Dennis Lehane: „Der Abgrund in dir“

Dennis Lehane Der Abgrund in Dir Diogenes

Dennis Lehane zählt für mich zu einem der besten Autoren für gut gemachte Spannungsromane. Besonders seine Charakterisierungen sind herausragend. Mit wenigen Skizzen werden die Figuren plastisch und im Leser sehr lebendig. Seine Romane sind Psychothriller oder Mafiaromane, die auch schon oft verfilmt wurden (u.a. „Mystic River“, „Shutter Island“, „Thr Drop“ und „Live by Night“). Ferner hat Lehane für drei Episoden der Serie „The Wire“ die Drehbücher geschrieben.

„Der Abgrund in Dir“ lebt,  wie in Lehanes Werken üblich, vom Aufbau der komplexen Charaktere und die Spannung wird regelrecht ab der Mitte des Buches angezogen. Bis dahin ist es ein literarischer Text, der lediglich durch den Prolog den Hinweis auf den eigentlichen Thriller gibt. Die Heldin ist voller Ängste und Zweifel und verheddert sich in ihrer Karriere als Journalistin. Nebenbei ist sie stets auf der Suche nach ihrem Vater und findet dabei Unterstützung von einem Mann, der sich anfänglich im Hintergrund hält, sich dann aber immer mehr zeigt und es zu einer Liebesgeschichte kommt. Hass geboren aus Unwissenheit und Liebe liegen nah beieinander und können jenem, der es fühlt, den Magen umdrehen. Denn gleich der erste Satz im Roman lautet: „An einem Dienstag im Mai, im Alter von sechsunddreißig Jahren, erschoss Rachel ihren Mann.“ Der Spannungsbogen ist somit gleich im Anfang aufgebaut, denn warum macht Rachel dies und was oder wer hat sie zu diesem Mord getrieben?

Rachel Childs wurde in West-Massachusetts geboren. Sie wächst in einer Welt der Cafés und Frühstückpensionen auf, die sich immer mehr in Bars und Kneipen verwandeln. Oft blickt Rachel auf einem Barhocker sitzend in den gegenüberliegenden Spiegel und sieht sich selbst vis-à-vis. Sie wandert gedanklich zurück und sieht letztendlich in die Augen ihrer Eltern im eigenen Spiegelbild. Ihr Vater heißt James, hat dunkles gewelltes Haar und ist oder war als Lehrer tätig. Sonst weiß sie nichts über ihn. Ihre Mutter schweigt sich aus. Zu Rachels eigenem Schutz, wie sie behauptet. Die Mutter lebt ein fast schon scheinheilig zu nennendes Leben, denn sie hat einen psychologischen Ratgeber geschrieben, der ein Bestseller wurde, an den sie sich selbst aber nicht gänzlich halten mag. Rachel ist durch den fehlenden Vater von Verlustängsten geplagt, die durch den tragischen und tödlichen Unfall der Mutter verstärkt werden. Sie setzt alles daran, ihren Vater zu finden. Sie sucht eine Detektivkanzlei auf und lernt Brian kennen. Brian macht ihr wegen den sehr geringen Angaben, die sie über ihren Vater zu berichten weiß, wenig Hoffnung. Er rät ihr auch von einer beauftragten Suche durch eine Kanzlei ab, die letztendlich nur Geld kosten würde, aber den Vater wohl niemals ausfindig machen würde.

Rachel ist als Journalistin tätig und bekommt die Chance für die großen Fernsehsender tätig zu werden. Als sie eine Reportage auf Haiti drehen soll, vermasselt sie die erste und auch die zweite Chance, die ihr die Sender gegeben haben, durch ihre ersten öffentlichen Panikattacken. Auch ihre erste Ehe scheitert an ihrer inneren Zerrissenheit. Sie bekommt stets seelischen Beistand durch die Schreiben von Brian, den sie für die Suche nach ihrem Vater kontaktiert hatte. Als es zu einem wohl nicht ganz zufälligen Treffen kommt, entsteht eine starke Verbundenheit und sie heiraten. Nun hat Rachel eigentlich alles, was sie sich erträumt hatte. Einen liebevollen Ehemann, ein gutgestelltes Leben und ihre Panikattacken werden immer weniger. Doch bleibt die Angst vor dem Verlust und die Furcht, verlassen zu werden. Brian ist ein guter Ehemann, ein Freund und ein guter Zuhörer. Doch was weiß Rachel von ihm? Brian, der mit seiner Familie gebrochen zu haben scheint, aber das Familienunternehmen führt, ist oft dienstlich unterwegs. Als er in London sein sollte, meint Rachel ihn aber in der Stadt gesehen zu haben. Ein Doppelgänger oder ist er es und belügt er sie? Sie beginnt Fragen zu stellen und ihr Leben wird erneut eine Farce aus Lügen und Betrug.

Ein Roman, der durch seine vielschichtigen Figuren und die Stimmung lebt. Die Spannung wird ganz langsam aufgebaut und steigert sich ab der Mitte immer mehr. Vorher nimmt Lehane sich die Zeit, um seine Figuren und die Handlung weitreichend aufzubauen. Ab und zu blitzen Erinnerungen an seine anderen Werke auf. Die Dunkelheit in der Psyche geht einher mit den Beschreibungen der dämmrigen und verregneten Umgebungen. Wohl der langatmigste Lehane, der mehr auf den Figuren, dem Setting und der Geschichte aufbaut als auf Action und pure Spannung.

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Juan Gabriel Vásquez: „Die Gestalt der Ruinen“

Juan Gabriel Vásquez Die Gestalt der Ruinen Schöffling

Ein Roman, für den man Zeit benötigt, der aber vieles in sich vereint und sehr spannend und lehrreich zu lesen ist. Gleich den Romanen „Macht und Widerstand“ von Ilija Trojanow, „Sie kam aus Mariupol“ von Natascha Wodin oder „Augustus“ von John Williams wurden hier Realität, Geschichte und Literatur vermischt, um daraus ein großes Werk zu erschaffen. Gleich Trojanow und Wodin bedient sich Vásquez der Wirklichkeit anhand von zum Beispiel Dokumenten und realen Episoden, die er in den Text einfließen lässt. Vásquez, der auch selbst als literarische Figur in „Die Gestalt der Ruinen“ auftaucht, überlässt es den Lesern, die Übereinstimmung mit dem Werk und dem realen Leben in eigener Verantwortung zu suchen und zu finden.

Vásquez versteht es erneut, fast schon einen Politthriller in sein komplexes Werk einzubetten. Gleich seinem Vorgänger „Das Geräusch der Dinge beim Fallen“ ist die Handlung tief mit der Geschichte Kolumbiens verknüpft. „Das Geräusch der Dinge beim Fallen“ schildert ein packendes Panorama über die schmutzige Geschichte des Landes, den berüchtigten Drogenhandel und die endlose Gewalt der 90er Jahre. Mit „Die Gestalt der Ruinen“ wird der Mord am aussichtsreichen Kandidaten für die anstehenden Präsidentschaftswahlen im Jahr 1948 zentralisiert.

Jorge Eliécer Gaitán hatte sich als Anwalt einen Namen gemacht. Viele sahen in ihm eine große Hoffnung für Kolumbien, als er für die anstehenden Präsidentschaftswahlen kandidierte. Er hatte in der Unterschicht ein großes Ansehen, da es so wirkte, als könne er die Armut erfolgreich bekämpfen. Am 9. April 1948 wurde Gaitán von einem Attentäter erschossen. Danach kam es im Land zu großen Unruhen und stürzte Kolumbien in eine bis heute anhaltende Krise.

Juan Gabriel Vásquez beschreibt in seinem Roman das 20. Jahrhundert Kolumbiens. Die Hauptfigur ist er selbst als sein literarisches Abbild. Der Roman beginnt mit dem Versuch den Anzug Gaitáns aus einem Museum zu stehlen. Es ist der Anzug, den der Politiker am Tag seiner Ermordung getragen hatte. Carlos Carballo, der den Versuch unternommen hatte, den Anzug an sich zu bringen, ist ein seltsamer Mann, der nun durch diesen merkwürdigen Museumsbeuch für Schlagzeilen sorgt. Warum hat er den Anzug entwenden wollen? Hinter seiner Tat verbirgt sich seine Überzeugung von einer Verschwörung. Er ist fast wie besessen von seiner Suche nach der Wahrheit hinter der Ermordung Gaitáns, die Parallelen zum Attentat auf John F. Kennedy aufweist. Vásquez ist mit Carballo bekannt, der den Autoren dazu bringt, sich ebenfalls den Geschehnissen zu widmen. Durch die Recherchen zu diesen und weiteren Attentaten vermischen sich Geschichte, Verschwörungstheorien und Literatur.

Ist Geschichte ein Produkt von Zufällen? Obliegt diese stets der eigenen Interpretation und Deutung von Ereignissen? Ist die politische und menschliche Entwicklung eine Kette von irrationalen Taten, zufälligen Ereignissen und unvorhersehbaren Möglichkeiten? Oder ist die Geschichte ein gesteuerter Schau- und Spielplatz voller Schatten und unsichtbarer Hände?

Der Roman ist komplex, vielschichtig und großartig geschrieben. Selten ist ein Roman, der geschichtliches Wissen vermittelt, gleichzeitig so spannend und anspruchsvoll geschrieben. Es ist wohl Vásquez bisheriges Hauptwerk, denn er hat viele Jahre an diesem Buch gearbeitet und auch viel von seinem Wissen und Leben eingearbeitet. Ferner lebt der Text von den Bezügen und Zitaten aus der Welt der Literatur. Ein zeitaufwendiges Leseerlebnis, das die Realität und Wahrheit durch die Kunst der Literatur beleuchtet.

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Buchblog-Award: BUBLA18-FINALIST: LESESCHATZ

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#BUBLA18 – LESESCHATZ IST UNTER DEN FINALISTEN

Danke an alle, die mich nominiert haben! Ich freue mich unglaublich, denn mein Leseschatz hat es in die Kategorie „Allesleser“ geschafft. Aus einer Anzahl von ~700 Buchblogs bin ich nun einer der nominierten Finalisten!

Ich danke allen, die mir Ihre Stimme gegeben haben, also mögen, was ich in und für die Welt der Bücher so mache! Danke, danke, danke! Ich bin wirklich etwas sprachlos und kann meine Freude nicht wirklich fassen…

45 Blogs stehen im Finale des Buchblog-Award 2018!  #BUBLA18 – DIE FINALISTEN

„Hier stellen wir Euch Hauke vor, der mit seinem Blog Leseschatz in der Kategorie Allesleser nominiert ist.“  BUBLA18-FINALIST: LESESCHATZ

Danke an das Buchblog-Award-Team, an alle, die mich lesen, die für mich die Daumen drücken

Danke und herzliche Grüße aus der Buchhandlung Almut Schmidt, Ihr und Euer Hauke

 

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Néhémy Pierre-Dahomey: „Die Zurückgekehrten“

Pierre-Dahomey Die Zurückgekehrten Nautilus

Ein Roman über Menschen, deren Flucht scheitert, die in einer äußeren Siedlung auf Haiti stranden und deren Tochter ein besseres Leben in Frankreich winkt, die aber ebenfalls Jahre später auch zurückkehren wird.

Der Autor Néhémy Pierre-Dahomey wurde in Port-au-Prince auf Haiti geboren und lebt in Paris. Dies ist sein Debütroman, der unter dem Titel: „Rapatriés“ in Frankreich mehrfach ausgezeichnet wurde. Es ist die bewegende Geschichte von Belliquese Loussaint, die Belli genannt wird und ein ärmliches Leben führt. Sie möchte, wie viele andere, der Armut entkommen und fliehen. Doch die Schiffspassage Richtung USA endet in einer Katastrophe. Die Menge der Flüchtlinge auf dem Boot konnte noch durch zähe Verhandlungen seitens des Kapitäns minimiert werden, doch durch starken Gegenwind gerät das unzuverlässige Boot außer Kontrolle. Als nur noch die Brücke des Schiffes so tut, als könnte sie den Wellen trotzen, verliert Belli ihren Sohn in den Fluten. Diese illegale Überfahrt endet mit einem gescheiterten Schiffbruch und der Rückkehr nach Haiti. Sie findet eine Unterbringung in Rapatriés, einer Siedling am äußersten Rand von Port-au-Prince. Hier stranden alle Gescheiterten. So auch Belli mit ihrem Gefährten Néné und ihren verbliebenen Kindern.

Belli versucht in ihrem Unglück, etwas Neues für sich und die Kinder zu erschaffen. Doch ist sie in diesem Elendsviertel fast auf sich allein gestellt, denn ihr Mann, Néné, ist alles andere als zuverlässig und treu. Die Tochter Marline stirbt an Tuberkulose und entfacht eine familiäre Katastrophe und seelische Leere. Belli erhofft sich später für ihre beiden Töchter, Belial und Luciole, eine bessere Zukunft und gibt sie in eine Kinderkrippe und auch zur Adoption frei. Belial, das Mädchen, das längere Zeit namenlos war und sich selbst den Namen gegeben hat, der bei vielen durch einen möglichen dämonischen und biblischen Bezug verstörend wirkt, wird von ihrer neuen Mutter nach Frankreich mitgenommen. Luciole kommt in Nordamerika zu einer neuen Familie.

Als junge Frau wird Belial nach Haiti zurückkehren und ihre Mutter suchen, die ebenfalls versucht hatte sie aufzufinden. Doch die Zeit hat vieles verändert und die Schicksale mehrfach herausgefordert.

Ein Roman über eines der ärmsten Länder dieser Welt.  Es ist die Geschichte von Einzelschicksalen, die für vieles Leid auf dieser Welt stehen. Die Not, die Entbehrungen, das Scheitern auf der Flucht und die Not dieser Familien stehen im Mittelpunkt dieses vielschichtigen Romans. Ein wahrer, schmerzvoller und tiefgründiger Roman, der trotz der Schwere auch eine Leichtigkeit in sich birgt. Ein kraftvoller und wichtiger Text, der hoffentlich dazu beiträgt, unsere Welt in eine bessere zu verwandeln.

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Maruan Paschen: „Weihnachten“

Maruan Paschen Weihnachten Matthes Seitz

Warten auf Weihnachten. Ist das ersehnte Fest endlich da, wartet man auf die Bescherung, die meistens nach dem Festschmaus zelebriert wird. Nach dem Auspacken (hoffentlich ein Buch!) freut man sich schon auf die Geschenke im kommenden Jahr. Jede Familie hat zu diesem großen Festtag ihre eigene Tradition entwickelt, die über Jahre hinweg gepflegt wird. Die Paschens treffen sich zum gemeinsamen Fondue-Essen. Gleich dem Reiz dieses Essens, werden genussvoll die verschiedenen Charaktere, Handlungen und literarischen Gattungen auf den Tisch gedeckt und mit vielen leckeren, süßen und scharfen Saucen gewürzt. Die Beilagen sind gleich den Ideen und Metaphern sättigend, aber stets verführerisch und man nascht immer weiter.

Der Beginn ist ein Autokonvoi durch die norddeutsche Winterlandschaft. Das Ziel ist ein See, um dort gemeinsam zu feiern. Es sind die fünf Onkel, die Mutter und der erzählende Sohn. Der Ich-Erzähler ist Maruan Paschen. Auch wenn es der Lebensraum und der Name des Autors ist, beginnt man als Leser doch an einer autobiografischen Erzählung zu zweifeln. Es ist ein moderner Familienroman.  Etwas wirr und die Erzwählweise verlässt viele übliche Rahmen. Aber gerade das ist der größte Reiz an diesem Text. Der Erzähler erzählt die Handlung einem Dr. Gänsehaupt während einer Therapiesitzung. Im Verlauf dieses Gespräches erfährt man auch ziemlich am Anfang, dass am Ende der Weihnachtsfeierlichkeiten seine ganze Familie tot sein wird.

Das Familienfest nimmt seinen unterhaltsamen Verlauf. Dieser Verlauf ist ironisch, bizarr, tiefgängig und komisch. Immer steht im Vordergrund das, was eine Familie mindestens an Weihnachten zusammenhält. Wenn dies nicht gelingen sollte, könnten Fesseln hilfreich sein. So wird auch das Fondue bei den Paschens stets in Handschellen zu sich genommen. Dies kann natürlich auch, sofern man in jungen Jahren Mädchen, d.h. Frauen, kennenlernen möchte, verstörend wirken, wenn man dies als selbstverständliche Weihnachtstradition ansieht und darüber erzählt. So drehen sich die Gespräche am Esstisch um das Erlebte und man erfährt immer mehr aus den verschiedenen Perspektiven und den jeweiligen Leben. Der Weihnachtsbaumklau, die wenige Minuten andauernde Liebesbeziehung in einem Kaufhaus, Onkel Tarzan, der zu allem eine Meinung hat und diese vehement vertritt. Die Krankheit der Mutter und viele weitere Anekdoten. Die Fragen des täglichen Lebens und Miteinanders werden beleuchtet. Das Treffen der Generationen, nicht nur innerhalb der Familie, wird wie folgt beschrieben: Heute kennt jeder den Preis, aber nicht mehr den Wert einer Sache. Auch die Schnelllebigkeit und das globale Reisen werden anhand von Goethes Reiseverhalten kommentiert.

Mit dem weiteren Verlauf wird das Tischtuch wohl gleich dem Handlungsstrang immer bunter. Dabei ist es kein reiner humoristischer Roman, sondern ein kluger Text mit aberwitzigen Ideen und Formulierungen.  Ein Buch, das unterhält und unglaublichen Spaß macht. Man fragt sich auch immer mehr nach dem Kern einer Wahrheit des Erzählers. Wer ist Dr. Gänsehaupt wirklich, gibt es ihn und die Familie überhaupt? Wie kommt es zu der angekündigten Auslöschung der Familie und was ist überhaupt mit dem Vater des Erzählers? Diese Unklarheiten bilden den Spannungsbogen über diesen mäandernden, aber nie zu sehr überbordenden Roman. Ein Roman und sein Autor, der sich überall seine Freiheiten nimmt, die man sich nur auf dem Papier nehmen kann. Das Absurde und Nebensächliche macht Weihnachten zu einem Fest, das gerne täglich so gefeiert werden dürfte.

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Heinz Strunk: „Das Teemännchen“

Heinz Strunk Das Teemännchen Rowohlt

Heinz Strunk öffnet kleine Welten, mal sind es nur wenige Sätze, meistens nur ganz wenige Seiten, aber alle Erzählungen eint die sofortige Präsentation der Figuren und die typischen Themenkomplexe des Autors. Meist sind es Helden, die keine sind, es sind gestrandete Individuen in der Gesellschaft. Geschichten, die berühren, erschrecken, erschauern, und sogar kichern lassen. Heinz Strunk erzählt genau auf den Punkt. Nie schmückt er seine Texte aus oder bläst seine Ideen mit falschem Ballast auf. Er versteht es, den Figuren mit ganz kurzen Skizzen ein Gesicht zu geben. Wenn man den Autor und Musiker Strunk kennt, hört man ihn beim Lesen in jeder Zeile heraus, denn er verblümt nichts, sondern schreibt, wie er selbst redet und erzählt. Diese Sammlung ist ein Stück mehr Literatur geworden. Wieder ein Stück mehr beweist Heinz Strunk sein meisterhaftes Erzähltalent. Seine Geschichten sind alle pointiert, absurd, brutal, düster und auch oft sehr witzig. Einiges ist gleich „Der goldene Handschuh“ perfide, gemein und brutal. Anderes zeigt die Menschen, die wir auch bereits durch „Jürgen“ erleben durften. Es sind Randerscheinungen, die durch die Masse kein Einzelfall mehr bleiben.

Wir erleben den Weltstar Axl Rose, der mit gebrochenem Bein ein Konzert mit AC/DC gegeben hat und nicht mit der Band ins Hotel zurückfährt, sondern mit seinen Bodyguards in einer Kneipe auf dem Hamburger Kiez versackt. Ein Star, der nicht erkannt werden möchte, es ihn aber auch nervt, nicht erkannt zu werden und die trinklaunige Stimmung in der Bar die Anwesenheit des Weltstars immer mehr überspielt. Weiter erleben wir herrlich Verrückte, die den Einkauf von Tiefkühlfertiggerichten, besonders Nasi Goreng, erschweren. Die Nacht wird bei den Schläferleins mit verbalen Liebesbekundungen kurzweilig unterbrochen. Der versehentlichen Entwendung einer Entspannungsmaske folgt ein umständliches Schreiben. Ein Mann, der den Besuch bei Nutten gerne in die Vormittagsstunden legt, da diese dann noch nach morgendlicher Kaffeesahne riechen. Eine Autofahrt, die fast tödlich endet. Ein Strand der Versehrten und ein Mann, der brutal gezwungen wird, seine letzten Runden gefesselt an eine Windkraftanlage zu erleben. Da gibt es so viele Beispiele von Minikosmen, die sich in dieser Sammlung befinden.

Es sind menschliche und unmenschliche Ereignisse und Erlebnisse. Es geht um Körperverfall, Übergewicht, Einsamkeit, Trostlosigkeit, Gewalt, Sex und den ganz alltäglichen Wahnsinn. Es sind keine Fingerübungen oder Gelegenheitstexte, sondern zusammen sind diese Geschichten, ob lang oder kurz, geballte Gegenwartsliteratur, die jede für sich einen passenden Sound entwickelt. Ein Buch voller und leider wohl auch echtem Leben.

Eine Reise in die Tiefbaustelle unserer menschlichen Seele. Für mich das bisher beste Werk von Strunk.

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Alexa Hennig von Lange: „Kampfsterne“

Alexa Hennig von Lange Kampfsterne DuMont

Es sind die Achtzigerjahre in einer Siedlung am Rande einer Stadt in der Bundesrepublik. Die Menschen, die diese Ortschaft beleben, führen ein bürgerliches Leben mit vielen Berührungspunkten mit den Nachbarn. Man kennt sich, trifft sich und unternimmt zusammen Grillpartys, besucht Schulaufführungen und geht in der umliegenden, d.h. umzäunten Natur spazieren. Das Design des innwendigen Lebens wird von dänischen Möbelhäusern diktiert, der Geschmack von Wolfram Siebeck oder Dr. Oetker vorgekocht und der Klang der Zeit wird durch Bob Geldofs „Live Aid“ oder das Konzeptalbum „Misplaced Childhood“ von Marillion vorgespielt. Es sind etwas mehr als eine Handvoll Menschen, die dem Buch ihre Stimme geben. Alle sind in sich oder in der Umgebung Gefangene. Sie empfinden sich alle als unfrei. Alle sind unglücklich und ihr Leben, das nach außen ein tadelloses Bild abgeben soll, fühlt sich für alle falsch an.

In kleinen Kapiteln schlüpft der Leser in die Sicht der jeweiligen Protagonisten. Da ist zum Beispiel Rita, die voller Neid auf die Nachbarsfamilie und besonders deren Kinder blickt. Ulla, ihre Nachbarin, die sie irgendwie heimlich begehrt und deren wunderbare Kinder. Kinder, die beim Intelligenztest waren und alle mal Genies werden sollen. Ulla, die von ihrem cholerischen Mann geschlagen wird, hält die lächelnde Fassade aufrecht. Die pubertierende und stets wütende Cotsch, die sich als Jungenschwarm der Schule empfindet und mit vielen bereits Sex hatte, sich dann aber in den nerdigen Johannes verliebt. Das junge Mädchen Lexchen, die bereits weiß, dass die Welt nicht gut ist, sie diese aber gut machen möchte. Wie Jesus. Dann sind da noch die Männer: Der Ehemann Georg, der kluge, introvertierte und bastelnde Johannes sowie Falk, der Musikunterricht in seinem Kinderzimmer gibt.

In kurzen Passagen entwirft Alexa Hennig von Lange ein Gesellschaftsbild, das sich gleich der Buchgestaltung wie ein kubistisches Werk aus einzelnen Farb-, d.h. Textblöcken zusammensetzt. Ein zügig zu lesender Roman, der die Zeit der Achtziger aufleben lässt. Aber dies ist nur die Würze des eigentlichen Anliegens des Romans. Es sind die Charaktere und deren Entwicklungen und Schicksale, die im Text im Vordergrund stehen. Die Familien in einer einengenden Siedlung und deren Verbindung und Umgang zu- und miteinander. Das Verschwinden der Kindheit und der Unschuld geht einher mit teilweise gewaltvollen Eingriffen und einer bildlichen Entwurzelung. Ein Roman voller Erinnerungen und Gefühle, vor allem in Bezug auf die Kindheit und Jugend.

Ein besonderes Buch, das in einem tollen Sound geschrieben ist und mit Humor das ganze Drama des menschlichen Miteinanders beleuchtet und uns fragen lässt, was es für eine Welt ist, in der wir leben möchten. Beim Lesen werden Erinnerungen an das Schauspiel: „Der Gott des Gemetzels“ (toll verfilmt mit u.a. Jodie Foster, Kate Winslet und Christoph Waltz) von Yasmina Reza geweckt.

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Dirk Knipphals: „Der Wellenreiter“

WELLENREITER

Ein Roman über das Erwachen aus dem Jugendlichen, das Aufbegehren und die Fluchtgedanken aus dem heimeligen Idyll. Es geht um einen Außenseiter, der Schriftsteller werden möchte und seinen Trost und Orientierung in der Literatur sucht. Im Roman steht die innere, die zerrissene Gefühlswelt im Vordergrund und es ist ein wunderbar zu lesendes Buch entstanden, das ohne den für diese Art von Literatur typischen zynischen Sound auskommt.

Dirk Knipphals ist Literaturjournalist und –Kritiker. Er hat nach „Die Kunst der Bruchlandung“ nun seinen ersten Roman geschrieben. Er sagt selbst, er hatte keinen großen Plan, er hätte einfach angefangen und dabei sind Szenen entstanden und das Buch ist somit gewachsen. Es ist kein rein autobiografischer Roman, dennoch ist der Held dem Autor aber wohl nicht gänzlich unähnlich.

Albert wächst in einem Vorort von Kiel auf. Es scheint Molfsee, d.h. Rammsee zu sein. In dieser Ortschaft herrscht eigentlich Idylle. Doch hat Albert das Gefühl, diese Menschen und besonders der Ort engen ihn ein. Der Gedanke keimt ihn ihm, dass hier irgendetwas für ihn falsch ist. Eine gutbürgerliche Vorstadt, in der der Schrecken, der auf der Welt passiert, gerne ausgeklammert wird.

Albert ist fast schon ein Stubenhocker, der für sich die Welt der Literatur entdeckt. Das Lesen und Schreiben sind für ihn seine erste Flucht. Mit Worten lässt sich die Welt umbauen. Doch befindet Albert sich in der jugendlichen Zwickmühle. Als Heranwachsender meint man alles besser zu wissen und später auch zu machen als die Anderen und besonders als die Elterngeneration. Doch wird man gerade als Jugendlicher von Selbstzweifeln getrieben und hadert ständig mit sich. Albert such den Sinn des Lebens in der Literatur. Seinen ersten Erfolg erlangt er mit einem phantasievollen Aufsatz mit einem Blutkörperchen als Helden. Da die Aufgabe im Biologie-Unterricht aber lediglich den Blutkreislauf behandeln sollte, bekommt er eine schlechte Note, aber die Anerkennung seiner Freunde. Auch beim Vorlesen seines Textes verschwindet sein leichtes Stottern. Oft verbringt er seine Freizeit im Papier- und Zeitschriftenhandel vor Ort. Die Tochter der Inhaber, Katrin, ist eine rebellische Klassenkameradin von Albert, in die sich dieser verliebt. Doch dann ist da auch noch Martin, der Wellenreiter und aus sehr vermögendem Elternhaus. Kann Albert als Buchliebhaber Katrin für sich gewinnen?

In der Ortschaft macht Albert durch das Rasenmähen bei den Nachbarn die Entdeckung, dass nicht alles so scheint, wie es nach außen hin wirkt. In der biederen Heimeligkeit spielen sich auch Tragödien ab. So bildet diese Vorstadt-Idylle für Albert eine Lähmung und er hat wie viele andere den Traum von der großen Stadt, bevorzugt Berlin. Eine weitere Figur taucht im Roman auf, die aus Berlin in die Vorstadt kommt und meint, wie gut es den Menschen doch dort ginge.

Der Roman beschreibt weiter die Entwicklung von Albert. Es geht über Hausbesetzung bis letztendlich zu einem Treffen in Lübeck mit den großen Autoren, die ihm als Vorbild dienen: Max Frisch, Günther Grass und Uwe Johnson. Die zentrale Szene ist jener Moment, den wir alle im Leben kennen. Ein Augenblick, in dem die Zeit kurz stehen zu bleiben scheint. Man weiß, gleich läuft sie weiter, aber man wird sich verändert haben, d.h. man nimmt plötzlich sich und sein Umfeld neu wahr.

Im Roman verleiht Albert an Martin „Tonio Kröger“ von Thomas Mann. In dieser Novelle geht es auch um intellektuelle Jugendliche. Jugendliche, die sich zwischen den eigenen kulturellen und zukünftigen Wünschen und gesellschaftlichen Ansprüchen gefangen fühlen. Die Suche nach der Selbstverwirklichung durch Fluchtversuch. Albert empfindet sich als ein Außenseiter und merkt in Folge der Handlung, dass auch die Anderen doch wie er sind und auch ihre Probleme haben. Der Wellenreiter als Bild des sich lösen können. Die Leichtigkeit, die durch Wind und Wasser getragen wird.

Ein Buch, dass mich sehr begeistert hat, denn mit den Protagonisten kann man sich sofort identifizieren. Das tatsächliche Setting ist für die Handlung nebensächlich, könnte es doch jede beliebige Vorstadt sein. Doch für mich hat das Buch einen ganz persönlichen Zugang geschaffen, denn der Handlungsort spielt genau dort, wo auch ich meine Kindheit verbracht hatte.

Durch den Blick des Autors, Dirk Knipphals, zurück auf die eigene Entwicklung mit jetziger großer Distanz ist ein sehr persönlicher und literarischer Roman entstanden.

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Charlotte Perkins Gilman: „Die gelbe Tapete“

Gilman Die gelbe Tapet Dörlemann

Eine Erzählung, die durch die Stimmung an die Werke von Edgar Allan Poe und an den leider in Vergessenheit geratenen Roman „Vier Tage währt die Nacht“ von Dorothea S. Baltenstein erinnert. Diese autobiografisch angehauchte Kurzgeschichte erzählt von einer depressiven jungen Frau, die mit ihrem Mann, einem Arzt, zur Erholung in ein Sommerhaus zieht, um dort zur Ruhe zu kommen. Doch gerade dort verfällt sie immer mehr dem Wahn und findet nicht ihre wahre Freiheit.

Der Text wurde erstmals 1892 im „New England Magazine“ veröffentlicht. Das Buch wird heute noch an den amerikanischen Schulen gelesen, denn es gilt als wichtigstes Werk des frühen amerikanischen Feminismus.

Zu lesen sind die Tagebucheinträge einer jungen Frau und Mutter. Das Schreiben macht sie heimlich und verbirgt dies auch vor ihrem Mann. Die Tagebucheinträge beginnen nach der Geburt ihres Kindes und berichten von der Behandlung ihrer sogenannten hysterischen Tendenzen. Ihr Mann, der Arzt ist, will sie von physischer und psychischer Belastung fernhalten und zieht mit ihr in ein Landhaus. Das Haus scheint bezaubernd zu sein, hat aber auf die Frau die Wirkung eines Geisterhauses. Sie bekommt im oberen Stock ein Zimmer zugewiesen. Die Fenster sind vergittert, das Bett am Boden fixiert und der Boden leicht verkratzt. Auch die Tapete, die sie abscheulich findet, zeigt Risse. Besonders die Farbe und das Muster ekeln sie regelrecht an und ziehen sie in ihren Bann. Ab sofort sind es die Tapete und ihr Schreiben darüber, die ihr die täglichen Reize während der Zeit im Sommerhaus liefern. Sie nimmt das Muster der Tapete als lebendig wahr. Es ist keine Symmetrie, sondern etwas Bewegtes in den Linien und Kurven. Besonders in den Dämmerstunden bricht etwas Unterschwelliges aus der Tapete heraus in die Realität der Frau. Etwas lebt hinter der Tapete, eine Frau ist hinter dem Muster eingesperrt.

Eine wichtige und wunderbare Ausgabe, die anregend, verstörend und nachdenklich macht. Fast schon Pflichtlektüre. Diese sehr gelungene Ausgabe gehört gelesen und sollte auch im hiesigen Schulunterricht behandelt und diskutiert werden. Die Erzählung wurde großartig von Christian Detoux aus dem Englischen übersetzt und der Verlag stellt in diesem zweisprachigen Buch den originalen Text der deutschen Übersetzung gegenüber.

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Mark Thompson: „El Greco und ich“

Mark Thompson El Greco und ich Mare

Es ist der Sommer 1968, in dem sich für den Erzähler die Erkenntnis einstellt, dass die jugendliche Unbekümmertheit mit dem Erwachsenwerden versandet. Immer wieder steht der Protagonist, den alle nur mit dem Kürzel J.J. ansprechen, im Staub. Staub, wie Rauch aus einem Gewehrlauf, wie feiner rieselnder Sand oder der staubige Dreck um die gerne von den Helden aufgesuchte und stillgelegte Konservenfabrik. Dieser Staub ist es, der sich langsam im Bewusstsein des Erzählers niederlässt und eine Ernüchterung mit sich bringt. Staub ist auch der Titel der Originalausgabe. Es ist eine Geschichte über eine große Freundschaft. Der Roman hat eine herzliche Wärme, einen feinen Humor  und verbirgt eine große Trauer.

Der Roman spielt in New Jersey. J.J. und sein bester Freund El Greco, eigentlich Tony Papadakis, sind zehn Jahre alt. Sie erleben die Zeit noch voller jugendlichem Leichtsinn und sind Träumer, die mit geklauten Zigaretten am Wasser sitzen und sich die Welt erklären. Sie leben in einer Zeit, in der der Rock einen Aufschrei gegen den Krieg in Vietnam darstellt, einen Aufruf gegen das Spießertum und die Hippies sich für die Liebe als Antwort auf alles entscheiden. El Greco ist sich sicher, dass das Leben für jeden mindestens eine große Prüfung bereithält. Dies sagt er mit seiner jugendlichen Weltsicht, ohne zu ahnen, wie weit sich dies in beider Leben bewahrheiten wird.

Es beginnt mit einem großen Feuer. Ein Feuer, dass J.J. unachtsam entfacht hat. Doch entkommen die Jungs einer Bestrafung, denn sie mogeln sich unter die Schaulustigen und müssen sich vorerst nicht, wie noch öfters, der eigentlichen Verantwortung stellen. El Greco träumt vom Pazifik, eines Tages möchte er die großen Gewässer sehen, d.h. erleben. Doch sind dies noch die Wünsche eines Kindes, das angewiesen ist auf seine Eltern. Mrs. Papandakis ist für J.J. eine geheimnisvolle, erotische Frau, die eine hingebungsvolle, aber auch eine schwierige Mutter sein kann. Mr. Papandakis ist ein Mann, der gerne das familiäre Leben verlässt, um sich dem Trinken, dem Glücksspiel und den leichten Frauen hinzugeben. Später wird er auch gänzlich aus dem Leben von Tony verschwinden. J.J.s Familie besteht aus der Mutter, die in sinnierende Gedankenlöcher fällt und die Umgebung ab und an zu vergessen scheint. Die Schwester ist bereits achtzehn und selten zuhause. Dann ist da noch der ältere Bruder, der sehr anstrengend ist und den J.J. daher lediglich Adolf nennt. Zum Geburtstag bekommt J.J. eine Country-Platte vom Vater, der nichts von der modernen Musik hält. Dabei sind die großen Helden von J.J. und El Greco die Stones und nichts mehr als die neue LP von diesen hatte sich J.J. gewünscht. Da er nun vom Vater etwas bekommen hat, das er so sehr hasst, findet er erneut die Zuflucht bei seinem besten Freund. Die Freundschaft zwischen J.J. und El Greco ist ihre Beständigkeit und sie sind, nicht nur durch die durchgeführte Blutsbrüderschaft, unzertrennlich.

Dann kommt überraschend ein Anruf der Familie Papandakis. Tony, dem es vorher schon nicht so gut ging, liegt mit Leukämie in der Klinik. J.J. will sofort seinen Freund aufsuchen und es wird diese Krankheit sein, die ihn erkennen lässt, dass er nun das Kindliche ablegen muss, um seinem Freund eine Stütze zu sein. Seine eigene Unterstützung in dieser schweren Zeit wird für J.J. ein Nachbar, der gradlinig und ehrlich seine Fragen und Gefühle erklären und beantworten kann. Doch scheint El Greco die Krankheit durch den zugetragenen Lebenswillen bekämpfen zu können und er darf die Klinik verlassen. Sie machen nun mit J.J.s Vater eine Reise in den Süden. Währen dieses Roadtrips entlang der Küste erleben die Jungs die Facetten Amerikas. Rassenunruhen, Fremdenhass und ein Mord wird die eigentliche Reise trüben.

„El Greco“ beschreibt die Klärung der Sicht auf eine sich damals wandelnde Welt. Es sind die kleinen und großen Prüfungen im Leben, die das Schicksal erschüttern lassen und dadurch Staub aufwirbeln und die umliegenden Schicksale berühren und miteinbeziehen können. Ein Roman über das Erwachsenwerden mit tragischen Wendungen und komischen Situationen. Ein zu Herzen gehender und trauriger Text, der etwas an die Werke von John Green und Wolfgang Herrndorf erinnert.

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