Golnaz Hashemzadeh Bonde: „Was bleibt von uns“

Golnaz Hashemzadeh Bonde Was bleibt von uns Nagel & Kimche

Der Roman erzählt die Geschichte einer iranischen Frau, die nach Schweden geflohen ist und auf ihr Leben zurückblickt. Sie fragt sich in Bezug auf ihre Biographie und den nahenden Tod, was von uns bleibt, wenn wir gehen.

Der Roman beginnt in Schweden, die Erzählerin, Nahid, ist sechzig Jahre alt und hat gerade die Diagnose Krebs erhalten. Da die Krankheit weit fortgeschritten ist, ist eine Heilung auszuschließen. Sie möchte ihrer Tochter nun ihre Geschichte erzählen, um ihr Kraft und Wissen für das Leben zu schenken. Doch dies ist Nahid nicht möglich. Sie liebt ihre Tochter über alles, doch hat sie niemals die Mutterrolle ausfüllen wollen. Ihre erwachsene Tochter, Aram, erwartet nun selbst ein Kind und erst dadurch kommt es langsam zu zaghaften Annäherungen. Nahid ist innerlich verkrampft und leicht verbittert und kann ihren Gefühlen und Gedanken keinen Ausdruck geben und so klingt alles, was sie sagt, eher wie Belehrung oder Tadel.

Nahid kommt aus dem Iran und war der Stolz ihrer Familie. Sie hat in Teheran Medizin studiert, aber auch die islamische Revolution miterlebt. Sie lernt den charismatischen Masood kennen, der sich in linken politischen Kreisen bewegt. Sie verliebt sich in den marxistischen Revolutionär und beginnt auch, ihm und seinen Freunden zu helfen, wenn diese Flugblätter verteilen. Sie ist zwanzig Jahre alt als eine Katastrophe alle ihre Lebenspläne und die ihrer Familie durcheinanderwirbelt. Noora, Nahids vierzehnjährige Schwester, will unbedingt bei einer Aktion der linken Demonstranten mitmachen. Doch die Demo läuft gänzlich aus dem Ruder und die Studenten werden auf offener Straße gejagt und erschossen. Nahid gerät in Gefangenschaft und viele ihrer Freunde sind tot. Beim Verhör verschweigt sie ihren tatsächlichen Bezug zu dem Aufruhr und wird entlassen. Auch Masood konnte entkommen, doch Noora bleibt seitdem verschollen.

Als Nahid von Masood schwanger wird, entschließen sich beide zur Flucht. Sie gehen nach Schweden, denn Aram soll in einem freien Land aufwachsen. Doch greifen die Wurzeln der Vergangenheit tief und die innere Aufruhr ist mitgereist. Nahid erzieht ihre Tochter fast allein, denn Masood ist früh verstorben. Er war auch kein liebender Ehemann, sondern neigte sehr zu Gewaltausbrüchen.

Ein Roman, der langsam eine enorme Stimmung aufbaut. Die kurzen, knappen Sätze und Abschnitte entwickeln eine emotionale Wucht. Der Roman handelt von Entwurzelten, von der Suche nach einer neuen Heimat und der Sehnsucht nach Nähe. Die Geschichte einer Frau voller Optimismus, die im Laufe ihres Lebens diesen immer mehr verliert. Erst durch den Versuch, ihrer Tochter durch ihre Biographie die erkämpften Lebensweisheiten zu vermitteln, gelingt es ihr zu erkennen, was von uns wohl bleibend ist.

Golnaz Hashemzadeh Bonde wurde 1983 im Iran geboren und kam als Flüchtlingskind nach Schweden. „Was bleibt von uns“ ist ihr erster Roman auf Deutsch (Übersetzt von der Kielerin Sigrid C. Engeler)

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