Archiv der Kategorie: Erlesenes

Theres Essmann: „Schwarzer Schwan“

Ein musikalisches, kleines Werk, das schön erzählt ist. Es sind zwei gescheiterte Lebensläufe, die zueinander finden und sich ergänzen. Es ist eine Neuausgabe der 2020 erschienenen Novelle „Federico Temperini“ – siehe meine damalige Besprechung auf leseschatz.com.

Der Ich-Erzähler ist Jürgen Krause. Er hadert mit seinem beruflichen und privaten Lebenslauf und ist Taxifahrer in Köln. Seine Ehe ist gescheitert und eine seiner größten Sorgen ist, dass sein Sohn, Leo, sich mehr zu dem neuen Lebenspartner seiner Exfrau hingezogen fühlen könnte, als zu ihm, dem eigentlichen Vater. Eines Tages erhält er einen knappen und bestimmten Anruf von Federico Temperini, der ihn als Fahrer, fast schon als Chauffeur, buchen möchte. Federico Temperini zahlt für den ganzen Abend und möchte lediglich zur Philharmonie gefahren werden. Jürgen Krause soll draußen warten, denn es ist ungewiss, ob der Fahrgast bereits vor Ende des Konzertes heimgefahren werden möchte. Federico Temperini bucht immer wieder diese Fahrten. Die Annäherung der unterschiedlichen Männer geschieht tänzelnd. Oft sind es die wortkargen Kritiken, die Temperini zu dem soeben gehörten Konzert zum Besten gibt. Doch sind diese stets von einer sachlichen Präzision. Wer ist dieser sonderliche und mystisch wirkende Fahrgast?

Der Vater von Jürgen Krause war Chauffeur und hatte viele Berühmtheiten gefahren. Auch Eric Clapton, dessen Biografie Jürgen Krause gerade liest. Nun wird er durch Temperini erstmalig mit der klassischen Musik in Berührung gebracht. Die Neugierde wächst, auch weil immer wieder das Gespräch auf Niccolò Paganini gelenkt wird. So ist Krauses derzeitiges gehörtes Saitenwunder Clapton berühmt durch seine ruhige, langsame Spielkunst auf der Gitarre. Dagegen wurde Paganini, der berühmte Geigenvirtuose, bereits zu Lebzeiten durch seine ekstatische und brillante, ausufernde Spieltechnik zur Legende. Die Gitarre und die Geige sind zwei Bilder dieser beiden unterschiedlichen Männer, die sich durch die Taxifahrten und gemeinsame Spaziergänge anfreunden.

Hier trifft das Vergangene auf die Moderne. Immer mehr bekommt Krause von Temperini Informationen über das Leben von Paganini in Form von diversen Dokumenten zugespielt. Krause erhält somit gedruckte Medien anstelle von Internetinformationen. Er, der ständig in Köln mit dem Wagen unterwegs ist, kauft auch selbst noch lieber im Internet als im Handel. Er nutzt oft das Telefon, ohne mit den Menschen wirklich zu reden. Dies wird ihm langsam immer bewusster. Er erfährt immer mehr über Federico Temperini und dessen Handverletzung, die er beständig zu kaschieren versucht. Bis Temperini plötzlich bei einer gebuchten Fahrt nicht auftaucht…

Es geht um Verlust, Freundschaft und Anerkennung. Der Text ist eine kleine Bühne für einen Moment des Stillhaltens und der Betrachtung des Gegenwärtigen.

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Ben Shattuck: „Die Geschichte des Klangs“

Der Klang des Lebens erklingt meist in der Stille, wenn die Töne innehalten und uns Raum geben, diesen nachzuspüren. „Die Geschichte des Klangs“ besteht aus zwei Kurzgeschichten, Kapiteln, die sich wie ein jeweiliger Akt miteinander verbinden und einen Gleichklang erzeugen, der Raum und Zeit verbindet. Dieses kleine Buch ist ein Meisterwerk der Verknappung, das aber durch die Reduktion einen enormen Klangraum erzeugt, der uns emotional sehr berührt. Aus dem Englischen wurde es übersetzt von Dirk van Gunsteren.

Die beiden verwobenen Kapitel erzählen Handlungen, die durch Musik getragen werden. Musik als Erweiterung der Geschichte. Lieder sind Erzählungen, die in einer Komprimierung der Sprache, Rhythmus und Melodie uns durch dadurch erzeugte Emotionalität reisen lassen. Diesen Kunstgriff verwendet auch das Buch von Ben Shattuck und erzeugt einen Klang, der uns still, aber innerlich laut berührt.

Es ist April 1984 und der Arzt von Lionel sagt, er solle, um der Schlaflosigkeit zu entkommen, seine Geschichte aufschreiben, die 1916 begann. Er hat ein Paket von einer ihm unbekannten Frau erhalten. Diese Frau ist Annie, wie sich in Folge herausstellen wird. Er hat drei Bücher über amerikanische Folkmusik geschrieben und somit ihre Aufmerksamkeit erlangt. Sie bewundert seine Arbeit. Sie hat ein Haus gekauft und beim Aufräumen fünfundzwanzig Wachswalzen für Phonographen gefunden, die einen Bezug zu Lionel haben. Er war Siebzehn, als er 1916 David kennenlernte. Er war im ersten Semester am New England Conservatory, als er in einer Bar David am Klavier beobachtete. David sammelt Lieder und spielt Songs, die auch Lionel kennt. David ist musikalisch sehr begabt und kann alles, lediglich einmal gehört, sofort erfassen und spielen. Lionel wiederum hat das perfekte Gehör und ist mit einer schönen Singstimme gesegnet. Beide verlieben sich und erleben miteinander die erste große Liebe. Diese wird durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen. Nach dem Krieg, den David an der Front erlebt hat, bekommt Lionel von ihm eine Einladung, ihn einen Sommer zu begleiten. Sie wollen durch die Natur wandern und dabei Volkslieder sammeln und diese mit Hilfe eines Phonographen festhalten. Nach dieser Wanderung bricht der Kontakt ab und Jahre später, als die Wachszylinder auftauchten, erklingt die Erinnerung und die Liebe erneut. Annie ist es, die jenen Fund gemacht hat. Sie ist ebenfalls auf der Suche nach ihrem Klang des Lebens. Ihre Sehnsucht und Zweifel erhalten im zweiten Teil des Romans ihre Zuwendung und Tiefe.

Ein Text, der mit einer Zartheit die Bedeutung des Lebens und der Liebe in uns zum Erklingen bringt. Dieser kurze Text ist bis ins Kleinste komponiert. Die Wirkungskraft der Musik und Kunst ist eng mit unseren Gefühlen verbunden und das lässt uns das Buch auf jeder Seite spüren. Ein Text, der sich nicht aufdrängt, aber der in uns eindringt und über Verlust, Liebe und Lebensmomente erzählt, die stets diverse Möglichkeiten bereithalten. Ein kleines, wunderbares Meisterwerk.    

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Mareike Krügel: „Inseltage mit Rosa“

Mareike Krügel schreibt für Erwachsene und Kinder. Sie lebt mit ihrer Familie mit Hühnern und Hunden in Schleswig-Holstein. Die Werke von ihr und ihrem Mann, Jan Christophersen, begeistern und wandern stets zu unseren Leseschätzen.

„Inseltage mit Rosa“ ist ein Buch über Freundschaft, Trauer, Verlust und über den Raum, der sich öffnet, wenn wir es lernen loszulassen. Wohl das emotionalste Jugendbuch (ab 9 Jahre) von ihr bisher. Die Illustrationen stammen von Anna Schilling.

Lila lebt oft in ihrer Phantasie und zieht sich in ihre Welt zurück. Diese Innenschau ist eine geschützte Isolierung und somit wird ihre Welt zu einer Insel. Eine Insel, die sie aber tatsächlich besucht, denn ihr Vater, der sie allein erzieht, muß beruflich weiter und bringt Lila, eigentlich Linnea, zu ihrer Großmutter, die mit ihrer Lebensgefährtin eine Schäreninsel mit einer kleinen Hütte hat. Die Freundin der Oma lebt neuerdings in einem Pflegeheim und Mu, Linneas Großmutter, hat die Insel bisher gemieden. Doch nun wollen sie gemeinsam dort ein Wochenende verbringen.

Linnea wurde von ihrer besten Freundin Lila genannt. Mit dieser Freundin hat sie sich damals bei einer Sternschnuppe gewünscht, dass sie sich gegenseitig immer finden, sollten sie sich einmal verlieren. Dies ist passiert, Rosa, die Freundin ist weg, verschwunden, etwas Furchtbares ist passiert. Seitdem ist Lila traurig und schweigsam. Bei Mu, der dichtenden Großmutter, soll sie auftauen und in der abgeschiedenen Natur Trost finden. Als sie dort ankommt und Mu sich ausruht, erkundet Lila die Insel und ruft Rosa, die auch sofort auftaucht. Rosa und sie verbringen in wenigen Stunden in der Phantasie Wochen bis das tatsächliche Leben Lila ruft. Immer wieder ist Rosa da, wenn Lila einsam ist. Aber es ist stets das Leben, das sie auf die Realität der Insel zurückruft. Zum Beispiel eine Möwe, die sie mit Brot gefüttert hatte und die sich später den Flügel verletzt und bei Lila und Mu Unterschlupf erhält. Als ein Sturm aufkommt, der Mu und Lila an die Insel fesselt, wird aus der realen Einsamkeit mehr als nur Mau-Mau-Spielen. Sie malen und dichten und finden im Nebel zueinander, bis Rosa, die nur noch eine imaginäre Freundin ist, immer mehr aus der wirklichen Welt verschwindet. Lila muss lernen loszulassen. Loslassen von Rosa, deren Schicksal langsam erzählt wird und von der Möwe, die ebenfalls ihre eigenen Flugbahnen finden muss.

Die Insel wird zu einem Zufluchtsort voller Wunder. Sofort lernen wir die Figuren lieben und leiden, lachen und erleben alles fühlbar mit. Ein wunderbares Kinderbuch, das auch große Menschen begeistern wird.

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Jasmin Ramadan: „Reality“

Ist Literatur Realität? Kunst und Literatur sind Spiegel unserer Realitäten, die nicht zwingend Antworten geben, aber doch die richtigen Fragen formulieren können. Jasmin Ramadan beschreibt ein Parkour, das irre, schön, klug, empathisch und witzig ist. Die Realität ist eine individuelle Wahrnehmung und jeder meint, sich in deren Mitte zu befinden. Sobald wir uns aus dem Kreis der gängigen Überschneidungen bewegen, werden wir kritisch wahrgenommen.

Dieser Roman verbindet Verkopftes mit Emotionalität, Wahrheit und Wahrnehmung und die Erzählerin schlüpft zuweilen aus den Zeilen heraus und bindet uns, die Leser, mit ein. Dadurch geraten wir sehr zügig in einen lustvollen Strudel hinein. Die Erzählerin, die Autorin, möchte uns teilhaben lassen an ihren Gedanken und der Emotionalität, die die Protagonistin selbst nicht fähig ist zu fühlen. Dabei ist es ihre Wut, nicht unsere und wir empfinden mit und setzen Grenzen. Ihre Welt und ihre Sprache werden zu unserer und somit geraten wir in ihre große Erzählaura.

Es ist Lit, mit ganzen Namen Lilith Innocentia West, die uns ihre Geschichte erzählt. Die Namen wirken außergewöhnlich und sind von Eltern, die stets die Bedeutung von etwas betonen möchten und verweisen auf einen althergebrachten Dämon und Märtyrerin. Die Kurzform ihres Namens bezieht sich auf die Welt der sprachlichen Werke. Ein Roman, der den Realitätsgehalt auch in magischem Realismus subtil anzudeuten versteht.

Lit wird zu einem Gespräch mit der befreundeten Vermieterin gebeten. Es ist eine Wohngemeinschaft und Lit ist eine erfolglose Künstlerin. Ihr Freund und Manager versucht sie zu unterstützen doch bleibt der Erfolg aus. Ihre Eltern sind vermögend, beide schrieben und schreiben Bestseller. Der Vater als Romancier und die Mutter als Psychologin. In der familiären Harmonie gab es Brüche, besonders als die Mutter Lit als Therapiebeispiel benennt und ihr Krankheitsbild öffentlich macht. Es ist nur ein Wort: Alexithymie, doch hat es in dem Umfeld eine Sprengkraft-Wirkung. Lit fällt es schwer, Emotionen zu erkennen und zu beschreiben, sowohl bei sich selbst als auch bei den anderen. Durch den Bruch wohnt sie in der Wohngemeinschaft und mag die Familie nicht um Geld bitten. Somit droht Wohnungslosigkeit, da sie mehrere Monate im Rückstand mit der Miete ist. Der Verlust des sicheren Umfeldes bahnt sich an. Ihre Gefühllosigkeit hat ihr Liebesleben bisher auch sehr eingeschränkt, auch dem Mann gegenüber, der sagt es sei Liebe, kann sie sich nicht öffnen. Ein altes Trauma rumort in ihr. Es ist auch genau jener Mann, der ihr eine Ausstellung organisiert. Doch der Kurator verlangt eine sexuelle Dienstleistung und sie erbricht und bricht mit den Verbindungen und nimmt den nächsten Zug an die Küste. Auf einer kleinen Insel kommt sie unter. Sie nimmt sich wahr und versucht alles zu begreifen und schreibt für uns alles auf. Jetzt nimmt das Karussell Fahrt auf und das Leben, die Realitäten verändern sich. Sie wohnt kostenlos bei einer Frau, die um wenig Unterstützung bittet, ihr aber nach ihrem Ableben eine hohe Geldsumme vererbt. Das Testament ist an eine Forderung gebunden, Lit soll fühlen und lieben lernen.

Das Buch ufert aus, minimiert wiederum und spielt mit dem Handwerkzeug der Literatur. Alles ist erlaubt und alles ist wandelbar und wunderbar. Dabei entdecken wir Sätze, in denen wir verweilen wollen. Es ist zuweilen urkomisch und dann wiederum traurig. Alles ist dabei schön zu lesen, bereichert den eigenen Kopf und das Herz. Die innere und eigene Menschlichkeit, sowie die Zwischenmenschlichkeit werden in allen Facetten beleuchtet. Die Sprache und die Handlung sind aufs Feinste komponiert, alles wirkt leicht und doch stets von Bedeutung. Die Absicht ist, unsere Realität verständlicher zu machen, zu entkernen oder in der Wirklichkeit des Erzählens, des Märchenhaften zu verankern. Wut und Liebe, Hoffnung und Bodenlosigkeit fallen dabei ins selbe Gewicht. Ein irre guter Trip, der Spaß macht und bereichert.

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Julia R. Kelly: „Das Geschenk des Meeres“

Macht das Meer uns Geschenke oder kann uns das unbändige Gewässer etwas wegnehmen und wiederbringen? Zumindest ist das Meer stets ein Sehnsuchtsort jeweils mit dem Blick vom Wasser zum Land und vom Festland zur offenen Weite. Immer wieder reisen wir an diese Grenze und Übergänge, um uns wohl selbst ein bisschen mehr zu finden. Sofern wir nicht persönlich an der Küste stehen, versteht es die Literatur, uns immer wieder dahin zu platzieren. So auch dieser Leseschatz „Das Geschenk des Meeres“ von Julia R. Kelly. Der Roman ist auch ein feines Geschenk und trug im Original den Titel „The Fisherman’s Gift“ und liegt nun in der Übersetzung von Claudia Feldmann vor.

Eine Ortschaft in Schottland im Jahr 1900 wird der Schauplatz der Ereignisse. Etwas Mystisches scheint sich zugetragen zu haben. Doch wissen alle, dass es nicht sein kann. Dabei zeigt sich das menschliche Miteinander indem alle übereinander, aber nicht miteinander reden. Der Roman belebt eine Stimmung, die uns in Raum und Zeit versetzt und unsere Emotionen durchspült.

Verschiedene Perspektiven und Zeiten bereichern die Handlung auf der kleinen Fischerinsel. Es beginnt mit dem Fischer Joseph. Er kennt das Wasser und hat ein Gespür für das Wetter. Ein Sturm zieht auf und er scheint einer der alten zu sein, die dies in den Wolken lesen können. Aber er schweigt, denn warum sollte er reden. Er schweigt auch, weil er sich immer noch die Frage stellt, was die anderen damals getan hatten, als ihm der Sturm etwas nahm. Der jetzige Sturm bringt etwas. Ein lebloser Junge wird an die Küste geschwemmt, Joseph findet ihn und trägt ihn ins Dorf. Durch sein Auftreten richten sich alle Blicke auf ihn mit dem Jungen in den Armen. Der Blick ist stets auf den Jungen gerichtet, kann es sein? Fast märchenhaft wirkt es. Damals, vor langer Zeit ging der Sohn von Dorothy ans Meer und verschwand. Der angespülte Junge sieht ihm ähnlich und doch kann er es nicht sein, denn er wäre ja kein Kind mehr. Joseph trägt ihn an den neugierigen und ungläubigen Blicken vorbei zum Pfarrhaus. Doch hier kann der Junge nicht bleiben und ausgerechnet Dorothy nimmt dann das rätselhafte Kind bei sich auf, bis alles geklärt ist. Die Geschichte klärt sich langsam auf und stellt doch Rätsel, die aus der Vergangenheit kommen. Was war mit Dorothy und Joseph damals, wo ist ihre Liebe und warum war Joseph am Strand, als erneut das Meer in die Schicksale eingriff? 

Durch Rückblicke und den jetzigen Verlauf baut sich die ganze emotionale Geschichte auf. Ein schönes, ergreifendes Buch über Verlust, Liebe und Zusammenhalt. Es ist der Debütroman von Julia R. Kelly, der bereits für einige Preise angedacht war und ausgezeichnet wurde. Hervorzuheben ist auch die Buchgestaltung mit dem Holzschnitt von Franziska Neubert als Titelmotiv, das die Stimmung des Inhalts gut andeutet.

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Marouane Bakhti: „Wie man aus der Welt verschwindet“

Wir müssen uns wohl verlieren, um uns selbst zu finden. Zumindest in jüngeren Jahren ist dies ein Phänomen, das bereits Hermann Hesse seinen Demian erkennen ließ: „Ich wollte ja nichts als das zu leben versuchen, was von selber aus mir heraus wollte. Warum war das so sehr schwer?“ Der junge Erzähler aus  „Wie man aus der Welt verschwindet“ von Marouane Bakhti möchte sich gleich am Anfang auflösen, fortgehen und das Hässliche verlassen. Bei seinen Gedankenströmen folgen wir ihm mit wachsender Empathie und Interesse. Bakhti schreibt anders, frischer und ist in der aktuellen französischen Literatur verwurzelt, die Wurzeln sucht. Es ist ein Mäandern und ein poetisches Tanzen und Ringen um Worte, die Empfindungen einkleiden sollen. Die Kürze ist dabei stets genug. Gerade die Miniaturen der Absätze erinnern an die Werke von Annie Ernaux, die den Debütroman von Marouane Bakhti gelesen hat und feiert.

Eine Identitätssuche, die wir in dem Umfang alle erinnern, kennen oder nachempfinden können. Doch geht der Roman weiter, darüber hinaus und stellt in den Mittelpunkt einen selbstdeklarierten Außenseiter als Erzähler. Er empfindet sich als wahrgenommenes Feindbild innerhalb der Gesellschaft und seines Umfeldes. Er ist der Sohn eines Marokkaners und einer Französin. Seine Betrachtungen wandeln zwischen Stadt- und Landleben, Offenherzigkeit und Enge, Spießertum und Toleranz. Die unterschiedlichen Kulturen und Weltsichten prägen wie die erlebte Provinz. Wir erleben die Übergänge und Grenzen von Fortschritt und Moderne. Die Suche nach Identität, nach Sexualität und Zugehörigkeit treibt den Erzähler an, das Schweigen zu brechen. Der Stille zu entkommen. Er fragt sich, ob er Muslim oder Franzose ist, wo seine irdische Heimat ist, Paris oder Tanger. Um seine Seiten zu finden oder sich darin zu finden, schreibt er das Buch. Ein Buch über das Aufwachsen eines Homosexuellen in der Diaspora im ländlichen Frankreich. Der Vater ist traditionell und will den Sohn durch Strenge erziehen. Er wird aus der Sicht des jungen Mannes zu einem Monster der Männlichkeit. Die Mutter, die Verstehende und Vermittelnde, bindet durch Zuwendung. Dadurch ist bereits innerhalb der Familie eine Polarisierung angedeutet, die sich in der Gesellschaft fortsetzt. Mit ganz ehrlichen Worten und einer großen Offenheit wird hier Erlebtes und Zerrissenes beschrieben. Das Begehren und das Ablehnen sind die Schallmauern der gegenseitigen Empfindungen. Kultur, Gesellschaft und das persönliche Erwachen innerhalb der vorgelebten Parameter und der Selbstfindung werden sprachlich eingefangen. Der Umzug nach Paris dehnt die Betrachtungen aus und die Selbstreflektion und der Raum zwischen den unterschiedlichen Welten weiten sich, um eigene Möglichkeiten zu definieren.

Annäherung und Suche, Nähe und Distanz sind  die Klangräume dieses literarischen Tanzes. Ein Tanz, der Kunst ist, körperliche Nähe zulässt und doch auch durch Normen die eigenen Schritte vorgeben möchte. Das Improvisieren innerhalb des Rhythmus ist es, was Marouane Bakhti hier fixiert. Denn durch Einsamkeit oder Isolation erwachen ein Schmerz und eine Sehnsucht nach Anerkennung, die uns alle berühren und wachsen lassen. Ein Roman über die Suche nach Identifikation und Freiheit. Aus dem Französischen von Arabel Summent.

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Yasmina Liassine: „Utopia Algeria“

Ein Debütroman, der das Spiel zwischen Landschaft, Land, Mensch, Kultur und Politik auslotet. An dem Beispiel der eigenen und befreundeten Familien beschreibt Yasmina Liassine die individuellen, persönlichen und gesellschaftlichen Spannungen. 1962 erkämpft sich Algerien die Unabhängigkeit. Die Menschen werden von einer Aufbruchstimmung erfasst und hoffen auf eine bessere Zukunft. Doch dieser Wunsch nach Gerechtigkeit und Freiheit schwindet fast so schnell, wie er aufkam. Somit erklären sich der Begriff und der Titel „Utopia Algeria“.

Das Betrachten des verschlungenen Lebens und die Suche nach Sprache, Zugehörigkeit und Identität beginnt mit dem Finden eines Labyrinths. Dies ist wie ein Mosaik aufgebaut und genau diese Vielschichtigkeit fängt die Autorin ein. Der Roman wirkt am Anfang nüchtern, leicht distanziert, aber dies nimmt uns dadurch ganz bestimmt mit und stellt uns neben die Beobachterin und der Raum weitet sich. Als würden wir selbst vor einem Bild stehen und erst oberflächig dieses aufnehmen, um dann die Details zu einer ganzen Empfindung zusammenfassen.

Als Anfang der 1960er Jahre Algerien sich nach der französischen Kolonialherrschaft freikämpfte, waren auch die Eltern der Erzählerin betroffen. Die Tochter, die Autorin, hat nie die arabische Sprache erlernt. Ihre Mutter ist Französin und der Vater Algerier. Die Sprache und die Zugehörigkeit verursachen erneut Bedenken und Ängste. Die neuen Strömungen dekretierten, wer sich algerisch nennen darf. Menschen, die einen anderen Glauben hatten, wer die arabische Sprache nicht sprach und wer nicht mindestens zwei muslimische Vorfahren nachweisen konnte, wurde gedemütigt und bekam Probleme. Die als „Pieds-noirs“ bezeichneten französischen Besatzer werden Vertriebene und Mischehen werden verunglimpft. Die Autorin verlebte ihre Jugend dort und ging als junge Frau nach Frankreich. Sie blieb nach ihrem Mathematikstudium in Paris. Als Erwachsene kehrt sie als Reisende zurück. Als sie auf einer Durchreise nach Algier kommt, möchte sie ein Kirchenlabyrinth besichtigen. Das Labyrinth befindet sich innerhalb einer Kathedrale, die sie aber eher an ein toxisches Gebäude erinnert. Diese Zerrissenheit lässt sie rekapitulieren. Sie stößt dabei auf Schönheit und Schrecken. Ihr Weg gleicht dem Straucheln durch ein Labyrinth. Sie erinnert das Land ihrer Kindheit mit dem Duft nach Früchten, saftigem Gras und wie die Menschen verändert wurden. Sie tastet sich nach „Utopia Algeria“ und betrachtet die Veränderungen des Landes und jene anfängliche Freiheit, die vielerorts immer noch eine Utopie ist. Die am Anfang des Buches wirkende Distanz ist nötig, um das Feinfühlige des Textes zu erspüren. Denn immer tiefer taucht der Roman in Ereignisse ein, die auch unsere aller gegenwärtigen und globalen Fragen streifen.

Mit viel Empathie für die Menschen, die Kulturen und die jeweiligen Geschichten baut Yasmina Liassine ein Mosaik zusammen, das Landschaften, Natur, Schicksale und somit die Vielfältigkeit miteinbezieht. Aus dem Französischen wurde der Roman von Katharina Triebner-Cabald übersetzt.

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Sophie Morton-Thomas: „Das Nest“

In diesem Roman wird das Unbehagliche und Unheimliche immer spürbarer und doch ist beides nicht fassbar. Ein Noir-Krimi, der mit der brüchigen Welt spielt, die wir uns selbst erschaffen. Es geht um das Erschaffen von Heimat und um die Ängste vor dem Fremden und Unbekannten. Der Nestbau suggeriert eine Heimat, die aber ungefestigt eine Freiheit und gleichzeitig eine Ungewissheit in sich birgt.

Durch den Sprachsound und die erzeugten Bilder tauchen wir ein in die Welt der mobilen Wohngemeinschaften an der englischen Küste. Mit der ersten Begehung des Campingplatzes dreht man bereits eine Runde durch das Setting, die Charaktere, die Stimmung und die kommenden Dramen. Etwas Bedrohliches weht durch die Szenerie, das aber nicht gleich zu erkennen ist und doch ist die Spannung sofort da. Die Missgunst und die Ängste vor den Anderen werden durch wachsame Wohnwagenfenster aufgesogen. Alles ist brüchig dort, wo der Mensch auftritt, der seine Bodenhaftung gerne mit der Freiheit tauschen würde, die er stets neidvoll im beobachteten Vogelflug nachzuspüren versucht.

Es sind zwei Perspektiven, die uns die Geschichte erzählen. Fran und Tad. Fran lebt ein zurückgezogenes Leben an der englischen Küste. Sie betreibt eine Wohnwagensiedlung für Urlauber oder Gestrandete. Sie kümmert sich um ihren Sohn und sorgt sich um die Familie ihrer Schwester, die in einem der Mobilheime lebt. Ihr Mann ist oft beruflich weg und Fran kümmert sich um alle Belange. Als Ausgleich liebt sie es, Vögel zu beobachten. Tad gehört zu einer Gruppe Roma, die ihr bisheriges Lager verlassen. Etwas scheint vorgefallen zu sein, dass sie weiterziehen lässt. Sie errichten das Lager neben der Wohnwagensiedlung von Fran. Es ist noch Winter und die besonderen Vögel, auf die Fran wartet, bleiben noch aus. Doch dann wird eines der Nester gefunden. An einer ganz anderen Stelle, als vermutet. Auch die eigene Häuslichkeit gerät in Schieflage, denn die Ferien enden und Bruno, Frans Sohn, muß wieder zur Schule. Er hängt sehr an Sadie, der Tochter von Ros, Frans Schwester. Diese hat wohl einen bleibenden und nicht immer guten Einfluss auf den Jungen. In der Schule gab es einen Wechsel, die eigentliche Lehrerin ist im Schwangerschaftsurlaub und wird von einer neuen Lehrkraft vertreten. Diese wird von allen misstrauisch im Alltag aufgenommen. Besonders Sadie gerät in Schwierigkeiten und es kommt zu ernsteren Gesprächen. Doch dann ist plötzlich diese Lehrerin verschwunden. Alles gerät in Aufruhr. Hat Ellis, Frans Schwager, etwas damit zu tun? Welche Rolle spielen die Roma dabei? Dann werden tote Vögel gefunden, die nicht eines natürlichen Todes gestorben sind und die Leiche der Lehrerin. Welche Geschichten verbergen sich hinter den Schicksalen und den Ereignissen. Was wissen die gestrandeten Menschen und letztendlich die Kinder, Sadie und Bruno?

Dieser Roman wird für uns beim Lesen zu einem Nest. Mit den ersten Sätzen ist man dem Buch verfallen und möchte es ungern wieder verlassen, wobei wir die Auflösung wiederum nicht schnell genug erfahren möchten. Aus dem Englischen von Lea Dunkel.

Vielen Dank, dass ein Auszug dieser Besprechung auf dem Umschlag des Buches abgedruckt wurde.

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Sara Paretsky: „Wunder Punkt“

„Wunder Punkt“ ist ein klassischer Hardboiled-Krimi von der großen Meisterin des Genres. Diese Krimis erschließen sich nicht sofort, man muss sich aber einfach fallen lassen und sich der Stimmung, dem Klang und der Handlung hingeben. Wenn man in diese Werke eintaucht, verwachsen wir zügig mit der Protagonistin V. I. Warshawski. Eine Heldin, die den männlichen Helden, wie zum Beispiel Dave Robicheaux, Jean-Baptiste Adamsberg oder Harry Bosch als Privatermittlerin, wenn nicht sogar als Powerfrau, literarisch entgegentritt. Die Krimi-Reihe gibt es schon länger, ist sogar Stoff für Verfilmungen gewesen und doch leider immer noch unbekannter. Es sind Romane, die der klassischen Noir-Literatur zugehörig sind und mit viel Humor und einer gehörigen Raffinesse geschrieben sind. Die Vernetzung innerhalb der Gesellschaft, der Handlungen und der jeweiligen Fälle spannt ein faszinierendes Netz über alle Werke. Das Alltägliche wird durch Schandtaten aufgewühlt und das meist Kleinstadtleben gerät aus den Fugen. Dabei streifen die Fälle stets aktuelle Themen wie Rassismus, Klimawandel, Wirtschaft und die soziale Verantwortung. Nicht nur durch den Hauptcharakter, sondern auch durch die Handlung, sind es feministische Texte. Ein feiner, schwarzer und zugespitzter Humor gibt den großen Themen aber stets eine Leichtigkeit und nichts wird überlastet. Es sind moralisierende Krimis, die aber genau jene Anklagen subtil der Handlung, wie ein feines Gewürz, untermischen.

Es ist ein Krimi, der voller Blut und Trauer ist und eine enorme Innenschau der Charaktere aufbaut. Das Persönliche wird dabei politisch und verwurzelt sich mit der Gesellschaft und mit den persönlichen und den wirtschaftlichen Interessen, die wiederum die Öffentlichkeit aufbauen. V. I. Warshawski, oder Victoria Warshawski, kurz Vic ist in Chicago als Privatermittlerin tätig. Ihre Weltsicht, Schlagfertigkeit und Schlagkraft sind die Triebfeder dieser Romane. Eine Frau, weniger eine Dame, sondern eine Detektivfigur, die sich im Alltäglichen behaupten muss und sich niemals scheut, die wirklich heißen Eisen aus dem Feuer zu bergen. Jeder Roman steht für sich und kann immer apart oder in zufälliger Reihenfolge gelesen werden. Alles ergibt sich in der jeweiligen Handlung und doch verweben sich mit jedem Buch die Stränge zu einem Spinnennetz. „Wunder Punkt“ fällt dabei besonders auf, denn die Aufmachung und die vorangestellte Karte geben dem Werk eine kunstvolle Haptik. Die Übersetzung stammt erneut von der Verlegerin, Else Laudan, die auch wie üblich ein lesenswertes Vorwort verfasst hat. Diese Krimis sind voller gegenwärtiger Düsterheit und doch erhellen sie unser Gemüt durch den Wortwitz und die fetzigen Dialogen. Es geht um Gier, Gewalt und Traumata. Die Autorin löst aber stets die festen Knoten mit einer gekonnten Finesse und betrachtet dabei die ganze Gesellschaft.

Die Erzählerin ist die Heldin V. I. Warshawski, die von inneren Dämonen geplagt und in ihren Träumen fast verschlungen wird. Ihre Realität wird durch diese Nachtvisionen geprägt. Doch versucht sie jene Grenzen aufrecht zu halten, um zu funktionieren. Junge Frauen, Studentinnen, fahren zu einem Auswärtsspiel nach Kansas. Das umjubelte Team siegt und es wird gefeiert. Fünf Studentinnen waren es, nun sind es nur noch vier. Die Privatdetektivin wird gebeten diese vermisste Frau lebend oder tot zu suchen. Jeder Weg verzweigt sich aber immer weiter und es kommen viele weitere Rätsel zu Tage.

Dieser Roman ist kurzweilig, aber auch ein sehr anspruchsvoller Roman, der kein gewöhnlicher Krimi ist. Geschichte, gesellschaftliche Entwicklungen und Entgleisungen werden durch aktuelle Themen bereichert und überlasten dennoch niemals die Handlung. Die Leichtigkeit und die doch bestehende Tiefe dieser Romane begeistern stets aufs Neue und sind wahrliche Kultromane.

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Philip Krömer: „Kumari“

Literatur ist es, die unsere Welt verbindet. Literatur geht weiter über die Idee für eine Geschichte hinaus. Durch Wissen und Empathie ist die Kunstform ein Portal in die Welt. Eine Welt, die mit immer mehr Erkenntnis und Geschichten beständig wächst. Philip Krömer hat einen Roman geschrieben, der etwas belebt, das uns fern ist und menschlich nah geht. „Kumari“ ist der Titel und die namensgebende Erzählerin, die allwissend und doch ungebildet ist. Sie sieht, weiß und beobachtet alles. Es ist die Kindsgöttin, die weiterhin unter uns weilt. Ihre Bestimmung wird, gleich dem Dalai Lama, durch körperliche Merkmale, Wesenheiten und das Geburtshoroskop erwählt. Die Kumari, wörtlich Mädchen, ist somit die Inkarnation einer mächtigen und furchterregenden hinduistischen Göttin, deren Tradition weit zurückreicht. Die lebende Göttin wird im Kindesalter berufen und bleibt es bis zur Menstruation. Danach muss sie sich mit einem bescheidenen Leben begnügen. Eine Schulbildung erhält die allwissende Göttin nicht. In ihre Gedanken tauchen wir ein. Sie ist es, die zu uns spricht. Laute gibt sich nicht von sich, denn es gilt für sie das Redeverbot und sie sitzt still und empfängt die Pilger, die ihr huldigen. Sie vergibt das dritte Auge und einmal im Jahr, zum großen „Dasain“ Fest, empfängt sie den König Nepals, der ihre Füße küsst. Dies ist die Zeit der Handlung im Jahr 2001. In diesem Jahr kommt es zu Unruhen und die Geschichte ist der Beleg, dass unsere Religionen, Mythen und politische Veränderungen leider immer mit Blut in Verbindung gebracht werden.  

Aus ihrem Tempel heraus beobachtet die Kumari das kommende Opferfest und Nepal steht vor einer Umwälzung. Überall kocht das Blut und das Fest soll drei Tage lange gefeiert werden. Das Land und die Menschen sind mit der Kumari untrennbar verbunden. Das Kindliche trifft auf die Göttin und welche Macht obsiegt in ihr? Ihr Kontakt zur Außenwelt sind die Pilger, dennoch nimmt sie alles auf. Die Menschen planen einen Aufstand gegen den König. Zu dieser Zeit kehrt der Kronprinz zurück, er war ein Jahr auf Reisen und hat sich verändert und stellt die bestehenden Machtverhältnisse in Frage.  Dann kommt, über die Berge herab, eine Rebellin mit ihrem Gefährten, der gleich am Anfang sein Leben verliert, in die Hauptstadt Kathmandu. Sie hat eine Mission und die Handlungsstränge verbinden sich.

Ein Roman von den letzten Tagen der nepalesischen Monarchie. Gewaltige menschliche und übermenschliche Kräfte wirken aufeinander und formen das Zusammenspiel. Durch den Blick einer kindlichen Göttin mit dem dritten Auge und einer umgreifenden Macht wird hier das politische und gesellschaftliche Miteinander in ein Chaos verwandelt. Ein spannender, kurzweiliger und sprachlich komprimierter Roman, der Legenden und Historie mit persönlichen Schicksalen verbindet. Es sind klare, genauestens ausformulierte Sätze, die das Beobachten zelebrieren. Ein menschliches und unmenschliches Spektakel breitet sich dabei aus und zeigt, wie wir Menschen denken, empfinden, hoffen und handeln. Ein faszinierender Roman, voller Fremdheit, Dunkelheit und mit einem Schaufenster in die Welt. Ein Fenster, das die Zeiten im Jetzt fokussiert.

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