Archiv der Kategorie: Erlesenes

Fritz Schumann: „Japan, wer bist du?“

Japan übt eine Faszination aus. Es ist ein Land mit unterschiedlichen Seelen. Es ist geprägt durch einzigartige und wunderschöne Landschaften. Es ist eine Inselnation mit dicht besiedelten Städten, die immer weiter wachsen und die ärmeren Landregionen vereinsamen. Dennoch zählt Japan zu den dicht besiedeltsten Ländern Asiens. Es gibt hier eine gelebte Spiritualität, die durch unzählige Schreine und Tempel sichtbar ist. Das turbulente Stadtleben steht den Gebirgen, den unterschiedlichen Landschaftsprofilen und den mannigfaltigen Nationalparks gegenüber. Die Blicke nach Japan vermehren sich, wie die Sehnsucht, die jenes ferne Land in uns erweckt. Auch in der Welt der Bücher und besonders in der Literatur häufen sich die Übersetzungen. Fritz Schumann fragt nun, wer Japan ist? Nicht was, sondern wer. Denn sein Blick geht tiefer als jener touristische Aufenthalt es wohl vermag. Er erzählt Geschichten von Menschen. Er zeigt ein Japan fern vom Üblichen und erweitert unseren Horizont über japanische Gesellschaft und Kultur. Auch wenn Japan lediglich ein Wunschtraum bleibt, eine Reise angedacht wird oder eigene Erinnerungen vorhanden sind, kann das Buch ein ganz anderes Weltbild erzeugen. Der Autor bewegt sich auch nicht nur auf den schönen Pfaden, sondern blickt ganz genau hin, hört zu und fragt nach.

Fritz Schumann ist ein Journalist aus Berlin und seit 2009 recherchiert und reist er oft über und in Japan. Seine Reportagen und Filme haben einige Preise erhalten. Auch in Japan hat er für Veränderungen, Gesprächsstoff gesorgt und sogar in einer Region den Tourismus verstärkt. Er ist somit nicht nur in unseren Medien ein gefragter Kenner der Materie, sondern auch schon mehrfach im japanischen Fernsehen aufgetreten.

Anhand der vorangestellten Karte erfahren wir, welche Orte er bereist hat, zu denen er uns nun literarisch mitnimmt. Diese sind in ganz Japan verstreut. Es sind Erinnerungen oder Berichte von seinen ganzen Japanreisen. Es sind Reisen zu verborgenen Orten und den dort lebenden Menschen. Wie jene jeweiligen Regionen sind auch die Menschen, die mit ihren Berichten, Aussagen und Lebensweisen die japanische Kultur gestalten. Dadurch sind die Betrachtungen alle authentisch, persönlich und jeder Reiseabschnitt ist ein Gewinn. Jede Reise, die Fritz Schumann machte, ist eine Suche nach Antworten. Dabei entdeckt er verlassene Regionen, zum Beispiel eine Waldheimat, wo fast alle Menschen dort weggezogen sind. Er trifft auf ein Tal voller Puppen, Puppen, die jene Leerstände mit Leben erfüllen. Jede Begegnung führt zu anderen. Jedes Treffen zeigt Lebensphilosophien, Probleme oder den alltäglichen Lebensumstand. Auch die Suche nach Glück kommt nicht zu kurz. Aber auch ein alter Giftgasskandal hat den Journalisten mehrfach beschäftigt. Somit wandern wir anhand der Kapitel durch unterschiedliche Welten Japans. Von den modernen Hochhäusern bis zu den jahrhundertealten Traditionsgebäuden. Es sind aber stets die Menschen, die uns begegnen und dem Autor ihre Geschichten überlassen haben. Menschen, die oft aus den Situationen das Beste herausbringen möchten. Die Schönheit, das Mystische und das Kritische vereinen sich hier spielerisch. Dabei sind die Texte nie gänzlich neutral, denn es sind Berichte von Japanern, die Fritz Schumann empfangen hat und durch seine Texte zu etwas Persönlichem gemacht hat. Kein oberflächliches Werk über Japan, sondern es sind Reiseberichte jenseits der üblichen Bilder.

Ein ungewöhnlich, schönes, bewegendes Buch. Die Texte werden durch großartiges Bildmaterial ergänzt. Näher und tiefer wird man Japan wohl nicht kommen können. Bücher sind Portale in andere Welten und dieses öffnet ein sehr reales. Eine lohnenswerte Reise nicht nur für Menschen wie mich, die nicht reisen können.

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Anne Sauer: „Im Leben nebenan“

Anne Sauer, bekannte Buchhändlerin und Moderatorin, hat nun ihren Debütroman geschrieben. Der Roman spielt mit „was wäre, wenn“ und stellt zwei Lebensentwürfe nebeneinander. Der Anfang erinnert an die Mysteryserie „Fringe“. Dabei geht es letztendlich um die eigenen Wünsche und um die Anforderungen des Lebens. Die Handlung baut sich szenisch auf und jeder Lebensentwurf hat seinen eigenen Handlungsstrang. Dies ist durch die linke oder rechte Kapitelnummerierung sofort zu erkennen. Beide stellen eine Frau in den Mittelpunkt, Toni oder Antonia. Die Kurzform, also Toni, hat etwas weniger Raum im Buch, weil sie ja auch Antonia ist, nur in ihrem Leben nebenan.

Toni glaubt als junge Frau fest an die Liebe, daran, dass es einen bestimmten Menschen im Leben gibt. Sie ist länger mit einem Freund Adam zusammen, mit dem sie sich anfänglich auch alles vorstellen kann. Doch verliert sich ihre Liebe im Alltag und sie beendet die Beziehung. Später trifft sie auf einem Festival Jakob. Beide leben später in der Großstadt und versuchen, ein Kind zu bekommen. Doch gelingt dies nicht. Sie ist eine Frau mit genauen Vorstellungen und Plänen. Doch der unerfüllte Kinderwunsch kommt ihr dazwischen. Ihre Lebensvorstellungen zerbröseln und es sind oft Kompromisse, die sie akzeptiert. Dabei beginnt sie, sich Fragen zu stellen.

Toni wacht eines Tages als Antonia auf. Eine ganz andere Version ihres bisherigen Lebens, aber mit der Wahrnehmung von Toni. Sie wacht mit einem Baby im Arm auf und hat noch Geburtsschmerzen. Sie lebt nicht in ihrer Stadtwohnung in der Großstadt, sondern in ihrer alten Heimat und ist mit ihrer Jugendliebe Adam verheiratet. Da sie sich nicht an das jetzige Leben mit Kind erinnern kann, attestieren ihr die Ärzte und die Familie Stilldemenz.

Wie erlebt Toni oder Antonia den plötzlichen neuen Lebensverlauf? Wie kam es dazu und was ist, wenn sie tatsächlich diese oder die andere Abzweigung im Leben genommen hätte? Wie verändern unsere täglichen Entscheidungen ein ganzes Leben? Anne Sauer geht diesen Fragen klug nach und erzeugt einen Raum, der zum Nachfühlen, Nachspüren und Nachdenken anregt. Mit viel Empathie zu den Charakteren und Neugier zu den existentiellen Lebensfragen hat Anne Sauer einen feinfühligen Roman geschrieben. Durch die wechselnden Lebensperspektiven baut sich eine Spannung auf, die uns förmlich durch das Buch treibt. Das Buch deutet an und verklingt dann doch unbestimmt, wer in seinem „richtigen“ Leben ist, Toni oder Antonia? Welches Leben wünschen wir uns und welches wird uns ermöglicht? Kann es darauf überhaupt eine endgütige Antwort geben?  Wie verlaufen unsere eigenen Vorstellungen neben den Erwartungen der Gesellschaft, dem Umfeld oder die der Partner an uns?  

Anne Sauer ist auch bei uns zu Gast auf Leseschatz-TV. Siehe YouTube:

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Jina Khayyer: „Im Herzen der Katze“

Dieses Buch belegt, warum Literatur so wichtig und großartig ist. Literatur geht weiter als jedes Sachbuch. Es verbindet Geschichte mit Emotionen und durch die Empathie verbinden wir uns mit den Ereignissen sowie Charakteren und ein emotionales Wissen und Weltverständnis bleibt in uns haften.

„Im Herzen der Katze“, weil Iran als geographische Kontur dem Bild einer Katze ähnelt. Aber auch, weil die Katze der Legende nach mehrere Leben haben soll. Es gibt mehrere Leben, die wir durch diese Lektüre erfahren. Das ganz intime, persönliche und das öffentliche.  Jenes, das hinter den Augen der Öffentlichkeit und den gesellschaftlichen Mauern gelebt und erlebt wird und jenes, was vor jenen Grenzen gelebt wird und erlaubt ist. Die geringen Freiheiten, besonders jene der Frauen, sind es, die sich hierbei auf eine unterschwellige Resignation oder Wut hinbewegen. Eine Willkür und Unterdrückung, die das kulturelle und genussvolle Leben unmöglich macht. Besonders das Leben der Frau wird dabei erschwert.  Mit einer literarischen und poetischen Intensität beschreibt der autofiktional anrührende Roman eine Familien- und Liebesgeschichte. Es geht dabei um Identität und um die Vorstellung von Zugehörigkeit und das Frausein wird mit voller Empathie und Emotion auf kluge Weise beleuchtet. Dies wird im Hinblick auf unterschiedliche Kulturen und  Nationalitäten beschrieben und immer ist es der Blick auf die allgemeine und persönliche Freiheit.

Anhand mehrerer Generationen iranischer Frauen beschreibt die Autorin die Geschichte von Exil, Unterdrückung, Freiheit und Emanzipation. Ein sinnlicher und kräftiger Roman, der so viel Wahres beschreibt, dass er uns sehr berührt und nachwirken wird.

Jina lebt in Frankreich. Es ist abends, als der Roman beginnt. Sie schaut sich die stets aktualisierenden Bilder und Beiträge auf Instagram an.  Die kurdische Iranerin Jina Mahsa Amini wurde von der iranischen Sittenpolizei ermordet. Die Sittenpolizei hielt sie zuvor an, angeblich wegen „unislamischer Kleidung“ und die spätere Todesursache ist auf die Polizeigewalt zurückzuführen. Diese Nachrichten rufen im Iran große Empörung wegen der täglichen Gewalt gegen Frauen und Minderheiten aus. Der Protest wird lauter und geht auf die Straße. Mädchen und Frauen, die zum Beispiel ihre Haare unverdeckt lassen, demonstrieren. Darunter auch die Schwester der Erzählerin, die mit der Verstorbenen den Vornamen teilt. Sie versucht durch die auf sie einfließenden Bilder das Gegenwärtige zu fassen und beginnt sich zu erinnern. Eine Reise in die Vergangenheit beginnt. Die jetzigen Ereignisse lassen sie an ihre damalige Reise in den Iran erinnern. Ihre Anreise und der Aufenthalt zeigen bereits die unterschiedlichen Lebensweisen. Jene, die verlangt und gezeigt wird und jene, die im Verborgenen einfach gelebt wird. Auch die Personen, die jene Gesetze aussprechen, nehmen sich persönlich viele Freiheiten heraus. Es sind die Begegnungen und das Zwischenmenschliche, die dieses Buch sehr lebendig werden lassen. Im Mittelpunkt steht der Besuch bei der Familie, die Gastfreundschaft der Menschen. Menschen, die heimlich feiern, die auf die Geschlechtertrennung zu achten haben, aber  dann alles Tanten und Cousinen werden, damit die Enge und Nähe selbstverständlich wird. Auch die Reise im Sammeltaxi unterliegt ganz eigenen Gesetzen. Dieser Roman ist eine tolle Reise in das Land, zu den Menschen und der laute Ruf nach Gleichheit und Freiheit. Als Auftakt sind es die Proteste, die zu Lebensveränderungen führten, die aus dem individuellen Ruf einen lauten Klang auf die Straßen trugen.

„Im Herzen der Katze“ erinnert an die Werke von Nassir Djafari oder Rasha Khayat. Ein intensives und spürbares Buch, das auch den Lebenswitz mit einbezieht. Ein sinnlicher Roman, der Mut zeigt und viele Gedankenprozesse anregt. Unbedingt lesenswert ist dieser Ruf und Kampf um die Freiheit. 

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Tatjana von der Beek: „Blaue Tage“

Ein Segelroman über die inneren Konflikte und den Mut, sich selbst zu finden und zu akzeptieren. Ein Roman, der die Segel bereits mit einer subtilen Unterschwelligkeit setzt und in eine Sinnkrise hineinmanövriert. Das Schiffsmotiv und die komprimierten Handlungsorte durch ein Segelboot sind nichts Neues, doch stets eine feine Möglichkeit für ein kulissenreiches Kammerspiel. Tatjana von der Beek baut die feinen Brüche langsam ein und baut diese kontinuierlich aus. Das erinnert an die Werke von Deborah Levy oder Yasmina Reza. Mit einer nicht aufbrausenden Emotionalität, sondern durch das Erkennen der eigenen Lebenslügen wird hierbei durch die Charakterisierungen und den Handlungsverlauf eine behutsame Spannung aufgebaut.

Gleich am Anfang zeigen sich eine Disharmonie und die Distanz. Ein gemeinsamer Urlaub in Griechenland ist geplant. Der Vater, der sich lange nicht um seine Töchter bemühte, lädt unerwartet ein. Ein Katamaran soll der Ort der Zusammenkunft sein. Eine Passage durch die Inselwelt soll die Familie wieder näherbringen. Doch was hat der Vater dazu bewegt, sich jetzt zu melden? Was möchte er seinen Töchtern mitteilen?  Es sind die Schwestern Leo und Emma, die zusammen mit ihren Lebenspartnern angereist kommen und auf das gecharterte Boot einschiffen. Leo erkennt gleich in ihrem Vater einen älteren Mann, den sie ohne familiäre Bindung wohl nicht mögen würde. Beide Schwestern eint auf den ersten Blick der bisher unerfüllte Kinderwunsch. Doch hat Leo gerade eine Karrieresprung vor sich und ein Kind würde zum jetzigen Zeitpunkt nicht passen. Ohne mit ihrem Partner zu sprechen, plant sie das gemeinsame Leben. Das Urlaubsmanöver scheint bereits bei der ersten Hafeneinfahrt zu kippen. Denn wie im Leben wirkt es, als hätten alle die Kontrolle über das Boot verloren. Eine Skipperin hilft und geht dann mit an Bord.

Auf der Reise kommt es zu Begegnungen mit den eigenen Wahrheiten, Sehnsüchten und verheimlichten Lebensinhalten. Durch das Verheimlichen, Belügen und die Konfrontation auf engstem Raum kommt es stets zu angespannten Stimmungen, die sich einen Weg suchen, um ans Licht zu kommen.

Ein passender Sommerroman voller mediterraner Hitze und flimmerndem Wasser. Dabei werden wir Zeugen von Lebens- und Sinnkrisen, die ganz subtil aus den Untiefen emporsteigen und einen festen Anker auswerfen.

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Nail Guillaume: „Man badet nicht in der Loire“

Es sind diese Momente, die wir verinnerlichen, die in sich die absolute Freiheit versprechen. Der erste Tag vor den Ferien oder jener Moment, vor dem wir stehen, wenn ein Wechsel bevorsteht oder eine Lebenssituation sich verändert, die mit voller Emotion und Lebensenergie beladen ist.

Guillaume Nail erzählt von diesen Momenten, die voller Kraft, Hoffnung und Unsicherheiten sind. Jene, die gefühlt alles beinhalten, aber uns auch alles nehmen können. In der Jugend steht uns gefühlt die Welt offen und alles ist möglich. Doch je weiter die Lebensenergie strömt, desto mehr wird uns diese Lebenskraft genommen. Es ist ein großartiger und feinfühliger Roman, der mit der puren Lebensfreude beginnt und dann einen Spannungsbogen aufbaut, der durch den Perspektivenwechsel ein Abenteuer über unsere persönlichen Grenzen aufzeigt. Grenzen, die durch uns, durch das Lebensumfeld und die äußeren Einflüsse gesetzt werden.

Es ist ein heißer Sommer in Frankreich. Es ist der letzte Augustnachmittag im Feriencamp. Es sind die letzten Momente in der Unbestimmtheit, in der wilden Selbstbestimmung der Jugend. Die Grenze zum Alltag rückt näher und ein letztes Aufbäumen vor dem Reglement ist das süße Versprechen der Freiheit. Ein Ausflug, ein Picknick an der Loire ist geplant. Mit der Gruppe und dem Bus geht es los. Doch vor dem eigentlichen Ziel kommt es zum Stopp. Die jugendliche Meute voller unbändiger Kraft, toleriert von den Erziehungsberechtigten, aber doch auch mit maßvollen Augen beobachtet, möchte etwas erleben. Jeder weiß, in der Loire geht man nicht baden. Wie ein mahnendes Sprichwort wird dies mahnend im Sprachgebrauch benutzt. Doch der Übermut und die äußere und innerliche Hitze verlangen das abkühlende Nass. In der Jugend verbirgt sich die Unsterblichkeit. Doch je mehr wir uns von der Jugendhaftigkeit entfernen, desto mehr gewinnen die äußeren Einflüsse. Freundschaft, unbändige Lebenskraft und die Einwirkung des Unbestimmten und des Umfeldes verändern unser Leben. Leben und Tod ist ein kindliches Spiel, ein Klang, der mit dem rotierenden Alltag immer an Bedeutung zunimmt.

Durch das Wechselspiel der Perspektiven ist diese Lektüre ein Lebensrausch, der fesselt. Ein Roman, der klug und wirklich gut geschrieben ist. Die Übersetzung aus dem Französischen stammt von Paul Sourzac. Der Autor hat vor und hinter der Kamera gestanden. Er ist Drehbuchautor und hat Kinder- und Jugendbücher geschrieben. „Man badet nicht in der Loire“ ist sein Debüt in der belletristischen Literatur. Der Roman ist sehr sinnlich und cineastisch komponiert. In zügigen Szenenwechseln erfassen wir die unbändigen Kräfte des Lebens. 

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Mirko Bonné: „Wege durch die Spiegel“

Die Bücher von Mirko Bonné sind immer ein Refugium und er zählt zu den bedeutendsten Stimmen der Gegenwartsliteratur, zumindest hier im Leseschatz. Mirko Bonné schreibt Lyrik und Romane und versteht es, seine Gedanken und Emotionen in Wortbildern einzufangen. Diese Gedanken und besonders die durch den Sprachklang eingefangenen Emotionen ergreifen uns beim Inhalieren der Zeilen. Es ist eine Lyrik, die uns fesselt, nachsinnen lässt und zu einer konstanten Wiederkehr einlädt. Die Gedichte sind zugänglich und verschließen sich nicht, sondern erzeugen eine Begeisterung, die dann vereinzelt wie unbemerkte Insektenstiche nachwirken. Aber dies im positiven Sinne, denn Lyrik erzeugt einen Nachklang, wie eine Erinnerung, um die es bei diesen Gedichten zuweilen auch geht.

Lyrik ist eine hohe Kunst der Literatur, denn sie verinnerlicht Gefühle und Gedanken. Dabei benutzt sie die Form, den Klang und die Reduktion, um das Wesentliche freizusetzen. Wie ein Bildhauer, der das eigentliche Werk aus dem Material befreien muss. Mirko Bonné überrascht stets und seine Sprache ist sinnlich. In seinen Romanen und seine Texten schwebt oft eine schöne Melancholie, die durch eine Heiterkeit getragen wird. Wir streifen mit ihm durch seine Gedanken, Geschichten und begleiten ihn auf seinen Spaziergängen, die durch Landschaften verlaufen oder in imaginäre Welten abzweigen. Er gibt der Stille einen Raum und seine Lieder, Balladen und Kurzgedichte berühren durch den erzeugten Resonanzraum. Dadurch wird das Persönliche, das er als Autor fixiert, bearbeitet und als Buch abgegeben hat, nun zu unseren persönlichen Texten. Der Weg durch den Spiegel muss auch stets am Ego vorbei, durch die Spiegelfläche und sich auslösend in der Umkehr wiederfinden.

Die Streifzüge durch die Landschaften und durch das Leben in dieser Lyrik haben etwas Bleibendes und entkräften die Vergänglichkeit. Mirko Bonné spürt nach, schaut genau hin und erzählt durch Verse und hält Momente fest, die Spuren hinterlassen. Aber welche Spuren bleiben von uns und welche Spuren hinterlässt die Geschichte in uns? Wir wandeln mit der Gedichtsammlung durch stets wiederkehrende Kurznachrichten aus der Unterwelt, zu Skorpionen, durch den Spiegel und drehen uns gegen den Uhrzeigersinn. Mirko Bonné ist Autor, Lyriker und Leser und somit verneigt er sich in seinen Zeilen vor vorgelebten Größen. Er betreibt Erinnerungsarbeit. Er benennt Kindheit und Geschichtsaufarbeitung oder die Verdrängung des vermeintlich abgelegten Schreckens. Das Positive im Leben ist dennoch stets ganz nahe. Manchmal ist es nur ein kurzer Moment, ein Blick, der wie ein Riss im Alltäglichen aufblitzt. So lebt auch diese Lyrik, die nicht schweigt, auch in der Stille und den Lücken. Alles ist bei Mirko Bonné bedeutungsvoll und doch nicht hochtrabend, sondern durch Schönheit zugänglich. Eine Dichtung, wie es im „Lied aus Allem“ heißt, die sich zurückzieht, tarnt, versteckt und sich aus dem Hinterhalt, aus Widerstand und Hoffnung zusammensetzt. Guter Lyrik entgeht nichts. Es liegt an uns, diese in uns zum Singen zu bringen. Dabei sind kleinste Betrachtungen, wie die von einem Insekt, hilfreich, das jene Poren erklimmt, die wir übersehen.

Es sind Wanderungen durch Landschaften und Gedankenspaziergänge. Lichtvolle Momente, die oft frankophil sind. Alle Texte verbinden sich zu einem Gesamtkunstwerk und wollen einzeln oder im Ganzen öfters aufgesucht werden. Ein wunderbares Spiegelportal aus Sprache und Kunst.

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S. Rayker: „Yay!There“

Ein Buch, das sich, wie der Hauptcharakter, nicht wirklich benennen lässt. Es ist ein Unterhaltungsroman, der aber diverse Gedankenanstöße bietet. Es liest sich zuweilen wie ein Jugendbuch, geht aber darüber weit hinaus und spricht eine weiträumige Zielgruppe an. S. Rayker ist das offene Pseudonym von Sonja Rüther und erneut verbindet sie in diesem Roman viele ihrer persönlichen Themen. Auf den ersten Blick ist es ein Musikroman. Musik spielt in ihren Werken immer eine besondere Rolle. Musik und Literatur sind Transporteure von emotionalem Wissen. Ein Wissen, das sich nicht sachlich, aber durch die Geschichte und die Empathie zu den Figuren in uns verankert. Gerade die Empathie ist der Motivator des Romans, denn es geht um das Anderssein dürfen, sich und andere so zu akzeptieren, wie sie sind. Egal, woher wir stammen, wie wir aussehen, wie wir uns kleiden oder wen oder was wir lieben. Toleranz und Empathie gehen gesellschaftlich verloren, dies kann durch beständiges Lesen verhindert werden. Dieses Buch ist dabei eine unterhaltsame Unterstützung. Sonja Rüther hat daher auch das Vorwort ihrer Tochter überlassen. Denn es geht viel um Ausgrenzung und Mobbing. Dies hat leider Norina Rüther, wie zu viele, in der Schulzeit erleben müssen. Mobbing trifft meist nicht Menschen, weil sie anders sind, sondern weil sie sich am wenigsten dagegen behaupten wollen oder mögen. Die Täter suchen sich stets jene, die am wenigsten Widerstand leisten.

Der 16-jährige Jay ist so jemand, der beständiger Schikane ausgesetzt ist. Sein Erscheinungsbild ist sehr androgyn und er weiß selbst nicht, wer er wirklich ist. Durch den Verlust seiner Mutter ist er noch introvertierter und trauert mit einer stillen Wut. Einen seiner Peiniger hat er gestoßen und dieser liegt nun im Krankenhaus. Es gab keine wirkliche Auseinandersetzung, warum Jay so reagierte, keine Diskussion wurde seitens des Internats in den USA, auf das er ging, geführt, denn er flog von der Schule. Sein Vater ist für die Sicherheit anderer, meist Promis, zuständig und stets global unterwegs. Jetzt muss er sich um Jay kümmern. Gerade jetzt, wo er für die Sicherheit der K-Pop-Gruppe Yay!There zuständig ist, die weltweit eine großes mediales Interesse erzeugt. Jay distanziert sich von den Massenereignissen und flüchtet sich in seine eigene Welt, die er anhand von Bildern, Skizzen und Mangazeichnungen fixiert. Sein Vater hat sich nie wirklich um ihn gekümmert und somit fällt es beiden schwer, den anderen jeweils zu verstehen. Besonders nicht, weil da noch Jane ist, mit der sein Vater bereits länger ein Verhältnis zu haben scheint. Führt sein Vater somit auch zwei Leben? Gleich wie Jay, der stets zwischen den Welten schwebt, ohne sich zu einer gänzlich hingezogen zu fühlen? Gibt es einen Zwischenraum, der ihm bisher verborgen blieb?

Jay wird auf der Tournee von Yay!There ein Teil des ganzen Teams. Er versucht sich bedeckt zu halten, verursacht aber gerade dadurch oft Probleme und versteht es auch in Folge, die Presse und die Fans auf sich aufmerksam zu machen. Schnell wird er als jener brutale Schläger erkannt, der von der Schule geflogen ist. Dies kann für das Image der Boyband schwierig werden und das Management setzt nun enormen Druck auf ihn und seinen Vater aus. Gerade Jane ist es, die sich oft für Jay verantwortlich fühlt und somit kommen beide sich zwangsweise näher. Auch mit der Band, die ihn in ihrer Mitte während der wenigen freien Stunden integrieren. Besonders Yi-jun, der von den Fans die meisten Bewunderer hat, sucht Jays Nähe. Dabei hat Jay bisher zu dieser Art von Musik keinen Zugang gefunden. Doch immer mehr findet er ein Gehör für die Musik und für die Stimmungen seines Umfeldes. Sein Plan ist es dennoch, sobald die Tournee in Paris angekommen ist, dort ein neues Leben anzufangen. Yi-jun, der charismatische und ebenfalls androgyne Sänger bleibt aber ein beständiger Begleiter von Jay und möchte mehr erfahren und ziemlich zügig erfährt Jay auch, warum.

S. Rayker, d.h. Sonja Rüther, versteht es, spielerisch die großen Themen zu verpacken. Sie benutzt eine Alltagssprache, um Authentizität zu erzeugen. Dies gelingt ihr sofort, denn die Charakterzeichnungen sind sehr plastisch und durch die Szenen erhält die Handlung immer mehr Komplexität. Dies ist mit den Romanen von Stephen King zu vergleichen, der mit seinem literarischen Handwerk sofort Bindungen zu  den Figuren und der Handlung erzeugt. Sonja Rüther schreibt begeistert über Musik, wie in ihren Werken oft. Es ist keine besondere Zuwendung zu einer Musikrichtung nötig, um die Hingabe nachzuvollziehen. Es sind dann ihre Themen, die sie beflügeln. Es geht um Mobbing, um das Ausbrechen aus gesellschaftlichen Klischees und um das Finden seiner Rolle im Leben, ohne eine vorbestimmte erfüllen zu müssen. Es geht besonders in diesem Roman um Anerkennung, Akzeptanz und Empathie. Die Illustrationen im Buch stammen ebenfalls von Sonja Rüther.

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Theres Essmann: „Schwarzer Schwan“

Ein musikalisches, kleines Werk, das schön erzählt ist. Es sind zwei gescheiterte Lebensläufe, die zueinander finden und sich ergänzen. Es ist eine Neuausgabe der 2020 erschienenen Novelle „Federico Temperini“ – siehe meine damalige Besprechung auf leseschatz.com.

Der Ich-Erzähler ist Jürgen Krause. Er hadert mit seinem beruflichen und privaten Lebenslauf und ist Taxifahrer in Köln. Seine Ehe ist gescheitert und eine seiner größten Sorgen ist, dass sein Sohn, Leo, sich mehr zu dem neuen Lebenspartner seiner Exfrau hingezogen fühlen könnte, als zu ihm, dem eigentlichen Vater. Eines Tages erhält er einen knappen und bestimmten Anruf von Federico Temperini, der ihn als Fahrer, fast schon als Chauffeur, buchen möchte. Federico Temperini zahlt für den ganzen Abend und möchte lediglich zur Philharmonie gefahren werden. Jürgen Krause soll draußen warten, denn es ist ungewiss, ob der Fahrgast bereits vor Ende des Konzertes heimgefahren werden möchte. Federico Temperini bucht immer wieder diese Fahrten. Die Annäherung der unterschiedlichen Männer geschieht tänzelnd. Oft sind es die wortkargen Kritiken, die Temperini zu dem soeben gehörten Konzert zum Besten gibt. Doch sind diese stets von einer sachlichen Präzision. Wer ist dieser sonderliche und mystisch wirkende Fahrgast?

Der Vater von Jürgen Krause war Chauffeur und hatte viele Berühmtheiten gefahren. Auch Eric Clapton, dessen Biografie Jürgen Krause gerade liest. Nun wird er durch Temperini erstmalig mit der klassischen Musik in Berührung gebracht. Die Neugierde wächst, auch weil immer wieder das Gespräch auf Niccolò Paganini gelenkt wird. So ist Krauses derzeitiges gehörtes Saitenwunder Clapton berühmt durch seine ruhige, langsame Spielkunst auf der Gitarre. Dagegen wurde Paganini, der berühmte Geigenvirtuose, bereits zu Lebzeiten durch seine ekstatische und brillante, ausufernde Spieltechnik zur Legende. Die Gitarre und die Geige sind zwei Bilder dieser beiden unterschiedlichen Männer, die sich durch die Taxifahrten und gemeinsame Spaziergänge anfreunden.

Hier trifft das Vergangene auf die Moderne. Immer mehr bekommt Krause von Temperini Informationen über das Leben von Paganini in Form von diversen Dokumenten zugespielt. Krause erhält somit gedruckte Medien anstelle von Internetinformationen. Er, der ständig in Köln mit dem Wagen unterwegs ist, kauft auch selbst noch lieber im Internet als im Handel. Er nutzt oft das Telefon, ohne mit den Menschen wirklich zu reden. Dies wird ihm langsam immer bewusster. Er erfährt immer mehr über Federico Temperini und dessen Handverletzung, die er beständig zu kaschieren versucht. Bis Temperini plötzlich bei einer gebuchten Fahrt nicht auftaucht…

Es geht um Verlust, Freundschaft und Anerkennung. Der Text ist eine kleine Bühne für einen Moment des Stillhaltens und der Betrachtung des Gegenwärtigen.

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Ben Shattuck: „Die Geschichte des Klangs“

Der Klang des Lebens erklingt meist in der Stille, wenn die Töne innehalten und uns Raum geben, diesen nachzuspüren. „Die Geschichte des Klangs“ besteht aus zwei Kurzgeschichten, Kapiteln, die sich wie ein jeweiliger Akt miteinander verbinden und einen Gleichklang erzeugen, der Raum und Zeit verbindet. Dieses kleine Buch ist ein Meisterwerk der Verknappung, das aber durch die Reduktion einen enormen Klangraum erzeugt, der uns emotional sehr berührt. Aus dem Englischen wurde es übersetzt von Dirk van Gunsteren.

Die beiden verwobenen Kapitel erzählen Handlungen, die durch Musik getragen werden. Musik als Erweiterung der Geschichte. Lieder sind Erzählungen, die in einer Komprimierung der Sprache, Rhythmus und Melodie uns durch dadurch erzeugte Emotionalität reisen lassen. Diesen Kunstgriff verwendet auch das Buch von Ben Shattuck und erzeugt einen Klang, der uns still, aber innerlich laut berührt.

Es ist April 1984 und der Arzt von Lionel sagt, er solle, um der Schlaflosigkeit zu entkommen, seine Geschichte aufschreiben, die 1916 begann. Er hat ein Paket von einer ihm unbekannten Frau erhalten. Diese Frau ist Annie, wie sich in Folge herausstellen wird. Er hat drei Bücher über amerikanische Folkmusik geschrieben und somit ihre Aufmerksamkeit erlangt. Sie bewundert seine Arbeit. Sie hat ein Haus gekauft und beim Aufräumen fünfundzwanzig Wachswalzen für Phonographen gefunden, die einen Bezug zu Lionel haben. Er war Siebzehn, als er 1916 David kennenlernte. Er war im ersten Semester am New England Conservatory, als er in einer Bar David am Klavier beobachtete. David sammelt Lieder und spielt Songs, die auch Lionel kennt. David ist musikalisch sehr begabt und kann alles, lediglich einmal gehört, sofort erfassen und spielen. Lionel wiederum hat das perfekte Gehör und ist mit einer schönen Singstimme gesegnet. Beide verlieben sich und erleben miteinander die erste große Liebe. Diese wird durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen. Nach dem Krieg, den David an der Front erlebt hat, bekommt Lionel von ihm eine Einladung, ihn einen Sommer zu begleiten. Sie wollen durch die Natur wandern und dabei Volkslieder sammeln und diese mit Hilfe eines Phonographen festhalten. Nach dieser Wanderung bricht der Kontakt ab und Jahre später, als die Wachszylinder auftauchten, erklingt die Erinnerung und die Liebe erneut. Annie ist es, die jenen Fund gemacht hat. Sie ist ebenfalls auf der Suche nach ihrem Klang des Lebens. Ihre Sehnsucht und Zweifel erhalten im zweiten Teil des Romans ihre Zuwendung und Tiefe.

Ein Text, der mit einer Zartheit die Bedeutung des Lebens und der Liebe in uns zum Erklingen bringt. Dieser kurze Text ist bis ins Kleinste komponiert. Die Wirkungskraft der Musik und Kunst ist eng mit unseren Gefühlen verbunden und das lässt uns das Buch auf jeder Seite spüren. Ein Text, der sich nicht aufdrängt, aber der in uns eindringt und über Verlust, Liebe und Lebensmomente erzählt, die stets diverse Möglichkeiten bereithalten. Ein kleines, wunderbares Meisterwerk.    

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Mareike Krügel: „Inseltage mit Rosa“

Mareike Krügel schreibt für Erwachsene und Kinder. Sie lebt mit ihrer Familie mit Hühnern und Hunden in Schleswig-Holstein. Die Werke von ihr und ihrem Mann, Jan Christophersen, begeistern und wandern stets zu unseren Leseschätzen.

„Inseltage mit Rosa“ ist ein Buch über Freundschaft, Trauer, Verlust und über den Raum, der sich öffnet, wenn wir es lernen loszulassen. Wohl das emotionalste Jugendbuch (ab 9 Jahre) von ihr bisher. Die Illustrationen stammen von Anna Schilling.

Lila lebt oft in ihrer Phantasie und zieht sich in ihre Welt zurück. Diese Innenschau ist eine geschützte Isolierung und somit wird ihre Welt zu einer Insel. Eine Insel, die sie aber tatsächlich besucht, denn ihr Vater, der sie allein erzieht, muß beruflich weiter und bringt Lila, eigentlich Linnea, zu ihrer Großmutter, die mit ihrer Lebensgefährtin eine Schäreninsel mit einer kleinen Hütte hat. Die Freundin der Oma lebt neuerdings in einem Pflegeheim und Mu, Linneas Großmutter, hat die Insel bisher gemieden. Doch nun wollen sie gemeinsam dort ein Wochenende verbringen.

Linnea wurde von ihrer besten Freundin Lila genannt. Mit dieser Freundin hat sie sich damals bei einer Sternschnuppe gewünscht, dass sie sich gegenseitig immer finden, sollten sie sich einmal verlieren. Dies ist passiert, Rosa, die Freundin ist weg, verschwunden, etwas Furchtbares ist passiert. Seitdem ist Lila traurig und schweigsam. Bei Mu, der dichtenden Großmutter, soll sie auftauen und in der abgeschiedenen Natur Trost finden. Als sie dort ankommt und Mu sich ausruht, erkundet Lila die Insel und ruft Rosa, die auch sofort auftaucht. Rosa und sie verbringen in wenigen Stunden in der Phantasie Wochen bis das tatsächliche Leben Lila ruft. Immer wieder ist Rosa da, wenn Lila einsam ist. Aber es ist stets das Leben, das sie auf die Realität der Insel zurückruft. Zum Beispiel eine Möwe, die sie mit Brot gefüttert hatte und die sich später den Flügel verletzt und bei Lila und Mu Unterschlupf erhält. Als ein Sturm aufkommt, der Mu und Lila an die Insel fesselt, wird aus der realen Einsamkeit mehr als nur Mau-Mau-Spielen. Sie malen und dichten und finden im Nebel zueinander, bis Rosa, die nur noch eine imaginäre Freundin ist, immer mehr aus der wirklichen Welt verschwindet. Lila muss lernen loszulassen. Loslassen von Rosa, deren Schicksal langsam erzählt wird und von der Möwe, die ebenfalls ihre eigenen Flugbahnen finden muss.

Die Insel wird zu einem Zufluchtsort voller Wunder. Sofort lernen wir die Figuren lieben und leiden, lachen und erleben alles fühlbar mit. Ein wunderbares Kinderbuch, das auch große Menschen begeistern wird.

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