Olga Ravn: „Meine Arbeit“

Das Buch ist ein Zermalmer des Alltäglichen und doch zeigt es genau dies: Die alltägliche Arbeit einer Mutter und einer Schreibenden. Dabei lösen sich Grenzen auf. Innerhalb der Menschlichkeit und in den Gattungen der Literatur. Ein Buch, das uns hineinzieht in eine reale Welt, die uns ständig umgibt und doch wenig betitelt wird. Eine Welt, die uns alle, egal welche Geschlechterrolle wir spielen, angeht. Das Buch ist nicht nur für Eltern oder Familien, es ist ein Rundumschlag und benutzt dabei alle erdenklichen Mittel. Wie in einer Zauberhutschachtel verlassen wir die bewussten Ebenen und versinken in den mehrfachen Anfängen, den diversen Fortsetzungen, den Tagebucheinträgen, Krankenakten, dem Schwangerschaftstagebuch und den Gedichten.

Die Erkundung beginnt im Versuch, die Mutterschaft literarisch zu fassen. Es ist Anna, eine schwangere Frau, 28 Jahre alt und Schriftstellerin. Später ist sie Mutter und lebt in Kopenhagen, dann Stockholm. Ihr Mann, Aksel, ist Schwede, Vater des Kindes und Dramatiker. Das Kind wird 2016 geboren und dadurch verändert sich alles.

Diese Betrachtungen waren ein Manuskript. Wirr und unsortiert. Wer hat es geschrieben? Anna, natürlich, aber dann taucht die Erzählerin auf. Ein verschachteltes Spiel mit Spaltungen beginnt. Die Erzählerin hat zum Geschriebenen eine Distanz. Die Erzählerin ist natürlich nicht Olga Ravn. Nach der Geburt ist sie, Anna, eine andere Frau geworden, die nun Jahre später ihre Literatur findet, ihre Notizen und Berichte. Anhand des Tagebuches erhält die Prosa eine Fixierung. Somit ist der Roman ein irrwitziges Schauen auf das Leben. Im Mittelpunkt der Lebensanfang eines Kindes. Der Weg dorthin und die lange schmerzvolle Geburt als einer der Anfänge, der den Mythos der Mutterschaft entkräftet und gleichzeitig bestärkt. Das Wunder der Doppeldeutigkeit gelingt großartig und bewegt. Im Mittelpunkt die Arbeit als Mutter und als kreativ Schaffende. Sie erlebt sich, ihr Umfeld und fragt, ob sie es schaffen kann. Die Geschlechterrollen überrollen sie und ihren Mann ungewollt. Kann sie genug lieben? Hat sie die Kraft? Die Schwangerschaft krempelt das Leben um. Anna verliert ihren Platz in der Welt und gerät in einen mentalen Schwebezustand, den sie zu fixieren versucht. Daher auch die dreizehn Anfänge. Das Neue im Leben benötigt die ganze Aufmerksamkeit und es bleibt kaum Raum für das Selbst. Die Beziehung ist bedroht. Angst vor dem Ungenügend sein überlagert den Beziehungsfrust und den Lebensschmerz. Als Mutter funktionieren zu müssen und leistungsstark zu sein verursacht Furcht. Anna schreibt fast manisch und alles, was sie nebenbei zu Papier bringt, sprengt Formen. Der Wunsch, ein ganz normales Buch zu schreiben, gelingt der Erzählerin kaum bei der monströsen Arbeit. Die Gedanken als Notizen oder durch lyrische Wahrnehmungen verlassen die Scham, entfremden sich und versuchen den Lebenshalt neu zu formulieren. Die heile Familie als Bild, als Metapher, wird sprachlich zermalmt und aufgebaut, denn am Ende steht eine neue Schwangerschaft.

Das Buch ist ein Gesamtkunstwerk aus Erlebtem, medizinischen Dokumenten, Dialogen und Emotionen. Jede Betrachtung bekommt einen eigenen Sprachraum. Inhalt und die verwendeten Stile sind Literarische-Tektonik. Aus dem Dänischen von Alexander Sitzmann und Clara Sondermann übersetzt. Ein erstaunliches Werk, das trotz des Umfangs schnell inhaliert werden kann, uns zügig in seinen Bann zieht und durchwühlt. 

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John Wray: „Unter Wölfen“

John Wray schaut erneut in die Welt der Nebenfiguren. Seine Aktivisten suchen einen Zusammenhalt in einer Gemeinschaft, die am Rand der Gesellschaft ist. Wray schaut in das Provinzielle innerhalb der Großstädte und Regionen und setzt Charaktere frei, die in uns ein Eigenleben entwickeln. Ende der achtziger Jahre in Florida, später L.A. und Bergen suchen junge Menschen, die aus schwierigen Familienverhältnissen stammen, einen Ausstieg aus der Gesellschaft. Sie betreiben eine Flucht, die sie der Realität entkommen lässt. Ihre Welt ist die Musik. Eine Musik, die aufbegehrt, die schreit, wimmert und den Zuhörer zu Boden wälzen kann. Sie feiern den Metal, der gerade die Einflüsse des Hard Rocks verlässt und das Extreme ausweitet. Es dienen dabei der Horror, das Phantastische und das Mystische als Ebene, um den Frust, die Verzweiflung und die Wut zu filtern. Doch ist es auch eine Flucht, eine Weltflucht, um dem Gesellschaftlichen, dem Biederen, dem Routinierten und dem Konsum entkommen zu können. Der Mensch erscheint in dieser Kunstform tierischer als jedes Tier, um sich selbst zu erkennen und einzudämmen. Dabei entsteht eine Freiheit, die nicht philosophisch, sondern durch Klang erzeugt das Unbewusste anregt.

Es sind drei Freunde, Kip Norvald, Leslie Vogeler und Kira Carson. Kip wohnt bei seiner Großmutter und hat psychische Probleme. Er gerät ab und zu in einen weißen Raum, der ihn vergessen lässt, während er äußerlich ausrastet. Leslie wohnt als Schwarzer bei seinen Adoptiveltern und ist oft rassistischer Gewalt ausgesetzt. Beide freunden sich an und durch Leslie lernt Kip den Death Metal kennen. Das Nihilistische und die hörbare Resignation verstärken ihren Eindruck der gesellschaftlichen Missstände. In Venice spielen viele ihrer Bands in kleinen Clubs und sie saugen alles auf. Dabei lernen sie Kira kennen, die mit ihrem brutalen Vater in einem Trailer lebt. Ihre Freundschaft, Liebe und Hingabe zur Musik lassen sie zusammenwachsen. Sie sind Ausgegrenzte, die ihre Verletzungen durch Härte kaschieren wollen. Dabei suchen sie die Wahrheit und Ehrlichkeit. Sie wollen die Dinge sehen und erleben, wie sie sind. Sie betreiben Realitätsflucht, wollen dabei aber nicht so tun, als wäre die Welt eine bessere, als sie ist. Ihr Soundtrack ihres Weges zum Erwachsenwerden ist ein verzerrter Klangraum, der stets das Extreme auslotet. Innerhalb der textlichen Ausrichtung der Musik gibt es eine Veränderung. Die Bands werden auch erwachsen und als zum Beispiel Metallica nach allgemeingültiger Gerechtigkeit fragen, beginnen auch Kip, Kira und Leslie die Dinge mehr zu hinterfragen. Sie verlassen die Sümpfe ihrer Kindheit, um im Kunstlicht von L.A. ihre Freiheit zu finden. Auch hier zelebrieren sie ihre Musiker und Bands in legendären Clubs. Ihre Liebe zueinander bricht und sie erkennen, dass sie sich zwar brauchen, aber auch gegenseitig herunterziehen. Besonders Kip ahnt, dass seine Liebe zu Kira unerfüllt bleiben könnte. Ihr Risiko ist immer die Dunkelheit, die sie droht aufzusaugen. Im Prolog verschwindet Kira aus dem Blickfeld. Was ist passiert und was erfährt Kip erst Jahre später?

Das vermeintliche Paradies in Florida als Kulisse einer Jugend, die im Filmlicht um Hollywood und in der mystischen Winterlandschaft Norwegens ihre Wege finden muss. Realitätsverlust aus Sorgen und Wut. Ein enorm lauter Aufschrei aus den Randbezirken der Gesellschaft als Kunstform hat nun auch die Literatur erreicht. Ein großer amerikanischer Roman über Liebe, Freundschaft und Kunst. Die Kunst als Metapher der eigenen Zerstörung, um Freiheit zu erlangen, kann nur als Bild funktionieren. John Wray schreibt mit viel Empathie zu seinen Figuren und erzeugt eine Stimmung, die uns wie ein Metal-Konzert nicht loslässt. Wenn das Saallicht ausgegangen ist, die Akkorde genossen wurden und das Licht erneut angeht, verbleibt ein Beben und Wummern. Ein Thriller und Entwicklungsroman. Man muß kein Metalhead sein, um sich in diesen Zeilen zu verlieren und sich in die Figuren zu verlieben. Antihelden in einer Welt voller Zerwürfnisse. John Wray beweist erneut sein Können als großartiger Erzähler. Sein Wissen um die Musikgeschichte und deren Akteure kennzeichnet ihn selbst als Fan. Übersetzt wurde der Roman aus dem Englischen von Bernhard Robben.

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Patrick van Odijk: „Der falsche Vermeer“

Ein wunderbarer Roman zum Abtauchen und zum Eintauchen. Abtauchen durch den Stil, die nahbaren Figuren und die spannende Handlung. Eintauchen in historische Ereignisse und in einen der größten Kunstskandale der Nachkriegszeit. Der Roman basiert auf dem Leben und Werk des niederländischen Malers Han van Meegeren. Er war ein Kunstfälscher, der in den 1930er-Jahren Bilder schuf, die er als echte Gemälde von Vermeer verkaufte. Im Roman ist es der Charakter Jan van Aelst.

Amsterdam 1945. Die Welt atmet auf, der Nazischrecken wirkt gebannt und nun werden die Täter, die Mittäter und Verbündete gesucht. Der exzentrische Künstler Jan van Aelst wurde verhaftet. Er soll mit den Nazis kollaboriert haben und das Werk „Christus und die Ehebrecherin“ von Vermeer an Goebbels vermittelt und verkauft haben. Doch er besteht darauf, es als Kunsthändler zwar vermittelt zu haben, aber niemals an die Kunsträuber der Nazis. Solange er nicht beweisen kann, dass das Bild nicht geklaut war und er den wahren Besitzer nicht nennt, bleibt er im Gefängnis. Er sagt, er habe der  Familie, in deren Besitz das Gemälde war, durch den Verkauf zur Flucht verhelfen können. Eine Familie, die nicht genannt werden möchte.

Eine Journalistin, Meg van Hettema, erfährt von diesem spannenden Fall. Sie war bereits während der deutschen Besetzung durch ihren Mut als Reporterin aufgefallen. Sie hat die Gräueltaten mit ihren Bildern und Texten fixiert. Nun, im Klima des Aufbruchs, möchte sie nicht über Alltägliches schreiben. Hat van Aelst die Nazis und die Kunstwelt raffiniert ausgetrickst?

Ein Roman, der die Figuren sehr lebendig werden lässt. Da die Begebenheiten auf einer wahren Geschichte beruhen, ist das Erzählte sehr authentisch. Ein gelungener Einblick in die Epoche, in die journalistische Arbeit, in die Kunstwelt und ihre Fälscher.

Ein spannender Roman, der mit Fakten und Fiktion spielt. Die erzählte Leichtigkeit macht Geschichte zugänglich. 

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Jann Wattjes: „Das Leben ist wie eine Schachtel Sardinen“

Ist Jann Wattjes überhaupt noch ein Geheimtipp, wie zuweilen behauptet wird? Er bespaßt seit Jahren die Poetry-Slam-Bühnen und konnte sich für Landes- und deutschsprachige Meisterschaften qualifizieren. Seine Texte sind klug, überraschend und witzig. Mona Harry behauptet, sie habe abgestimmt und Jann Wattjes ist der lustigste Mensch der Welt. Der Titel „Das Leben ist wie eine Schachtel Sardinen“ ist ein abgewandeltes Filmzitat und beim Lesen wird man selbst etwas verschroben wie Forrest Gump und versucht, die besten Pralinen zu finden. Doch sind hier fast alle schmackhaft. Meist aber nicht süß, sondern fischig. 

Die Ideen der Texte überraschen. In dieser Ausgabe befinden sich Bühnentexte, Kurzgeschichten und Teamtexte mit August Klar. Als Slammer traut er sich was, denn ein Gedicht hat sich auch in die Anthologie geschummelt. Jann blickt über die Ränder seiner ganzen friesischen Tellersammlung. Dabei fällt es uns und besonders ihm schwer, die Grenze zwischen Erzähler und Jann zu finden. Wer ist fiktiv? Descartes, so schreibt er, hatte unrecht. Er denkt, also ist er selbst, der Jann, wahrscheinlich von Jann nur ausgedacht. Denn wenn er sich die Figuren in der Sardinen-Schachtel ausdenken kann, kann er sich doch auch einfach selbst ausgedacht haben. Ob die Texte sinnvoll und tiefgreifend sind, obliegt den Menschen vor den Zeilen. Jann versucht zumindest einen Sinn zu finden und stellt fest: „Gerade als ich den Sinn des Lebens verstanden hatte, wurde er geändert“. Das Tiefe wird durch Albernheiten, Beobachtungen und Anspielungen kaschiert. Jann spielt mit seinen Gedankenblitzen und ist sehr sprachgewandt. Egal ob er über kapitalistische Beerdigungsmodelle, Katzen, Bären, King-Drive, Aliens, Weihnachten im Liveticker, Achterbahnen oder den unterirdischen Zoo schreibt. Das Unterirdische ist dabei nicht geografisch, sondern wertend gemeint. Wir reisen mit ihm nach Rhoscolyn, hoffen Wale zu sehen und haben einen Ohrwurm von Marillion. Es wird auch mal politisch, denn wenn ein Marder, der alles annagt, plötzlich ein Politiker von rechts außen ist, wird es gruselig. Alle Texte werden durch Marginalien am Ende ergänzt. Diese sind nicht immer hilfreich oder erklärend, eher als der Versuch sich als Autor zu erklären, zu verstehen. Ebenfalls witzig.

Jann ist ein stiller Beobachter. Er macht sich aus Vielem seinen Spaß. Er verwandelt das Alltagsgrau in Humor und lässt uns an dieser, seiner Alchemie teilhaben. Seine Scherze sind schmunzelnde. Ein leicht verschrägter Humor, der sich oft, aber nicht immer sofort erschließt. Er ist Katzenmensch und sein Hauptanliegen ist, wenn man seinen sozialen Netzwerkoffenbarungen glaubt, daß es den Haustieren gefällt (Beweisfotos anbei). Tiere kommen in dieser Schachtel ja auch mannigfaltig vor. Man könnte mit dem Buch ferner auch Janns und Selinas Spiel spielen, das nächste Tier, das auftaucht, bist du …  (Werden wir hier Zeuge eines Zeitparadoxons? Hat das Buch Descartes zu seinen Thesen angeregt?)

Jann zu lesen macht viel Freude. Seine Kurztexte – in gedruckter Form, in den sozialen Netzen und auf den Bühnen vorgetragen – machen einfach Spaß. Es ist ein Werk voller Widersprüche, Alltagskomik und seine Haltung zum Leben. Textanalyse zum Zugreifen. Einfach in die Schachtel fassen, man weiß nicht wirklich, was man bekommt. Sardinen sollte man wohl vermuten, aber lesen sie selbst. Also dann, dör de Dör dör!

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Caroline Wahl: „Windstärke 17“

Caroline Wahl vertieft sich sehr in ihre Figuren und lässt diese sehr lebendig werden.  Ihr Debütroman „22 Bahnen“ begeisterte. Mit ganz viel Hingabe stürzen sich die Figuren in die Lebensfluten und die Autorin in ihre Texte. Das Dramatische erhält durch die Sprache und den melancholischen Humor eine Tiefe und Schönheit. Eine Figur hat Caroline Wahl aus „22 Bahnen“ nicht losgelassen, Ida. Ida explodiert in unseren Köpfen und geht weiter als ihre Schwester Tilda. Beide Romane stehen für sich und funktionieren wohl auch gut ohne einander. Doch ist es dieselbe Welt und Familie.

Ida ist voller Wut. Ein Wutklumpen grummelt oft in ihr, der lediglich etwas kleiner wird, wenn sie es herausbrüllen kann. Auch schwimmen hilft. Sie schwimmt aber nicht wie ihre Schwester genau 22 Bahnen, sondern stürzt sich fast schon gefährlich in die Fluten. Doch vorerst ist sie nicht am Meer. Ihre Mutter ist an einer Überdosis gestorben und Ida zieht einen Schlussstrich. Sie kündigt die Wohnung und zieht los. Eigentlich zu Tilda, die in Hamburg mit Viktor und ihren Kindern lebt. Tilda sorgt sich stets und hat Ida auch ein Busticket organisiert. Das ist lieb gemeint, macht Ida aber auch wieder wütend und sie nimmt einfach einen Zug und strandet auf Rügen. Hier wird ihr ihre Erschöpfung immer deutlicher, besonders wenn sie sich im Meer ausgetobt hat. Vorerst wohnt sie in der Jugendherberge, trifft aber dann auf Knut, der die Kneipe „Robbe“ betreibt. Hier darf sie arbeiten. Sie kapselt sich gänzlich ab, hat es nicht auf die Beerdigung ihrer Mutter geschafft und lässt ihr Handy lange im Flugmodus. Sie weiß, Tilda wird sich Sorgen machen. Ihre Verzweiflung und Wut zeigen sich in ihren wagemutigen Schwimmausflügen. Sie vergisst dabei sich selbst und wird krank. Somit wird Marianne, die Frau von Knut, auf sie aufmerksam und beide nehmen Ida auf. Bei Knut und Marianne wird der Wutklumpen immer kleiner. Sie erlebt hier eine familiäre Welt mit gemeinsamen Frühstücken, Spaziergängen und Spielen. Marianne ist es, die Ida sehr hilft und sie beginnt den Schmerz, die Wut zu akzeptieren und sich somit selbst zu akzeptieren. 

Sie lernt auch Leif kennen. Er lebt in Hamburg und macht auch gerade einen Rückzug ins Innenleben. Er ist Musiker, d.h. ein gefragter DJ, der ähnlich versehrt ist wie Ida. Mit ihm wird aber auch alles etwas leichter und eine Liebesgeschichte deutet sich an. Gemeinsam fahren sie nach Hamburg, er in sein bisheriges Leben zurück und sie besucht Tilda. Auf diesem Ausflug erkennt sie die Welten der anderen, die von Tilda und die ihr bisher unbekannte Seite von Leif und erneut scheint ihr das kleine Glück aus den Händen zu rinnen. Ihre Welt wird erneut auf den Kopf gestellt.

Caroline Wahl erzeugt Bedingungen, die ihre Figuren schwach werden lassen, aber dies niemals werden oder sind. Sie trotzen den Windstärken des Lebens und in den widrigen Umständen suchen sie nach der Schönheit. Ida trifft uns sofort ins Herz. Wir leben, leiden und empfinden alles mit. Die beiden Romane erzeugen eine Begeisterung, wenn sie chronologisch, „22 Bahnen“ erst, dann „Windstärke 17“, gelesen werden. Doch ist es keine Bedingung. Ida bohrt sich auch ohne Tildas Vorgeschichte in unsere Emotionen. Caroline Wahl findet einen ganz besonderen Sprachsound und ihre Beschreibungen sind stets wunderbar tröstlich, traurig und unglaublich witzig zugleich. Alles ist in ihren Texten traurig schön und macht einfach Mut, sich in die Fluten des Lebens zu werfen.

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Shichiro Fukazawa: „Die Narayama-Lieder“

Die Handlung wirkt der Realität enthoben und erzeugt den Eindruck einer erzählten Legende. Doch ist es ein rein literarisches Werk voller Symbolik, die uns innehalten lässt, anregt und stille Fragen stellt. Die Novelle ist 1956 erstmalig in Japan erschienen, lässt sich aber zeitlich im Inhalt nicht fassen. Erzählt wird von einem einfachen Dorfleben, das durch Hunger getrieben, bestimmte Rituale vollzieht. Das Werk war bereits in deutschen Versionen erschienen, doch waren diese stets der französischen Übersetzung entnommen. Nun liegt eine Übersetzung aus dem Japanischen von Thomas Eggenberg vor, die durch lesenswerte Erklärungen und Nachwörter ergänzt wird. Die Erzählung wurde zweimal verfilmt (u.a. als „Die Ballade von Narayama“)

Ein kleines japanisches Dorf in einem rauen, lebenskargen Hochland. Die Bewohner leben unter ärmlichen Bedingungen und der Alltag wird von der Natur und den Wettereinflüssen bestimmt. Das Miteinander ist wichtig und Diebstahl führt zur Verbannung, was einem Todesurteil gleich kommt. Die Dorfbewohner zählen aufeinander und die Anzahl der Bewohner ist durch die Lebensbedingungen begrenzt. Reis gilt als ganz besonderes Nahrungsmittel und Hunger bestimmt den Lebensalltag. Dies führt dazu, dass, wenn es zu mehr Nachwuchs kommt als der Gemeinschaft gut tut, Säuglinge ausgesetzt werden. Ferner gebietet es der Brauch, dass die Alten mit siebzig Jahren sich auf den Gipfel des Narayama begeben, um nicht zurückzukehren.

Orin sorgt sich um das Glück ihrer Familie. Sie wird bald die Reise zum heiligen Berg antreten und ihr verwitweter Sohn und ihre Enkel wären dann auf sich gestellt. Es gibt ein weiteres Dorf, lediglich das andere Dorf genannt, und von dort organisiert sie eine neue Schwiegertochter. Jedes neue Mitglied wird wahrgenommen als ein weiterer Mund, der durchgefüttert werden muss. „Kein Essen“ gilt daher als schlimmste Beleidigung und Strafe. Der Zusammenhalt wird geprägt durch die archaischen Bedingungen, den Glauben und die Lieder. Der Gesang wird mal umgedichtet, um zu beleidigen, zu loben oder durch humorvolle Zeilen ergänzt. Orin plant bereits schon lange ihren Aufstieg zum Narayama, um dem Gott zu begegnen. Ein Brauch, den sie für die Gemeinschaft oder für ihren Glauben vollzieht. Sie hat das übliche Abschiedsfest geplant und vorbereitet und hofft, wenn sie den richtigen Moment abpasst, dass auch der Schneefall einsetzt, ein positives und göttliches Zeichen für das erbarmungslose Ritual. Ihr noch gepflegtes Aussehen, besonders die intakten Zähne, bereitet ihr Sorgen und bringt ihr zuweilen auch den Hohn der Gemeinschaft ein. Der Weg zum Gipfel folgt einem genauen Ritual, der ihrer Begleitung still anvertraut wird und in der Durchführung genauestens wiederholt wird. Somit ist auch die Erzählung geprägt durch Wiederholungen, die wie ein Mantra die Empfindungen verstärken. Das Mystische, die Traditionen und die Rituale mit ihren bestimmten Liedern erzeugen eine Authentizität, die aber, auch die Liedtexte und Melodien, der Kreativität von Shichiro Fukazawa zuzuschreiben ist.

Senizid als Hauptthema, verwoben mit den Figuren, den Bildern und dem Sprachrhythmus erzeugt einen Klang, der uns bewegt und lange beschäftigen wird. Das vermeintlich Althergebrachte verliert in der Gegenwart nicht an Bedeutung. Vieles in dieser sehr kurzen Erzählung ist  voller Metaphorik. Interpretationsmöglichkeiten ergeben sich ganz individuell, ohne Anstrengung und werden großartig ergänzt durch die Erklärungsangebote im Anhang.  Ein kleines Meisterwerk aus Japan.

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Robert Steinmüller: „Die Meere des Mondes“

Ein Kunstwerk, das den Beweis für die Wirkung der Literatur darstellt. Als gedrucktes Buch mit den eingeklebten Bildern und den inhaltlichen Gedankenspielen ist es eine wunderbare Entdeckungsreise. Hier trifft Nature Writing auf Science-Fiction. Diese Naturlyrik entführt uns, lässt uns träumen und das Erlesene bekommt in unserer Phantasie einen Wahrheitskern. Die Literatur lebt der Wirklichkeit voraus und meist sind es die Geschichten, die unseren Geist beflügeln und uns antreiben, die Realität der Literatur anzupassen. Mit Jules Verne waren wir bereits auf dem Mond, bevor wir tatsächlich dort landeten. Mit Ben Bova erkundeten wir durch seine Bücher den Mars auf erschreckend realistische Weise. Nun versetzt uns Robert Steinmüller genau in jene Zeit zurück, wo der Mond noch magisch war. Nicht nur seine dunkle Seite beflügelte die Kreativität der Literaten, der Filmemacher und Musiker.

In der frühen Mondforschung hielt man die dunklen Tiefebenen des Mondes für Meere und beschrieb sie deshalb mit maritimen Begriffen. Das Buch folgt den Aufzeichnungen von Enzo G. Benevolio (1742 – 1795). Ein Student der Lehren nach G. B. Riccioli (1598 – 1671), dem Namensgeber der Mondmeere. Für die Menschen ist es seither ein Traum, die Meere des Mondes zu bereisen und zu erforschen. Benvolio ist Mondforscher und Kenner, er berichtet über die Meere und sagt, wenn wir einmal die Meere des Mondes besucht haben, werden wir den Ort stets in uns tragen, der uns somit auch verwandelt. Die Mondmeere als Reiseziel, um letztendlich uns und unsere Welt zu verändern. Eine bildhafte Vorstellung eines Gelehrten zur Zeit der Aufklärung. Die Landschaften mit tropischen Urwäldern, mit Ozeanen, die kalt, stürmisch, ruhig oder unermesslich sind. Dabei erforschen wir Fauna und Flora des Mondes. Das unbekannte Leben erwacht durch diese Zeilen. Alles eine Illusion? Beim Durchlesen wird diese Frage immer belangloser, denn die Abenteuer, die wir durch das Buch erleben können, scheinen unglaublich real.

Das Buch ist eine Bereicherung und wenn das Reisen für einige wohl gar nicht möglich ist, ist es ein wunderbares Gedankenspiel, denn wenn die Welt schon nicht erreichbar ist, warum dann nicht einfach durch die Literatur zum Mond fliegen? Ein Gedankenspiel, das inhaltlich und in der Drucklegung begeistert. Hierbei zeigt sich auch die verlegerische Liebe, denn mit sehr viel Hingabe wurde das wunderschöne Werk gefertigt. Die Meere sind durch Karten erfahrbar und durch handeingeklebte Bilder, die sich hochklappen lassen, visualisiert. Die Texte werden durch diverse Zeichnungen belebt.

Das Buch ist ein Wunder. Die Meere des Mondes als lebendige Wasserlandschaften faszinieren. Die Möglichkeiten eröffnen phantastische, wunderbare und philosophische Fiktionen. Das Buch erweitert unseren fixierten Lebensraum ins Unermessliche. Diese Auslegungen sind Wunschträume, die in den alten Betrachtungen münden. Dabei wirkt es so real und wir glauben den Schriften von Enzo G. Benvolio. Doch ist es ein fiktiver Charakter. Diese Aufzeichnungen existierten nicht. Doch was, wenn wir ihm glauben wollen und die Abenteuer einfach weiterträumen …

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Jakob Pretterhofer: „Die erste Attacke“

Ein spannender Roman über den Wunsch, alle, die im eigenen Umfeld geliebt werden, zu beschützen. Sogar vor Alpträumen. Das Bewahren vor Negativem in der Welt und in der eigenen Psyche kann nicht wirklich gelingen, wenn es lediglich durch Verdrängung gelingen soll. Wenn in der Gesellschaft alles Verletzliche von vornerein ausgeklammert wird, auch in der Begrifflichkeit, kann keine gute Verarbeitung geschehen.

Der Roman wird aus der Sichtweise eines besorgten Vaters erzählt. Die Handlung spielt an wenigen Tagen und ist voller Situationskomik innerhalb des Gruppengefüges und spitzt sich dann alptraumartig zu einer Eskalation zu. Die Handlung basiert auf den Tagebucheinträgen des Vaters, der am 1. Juli einen Alptraum hatte, den er heimlich genossen hat. Am kommenden Tag geht es in den Urlaub. Sie fahren mit zwei weiteren Familien in die Natur. Sie nennen ihre gemietete Unterkunft eine Hütte und doch ist es ein unromantisches Haus, eher ein leicht marodes Ferienlandhaus. Somit gerät bereits hierbei die Wahrnehmung durch die Begrifflichkeit in eine Schieflage. Die drei Familien sind alle ganz anders, doch eint sie die Ansicht zum Thema Kindererziehung. Es sind insgesamt fünf Kinder dabei. Die Kinder werden vor jeglicher Gefahr vorbereitet und selbst auf der Hinfahrt meint  der Vater, das Auto würde brennen und ruft den Probealarm aus. Die Kinder kennen den Vorgang spielerisch und sind leicht genervt.

Im Urlaub sind Wandern und Spielen vorgesehen. Aber auch die bestimmten Rituale, wie Traumtagebuch schreiben, gute Gedanken erzeugen, negative Last abschütteln und die jeweiligen Bettgehrituale. Diese bestehen aus Vorlesen, Singen und sich gute Träume wünschen. Denn Alpträume sind für alle furchtbar. Vor Kurzem litt die Tochter des Erzählers unter Träumen, die sie schreiend aufwachen ließen. Aber durch eine Therapie, die sich der Vater ausgedacht hatte, scheint alles beseitigt zu sein und das Kind schläft wieder gut. Doch läuft im Urlaub einiges schief. Nicht alle Kinder vertragen sich. Die Kinder sind Reflektoren und ihre Wesenszüge spiegeln die der Eltern, die manipulierend, verständnisvoll oder sogar versteckt aggressiv sein können. Einige Kinder bekommen Alpträume, mögen aber nicht darüber reden und Stress breitet sich bei den Erwachsenen aus. Die Träume breiten sich aus und gleichen diese dem Traum des Vaters vor der Abfahrt? Ist es ein kollektives Erlebnis oder ist eine Grenze in der Erziehung überschritten worden? Als dann die Kinder verschwunden sind und dann auch noch die Autoschlüssel, eskaliert die Situation.

Der Alp, der sich uns auf die Brust setzt und den bösen Traum beschert, wird hier auf psychologischer Ebene lebendig. „Die erste Attacke“ ist ein unterhaltsamer und böser Spaß in unserer Traumwelt und Realität. Der Handlungsaufbau und die Erzählweise erzeugen eine dichte Spannung, die in die Nähe eines Psychothrillers kommt. Doch ist es ein darüber hinausgehender Roman, der diverse Reflektoren für unsere Gesellschaft anbietet.  

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Dave Eggers: „Die Augen und das Unmögliche“

Ein wunderbarer Hunderoman für die ganze Familie über den Wunsch nach Freiheit. Dave Eggers bekannt durch seine Romane „Der Circle“ und „Ein Hologramm für den König“ schreibt auch Kinder- und Jugendbücher. „Die Augen und das Unmögliche“ ist ab 12 Jahren geeignet, aber egal welche Altersgruppe das Buch lesen wird, wird den charmanten Held, Johannes, sofort ins Herz schließen.

Johannes ist ein freier Hund, der in einem Park lebt. Es ist ein Nationalpark, der am Meer liegt und von vielen Tieren bewohnt wird. Es sind Vögel, Bisons, Erdmännchen, Enten, Ziegen und Waschbären. Die Tiere sind keine Begleiterscheinungen und stehen nicht als menschliche Metapher zur Verfügung. Dave Eggers lässt die Tiere für sich selbst wirken. Im Mittelpunkt steht der Hund. Er lebt seit seiner Kindheit im Park. Seine Mutter, die bei Menschen lebte, hat den Park aufgesucht, um ihren Wurf im Park zur Welt zu bringen. Die Mutter und später die Geschwister von Johannes sind zurück bei den Menschen. Johannes ist für die Bisons, die eine zentrale Rolle im Park einnehmen, die Augen. Johannes rennt gefühlt mit Lichtgeschwindigkeit durch die Natur und dabei beobachtet er alles, denn das Gleichgewicht im Park ist wichtig. Die Menschen kommen immer näher und erweitern sogar das anliegende Museum, das Johannes mit den Gemälden ganz in seinen Bann zieht. Die Bilder bringen ihn sogar in eine Gefahr, aus der ihn nur seine Freunde, die anderen Tiere, befreien können. Ferner fühlt sich Johannes für die Bisons verpflichtet und möchte den mächtigen Freunden die Freiheit schenken. Ein Plan muss her, wie er sie aus ihrem Gehege befreit bekommt. Dann tauchen auch noch Ziegen auf und diese kommen vom Festland, um im Park zu fressen. Von Ziegen und vom Festland haben die Tiere im Park noch nie gehört und der mutige Kampf um Freiheit beginnt für die Freunde.

Das Buch ist stimmig illustriert von Shawn Harris. Die Bilder zeigen klassische Landschaftsgemälde längst verstorbener Künstler. Shawn Harris hat Johannes in die Bilder im jeweiligen Stil hineingemalt.

Eine witzige, wunderschöne Parabel über Freundschaft, Freiheit und das Gleichgewicht der Natur. Das Buch wird schnell zu einem Lieblingsbuch. Die Übersetzung stammt von Ilse Layer.

Siehe auch Leseschatz-TV – Videolink (YouTube)

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Benoit d`Halluin: „Nacht ohne Morgen“

Ein raffinierter Roman um die Geheimnisse der Liebe. Es handelt sich um einen Debütroman, der sofort eine Spannung aufbaut, dass man atemlos bis zur Morgendämmerung nach der Nacht ohne den vermeintlichen Morgen wartet. Es geht schlichtweg um die Liebe, die man schenkt und empfängt. Doch sind das Erkennen und das vertrauensvolle Geben nicht selbstverständlich. Denn es gibt die grenzenlose, die bedingungslose und die Liebe, die festzurren möchte. Vorangestellt ist ein Lebensspruch, der sich aus dem Roman selbst zitiert: „Für ein Schiff, das seinen Kurs nicht kennt, weht kein Wind günstig“. Somit geht es im Werk ferner um das Selbsterkennen, annehmen und akzeptieren.  

Der Prolog beginnt in den Catskills, dem Mittelgebirge im Norden des Staates New York. Alexis geht spazieren und wird angefahren. Es ist kein Unfall, denn das Fahrzeug wendet, als es ihn zuerst nicht erwischt hatte. Somit wird ein Wagen zu einer Waffe umfunktioniert.  Alexi scheint den Fahrer, bevor er fällt, zu erkennen.

Catherine erhält einen Anruf von einem fremden Mann. Es ist Marc der ihr berichtet, dass ihr Sohn, Alexis, in einem New Yorker Krankenhaus im Koma liegt. Für Catherine bricht eine Welt zusammen. Eine Welt, die ihr auch viele Geheimnisse vorenthielt. Denn Marc ist der Lebensgefährte von Alexis und davon wusste sie bisher nichts. Marc, der in New York lebt, ist gerade in Frankreich und holt sie ab und gemeinsam fliegen sie in die Stadt, die eigentlich niemals zu schlafen scheint. Der Roman wird ummantelt von dieser Reise zum Flughafen, dem Flug über den Atlantik und die Ankunft in New York.

In der Handlung springt der Roman zurück in die Vergangenheit. Marc lebt als Kind auf Korsika. Seine Mutter hat die Familie früh verlassen und der Vater verbannt ihn als Teenager, als er mitbekommt, dass Marc sich in einen Jungen verliebt hat. Er geht auf das französische Festland, macht Karriere und wird später in New York sehr erfolgreich. Doch kann er keine Liebe oder Bindung finden. Er hatte eine feste Beziehung, die aber krankhaft wurde und Marc immer wieder einholt. Sein Glück findet Marc mit Alexis. Alexis erkennt seine Sexualität früh, wird dann aber von seinem Lehrer, der den Theaterkurs leitet, missbraucht. Diese empfundene Scham behält Alexis lange für sich und kann dadurch seiner Familie auch nie die ganze Wahrheit sagen. Er flieht, vorerst vor der Schule und später von der vertrauten Umgebung, und trifft auf Marc, die Liebe seines Lebens.

Doch nun liegt Alexis im Koma und wurde mit Vorsatz angefahren. Catherine,  die mit Marc unterwegs ist, fragt sich, wer der Mann ist, der für sie alles mitorganisiert, der von ihrem Sohn anscheinend bedingungslos geliebt wurde. Kannte sie überhaupt ihren Sohn, wenn er über seine Liebe nie gesprochen hatte und wer hat ihm den Tod gewünscht?

Der Roman baut sich schichtweise auf und ist klug komponiert. Die Handlung spielt vor der Kulisse einer wunderschönen mediterranen Landschaft im Wechsel mit der Großstadt. Es gibt viele Ansätze, die zu einer Auflösung führen würden. Bis zum Ende fiebert man aber mit, wer den Anschlag verübt hat und ob die Nacht voller Lebenslügen einen Morgen erfährt. Aus dem Französischen von Paul Sourzac übersetzt. 

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