Elizabeth Heichelbech: „Chopin in Kentucky“

Was wäre, wenn das Leben ein Erzählballett wäre? Für die Erzählerin könnte es eins werden und wir folgen ihr unglaublich gerne bei ihren ersten Tanzschritten. Ein wunderbares und witziges Buch, das die wahre Freundschaft und die Wirkungskraft der Imagination zelebriert.

Roanville, Kentucky 1977 und das Leben von Marie Higginbottom verändert sich, als das Ballett aus Paris in die Kleinstadt, in dem es neben dem örtlichen Einzelhändler der Kette Kmart sehr wenig zu erleben gibt, kommt. Die zehnjährige Marie verschluckt sich förmlich, als ihr Vater am Abendbrottisch das kulturelle Ereignis verkündet. Doch ist es nicht das Ballettensemble aus der französischen Kulturmetropole, sondern es ist eine Tanzgruppe aus Paris, Kentucky. Doch minimiert dies die Freude der kleinen Marie nur geringfügig.

Marie träumt von der großen Karriere als Tänzerin und sie möchte raus aus der Kleinstadt und weg von der Familie. Ihre Liebe zur Musik wird von ihrem besten Freund unterstützt und begleitet. Er ist immer dabei, beim Einkauf, beim Flanieren im Ort und bei den mitmenschlichen Begegnungen. Ihr Freund ist sehr eingenommen von  sich und leider bereits tot, denn es ist Frédéric Chopin. Dieser imaginäre Freund ist sehr real und kommentiert stets die Ereignisse, steht Marie aber immer treu zur Seite. Da er in einem hinterwäldlerischen Ort in Kentucky gelandet ist, kann er den Wunsch von Marie, dort zu entkommen und ihr Leben der Kultur zu widmen, nur gutheißen. Die Familie leidet unter dem am Kopf verletzten Vater, der seine Wutausbrüche an den Kindern, die sich oft selbst überlassen sind, auslässt. Die Wohnung ist marode, verschimmelt und das kulturelle Leben findet meist im Fernsehzimmer statt. Marie hält an ihren Traum fest auch wenn die Mutter in ihr weniger eine Ballerina sieht als eine echte Ingalls aus der Fernsehserie „Unsere kleine Farm“. Das fehlende Tutu kann ihre Leidenschaft aber niemals bremsen und sie hält an ihrem Traum fest. Neben dem genialen Komponisten, der leider tot ist und auch ab und zu nerven kann, lernt Marie noch eine sehr lebendige Freundin kennen. Misty McPherson, die auf ihre große Entdeckung als erstes weibliches Kinder-Elvis-Double wartet.

Ein Wirbeltanz einer Jugend in den Siebzigern voller Musik, Humor und facettenreichen Charakteren. Alles aus Kindesaugen und die Weltsicht wechselt zwischen kleinstädtischer Kulisse und geistvoller Kunst. So sind auch die Weggefährten nicht zwingend echt, denn der beste Freund der Heldin ist Chopin. Neben diesem virtuosen Musiker bespielen auch Jesus und Elvis, als weibliches Imitat, die Tanzfläche. Diese schillernden Figuren bringen alles zum Glänzen und wir strahlen mit. Denn wir werden süchtig nach diesem melancholischen Witz, der sich in jeder Szene findet. Wir lachen laut und schmunzeln leise in dieser irren Reise durch das irdische Kentucky. Letztendlich ist es die Kunst, die uns alle zu retten vermag und in der Imagination kann im Provinziellen alles beginnen oder möglich werden. Zumindest der Lebensanfang dieser Traumtänzerin, von der wir nicht genug erlesen möchten. Ein tolles, ein verrücktes Buch.

Ich durfte das Buch bereits beim Übersetzungsvorgang als Manuskript lesen. Übersetzt wurde es aus dem amerikanischen Englisch von Lena Riebl und ich werde in der Verlagsvorschau zitiert. Vielen Dank!

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Carme Riera: „Und ich lass dir als Pfand das Meer“

Die feine kleine Meeresbibliothek mit Klassikern der Weltliteratur hat Neuzugänge bekommen. Wie bei dieser bibliophilen Buchreihe sind die Titel alle meerwassergetränkt. Denken wir an das Meer in der klassischen Literatur, fallen uns oft Werke von Defoe, Melville, London oder Verne ein. Doch es gibt sie auch, die lesenswerten Frauen, die das Meer in ihren Werken verewigt haben. Das feminine Meeresverständnis gehört nicht überlesen und Carme Riera gehört nun in diesen Reigen dazu. 1975, kurz vor dem Tod Francos, veröffentlichte die Mallorquinerin mit 27 Jahren ihren Erzählband. Sie schreibt seit ihrer Kindheit und hat für ihre Werke bereits einige Preise erhalten. Ihre Texte sind sensibel und leise und entfachen dann eine unbändige Kraft, die, wie das Meer, sich aufbäumt gegen das Starre und Feste. Ihre Heldinnen leben im Patriarchat und müssen sich damit arrangieren. Doch unterwerfen sie sich tatsächlich und folgen sie den Gepflogenheiten der Gesellschaft?

Das Meer bleibt ein Sinnbild der Ferne und der Weite. Es ist jene natürliche Kraft, die eine Freiheit suggeriert. Ein Anbranden gegen das Bestehende. Das Aufbrechen des Regelwerkes und das Aufbegehren gegen die Gesetze und die vorherrschende Moral sind in den überraschenden Kurzgeschichten stets spürbar. Mallorca ist für viele ein Sehnsuchtsort. Eine Insel, die beim Lesen dieser Geschichten zu einer weiteren Metapher wird. Der Mensch selbst wird eine Insel, die für sich meist alleine wirkt und durch die äußere Berührung oder Beeinflussung ins Strudeln gerät. Frauen, die das Meer liebend umarmen und dabei den letzten Gruß den Wellen überlassen. Die Sammlung wird ummantelt durch zwei Erzählungen, die sich ergänzen und somit den Inhalt fortführen. Es ist das Schreiben einer Frau, die als Schülerin verliebt war. Es war eine tief empfundene Liebe. Langsam bekommen wir das Ausmaß dieser Liebe mit. Es ist eine Liebe zwischen einem Lehrkörper und einer Jugendlichen. Die Liebe zu einer Lehrerin. Die Sehnsucht und das Verlangen brausen auf, werden erwidert und ziehen sich dann zurück. Stets ist das Empfinden mit dem Meer gleichzusetzen. Die unerfüllte Liebe bleibt Beweggrund der Schreiben und die späteren Liebesbekundungen werden unter den Briefmarken versteckt. Dies in der Hoffnung gefunden zu werden oder einfach ungesehen zu verstummen. Am Ende wird das Meer als Pfand belassen und das Drama bleibt offen, denn die letzte Geschichte berichtet aus der Sicht einer Lehrerin, die ein anderes Ende und Verlauf anzeigt. Letztendlich können es dann nur die Möwen bezeugen.

Dazwischen befinden sich kurze und stimmungsvolle Miniaturen, die ebenfalls das Meer, den Strand als Schauplatz des menschlichen Dramas aufzeigen. Vieles versteckt sich unter der Oberfläche. Eine Oberfläche, die gleich dem Meer diverse Schattierungen und Brandungen erfahren. Es sind versteckte und sehr raffinierte Gedankengänge, die hier ganz behutsam eingebunden werden. Große Themen sind es, die geschickt in die Literatur einfließen, ohne damaliges Aufsehen zu provozieren. Die Frage nach der freien Liebe wird gestellt und die ausweglosen Wege münden oft mit einer letzten Umarmung des Meeres.

Ein wunderbarer Leseschatz wurde hiermit gehoben, der aus dem Katalanischen von Petra Zickmann übersetzt und mit einem Nachwort von Kirsten Brandt versehen wurde.

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Mascha Unterlehberg: „Wenn wir lächeln“

Ein Debütroman über zwei Freundinnen, die sich gegen äußeren Druck abgrenzen. Ihre Freundschaft nennen sie Schwesternschaft und diese ist sehr eng, aber nicht perfekt. Ein faszinierender Roman, der eine Wut zeigt, die nicht zu Gewalt, sondern zu Sprache wird. Dabei kommt Gewalt vor. In der Phantasie, die aus der umlauernden Stimmung ihre Wirkkraft zieht und dann in der Realität, wo die Gewalt bereits in kleinsten Gesten ihren Ursprung hat. Das Werk hat einen enormen Sprachklang und liest sich wie ein poetischer Soundtrack über eine Freundschaft. Der Sprachklang erinnert an weiblichen Sprachgesang, der seinen Emotionen klugen Ausdruck gibt.

Die Erzählerin ist Jara und sie ist mit ihrer Freundin, Anto, zu einer maroden Brücke gegangen. Dabei haben sie ihre Baseballschläger, von denen einer im Fluss landet. Die Eisenbahnbrücke ist stillgelegt und das Betreten eigentlich verboten. Doch treffen sie sich hier öfters über der Ruhr. Anto springt hinter dem Baseballschläger hinterher und ist im Fluss verschwunden. Was soll Jara tun? Die Polizei rufen und Hilfe holen? Doch was ist, wenn Anto einen ihrer Scherze macht und wie soll Jara dann die Anwesenheit der Hilfskräfte erklären. Während sie auf der Brücke steht, hadert und mit sich ringt, kommen die Erinnerungen und Szenen der Freundschaft schwirren in ihrem Kopf herum.

Jara traf auf Anto zum ersten Mal beim Fußballspiel. Doch ist Anto eine sehr miese Spielerin und doch durch ihren Eingriff bei einem verletzen Vogel, der bewusst von einem Ball getroffen wurde, übt sie auf die Umstehenden eine Faszination aus. Jara und Anto werden Freundinnen, die oft zusammen abhängen oder um die Häuser ziehen. Sie teilen alles miteinander, ihre Kleidung, Musik, Kosmetik und Zeit. Sie treten wie Schwestern auf und handeln auch meist als solche. Durch das Umfeld müssen sie sich oft wehren und behaupten. Ein Umfeld, das durch Männlichkeit geprägt ist. Von Jungs und Männern. Männer, denen die eigenen Bedürfnisse am wichtigsten sind. Männer, die auf Körper starren. Männer, die jene Angst genießen, die sie verursachen. Jungs, die über ihre Erfolge bei Frauen Wetten abschließen. Diese Männlichkeit ist im Großen und Kleinen überall anwesend. Sei es in der Schule, in Einkaufszentren oder in der Eisdiele, in der Anto arbeitet. Ein Gast gibt ihr stets überzogenes Trinkgeld und Anto fragt sich, was in dessen Kopf vorgeht. Allgemein wächst in den beiden Freundinnen eine enorme Wut. Wut auf den vermeintlichen Besitzanspruch.

Dieser Weg zur Freundschaft und darüber hinaus schwirrt Jara durch den Kopf, als sie nicht weiß, was sie auf der Eisenbahnbrücke tun soll. Es ist der Weg zu einer Schwesternschaft und zu den geplatzten Emotionen, die sie dahin geführt haben, wo sie sind. Doch geht der Weg weiter. Auch nach der Ausgangszene auf der Brücke. Ist es ein gemeinsamer, denn was ist mit Anto wirklich auf der Brücke geschehen? Ein anfänglich gemeinsamer Weg, der durch unterschiedliche Familien, Freunde, Schulen und Bedürfnisse auch über den eigenen Zusammenhalt ins Stolpern gerät.  

Dieser Text erzeugt eine sehr enge Bindung an die Protagonisten und durch die kraftvolle und klangvolle Sprache inhaliert sich das Werk sehr spürbar und schnell. Die Kapitel sind minimalistisch inszeniert und das ganze Buch baut sich gut komponiert zusammen, so dass wir alles mitempfinden dürfen und es bleibende Bilder und Gefühle erzeugt.

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Florian L. Arnold: „Ichae“

Eine Legende um den Bau eines Staudamms wird zu einem Bilderrausch. Ein Buch, das verzaubert und Märchenhaftes mit der Realität vermischt. Durch die lyrische Sprache erklingt hier etwas Besonderes, etwas das uns in seinen Bann zieht. Bei der Lektüre werden Erinnerungen an Figuren aus anderen Werken wach. Sei es Papageno von Mozart oder Hor aus dem Labyrinth der surrealistischen Geschichtensammlung „Der Spiegel im Spiegel“ von Michael Ende. Das Labyrinth taucht auch am Staudamm auf, der wie eine Stadt erbaut wird. Hochhinaus wird Leben aufgebaut, wo kein Leben mehr ist. Ein Damm, der abgrenzt und fernhält, ist das Fundament, das hier erschaffen wird. Die Dammbauer sind Sträflinge. Die Handlung wurde inspiriert durch wahre Ereignisse um Staumauern, Dammbrüche und Gefangenenlager.

Erzählt wird aus einer Zukunft, in der vieles still geworden ist. Es ist ein Erinnern des Erzählers. Er kannte noch Zeiten als Vogelgesang und die Sonne reine Freude und Wärme bedeuteten. Durch eine Messerstecherei wurde er zum Sträfling und zum Bau an einem Staudamm verbannt. Die dortige Gemeinschaft besteht aus einem älteren Anführer, einem Sprengmeister, einem Ziegelklopfer und seiner Schwester. Dabei ist noch ein Vogelfänger. Alle leben unter einfachen Bedingungen und der Ältere muss oft bei den hitzigen Gemütern handeln. Ihr Leben ist gespalten, losgelöst von einer Vergangenheit. Die gedankliche und seelische Verbindung mit dem vorherigen Leben wirkt wie eine morsche Brücke. Die Strafarbeit lässt sie ermüden und nach getaner Arbeit suchen sie Erholung und Zusammenhalt. Sofern dies möglich ist. Der Erzähler will seine Gedanken ordnen und möchte, dass erinnert wird. Doch alles Erdachte und Erbaute zerfällt irgendwann. Er schreibt nicht auf, sagt es nur einmal und es wird wie ein Gedicht, das vergeht. Auch der Damm ist ein Bauwerk, das diesen Gesetzen unterliegt. Das Bild vom Halt und Trennenden wird Schauplatz für Ereignisse, aus dem der Vogelfänger Ichae den Ich-Erzähler öfters retten wird und am Ende kommt er, der abschließende Punkt.

Atemlos wird die Legende von Ichae erzählt, denn Unterbrechungen werden nur angedeutet, denn es gibt sprachlich nur Einschnitte und die Aussage, der einzige Punkt, wird am Ende gesetzt. Es ist ein Sprachkunstwerk, das Kommas als einziges, aber bewusstes Stilmittel einsetzt. Doch sind es keine Satzwürmer, sondern eine weitere Metapher für den Inhalt, die auch Erklärung findet. Die Geschichte benötigt Hinwendung, um gänzlich erfasst und gesehen zu werden. Das Sehen bekommt durch Bilder Unterstützung. Die Illustrationen stammen von Max P. Häring.

Ein Kunstwerk, das die Realität märchenhaft beschreibt. Es ist Poesie, die unsere Phantasie und Vorstellungskraft in den Mittelpunkt stellt, wenn die Menschlichkeit vor den modernen Entwicklungen verstummt und gerade die Technologien keine Antworten geben. Durch den kurzen Text entsteht eine ganze Welt, die ganz anders und doch die unsere ist.

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Arno Frank: „Ginsterburg“

Ein Epos, das tief und breit seine und unsere Geschichte erzählt. In drei Abschnitten, jeweils fünf Jahre getrennt, erleben wir das Menschliche und die Unmenschlichkeit in einer fiktiven Kleinstadt. Es sind die Jahre 1935, 1940 und 1945. Die Machtergreifung wird durch die ausgewählten Jahre sehr spürbar und gleicht einer Hand, die eingreift, dann zupackt und immer fester zudrückt. Dabei wird gezeigt, wie die Menschen unter dem unmenschlichen System korrumpiert werden, leiden, missbraucht oder honoriert werden. Wie wurden die Täter zu solchen und was wurde aus der Menschlichkeit? Wo waren die guten Menschen, als das Unmenschliche sich im Alltag stark machte und die Mitmenschen in den Tod gingen?

Arno Frank schreibt sehr bildreich und erzeugt eine Nähe zu den Figuren, so dass der Roman sofort zum Bleiben einlädt. Die Ortschaft steht für alle Städte und Gemeinden der damaligen Zeit und ist somit überall zu finden. Die Charaktere sind die normalen Bürger, jene die mitgerissen wurden oder mitgerissen haben. Im Mittelpunkt stehen Menschen mit Bildung und Mitgefühl. Sie erkennen das Unrecht und beginnen die Situationen zu hinterfragen. Sie stehen für unsere persönlichen Fragen wie wir gehandelt hätten. Die Komplexität des Romans erschließt sich mit einer Leichtigkeit. Es ist ein literarischer Roman, der Geschichte erfahrbar macht und somit auf uns verweist. Kulturelle Entwicklungen werden sachkenntlich eingebaut. Am Anfang, nach der Machtergreifung, wird langsam das kommende Ausmaß deutlich. Da eine der Hauptfiguren Buchhändlerin ist, wird hierbei das Bildungsbürgertum angedeutet, das sich den Anordnungen der Verbände und der Politik beugen muss. Literaturlisten, die bestimmen, was gelesen werden darf. Auch die Medienlandschaft, besonders die Sicht auf den Journalismus, wird durch eine weitere Figur gut eingebunden. Merle, die Buchhändlerin, und Eugen, der Journalist und Autor, kommen sich im Roman immer näher. Wobei er verheiratet ist. Seine Frau aber die politischen Strömungen des Landes gutheißt und ihn drängt mitzugehen, um auch Karriere zu machen. Merles Sohn, der junge Lothar, verliebt sich und hat anfänglich eine zarte Seele, die es beim Angeln nicht schafft zu töten, dann aber davon träumt Pilot zu werden. Mit gemischten Gefühlen muss Merle Lothar beobachten, wie er zur Hitlerjugend geht. Können die Menschen dem Druck, der auf sie ausgeübt wird, entkommen?

Aber auch die Menschen, die profitieren, erleben wir. Die Papierfabrik, die sich sorgt, dann aber durch den enormen Waffenbau gute Aufträge für die Zündungsmechanismen und Füllmaterial der Einlagerung erhält. Der Blumenhändler, der politische Karriere macht und seine Macht immer für sich einzusetzen versteht. Menschen, die sich mehr um die Energie Sorgen machen als um ihre Mitmenschen. Die Menschen, die immer mehr Macht erhalten und vor Gewalt nicht zurückschrecken und jene, die leiden, dem Druck nachgeben, mitlaufen, schweigen oder in den Tod gehen tauchen in Ginsterbug auf und erschaffen dadurch ein großartiges facettenreiches Werk. In diesem Roman werden diese Gegensätzlichkeit und die Geschichte sehr lebendig. Sei es bei einem damaligen Autorennen, beim alltäglichen Leben, beim Kinobesuch und später während des Krieges. Die Kleinstadt als Mikrokosmos, als Bild für das Miteinander zu unmenschlichen Zeiten. Es sind die Beziehungen und das Menschliche, das den Ort anfänglich ausmacht. Das Geruhsame aber immer mehr durch das Weltgeschehen erschüttert wird.

Ein atmosphärischer und mitreißender Roman. Die Verstrickungen und die Zusammenhänge werden sehr gut ausgearbeitet und Ginsterburg wird zu einem erfahrbaren Ort, der uns alle berührt.

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Thomas Mortesá Hashemi: „Kontaktbruch“

Wir sollten die Welt lyrischer machen. Die Literatur und besonders die Lyrik erfassen wir niemals nur mit dem Verstand. Es sind Worte, die Inhalte und Geschichten auf den ersten Blick vermitteln. Doch durch die Kunst der Sprache und die verwendeten Metaphern erklingen in uns Emotionen. Durch die Gefühlswelt können wir uns somit viel besser mit unserem Umfeld verbinden. Alleiniges Wissen oder Fakten, die uns emotionslos erreichen, bleiben nicht gut haften. Durch die Kunst der Literatur können wir viel mehr verstehen und mitfühlen.

In der Gattung der Literatur ist die Lyrik etwas Besonderes. Gedichte sind Raumwunder. 

Solchen Raum hat Thomas Mortesá Hashemi mit seinem Debüt geschaffen. Beruflich ist er Philosophielehrer und Fachbereichsleiter an einer Schule in Berlin. Er schreibt Lyrik und versteht sich als Lyrikvermittler und Kritiker. Seine Werke beschäftigen sich mit Identität, Zugehörigkeit und fernöstlicher Philosophie.

Der Titel erzeugt durch das Wort und das Satzspiel auf dem Umschlag eine Ahnung des Kommenden. Kontaktbruch beinhaltet zwei Gegensätze, die vereint eine Trennung signalisieren. Der Kontakt und die Verbundenheit stehen mit dem Bruch, der Unverbundenheit, in den Betrachtungen der Texte. Dabei trifft das Gesellschaftliche, das Politische auf das Private. In der Kindheit und Jugend ist die Suche nach einem Zuhause durch die Eltern und die Familie geprägt. Mit dem Erwachsenwerden kommen diverse Einflüsse hinzu, die unser soziales Heim formen.

Thomas Mortesá Hashemi schreibt über die iranische Familie. Der genannte Perser steht für das Persischsein und für den Vater. Die Weite der Welt, das Fremde und das Bürgerliche wimmern durch die Zeilen. Die Erzählstimme spürt dem eigenen Gefühl nach und wandelt über den Kontaktbruch, über die Betrachtung zwischen Vater, Mutter und Sohn zu einer Räumung.  Dabei entstehen Stimmungen und Sprachfragmente über Bünde und fehlschlagende Verbundenheit. Die Poesie bedient sich dabei mehrfacher Stile und Ursprünge. Diese und die Inhalte erschließen sich nicht sofort, doch beginnen diese nach dem Lesen zu keimen. Wie musikalische Strophen erschließen sie sich durch Nachklang.

Diese Lyrik sucht sich einen Resonanzraum, der in uns weilt. Gedichte und Sprache erzeugen eine Schwingung, die nicht in uns erzeugt wird, aber dann zu unserer wird. Wir nehmen etwas anderes an. Auch das Bauchgefühl kommt in „Kontaktbruch“ in diversen Variationen vor und dies suggeriert eine wohlige Annahme, die auch zu täuschen vermag. Am Ende bleibt der Blick zurück, der Bauch betäubt und wir wittern Gitter, die Kontakte brechen.

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Nicolás Ferraro: „Ámbar“

Ein intensiver Noir-Roman aus Argentinien mit einer ungewöhnlichen Perspektive. Es ist ein preisgekrönter Thriller, der von Kirsten Brandt aus dem argentinischen Spanisch übersetzt wurde. Dieser Roman geht einem deshalb unter die Haut, weil die Geschichte von der fünfzehnjährigen Ámbar erzählt wird. Ihr Leben ist geprägt durch ihren Vater, Victor Mondragón, einem gefährlichen Gangster. Somit ist ihre Weltsicht durch Brutalität, Einsamkeit, Flucht und Kriminalität geformt worden. Sie ist es gewöhnt, ständig neu anzufangen und in neue Identitäten zu schlüpfen. Die Mutter ist weg und der Vater hat sie nun beständig an seiner Seite. Dadurch entsteht eine ungesunde Bindung und sie liebt ihren Vater, wie sie ihn auch zu hassen vermag.

Während Gleichaltrige sich mit Spielen, Konzerten oder anderen Dingen beschäftigen, lernt sie mit der Waffe umzugehen. Sie hat selbst ein abgesägtes Gewehr bei sich und sie hat die Wunden ihres Vaters zu versorgen. Sobald sie sich um die Schussverletzungen ihres Vaters gekümmert hat, wird sie mit der Auswahl der Tarnidentität belohnt. Sie kennt nur diese Welt und findet diese abstoßend, aber auch faszinierend. Sie möchte sich ein Tattoo machen lassen und spart heimlich darauf. Doch der Vater sagt auch, jedes gestochene Bild ist dann auch ein Wiedererkennungsmotiv. So auch der Auftakt, denn der Vater sucht einen Killer mit einem tätowierten Schlangenmotiv. Jemand hat seinen Komplizen erschossen und Victor verletzt. Nachdem der Durchschuss von Ámbar verarztet wurde, begeben sie sich auf einen düsteren Trip. Eine Reise, die Ámbar immer mehr in die Welt des Vaters eintauchen lässt, aber sie ihn auch langsam in Frage stellen lässt. Sie taucht ein in das brutale Leben und in die Vergangenheit von Victor und bekommt immer mehr Zweifel.

Ein packender Roman über eine junge Heldin, die ihren Weg finden muss und dabei zwischen Loyalität und Selbstschutz balanciert. Besonders ihre Entwicklung macht den Reiz dieser spannenden und nahbaren Lektüre aus. Ein charakterstarker Roman, der sofort Bilder und Emotionen erzeugt und uns an die Seite von Ámbar stellt und dadurch eine kindliche Sicht auf eine düstere, aber wohl realistische Welt offenbart. Denn hier wird eine Jugendliche zur Heldin, die durch ihr Umfeld das Kindliche abgeworfen hat.

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Jonathan Carroll: „Das Land des Lachens“

Ein magisches Buch. Ein Land, das nur Literatur zu erschaffen vermag.

Das Buch war jahrelang eines meiner Kult-Bücher und ich habe es nie ganz vergessen, aber aus den Augen verloren und nicht gemerkt, dass es (für mich klangheimlich) in die Buchwelt zurückgekehrt ist. Die Ausgabe, die mein Regal ziert, stammt von Suhrkamp. Der Heyne Verlag hat dieses Leseerlebnis 2021 aber wieder herausgebracht. Also wird es Zeit, diesen Leseschatz erneut zu heben. Was so unspektakulär und alltäglich beginnt, wird von Seite zu Seite skurriler und magischer. Carroll hat eine originelle Geschichte geschrieben, die im besten Sinne poetisch und literarisch ist.

„Das Land des Lachens“ handelt von Thomas Abbeys Spurensuche. Er versucht alles über den Schriftsteller Marshall France herauszufinden, um eine ultimative Biographie des Autors zu schreiben. Thomas bisheriges Leben stand im Schatten seines Vaters, dem Schauspieler Stephen Abbey. Seine Weltflucht gelang ihm mit einem Buch, das er immer bei sich führte. Es handelt sich um den Roman „Das Land des Lachens“ des früh verstorbenen Autors Marshall France. Diese Liebe zum Buch und das Erkennen der Möglichkeit, die in der Literatur steckt und lebt, lässt Thomas Lehrer werden. Die Arbeit erfüllt ihn nicht und ein Privatleben hat er ebenfalls kaum. Seine Leidenschaft bleibt das Buch und somit beschließt er, mehr über den Autor zu erfahren, um auch dann eine Biographie zu schreiben.

Seine Recherchen führen ihn in das idyllische Städtchen Galen, wo France zurückgezogen gelebt und geschrieben hat. Thomas trifft auf exzentrische Menschen, macht neue Freunde, ahnt aber, dass die Bewohner hier ein magisches Geheimnis hüten. Denn es sind nicht nur die Menschen, die ihn ansprechen, sondern auch Hunde, die plötzlich reden und behaupten, bald kein Hund mehr zu sein …

Die Liebe zur Magie des Lesens und Schreibens werden hier unterhaltsam fixiert. Bücher entstehen durch Phantasie, die diese dann an uns weiterreichen und in uns wachsen dürfen. Übersetzung stammt von Rudolf Hermstein.

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Edvard Hoem: „Der Heumacher“

Ein Roman, der uns Bilder, Geschichten und Emotionen aus einer vergangenen Zeit sendet. Edvard Hoem ist ein wunderbarer Erzähler. Er gräbt in den Überlieferungen seiner Familie und Nesje, der Heumacher, war sein Urgroßvater. Vieles wurde über ihn in der Familie geredet, aber es war dennoch wenig bekannt. Somit muss Hoem ihn als Figur herbeidichten, aus der Luft schöpfen und aus dem Nichts langsam die Möglichkeiten aufleben lassen. Es ist dabei ein Romanzyklus entstanden, wobei jedes Buch für sich steht und apart gelesen werden kann. Der Heumacher ist Knut Hansen Nesje und er ist der Sohn von Marta Kristine, bekannt aus dem Roman „Die Hebamme“. Nesjes spätere Frau Serianna und ihre Familie kommen vom Bortehof. Das dortige Leben wird im Roman „Der Geigenbauer“ beschrieben.

Knut Hansen, genannt Nesje, ist Witwer und lebt mit seinem Sohn oberhalb der kleinen Stadt Molde an der norwegischen Küste, am Romsdalsfjord. Er ist das Landleben gewöhnt und kennt nichts anderes. Seit Jahren ist er der Heumacher und schwingt die Sense seit seiner Kindheit. Er hat für sich Grund gepachtet und hofft, dass er es eines Tages kaufen darf. Sein Land hat er bald urbar gemacht und möchte es seinem Sohn vermachen können. Neben der Tätigkeit auf dem gepachteten Land, ist er beim Großbauern eingestellt. Er bekommt etwas weniger Geld als die Tageslohnarbeiter, befindet sich dafür aber in fester Einstellung. Er ist der Erste unter den Heumachern. Er gibt stets auf dem Feld das Tempo vor und ist somit für die Qualität und die Fertigstellung verantwortlich. Er lebt unter einfachen Bedingungen, hat sich aber mit viel Aufwand und Liebe ein Haus gebaut. Es ist das Jahr 1874 und er trifft auf Serianna. Sie sucht Arbeit und bei einem gemeinsamen Fischfang und der baldigen Zusammenarbeit lernen die beiden sich besser kennen und verlieben sich. Hans, Nesjes Sohn aus erster Ehe, verlässt den Hof kurz vor seiner Konfirmation, um Platz zu machen. Denn Serianna und Nesje heiraten und erwarten bereits Nachwuchs. Hans geht auch, weil er keine neue Mutter möchte und nun seinen eigenen Weg gehen will. Die jüngere Schwägerin von Nesje, Gjertine, verliebt sich in jungen Jahren in Hans, doch wird sie später einen anderen Traum verfolgen. Sie ist die zweite Hauptfigur im Roman und liest bereits in Norwegen alles über Amerika.

Nesje, der durch Beharrlichkeit, Fleiß und Zuverlässigkeit seinen Lebensweg beschreibt, beschließt dort zu bleiben. Viele sind damals ausgewandert, um der Armut zu entkommen. Doch Nesje kennt das harte Arbeitsleben und er und seine Frau versuchen, stets das Beste aus den Umständen zu machen. Doch vieles verändert sich kontinuierlich und der Fortschritt macht die Situation für den Heumacher immer schwieriger.

Seriannas jüngerer Schwester Gjertine möchte dem entbehrungsreichen Leben entkommen. Sie will nach Amerika auswandern und ist voller Zuversicht und Träume. Doch das Leben ist dort ebenfalls nicht leicht. Viele, die das Glück und den Wohlstand in Amerika suchten, haben meist nur das Land gewechselt, selten die Lebenssituation, die auch durch harten Lebenskampf und Mühseligkeit geprägt ist.

Eine berührende und schön erzählte Geschichte, die auf vielen Wahrheiten beruht. Es geht um Lebensträume und Wege. Die einen fügen sich und die anderen versuchen ihrem Schicksal zu entkommen. Beide Wege werden aber stets aktiv begangen und Hoem lässt durch seine Literatur die Charaktere und die damalige Zeit sehr lebendig werden. Fast sinnlich tauchen wir in diese Welten ein. In diesem Roman geht es um den Wunsch nach Halt, Liebe und die Sehnsucht nach Ferne und Hoffnung. Hier sind es besonders die Frauen, die die Anstöße geben und ihrer Abenteuerlust nachgeben. Ein sinnliches, spannendes und wunderbar geschriebenes Leseereignis. Aus dem Norwegischen von Antje Subey-Cramer übersetzt.

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Lyrik Liebe

In der Literatur kann sich die Lyrik wohl am meisten erlauben. Lyrik darf alles und somit entsteht eine Freiheit und enorme Vielfältigkeit. Durch Sprache, Klang, Aufbau und Rhythmus werden unsere Gedanken, Emotionen und Seelen berührt. Das Gedicht mag verspielt sein und durch die gewählte Form dem Inhalt einen Rahmen geben. Es darf herausfordernd sein. Die Reduktion auf das Wesentliche macht die Lyrik zu einem Transporteur, denn durch die Gefühlswelt oder Gedanken, die in Worte gegossen werden, erreicht das Gesagte uns auf unterschiedlichen Ebenen. Die Lyrik hat es leider schwer. Diese Literaturgattung wird im Buchhandel gepflegt, aber mehr aus Leidenschaft zu dieser Kunstform. Doch hat jedes Gedicht, wenn es unsere Gedanken, Emotionen oder die Empathie in der Kurzform anregt, einen enormen Mehrwert. Dies meist bereits nach zügiger Inhalierung. Natürlich muss es gut sein. Doch wann ist es ein gutes Gedicht? Dann, wenn es gefällt, berührt oder überrascht. Es kann ganz einfach sein.

Durch den sich nähernden Valentinstag, der der Liebe und Anerkennung geweiht ist, möchte ich diesen Anlass nutzen, um diese Wertschätzung auf die Liebe zur Lyrik auszudehnen. Denn um Liebe geht es doch auch fast immer …

Drei Lyrikbände möchte ich nun vorstellen. Weitere werden demnächst folgen.

„Poems from a secret garden“ von Lalena Hoffschildt und Salih Jamal. Beide vernarrt in Literatur und in Gedrucktes. Es wird als lyrischer Briefwechsel deklariert und soll zufällig, als schreibendes Beifallprodukt entstanden sein. Die Beiden haben sich sprachlich gefunden. Ein Tanz um Liebe, um Annäherung, Abstoßung und Vereinigung. Im Inhalt wird der jeweilige Text zugewiesen, doch beim Lesen hebt sich die Trennung auf und selten blättert man zurück, um zu erfahren, wer es schrieb. Es sind Lovesongs voller Sehnen. Salihs Werk taucht in seinen Zeilen stets auf. Denn er schreibt immer in seinen ganzen Prozessen. Das Grau und Orpheus winken durch die Zeilen und bekommen durch Lalena einen Gegenpol, der den Klang übernimmt, verändert und auflöst, um neu zu entfachen. Ein chronologischer Reigen und Tanz um Gefühle. Eine Liebeserklärung an die Lyrik, an die Liebe und an das Leben.

„Manches ist besser geküsst als gesagt“ von Hellmuth Opitz. Diese Poesiesammlung besteht aus einer Auswahl seiner Liebesgedichte, die in einem Zeitraum von vierzig Jahren entstanden sind. Es sind Liebesspielereien. Opitz tastet sich an die Liebe, der zarten und der körperlichen, mit Worten und Bildern heran. Dabei spielt er mit Bildern, die durch die Sinnlichkeit der Sprache, die Liebe und die Erotik umgarnen. Das liebevolle Handeln steht dabei stets im Mittelpunkt. Denn vieles wird wohl wirklich besser durch einen Kuss als mit Worten gesagt. Es macht Spaß, Opitz zu lesen und in den Bildern und Worten seine Kunst zu entdecken. Beim Lesen entblößt sich das kluge Gedicht und Menschlichkeit sowie Liebe wird überall spürbar.

Um mehr Lyrik und eventuell einen neuen Zugang zu finden, sind auch Anthologien wunderbar. In diesen Sammlungen gibt es oft tolles zu entdecken. Im Jahr 2022 wurden Lyriker eingeladen, eine Lyrikkarawane zu kreieren. Dieser Austausch ist nun als Buch „Die Lyrikkarawane. Sichere Texttransporte. Sichere Gedichte“ erschienen. Es gab ferner Bühnenvorträge und Workshops an diversen Orten. Somit ist die Karawane losgetrabt und hat uns durch die lyrische Reise viel zu zeigen. Es sind dabei Bildgedichte, kurze Reime und lange Gedankengänge. Künstler und Künstlerinnen, die bekannt oder erst hierdurch entdeckt werden können. Es finden sich der Verleger und Autor Günther Butkus unter ihnen, Anna Sanner, die literarische Ninja-Frau und Franziska Beyer-Lallauret. Diese sind als Beispiel bereits schon oft im Leseschatz aufgefallen. Aber es gibt viele weitere Lyriktreibende, die diese Karawane beleben und neugierig auf diese Literaturgattung machen.

Also mehr Lyrik wagen und Spaß mit der Literatur haben.

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