nacht auf Bornholm wird vieles in neuem Licht erscheinen.

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