Thomas Sautner: „Pavillon 44“

Es ist eine große Freude, den neuen Sautner zu lesen. Ein Spiel mit der Buntheit an Facetten, denn die Dinge sind nicht immer so, wie sie zu sein scheinen. Schon gar nicht bei uns Menschen. Unsere Welt wird immer verrückter und der Brennpunkt dieses launischen Romans ist eine Anstalt. Das Menschsein wird hier auf humorvolle und tiefgründige Weise entkernt. Doch der Narr, der sein Narrenkostüm ablegt, bleibt meist auch dann noch im Kern ein Narr. Wir werden mit der Lektüre zu Gästen, wenn nicht sogar zu Insassen, im Pavillon 44 und erkennen, dass das Wort Freiheit ein Bestandteil von Narrenfreiheit ist.

Es beginnt mit Dimsch, der eine Kiste Bier mit einem Freund teilt. Doch ist der Freund bereits wohnhaft in einem Mausoleum und die trinkfreudige Feier ist eine einseitige, die dennoch Aufmerksamkeit erregt, da Dimsch letztendlich nackt aufgefunden wird. Dimsch wird als verrückt deklariert und kommt in eine Anstalt.

In der psychiatrischen Anstalt am Rande Wiens arbeitet Primor Siegfried Lobell an spannenden Fällen. Er hat sich bereits einen Namen machen dürfen und ist ein gefragter Experte, Ratgeber und Fernsehgast. Er hat selbst seine besonderen Eigenarten und ist süchtig nach Pistazienmilch. Er ist eitel und schmückt gerne seine klugen Ideen als Zitate von Persönlichkeiten, damit sie im Gegenüber auch tatsächlich fruchten. Stolz ist er besonders auf sein Lobellsches Wasserglas. Dies ist ein Gedankenspiel, das er gerne mit seinen Gesprächspartnern und Studenten spielt, um zu belegen, dass ein Glas nicht nur ein Glas ist. Es kann ein Zirkel, eine Vase und letztendlich auch ein Trinkgefäß sein. Es liegt immer im Betrachter und dessen Anwendung. Er versucht das Rätsel „Mensch“ zu entschlüsseln und spürt dem Mysterium des Seins nach. Besonders dem eigenen.

Der Wirbel entsteht durch den Auftritt einer Schriftstellerin, die ihn ködert, weil sie einen Roman über ihn schreiben möchte. Im ersten Gespräch entsteht ein Wechselspiel zwischen den Beiden, denn sie kennen sich von der Universität. Sie möchte ihn und die Anstalt auch lediglich als Inspiration für ihr kommendes Werk nutzen und quartiert sich mit ein im Pavillon 44. Als dann noch Insassen verschwinden und Lobell diese sucht, findet er viele weitere Verrückte außerhalb …

Dieser Roman ist herrlich und beinhaltet nicht weniger als das Leben und seine verrückten Geheimnisse. Erneut geht Sautner aufs Ganze und unterhält dabei ungemein. Sautners Roman ist eine Aufforderung, das Leben anzuschmunzeln.

Vielen Dank an Autor und Verlag, dass ich das Werk bereits vorab lesen durfte und ich auf dem Buch zitiert werde.

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Minu Ghedina: „Am Rande das Licht“

„Am Rand das Licht“ beschreibt den biographischen Zustand wie bei einer Dämmerung, aus der sich aus der Dunkelheit langsam die Farben, das Licht und die Konturen herauslösen. Ein kunstvoller Coming-of-Age-Roman, der einen Protagonisten präsentiert, der nach dem bekanntesten Werk von Michelangelo benannt wurde. Ein David, der aber noch nicht sein Selbst gefunden hat. Schaut man sich die Monumentalstatue genau an, ist neben der Stärke auch eine Zartheit und Unsicherheit zu erkennen. Das Standbein benötigt statischen Halt und Michelangelo hat den David so perfekt aus dem Marmor befreit, dass sogar die Haut die darunterliegenden Adern erkennen lässt. So wächst auch der David von Minu Ghedina aus den Zeilen lebendig hervor und erinnert an Hesses Demian, der fragt: „Ich wollte ja nichts als das zu leben versuchen, was von selber aus mir heraus wollte. Warum war das so schwer?“. Somit ist auch erneut der Bezug zu Michelangelo zu erkennen, denn der bedeutendste Künstler sah im rohen Marmor bereits das Werk, das lediglich nur befreit werden müsste.

Der Roman ist in drei Abschnitte eingeteilt, die vom Suchen, Finden, Bleiben, Gehen und mittig vom halben Weg erzählen. Es ist der Weg, um etwas zu werden, etwas zu sein. Voller Schönheit, Wehmut und Antworten wird der Werdegang beschrieben, der von Bindungen, Lösungen und Haltfinden handelt. Davids Vater arbeitet in einem Museum und begeistert seinen Sohn früh für die Kunst. Doch empfindet David schon als Kind seinen Namen als Belastung, denn er ist nicht stark. Später reflektiert er sein Leben und erkennt, dass wir letztendlich bleiben, was wir sind. Dies wie ein Refrain bei jedem Kapitelanfang. Er sucht Stärke und schlägt sich dann auch mit einem Mitschüler, der eine Katze getreten hat. Doch ist dies nicht wirklich er. Doch wer ist er? Wo fing alles an? Sein Großvater bringt ihn in die Natur und auch dort sucht David seine Zuflucht und Kraft. Eine weitere David-Skulptur taucht auf, ein erschöpfter Held als Statue, die David den Weg aufzeigt, selbst Künstler zu werden. Doch sein Studium endet fast am Anfang, da er krampfhaft die Geschichte des Steines gedanklich erfassen möchte und sich nicht treiben lassen kann. Er kann sich selbst nicht lösen und traut seiner Intuition nicht. Er wird seinen eigenen Anforderungen nicht gerecht. Um sich zu finden, geht er in den Norden. Dort trifft er neue Freunde, die die Welt verändern möchten. Es sind Klimaaktivisten, die aber dann in Kunstmuseen Aufmerksamkeit schaffen wollen. Diesen Weg geht David nicht mehr mit. Doch sucht er im Leben etwas, was bleibt und dennoch verändernd ist. Dann findet er Briefe, die ein anderes Bild auf die eigene Familie werfen und erneut alles in Frage stellen. Die Geschichte wird neudurchdacht und David erhält Antworten auf seine Fragen.

Sich finden, einordnen und dennoch abgrenzen ist ein Weg, der schmerzhaft sein kann. Es ist der zweite Roman von Minu Ghedina. Nach „Die Korrektur des Horizonts“ hat sie erneut einen sehr feinfühligen Roman geschrieben. Nach Ada kommt nun David, der die Brüchigkeit und Festigkeit des Lebens erspüren soll. Minu Ghedina schreibt tiefgründig und facettenreich. Die Charakterisierungen sind glaubhaft und empathisch. Davids suchender Weg geht über Liebe, Kunst und Selbstfindung. Minu Ghedina hat einen ganz lieben Gruß zu uns nach Kiel eingebaut. Kiel taucht namentlich kurz auf und ein Buchhändler, bei dem David arbeitet, ist durch mich inspiriert worden und wer mich kennt und die Zeilen liest, wird mich erkennen können. Vielen Dank, liebe Minu Ghedina!

Ein fein herausgearbeiteter Roman, der sich vor dem Lebensweg, der Kunst, der Familie und der Liebe verneigt.

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Steve Rasnic Tem: „Das langsame Fallen von Staub an einem ruhigen Ort“

Hauptsache das Leben kommt irgendwann und lässt den Ärger draußen. Solche Gedanken durchstoßen wohl nicht nur die Menschen aus den vorliegenden Geschichten. Steve Rasnic Tem  hat Anglistik und Kreatives Schreiben studiert und schreibt seit den Siebzigern Kurzgeschichten in Zeitschriften und Anthologien. Auch Romane hat er verfasst, ist vielfach ausgezeichnet worden und hat einen Kultstatus. Verwunderlich also, dass dieser poetisch klingende Titel die erste deutschsprachige Veröffentlichung ist. Aber zumindest können wir den Autor jetzt endlich entdecken. Seine literarischen Arbeiten bleiben keinem Genre treu, entwickeln aber einen ganz eigenen Sprachraum, der uns eigentümlich berührt. „Das langsame Fallen von Staub an einem ruhigen Ort“ beinhaltet Erzähltes und wurde aus dem Amerikanischen von Gerrit Wustmann übersetzt. Der Übersetzer und Autor scheinen aufeinander gelauert zu haben, denn sie passen, sofern es aus der lesenden Distanz beurteilt werden kann, gut zueinander. Wustmann ist Lyriker, Autor und taucht in meinen zelebrierten Musikmagazinen stets auf.

Die Geschichten verbiegen sich immer zum Sonderbaren hin. Sie sind herrlich absurd, driften ab und überraschen uns. Doch liegt im Sonderbaren stets der Wink zurück zu uns. Auf unsere Gesellschaft und unser Tun. Der Mensch, der sich zurückzieht aus der Gesellschaft, der sich dem entziehen möchte und lieber in Büchern versinkt oder auf Züge wartet, die irgendwo, nirgendwo stranden, zeigt unser Lebensgefühl. Die Grenzen werden dabei ausgedehnt, die des Genres und die der Handlungsebenen. Ein Ladendieb taucht auf, der beulenartig das Entwendete unter dem Mantel verbergen möchte, doch dabei stets auffliegt, weil er erst den Kühlschrank, dann die Rolltreppe und dann die gesamte Kundschaft mitgehen lässt. Es sind alles irgendwie Einsame, die suchen, was sie im Leben wollen. Eine Reise, die mit einem nebulösen Zug zu einem Hafen geht, der eine Schiffspassage verspricht, die auf sich warten lässt. Das vermeintliche Entkommen aus der eigenen Tristesse führt meistens doch irgendwie zurück. Die Agierenden stehen somit sich selbst im Weg oder einfach im Abseits, doch begegnen sie dabei eventuell dem monströsen Leben. Das Kurzweilige zeigt sich in den nicht immer erbaulichen Geschichten. Die Kürze wird mit einem Immobilienmakler enorm verdeutlicht. Er trifft ein und ihm wird das unheimliche nicht vorhandene Haustierleben des Vormieters bewusst. Letztendlich ist es den meisten doch egal, was mit den anderen Menschen passiert, solange diese keine Berührungspunkte mit dem eigenen Leben haben. Dies ist der Knackpunkt der eigentümlichen Erzählungen. Sie wirken surreal und sind dann doch ein staubiger Hinweis auf unser Leben innerhalb der Gesellschaften. Eine Reise zu den Abgründen und Ängsten, die uns philosophische Gedanken anbietet, wenn man diese zulässt. Das Buch hat eine magische Suggestionskraft und verlangt ein beständiges Betrachten wie mit dem Titelbild bereits malerisch gewarnt wird. Eine Warnung, die aber getrost vernachlässigt werden kann. Es macht Spaß, Steve Rasnic Tem endlich auch hier entdecken zu dürfen, denn es sind Texte die magisch wirken, dann aber unheimlich gegenwärtig sind.

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Salih Jamal: „Vor der Nacht“

Ein Roman über Freundschaft, Halt, Verlust und Hoffnung. Erneut stürzt sich Salih Jamal in seine Figuren und Sprache. Dabei entsteht eine Bindung an die Charaktere, die uns nicht mehr loslassen werden. Ein Schriftsteller, der als Hauptcharakter aus der zeitlichen Distanz heraus auf die Jugend schaut, in der er im Heim mit anderen Jugendlichen einen Zusammenhalt fand, der letztendlich  zerbrach und er sich nun auf die Suche macht.

Eigentlich schreibt Salih Jamal seine Romanthemen immer weiter. Nur die Umfelder und die Namen verändern sich. Doch ist jedes Werk bisher eine lohnenswerte Reise. Auch „Das perfekte Grau“, das vorherige Werk des Autors, taucht auf. Cézanne sagte einst, dass man erst ein Maler ist, wenn man Grau gemalt hat. Dies verinnerlicht Salih Jamal stets in seinen Werken und die Charaktere sind somit niemals Weiß oder Schwarz sondern nähern sich dem perfekten Grau. Salih Jamal hat seine Wurzeln in Palästina und ist ein sehr belesener Autor. Seine Liebe zur Literatur wird in jedem seiner Bücher spürbar zelebriert. „Vor der Nacht“ ist wohl sein zartestes Werk und erinnert durch Sprachklang und Handlung an die Werke von Rolf Lappert: „Leben ist ein unregelmäßiges Verb“, Benedict Wells: „Vom Ende der Einsamkeit“ und an Zsuzsa Bank „Die hellen Tage“.

Jimmy, eigentlich Jonas, reflektiert über seine Geschichte. Viele Geschichten dieser Art beginnen und enden am Meer. Die meisten handeln aber davon, ein Land, eine Heimat zu finden. Er ist Schriftsteller und fixiert seine Erinnerungen und die damaligen Ereignisse. Die Geschichte seiner Eltern ist eine traurige, denn die Mutter stirbt und der Vater steht dann vor finanziellen Herausforderungen, die ihn zu einer Verzweiflungstat führen. Er kommt ins Gefängnis und Jonas ins Heim. Ein Kinderheim, in dessen Umgebung lediglich ein Wald, ein Fluß und die Autobahn sind. Die Heimmutter ist wie eine Wölfin, die ihre Zöglinge, die sich trotz des geräumigen Gebäudes die Zimmer teilen sollen, überwacht. Zum engen Kreis um Jonas, der bei seiner Ankunft von den anderen Heimkindern Jimmy genannt wird, gehören Frei, Lilly, Ilan Nussbaum, den sie Pappel nennen und Beria mit ihrem Bruder Sinan. Ferner die Heimleitung mit ihrer Tochter, die mit allen ihre Spielchen treibt und der Hausmeister, Gärtner und Fahrer Esteban.

Frei ist es, der Jimmy in die Heimwelt einführt und auch den Halt innerhalb der Gruppe anfänglich ausmacht. Frei, der später eine Steinmetzlehre beginnt, ist auch bereit, seine Kraft zu demonstrieren, besonders in der Schule, als zum Beispiel Jimmy angegangen wird. Sie zelebrieren ein abendliches Ritual, in dem sie sich alle einen Apfel teilen und sich dabei ihre Geschichten erzählen. Dadurch entsteht ein enormer Zusammenhalt. Doch gibt es eine äußere Welt, die immer mehr in das vermeintliche und innere Refugium eingreift. Plötzlich zerbricht alles. Zwei der Jugendlichen verschwinden und mit ihnen auch Esteban und ein Stallgehilfe vom anliegenden Pferdehof.

Jahre später, als Jimmy erwachsen ist und seine eigenen Weg finden muss, lassen ihn diese Geschichte und Ereignisse nicht mehr los und er begibt sich auf die Suche. Eine Reflektion über Zusammenhalt, Familie, Freundschaft, Schuld und Vergebung beginnt.

Eigentlich müsste „Vor der Nacht“ einen warnenden Sticker erhalten: Achtung, wenn Sie das Buch anfangen zu lesen, werden Sie bis zum Beenden nichts anderes mehr machen können,  geschweige denn wollen. Sosehr nehmen Sie Jimmy, Pappel, Lilly, Beria, Sinan und Frei in Beschlag. Denn während Sie lesen und jemand zum Beispiel Hunger hat und möchte, dass Sie kochen, werden Sie wohl nur in der Lage sein, einen Apfel zu reichen. Aber ein Apfel verbindet wiederum alles. Ein unglaublich gutes Werk.

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Hua Hsu: „Stay True“

Ein reiches Buch über Freundschaft, Integration und Erwachsenwerden. Der Autor hat ein Memoir geschrieben, als sein Verlust groß war und er sich an die enge Freundschaft erinnert. Er spürt den Fragen nach, was die Unterschiede waren, die trennenden Elemente und jene, die sie gemeinsam hatten. Innerhalb einer guten Freundschaft entsteht eine Membran, die das Ich durchlässig werden lässt und die Abgrenzung wird nebulös. Ferner ist es ein Blick auf ein ganz anderes Kalifornien. Der Blick der Einwanderer aus Taiwan.

Hua Hsu wurde 1977 geboren und ist Professor für Anglistik in New York. Er schreibt als fester Autor für den „New Yorker“. Seine Schwerpunkte sind Immigration, Diversität und öffentliche Wahrnehmungen. „Stay True“ gewann den Pulitzer-Preis und ist bereits sein zweites Buch. Nun liegt die deutsche Übersetzung von Anette Grube vor. Das Werk ist bereits als Druckmedium eine Bereicherung und wird authentisch ergänzt durch die Fotos, Notizen und anderen Ablichtungen.

Hua Hsu schreibt all das, weil es seine Weise ist, mit dem Verlust zurechtzukommen. Geschichten, hofft er, bauen Brücken über Abgründe. Der Text ist einnehmend und baut sich kontinuierlich zu etwas viel Größerem auf.  Der Titel ist einem schriftlichen Zuruf des Freundes entnommen, sich selbst treu zu bleiben. Doch was ist dieses Selbst? Dies ist der anfängliche gedankliche Prozess. Die Eltern stammen aus Taiwan und Hua Hsu versucht beide Kulturen, die in und an ihm wirken, zu ergründen. Er wägt ab und grenzt ab. Besonders am College, wo er unauffällig auffällig sein möchte. Literatur und besonders Musik prägen ihn. Musik, die handgemacht und emotional ist, spricht ihn sehr an. Er liebt die Songs von Nirvana, hadert aber dann mit seiner Individualität, als alle diese Band vergöttern. Er schreibt in einer eigenen Publikation über Musik, Film und Kunst und faxt seinem Vater, der zurück nach Taiwan ging, Gedanken die ihn umtreiben. Er findet meist etwas gut, wenn andere es nicht mögen. Das ist ein anstrengendes Unterfangen der Jugend. Dies ändert sich, als er auf dem Campus Ken kennenlernt. Sie mögen sich erst nicht. Ken achtet auf ein gutes Erscheinungsbild, hört ausgerechnet Pearl Jam und ist bereits gut integriert und hat einen Bekanntenkreis. Die anfängliche Distanz löst sich durch Ausflüge mit den Wagen der Eltern, Mixtapes hören und den Gesprächen auf. Es sind existentielle Themen, die sie neben Belangloses stellen und ergründen. Sie führen Balkongespräche, die sie vor den Kameraden inszenieren und aus gespielten Rauchern werden echte und wahre Freunde. Jede Zigarette war der Weg für weitere Gespräche. Diese und die Ausflüge an die Küste lassen die Freundschaft stetig wachsen. Doch dann ist Ken plötzlich weg. Er wird das Opfer eines sinnlosen Verbrechens.

Hua Hsu hält an der Freundschaft fest, er fixiert die Momente, die er erinnern möchte und hinterlässt einen literarischen Schatz. Die Geschichte einer Jugend, die ihre Verbindung mit der Gesellschaft sucht, sich von dieser aber auch abgrenzen will und den ganzen Sinn dahinter erspüren möchte. Ein großes Werk über Zugehörigkeit, Freundschaft und Trauerbewältigung. Das Werk inhaliert uns und erzeugt eine Bindung an den Erzähler, so dass wir integriert werden und den Verlust und das Schöne auf jeder Seite erleben dürfen.

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Margot Douaihy: „Verbrannte Gnade“

Ein ungewöhnlicher Krimi, ein Cosy Crime mit Ecken, Kanten und Düsternis. Ein Roman, der Spaß macht und danach ruft, nur mit passendem Soundtrack und Getränk inhaliert zu werden. Die Protagonistin mag wimmernde, schmachtende und aufschreiende Gitarrenmusik, raucht, flucht und ist eine Nonne in New Orleans. Somit geht der Soundtrack bei B.B. King los und endet beim Punkrock. Das Buch ist der Auftakt einer Reihe um die abgeklärte und coole Schwester Holiday.

New Orleans vergeht vor schwüler Hitze und die Nonnen verleben ihren Alltag mit Gottesdienst, putzen und Unterricht, denn die Anlage beherbergt eine Klosterschule. Holiday wurde von der Schwester Oberin aufgenommen und akzeptiert wie sie ist. Lediglich ihre Tattoos soll sie verbergen. Warum sie in das Kloster gegangen ist, wird stückweise erzählt und ist einer der Hauptbestandteile des ganzen Werkes. Dass sie anders ist, merken nicht nur ihre Schüler, denen sie Gitarrenunterricht gibt. Nicht alle sind bereit, sie als Schwester anzuerkennen. Dies liegt nicht nur an ihrer Musikliebe und ihrem Aussehen, sondern wohl auch an ihrer queeren Lebensweise.

Rauchen ist auf dem Gelände verboten, daher kann Holiday die für sich benötigten Tabakwaren den Schülern abnehmen, die sich erwischen lassen. Als sie in ihrer Gasse eine ihrer wichtigen Rauchpausen macht, beginnt das Chaos. Die Klosterschule ist Ziel eines Brandanschlages. Holiday kann noch einen Schüler aus den Flammen retten, für einen weiteren lediglich Hilfe organisieren. Doch für den Hausmeister, der brennend aus dem Fenster fiel, ob gestürzt oder gestoßen, kommt jede Hilfe zu spät. Da Holiday am Tatort war und es Getuschel gibt, weiß sie, sie muss selbst ermitteln. Dabei trifft sie auf die Brandermittlerin Riveaux und auf viele Geheimnisse.

Dieser Krimi verbreitet „Holy Smoke“ und ist ein gelungener Auftakt, der süchtig nach Holidays heiligem Geist macht. Der Roman wurde aus dem Amerikanischen von Eva Kemper übersetzt.  

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Helena Adler: „Miserere“

Das Buch erweckt zwei Gefühlsmomente vorweg. Ein Glücksgefühl, noch etwas von Helena Adler lesen zu dürfen und die Traurigkeit, dass diese Stimme verstummt ist. Es sind die letzten Texte, die Helena Adler noch fertig schrieb und vollendete. Sie hat mit „Die Infantin trägt den Scheitel links“ und „Fretten“ Aufmerksamkeit bekommen und wurde gefeiert. Die vorliegenden drei Texte sind zwischen 2022 und 2023 entstanden. Sie waren fertig und dennoch musste Helena Adler die Teilnahme am Bachmannpreis absagen, als ihr ein Gehirntumor diagnostiziert wurde. Somit erscheint „Miserere“ nun posthum.

Ist es die Steigerung einer Misere? Das würde zu der Infantin gut passen. Doch ist es, wie immer bei der Autorin, ein Wortspiel. Das Miserere stammt aus dem lateinischen „Agnus Dei“ und bedeutet erbarme Dich! Somit wird deutlich, dass diese letzten Werke eine persönliche Schau sind. Doch sind es typische Adler-Texte. Wortmalereien, die wie die Buchgestaltung düster, grotesk, traurig, schön sind und sogar mit dem Schalk spielen. Die Sprachlust der Autorin verzaubert. Mit  Hohn und Witz schaut sie auf uns, auf sich und auf das Gesellschaftliche. Drei Kurztexte, die sich bis zur „Miserere Melancholia“ steigern. Das Dorf Unterjoch zum Beispiel beherbergt Unterjocher. Die Berge darum nehmen Anlauf und ein Handwerker zementiert seine Geschichte. Denn der Bürgermeister Joch klatscht einer Frau einfach auf den Hintern. Misogynie und das Patriarchat haben die idyllische Berglandschaft im Griff und alle schauen schweigend zu. Wir reisen mit Helena Adler weiter, auch unter die Erde. Trotz des dort beschrieben Verfalls bleibt dann etwas in aller Munde. Die letzte Erzählung ist eine Lebensverneigung. Denn die Verneigung vor dem Leben ist somit auch eine Todesverneigung. Ein Zwiegespräch mit dem inneren Dämon, dem Wolpertinger oder Alp, der den Atem raubt. Der Dialog, der dabei entsteht, ist wortgewaltig und sinnreich. Das Spiel mit Begriffen und Wörtern eint alle Texte und diese sind somit der traurig-schöne letzte Beitrag einer viel zu früh verstorbenen Autorin.

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Der Leseschatz-Preis

Zum ersten Mal verleihe ich den Leseschatz-Preis und bedanke mich bei meinen Unterstützern, dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels und dem Literaturhaus Schleswig-Holstein. Dieser Preis geht somit zum ersten Mal an Arezu Weitholz. Die Preisverleihung findet am 11.3.2025 um 20:00 Uhr im Literaturhaus in Kiel statt.

Arezu Weitholz ist Autorin, Journalistin und schreibt Songtexte unter anderem für Herbert Grönemeyer und Udo Lindenberg. Sie erhält den Preis, weil ihr Roman in der Kürze einen Großraum zur Reflexion öffnet. Erneut ist es ein Text der Autorin, der feine Bilder durch ihre Sprache erzeugt und kluge Sätze, leichthändig einstreut, die niemals konstruiert wirken, sondern sich in der Handlung und im Sprachklang eingliedern. Ferner ist der Roman mit Meerwasser getränkt und durch den Lebensraum der Autorin ist ein nordischer Bezug vorhanden. Arezu Weitholz lebt in Berlin und in Schleswig-Holstein.

Die Figur deutet es im Roman selbst an, dass autofiktionale Literatur großartig ist, wenn sie verschachtelt ist. Ein Roman, der mit wenig Handlung viel zu sagen hat. Ein stilles Werk, das den Fragen nach Heimat, Zuhause und Fernweh nachspürt. Die Protagonistin hat viel mit der Autorin gemein und dadurch wird der Text sehr lebendig und authentisch. Wir erleben in einer traumhaften Umgebung die Orientierung einer Frau, die Fernweh als Heimweh nach Irgendwo empfindet. Das Meer ist dabei niemals nur eine Kulisse. Heimat und das empfundene Zuhause sind in uns und setzen sich aus allem, das uns ausmacht, zusammen. Den Beweis erbringt Arezu Weitholz am Ende. Nicht nur die Landschaft sondern auch Gerüche, Farben, Töne und ganz besonders Essen können uns ein Gefühl von Zuhause vermitteln. In der Kunst – ob Literatur oder Musik  – gibt es einiges, das sich zwischen den Tönen und Zeilen verbirgt. Dies ist es, das uns erinnern und reflektieren lässt. Wenn wir durch die Musik, die Worte oder die erzeugten Bilder mitgerissen werden, zeigt sich genau dieser Moment in der Kunst, der an uns reißt. Dieses Empfinden ist stets ganz individuell, lässt dann aber bei allen das Herz schneller schlagen und erweitert den Gedankenhorizont. Dafür sind nicht viele Handlungen nötig. Dafür benötigt es wenige Worte. Es sollte berühren: im Herzen oder im Kopf.

Der Handlungseinstieg lässt Erinnerungen an Stephen King „Shining“, Helen Wolff „Hintergrund für Liebe“ oder Mirko Bonné „Nie mehr Nacht“ zu. Somit ist sogar der Einstieg ein bisschen wie ein Heimkommen. Doch benötigt Arezu Weitholz viel weniger Spielraum, um uns das zu Erzählende zu vermitteln. Auch hat es nicht den Spannungsbogen, wie ihn Stephen King erzeugt. Die Spannung liegt im Entdecken und im mitgerissen werden anhand der Erlebnisse, Gedanken und Emotionen der Protagonistin.

Frieda bleibt im Tonstudio beim Synchronsprechen die Sprache weg. Die Worte haben keine Bindung mehr. Jonas, ihr Lebensgefährte, liest eine Anzeige über ein Hotel an der portugiesischen Algarve, das während der geschlossenen Monate gehütet werden soll. Frieda verlässt ihr Zuhause bis über den Jahreswechsel, um für sich allein zu sein und um sich selbst und die Sprache erneut zu finden. Sprache, die auch in Kurztexten im SMS-Stil mit Jonas ein Zuviel sein kann. Nicht alles muss geschrieben oder ausgesprochen werden, um gesagt zu sein. Das Hotel ist nicht ganz leer. Der Hausmeister, Handwerker und die Nachtwache tauchen auf. Auch die hoteleigenen Papageien und der Hotelhund Otto umspielen Frieda. Bei den Strandspaziergängen und Einkäufen taucht sie auch tangential in das Dorfleben ein. Dabei wird sie nach der Herkunft gefragt. Somit erweckt das Hotel Paraíso und die Umgebung Erinnerungen an Orte wach, die sie Heimat oder Zuhause nannte oder nennt. Dort, wo sie aufwuchs, war in ihr eine Spaltung durch das Elternhaus und die Tankstelle, die die Familie betreibt. Dabei war die Tankstelle mehr der Ort, an dem sich Frieda wohlfühlte. Das Fremdeln erlernt sie schnell, denn sie wurde adoptiert. Dennoch ist sie ein geliebtes Wunschkind. Durch die Beziehung zu Jonas, die neuen Kontakte im Paradies, die traumhafte Kulisse fragt sie sich, kann sie immer dazwischen leben?

Der Roman lebt vom Gedankenraum, der durch den Sprachklang und die Authentizität geöffnet wird. Es gibt Sätze, Momente und eingefangene Gefühle, die uns innehalten lassen. Die feine Sinnkrise ist zarter beschrieben als in „Beinahe Alaska„, dafür aber umfangreicher und stellt eine Suche in die Mitte, die uns alle betrifft.

Arezu Weitholz erhält hiermit den Leseschatz-Preis für „Hotel Paraíso“. Den Preis überreiche ich feierlich im Literaturhaus in Kiel. Dabei werden wir über das Werk sprechen und Arezu Weitholz wird daraus lesen. Es wird auch musikalische Begleitung geben. Danke an den Börsenverein und an das Literaturhaus.

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Ute Cohen: „Der Geschmack der Freiheit“

Eine Geschichte der Kulinarik

„Wer die Freiheit kosten will, sollte sie sich nicht nur um die Nase wehen, sondern auch auf der Zunge zergehen lassen“ (Ute Cohen)

Die Behauptung, etwas schlägt uns auf den Magen oder sofern wir nicht verkopft reagieren wollen, dass wir aus dem Bauch entscheiden, sind Wegweiser unserer geschmackvollen Weltsicht. Sofern wir die Sinne aktivieren und anregen, können auch Ideen wachsen. Wir behaupten ferner, sofern wir jemanden mögen, wir können ihn gut riechen. Somit sind viele unserer Welteindrücke mit den Sinnen verbunden. Jeder hat kulinarische Erinnerungen, die oft in der Kindheit wurzeln, die ein Gespür für Freiheit in sich tragen. Um es persönlich einzufangen: ich habe einen besten Freund, der damals ins Internat ging und somit sahen wir uns lediglich in den Ferien. Eines unserer Highlights war an einer Busendstation am Kiosk ein Heavy Metal Magazin und jeweils eine Dose Bier zu kaufen. Da wir Schüler waren, hatte dies etwas leicht Verbotenes, Anrüchiges und wir erlebten es als absolute Freiheit. Seitdem ist Dosenbier und Heavy Metal mein Freiheitsbegriff. Das Dosenbier ist wahrlich nicht die höchste Kulinarik, aber dies beschreibt das Jugenderlebnis, das Ute Cohen wohl mit ihrem Titel andeuten möchte. Denn Ute Cohen geht viel weiter. Sie umspannt die Geschichte der Kulinarik. Dabei wird sie philosophisch, sinnlich und persönlich. Jedes Kapitel ist ein Gaumenschmaus und kann einzeln inhaliert werden oder als Gesamtkunstwerk, als mehrgängiges Menü. Durch die Historie und Ute Cohens persönlichen Werdegang steht vieles in dem Buch mit Frankreich in Bezug, doch geht sie auch hier viel weiter und beweist immer wieder, dass die Freiheit durch den Magen geht.

Die Gastronomie, wie wir sie heute begreifen,  entsprang der Französischen Revolution und gerade „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ ist in der Schankwirtschaft vereint. In der Auswahl und Freiheit frei ein Gericht zu wählen. Gleichgesinnt am Tisch zu sitzen und brüderlich vereint den Moment zu feiern.

Die Kapitel erzeugen Lust und sind eine Tafel voller Wissen. Ute Cohen erzeugt eine Neugier und holt uns alle ab und lädt uns ein, Platz zu nehmen und einfach zu genießen.

Das Buch schaut in historische Kochtöpfe und folgt den Weg der Speisekarten bis in die Gegenwart. Ein verführerisches und süffiges Buch. Dr. Ute Cohen lebt als Schriftstellerin und Journalistin in Berlin. 

Nicht verpassen: Montag, 30. September 2024. 19:00 Uhr Lesung mit Ute Cohen in der Buchhandlung Almut Schmidt. Hauke Harder spricht mit Ute Cohen, die aus ihrem Buch »Der Geschmack der Freiheit« liest.

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Pol Guasch: „Napalm im Herzen“

Wenn die Realität unerträglich wird, hilft nur die Flucht in die Phantasie. Literatur ist hierfür ein wunderbares Portal. Doch öffnet sie sich in beide Richtungen. Bücher lassen uns der Welt entkommen, erklären uns diese aber wiederum auch viel besser. Dieser Roman ist ein Brandkampfstoff, der ins Herz trifft. In einer wunderschönen Sprache, die aber keine heile Welt erschafft, wird das Leben in totalitärem Umfeld in Frage gestellt. Es sind Bilder der vielfältigen Unterdrückungen, die den Menschen fliehen lassen. Raumflucht oder die Flucht in den erdachten Schutzraum. Dabei wird immer deutlicher, wenn das Menschliche versagt und die Menschheit dabei Oberhand gewinnt, stirbt das natürliche Umfeld. In der Umkehr gilt es ebenso. Denn als sich das Regime zurückzieht, kehrt in diesem Roman auch die Natur zurück. Ein Roman, in dem gleich am Anfang die Frage nach der Kunst des Lebens oder des Überlebens steht.

Die Unterdrückung wird sprachlich spürbar eingefangen. Dennoch ist es eine schöne Sprache, die nichts verschönt und zuweilen auch drastisch und brutal sein kann. Die Sehnsucht nach Freiheit gelingt dem Erzähler vorerst nur durch seine Träume, Texte und Phantasie. Die Heimat des Erzählers ist militarisiert und den Menschen wurde geraten, die Region zu verlassen. Einige sind aber geblieben. Eines Nachts gab es in der Fabrik einen lauten Knall und die Nacht wurde zum Tag durch gleißendes Licht. Dieser Moment hat alles verändert. Das Wilde erobert sich ihre Heimat zurück und Grenzen lösen sich auf. Der Erzähler lebt mit seiner Mutter in einer gewalttätigen Welt. Hoffnung, meint er, führe nur zur Niederlage und er findet sich ein in der trostlosen Welt. Alles wird reglementiert und streng bewacht. Kahlköpfige Männer bewachen, ordnen an und übermitteln die Botschaften und Post. So auch die Briefe des Erzählers. Schulden werden anhand von Kerbhölzern aufgeführt und ebensolche leise Liste macht sich der Erzähler auch für die Tage. Es sind bereits über neunhundert Tage nach dem Vorfall. Trost findet er nur in der Natur und in seiner Liebe zu Boris. Doch auch diese Liebe ist wie die ursprüngliche Sprache verboten. Die Menschen werden ihrer Herkunft beraubt und die Liebe darf nicht frei sein. Dagegen wehrt sich der Erzähler und hält an seiner Sprache und Liebe fest. Durch ihre Briefe und heimlichen Treffen versuchen sie, sich gegenseitig zu retten. Boris macht unerlaubte Fotos, die Lebensmomente und Gefühle fixieren. Die Mutter des Erzählers lässt eine für den Erzähler unerträgliche Nähe zu einem der Kahlköpfigen zu. Der Erzähler lebt in einem Umfeld, das Gewalt kennt und er langsam auch davon nicht mehr abweicht. Durch die Taten und das Erkennen der Situationen bleibt für ihn und Boris nur die Flucht übrig.

Ein poetischer Roman, der einen nicht mehr loslässt. Die kurzen Kapitel und die erzeugten Bilder bewirken eine Faszination, die einen gänzlich gefangen nimmt. Eine zarte Sprache, die dann in ihrer Sanftheit etwas Grobes verbirgt und uns entgegenschleudert. Was bleibt uns als Menschheit übrig, wenn wir nicht lieben dürfen, wen wir wollen, was wenn wir nicht leben können wie gewünscht oder sprechen dürfen, wie wir empfinden? Welche Schlupflöcher in unserer erkrankten Welt bleiben uns? Zumindest das der Literatur bleibt. Dies beweist „Napalm im Herzen“ von Pol Guasch. Der Roman wurde aus dem Katalanischen von Kirsten Brandt übersetzt.

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