Florian Knöppler: „Südfall“

Der dritte Roman von Florian Knöppler hebt erneut die nordische Landschaft hervor und erzählt über einen Versuch der Heimkehr. Nach „Kronsnest“ und „Habichtland“, die beide inhaltlich zusammenhängen, ist „Südfall“ ein eigenständiger Roman. Florian Knöppler blickt durch unterschiedlichste Perspektiven auf eine dunkle Zeit, verändert die Sichtweisen durch die Begegnungen und erzeugt durch seine Bilder und Sprache eine Sehnsucht nach Harmonie. Jeder Charakter hat seine Lebensbürde zu tragen und wünscht sich Einklang mit der Umgebung. Jedes Kapitel ist aus der Sicht einer anderen Figur geschrieben und zeigt, wie wenig vonnöten ist, um verändernd in den Lebensweg einzugreifen. Wie bereits in seinen vorherigen Romanen wird die Natur einen Hauptplatz in den Beschreibungen einnehmen und erzeugt eine ergreifende Sinnlichkeit. Wie der Titel bereits verrät, ist es in diesem Roman das nordische Wattenmeer. Die Landschaft ist malerisch, aber niemals beschaulich und rahmt die Handlung stimmungsvoll ein. Südfall ist eine Hallig im Wattenmeer der Nordseeküste von Schleswig-Holstein.

Die Handlung spielt im Jahr 1944 und über der Nordsee wird ein englischer Soldat von der Air Force mit seiner Maschine abgeschossen. Sein Flugzeug stürzt ab und er überlebt im Wattenmeer. Bei Ebbe ist er im Watt und kann die Richtung nicht erkennen. Er hofft auf Hilfe, befürchtet aber auch als abgestürzter Feind auf Probleme zu stoßen. Dave ist es, der nun in Folge dem Roman den Handlungsfaden in die Hand gibt, denn sein Weg und seine Begegnungen sind es, die die erzählenden Figuren berühren und verändern. Dieser Roman lässt Wahres zu und nimmt sich auch tatsächliche Geschichten als Vorbild. Im Wattenmeer wird Dave von  der Halliggräfin von Südfall gerettet. Er ist Tierarzt und seine Kenntnis wird ihm auf seinem Weg noch öfters behilflich sein. Dave möchte heimkehren. Er wandert weiter nach Norden, immer an der Nordseeküste entlang nach Dänemark, um dann nach England zu gelangen. Es folgen Abschnitte aus der Sichtweise verschiedener Menschen, diese sind unter anderem Paul, Anna, Cecilie und Simon. Mit ganz viel Empathie erwachen die Figuren zum Leben und nehmen uns mit in ihre Welt. Da ist Paul, ein Schüler, der verliebt ist und Dave beobachtet, wie dieser ein Schaf rettet. Paul sieht die Welt als junger Verliebter, ist aber hin- und hergerissen zwischen der Romantik und dem Gehorsam. Ob er Dave verrät? Seine Tante, Anna, entschließt Dave zu helfen. Dann taucht noch der totgesagte Großbauer auf, der sich im Leben selbst wieder einfinden muss und das in sich gekehrte Mädchen Cecilie. Der Weg geht weiter in Richtung Dänemark und der Freiheit.

Florian Knöppler hat ein großes Feingefühl für Menschen und charakterisiert diese in seinen Werken stets sehr glaubhaft und liebenswürdig. Der Roman benötigt keine großen Handlungsstränge, um dabei viel zu erzählen. Der Text lebt von der Stimmung, die er erzeugt. Dabei ist die Natur ein großartig eingesetztes Hilfsmittel. Florian Knöppler möchte mit seinen Werken die Hoffnung aufzeigen, die es auch in jeder dunklen Stunde gibt. Dies mag naiv wirken, ist es aber niemals. Mit seinen bisher drei Romanen beweist der Autor, dass er nun mit zu den bedeutenden Schriftstellern der Gegenwartsliteratur gehört. 

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