Die Literaturzeitschrift „Literatur und Kritik“

Eine Literaturzeitschrift, die die Vielfältigkeit der Literatur darstellt. „Literatur und Kritik“ erscheint jährlich in fünf Doppelnummern. Die aktuelle Ausgabe beinhaltet Beiträge zum Themenschwerpunkt Österreich. Passend zur Leipziger Buchmesse, auf der sich Österreich als Gastland präsentieren durfte. Der Messeslogan „meaoiswiamia – Doch: Wer ist `Wir´“? verwirrt und will doch zeigen, was Literatur vermag.  

Das Magazin ist ein gelungener Rundumschlag. Neben Kulturbriefen, Erinnerungen und Lyrik wagt es das Wechselspiel von Literatur zur Kritik und zurück zur Literatur. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Reiseführer Österreich. Dies bedeutet, dass sich Autorinnen und Autoren in verschiedenen Landstrichen poetisch niederlassen und die Landschaft in Worte kleiden, um uns jene Regionen vor Augen zu führen. Wir beobachten zum Beispiel Wolken, die auf und ab ziehen. Der Blick wird dabei von den Bergmassiven eingefangen und wandert ab von jenem Gipfel, der einen Schatten ins Tal wirft. Literatur wird dabei zu einem Tor und wir dürfen durchschauen, wenn nicht sogar durchschreiten, um Neues zu erleben. Dabei wird ein gesellschaftlicher Wunsch, der fast schon neurotisch wirkt, gestreift. Der Wunsch, niemals nur in der Stadt oder auf dem Land zu leben. Wir wollen stets alles haben. Da reicht ein Blick in die Berge, um uns zu erniedrigen oder das Beobachten einer Ameise, die uns zeigt, wie weit wir es letztendlich auch nicht gebracht haben.

Das Magazin regt an und weckt Neugier. Auf Sprache, Klang und Wissen. Die Literatur aus Österreich wird meist innerhalb der geschichts-und literaturwissenschaftlichen Betrachtung des deutschsprachigen Raumes eingeordnet. Dabei kann man hierbei doch auch andere Entwicklungen und Tendenzen erahnen. Das Magazin zeigt, wie reich die ganze Literaturwelt ist und stets divers, humorfähig, selbstkritisch und sprachbegabt. Literatur kann dabei aber nicht alles ablichten, sondern zeigt, wie auch im letzten Beitrag des Heftes, dass das Leben niemals abgeschrieben werden kann. Nach der Literatur wird über Literatur gesprochen. Bücher werden besprochen und fangen einen aktuellen Einblick in die Welt der Romane und der Lyrik ein (zuweilen gibt es Überschneidungen zum Leseschatz).

Die Literaturzeitschrift „Literatur und Kritik“ wurde 1966 von Gerhard Fritsch gegründet. Seit 1991 hat die Redaktion ihren Sitz in Salzburg und wurde 32 Jahre vom Verleger Arno Kleibel und dem Schriftsteller Karl-Markus Gauß herausgegeben. Seit 2023 gibt Arno Kleibel die Zeitschrift mit der Autorin Ana Marwan, die zuletzt mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet wurde, heraus. Ana Marwan verantwortet „Literatur und Kritik“ nun als alleinige Chefredakteurin. Sie schreibt in der Einführung über Identität, Herkunft, Entwurzelung und fragt, wo sich überhaupt die Grenzen des Ortes ausloten lassen, an dem wir aufgewachsen sind?

Alles in diesem Magazin ist ein schöner Wegweiser und ein gedanklicher sowie kunstvoller Reiseführer. Reisen durch und mit Literatur ist einer der schönsten Wege, die man gehen kann. 

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Joachim Schnerf: „Das Cabaret der Erinnerungen“

Joachim Schnerf erzählt erneut über das Erinnern. Wie in seinem Roman „Wir waren eine gute Erfindung“ ist es der Moment des Wartens auf das Eintreffen der Familie, um den Erzähler innehalten und auf die Familiengeschichte blicken zu lassen.

Es ist ein poetisches Buch, das die Geschichte einer jüdischen Familie in Frankreich erzählt. Dabei verwischen sich diverse Grenzen, die der Länder, die der Zeiten und die Realität mit der Kraft der Fantasie. Wie kann ein Begreifen des unfassbaren Ausmaßes der Shoah erfolgen, gerade bei den Folgegenerationen, die es nicht erlebt haben und jetzt die Überlebenden verschwinden? Werden die kommenden Generationen noch glauben können? Dies sind die Hauptfragen, die sich der Erzähler und somit sein Autor stellt.

Ein neues Leben ist geboren. Samuel wird morgen seine Frau und seinen neugeborenen Sohn von der Entbindungsstation abholen. Das neue Leben und das Lebensglück lassen ihn sich an seine Kindheit erinnern. Er denkt an die Geschichte seiner Familie. Er möchte unbedingt, dass sein Sohn zukünftig alles weiß, damit dieser es weitertragen kann. Er reflektiert, wie er das lange Ungesagte erfahren und verarbeitet hat. Bei der Beerdigung seines Großvaters begegnet er zum ersten Mal dessen Schwester, seiner Großtante Rosa. Nach der Beisetzung waschen sie sich die Hände und er sieht ihre Tätowierungen. Sie ist eine Auschwitz-Überlebende und hat Europa verlassen. Sie lebt in Texas. Samuel ist noch jung und das Bild, das er sich von der Wüstenlandschaft von Texas macht, ist den Cowboygeschichten entsprungen. Mit diesen Wildwest-Fantasien spielt er das Familiendrama mit seiner Schwester und seinem Cousin weiter. Rosa hat lange geschwiegen, doch dann wird sie im Radio interviewt und ein Briefwechsel mit Samuel lässt ihn erst Jahre später das ganze Ausmaß erahnen.

Rosas Geschichte handelt vom Pogrom in Polen, der Flucht nach Frankreich und Deportation nach Auschwitz, als sie zwölf Jahre alt war. Der Gräuel im Lager ist ein beständiger Geruch des Todes. Der wahre Schrecken offenbart sich durch eine Freundin, die eine Rolle zwischen Geburt und Sterben einnimmt. Rosa überlebt und gründet das Cabaret der Erinnerungen. Sie gründet in Texas ein Shtetl und gibt den Verstorbenen eine Stimme. Dieses Camp im Camp regt die Fantasie von Samuel an und er will als Kind diesen Ort finden und in seiner Vorstellungskraft werden die Vogesen zur amerikanischen Wüste. Seine persönliche Entwicklung ist durch die Pfadfinder geprägt, die damals der Résistance beigetreten waren. In einem Zeltlager hat er seine Frau kennengelernt, die er nun am kommenden Morgen mit seinem Sohn abholen wird. Seine Erinnerungen erlebt er am Abend vor seiner Abfahrt und es verwischt sich hierbei die Geschichte mit seinen Fantasien, die ihm als Kind damals den Schrecken nahmen. Gibt es das Cabaret wirklich oder ist es ein reines Bild der Hoffnung, dass sich solche Schrecken niemals wiederholen mögen?

Der neue Roman ist ein erneut vom Autor entfachtes Gefühlschaos. Mit einer enormen Dichte werden die Handlungsstränge vorgetragen und in knappen Szenen erzählt. Der Roman lebt von seiner sehr poetischen Sprache und den daraus resultierenden Bildern. Ein ergreifender Text, der Zartes neben den Schrecken stellt und mit Schönheit und Humor den Horror nicht verklärt, sondern in sich auflöst, um ihn für die kommenden Generationen zu erhalten. Der Roman wurde aus dem Französischen von Nicola Denis übersetzt.

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Mona Harry: „Ins Blaue“

Mona Harry hat sich auf ihr Rad geschwungen und uns besucht. Sie ist bekannt durch ihre Texte, besonders ihre Lyrik. In der Poetry-Slam-Szene ist sie nicht mehr wegzudenken und ihre Liebe zum Norden ist stets spürbar. Ihr Text „Norden“ ging auf YouTube viral und machte sie bekannt.

Heute ist sie zu uns geradelt, weil sie ihr Buch „Ins Blaue“ mitgebracht hat. (KJM Buchverlag). Das Buch beinhaltet zwanzig Radtouren im Land zwischen den Meeren. Sie erkundete die großen und die kleinen Küsten und das Landesinnere. Dabei hat sie besondere Ecken und sehr schöne Geheimtipps gefunden. 20-mal Schleswig-Holstein: Sylt, Amrum, Föhr, St. Peter-Ording, Nordstrand, Friedrichstadt, Eider, Brunsbüttel, Nord-Ostsee-Kanal, Schlei, Aukrug, Westensee, Kiel, Preetz, Selent, Fehmarn, Eutin, Scharbeutz, Bargteheide, Wedel, Stormarn, Ratzeburg. Dabei gilt ihre Liebe der landschaftlichen Vielfalt Schleswig-Holsteins. Ergänzt werden ihre Texte durch Tourenkurzbeschreibungen und Steckbriefe, inkl. Möglichkeiten die Radtouren zu verkürzen, Karten und Detailkarten.

Neben den erprobten Touren nimmt sie sich im Buch Zeit für Anekdoten und somit lernen wir das Land, die besonderen Radwege und sie selbst gut kennen. Ins Blaue macht Mut sich zu verfahren, sich neu zu orientieren und bestärkt die Liebe zum Radfahren. Auch #HalloLeseschatz war ihr nicht ganz unbekannt …

Eine weitere Liebeserklärung an den Norden! Also ab ins Blaue! Das Blau ist sehr wandlungsfähig und wie die Natur stimmungsabhängig. Wind und Wetter sind dabei nur typische Wegbegleiter.

Das Gespräch ist auf Leseschatz-TV im Kanal der Buchhandlung Almut Schmidt auf YouTube zu finden.

Im Kanal stelle ich meine Leseschätze als Filmchen vor und habe bereits viele tolle Gäste begrüßen dürfen. Also keinen Beitrag verpassen und den Kanal abonnieren…

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Clara Dupont-Monod: „Brüderchen“  

Ein berührender Roman, der uns auf sehr einfühlsame Weise die verschiedenen Perspektiven des Lebens aufzeigt. Das Brüderchen ist ein Kind, das seine älteren Geschwister in den Schatten stellt und die beiden älteren Kinder für sich einen Weg finden, damit umzugehen.

Erzählt wird die Geschichte einer Familie in Frankreich. Als das dritte Kind geboren wird, fällt vorerst nichts Ungewöhnliches auf. Es wirkt als sei das neue Brüderchen ein ganz gewöhnlicher Junge. Nach Monaten bemerken sie, dass die Augen stets wandern und nichts zu fixieren scheinen. Neben der Blindheit hat das Kind auch keine Körperspannung und der Kopf must stets gehalten werden. Es reagiert auch nicht körperlich und greift oder bewegt sich kaum. Durch einen Genfehler wird das Kind ständig in dem Stadium verbleiben und keine große Lebenserwartung haben.

Die beiden Geschwister reagieren unterschiedlich und gehen dadurch ganz andere Wege in ihrer Entwicklung. Der ältere Bruder, ein Abenteurer und lebenshungriger Junge, geht ganz in seiner Liebe und Fürsorge auf. Er kommt direkt nach der Schule heim und richtet seinen ganzen Alltag nach den Bedürfnissen seines Bruders aus. Da die Situation die ganze Familie überfordert, kommt das kranke Kind letztendlich in ein Heim, das von einem Orden geführt wird. Dies empfindet die Schwester als kleine Befreiung, denn sie nimmt das Brüderchen als Räuber ihres eigentlichen Bruders war. Sie ringt stets mit ihrer Wut. Das hilflose Wesen, in dessen Schatten sie nun leben muss, trennt sie gefühlt vom Rest der Welt. Sie rebelliert und kämpft mit sich, dem Umfeld und den Situationen.

Drei Kapitel und zwei Hauptentwicklungen, die gänzlich anders mit ihren Emotionen umzugehen lernen. Die Liebe, die Wut, der Verlust  und die Scham sind die Wegbegleiter. Am Ende, im dritten Abschnitt, taucht ein weiteres Leben auf, das auch die Präsenz der ganzen Vorgeschichte zu spüren bekommt. Auch wir, die die Zeilen lesen, bleiben nie unbeteiligt. Der Text bewegt und erzeugt eine ganz enge Bindung zu den Charakteren. Der Schmerz ist spürbar und doch spendet der Roman ganz viel Hoffnung und Liebe. Ungewöhnlich ist die Perspektive. Der auktoriale Erzähler ist ein beständiger, harter und doch brüchiger, der seine Geschichte gegenüber den Emotionen fixiert. Es sind die Steine, die festgemauert einen Schutz für die Familie bilden. Steine stehen somit den empfindsamen Wesen gegenüber. Der Erzähler ist insofern bereits eine Metapher der Emotionalität. Das Lebendige steht somit dem Fixierten gegenüber. Etwas, das Schatten wirft, gibt dem Raum Tiefe und verdeutlicht die lichtvolle Szenerie. Dieser Vergleich mit dem Schatten wird im Roman auch am Anfang mit einem Gemälde verglichen. Ein Schatten, der bewusst eingesetzt wurde. Ein sehr bewegender Familienroman. Aus dem Französischen übersetzt von Sonja Finck.

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Alexander Rösler: „Der Mann hier unten“

Was passt zu uns und wohin gehören wir? Chaos, Ordnung, Land, Stadt sowie unten oder oben? Sind wir ein Teil der Natur oder haben wir uns immer weiter von dieser entfremdet? Was ist denn das Chaos? Natürlich wuchernde Flora oder ein gepflegter Garten? Der Mensch mag zuweilen tierischer als jedes Tier erscheinen und wähnt sich oft doch sehr erhaben. Alexander Rösler lädt zu einer Sprachparty ein, die durch knapp gesetzte Szenen zu einem präzisen Gesellschafts-Event ausufert. Mit guter Beobachtung entwirft Rösler mit nur wenigen Sätzen ganze Welten und wirft uns kopfüber in diesen Spaß.

Zu erwähnen sei auch noch, dass der Rückseitentext des Buches Absagen von renommierten Verlagen ziert. Absagen, die sich eigentlich wie Lobeshymnen lesen und verwundern, warum diese Sätze in Absagen formuliert wurden. Zum Glück ist das Werk ja dennoch erschienen und passend von Ulrike Küster illustriert.

Die Handlung wird durch verschiedene Perspektiven erzählt. Jedes Kurzkapitel trägt die Überschrift der agierenden Figuren. Menschen, Menschtiere und Hunde wissen hierbei einiges zu berichten.  Felicitas hat einen Hof, den sie jetzt als Retreat betitelt, geerbt. Diesen renoviert sie mit ihrem Künstlerfreund Clemens und sie wollen demnächst ein Einweihungsfest feiern. Ihr Vater lebt in einem Heim und hat weiterhin noch Pläne. Er wird zuletzt die Party nur kurz aufsuchen, um die Szenerie letztendlich ganz zu verlassen. Ein Freund geht in den Ruhestand und reist nach Rhodos, um dort eine kleine Bleibe zu erstehen. Doch bevor er in Griechenland Fuß fassen kann, ist er Felicitas und Clemens bei der Hofgestaltung behilflich. Auch eine Freundin mit ihrem Sohn taucht auf und beide, besonders der Sohn, fixieren die Geschehnisse bildreich für die Nachwelt.

Die Handlung beginnt beim Einkauf. Felicitas begegnet einem Fuchs. Keinem echten, nur einem Mann, der sie an einen erinnert. Er betritt nach ihr die Bäckerei und möchte Reste erstehen. Aus unerklärlichen Gründen ist Felicitas von dieser Erscheinung fasziniert und folgt dem Mann, den sie nun auch Fuchs nennt. In einer ruhigen Gegend hebt er einen Kanaldeckel und geht nach unten. Dort lebt er, in der Unterwelt der Stadt. Er hat sich von der Gesellschaft und dem obigen Leben entbunden. Neben dem Abwasser im Trockenen hat er sich mit Kinderwagen, Kerzen und Gerümpel eingelebt. Er ist Mathematiker und hatte für eine Versicherung diverse Logarithmen geschrieben und berechnet. Auf einem Firmenausflug kommt er durch eine berauschende Zeremonie aus seiner Bahn und verschwindet nach unten und pflegt dort selbst seine Rituale, die er nun auch bei Felicitas anwendet, die ihn öfters aufsucht. Auch kommt sie auf die Idee, ihn zu der Einweihungsparty als Hauptattraktion einzuladen. Zum Fest erscheinen alle und der Höhepunkt steht bevor. Denn auch der Fuchs, der gebacken hat und seine Show ganz am Ende der Feier ausführen wird, ist da.

Er, der Fuchs, der unter unseren Füßen lebt, bringt alles durcheinander. Er stellt die Welt auf den Kopf und der Horizont verschiebt sich. Drogen, Visionen und Lebensziele vermischen sich und formen eine kunterbunte Welt. Dieser Roman vertieft „Die dunkle Seite des Mondes“ von Suter und nascht von „Wilhelms Pilz“, den uns bereits Michael Engler serviert hat. Die Handlung berauscht, verwirrt und regt an. Die Charaktere und ihre Geschichten sind fein und klug entworfen und treten sehr lebendig aus den Zeilen und machen es sich in unseren Köpfen bequem.

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Demian Lienhard: „Mr. Goebbels Jazz Band“

Der Roman überzeugt durch den Ton, den er nicht nur im übertragenen Sinne anschlägt. Es geht um eine Jazz Band. Jazz, der mit lockeren und mitreißenden Melodien zum mitswingen einlädt. Bläser, die Melodiebögen beginnen, oft den Letzen Ton lediglich andeuten und Schlagzeuger, die federnd das Tempo anheben. Die Geschichte der Band beginnt in der deutschen Hauptstadt. Berlin im Jahr 1940. Die ersten Klänge im Roman erschallen im Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda. Eine Musik, die gerade in dieser Schaltzentrale als „entartet“ tituliert wurde, wird in den innersten Räumlichkeiten erprobt. Die Nazis hassten eigentlich den Jazz und nun wollten sie den totalen Jazz!

Es wurde sich eine der bizarrsten Propaganda-Aktionen ausgedacht. Man erträumte sich eine Schattenarmee, die im Untergrund, wie im U-Bootkrieg, den Feind unerwartet treffen sollte. In England lauschten viele Haushalte den Jazz- und Swingstücken im Radio. Die Nazis kamen auf die Idee, die Moral der Alliierten zu untergraben und wollten Propaganda streuen. Da die Briten und US-Bürger mit Marschmusik wohl nicht zu begeistern gewesen wären, wurde hierfür der Jazz vom Reichspropagandaminister Joseph Goebbels abgesegnet. Die besten europäischen Musiker, darunter auch Juden und Homosexuelle, wurden gesucht. Die Musiker spielten wortwörtlich um ihr Überleben den Swing, für den andere im Vernichtungslager ermordet wurden.

Die Übertragung verlief über den deutschen Kurzwellensender ins Ausland. Musik mit englischsprachigen Meldungen über Kriegsentwicklungen, die die Übermacht der Nazis zeigen sollte. Der Starmoderator war William Joyce aka Lord Haw-Haw. Ein amerikanischer faschistischer Politiker, der aus den USA nach England auswanderte und letztendlich nach Berlin geflohen war. Aber was nutzt reine Propaganda über den Äther? Es sollte auch darüber geschrieben werden. Der Schweizer Schriftsteller Fritz Mahler wird auserkoren einen Propagandaroman zu schreiben, der den Aufstieg der Jazzband, die internationale Erfolge feiert, dokumentiert. Die gesamte Handlung steigert sich zum Crescendo und endet mit einem ausdrucksvollen Whiplash.

Dieser Roman erzählt eine fast bis ins Detail wahre Geschichte. Lediglich einige Figuren und Handlungsstränge sind erfunden. Der historische Zynismus wird hier fast in jeder Zeile literarisch spürbar. Das Bizarre überlagert das Menschenverachtende und das Absurde innerhalb der Grausamkeit wird verdeutlicht. Mit Tempo und ganz viel Fabulierlust hat Demian Lienhard einen sehr lesenswerten Roman geschrieben, der eine ungeheuerliche Geschichte erzählt. Mit viel Wortwitz und einem durchgehaltenen ironischen Ton entlarvt der Roman die perfide Propaganda der Nazis.

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Milena Michiko Flašar: „Oben Erde, unten Himmel“

Milena Michiko Flašar schreibt eigentlich ihre Geschichte, die sie uns erzählen möchte, immer weiter. In ihren Werken geht es stets um Vereinsamung. Ihr Debut „Ich nannte ihn Krawatte“  trifft ein Hikikomori auf einen Arbeitslosen. In „Herr Kato spielt Familie“ ist es ein Rentner, der diverse Familienmitglieder auf unterschiedlichen Veranstaltungen mimt. Es sind immer Charaktere, die außerhalb der Gesellschaft leben und versuchen, wieder etwas Gemeinschaftliches zu finden. Auch in ihrem dritten Roman sind es Helden, die alleine sind und durch ihre spezielle Aufgabe zum Allgemeinwohl beitragen möchten.

Die Städte werden immer größer. Die Menschen wohnen immer dichter gedrängt und doch entfremden wir uns immer mehr. Die angelegten Parks oder gemeinschaftlichen Grünflächen sind Orte der Begegnungen. Doch verkümmern diese immer mehr. Wir sind alle durch die neuen Medien und Kommunikationsmittel verbunden und doch leben wir getrennt und meist vereinsamen wir. Dies spiegelt sich auch in den gehäuften Fundleichen, die immer mehr auftreten. Verstorbene, die in ihrer Wohnung eingeschlafen sind und von keinem vermisst werden. Erst wenn zum Beispiel die Postzusteller oder spontane Besucher aufmerksam werden oder sich Gerüche bilden, werden diese verstorbenen gefunden. Dies kann Tage oder Monate dauern.

Suzu lebt mit ihrem Hamster in einer kleinen Wohnung in einer japanischen Großstadt. Sie ist alleinstehend und jobbt als Kellnerin. Sie ist introvertiert und hat Probleme, auf Menschen zuzugehen. In einem Datingportal lernt sie einen Mann kennen, der sie aber letztendlich ghostet. Nach häufigeren Treffen bricht er ohne Ankündigung jeglichen Kontakt und jede weitere Kommunikation mit ihr ab. Auch ihr Arbeitgeber findet sie als Kellnerin zu wenig liebreizend und kündigt ihr. Diese Verletzungen lassen sie immer mehr in ihrer Einsamkeit versinken. Auch ihr Hamster, der einen anderen Tagesrhythmus hat, bietet keine große emotionale Zuwendung.

Da sie einen neuen Job benötigt, bewirbt sie sich auf drei unterschiedliche Stellen und bekommt eine Einladung zu einem Gespräch. Da sie nicht nachfragen möchte, welche der Firmen sie kontaktiert hat und zum Vorstellungsgespräch gebeten hat, wird sie am Ende doppelt überrascht. Denn die eine ausgeschriebene Stelle war als Putz- und Aufräumdienst deklariert. Diese Firma ist es, die sie nun einstellt. Doch ist es kein gewöhnlicher Reinigungsdienst. Sondern die Firma ist spezialisiert auf Kodokushi-Fälle. Dies sind alleinstehende Menschen, die unbemerkt verstorben sind. Die Verstorbenen sind weg, wenn die Firma tätig wird. Sie reinigen und leeren die Wohnung. Doch ist es meist dennoch kein schöner Anblick und fordert einen robusten Magen.

Suzu nimmt die neue Aufgabe an und lernt durch die Tätigkeit und die neuen Kollegen eine neue Welt kennen. Sie benötigen viel Geduld, Hingabe und Ehrfurcht, um den Funden gewachsen zu sein. Suzu lernt schnell, wächst an ihrer Aufgabe und findet sich im Team zurecht. Auch wird sie hellhörig gegenüber ihrem persönlichen Umfeld und die Grenzen aus Desinteresse und falscher Diskretion heben sich auf. Sie lernt das Leben hinzunehmen und zu akzeptieren. Sie erlebt die Vielfältigkeit des Seins anhand der Lebenden und der Toten.

Dieser Roman ist ein typischer Flašar, der leichtfüßig große Themen anspricht. Themen, die sie immer wieder anregen, einen Roman zu schreiben. Denn es sind Werke, die uns aufhorchen lassen. Die Lebendigkeit und Liebenswürdigkeit erhalten die Romane durch die verschachtelten und nicht einfachen Charaktere. Ein Buch, das die Welt auf den Kopf stellt und diverse Grenzen porös werden lässt und die Einsamkeit in unseren Köpfen und Herzen auszuhebeln versucht.

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Satoshi Yagisawa: „Die Tage in der Buchhandlung Morisaki“

Ein schöner Roman, der uns Mut macht sich auf das Leben und die Liebe einzulassen, auch wenn es mal weh tut. Ferner geht es um die Hingabe zur Literatur und den Trost, den Bücher uns schenken können. Somit ist dieser japanische Roman ein Aufruf, sich der Welt der Bücher hinzugeben. Die Liebe zu den Büchern gilt auch nicht jedem einzelnen Werk, sondern es ist eine ewige Suche und Sucht, die sich immer wieder bestätigt und man muss ebenfalls, wie bei der Suche nach dem Lebenspartner, einen Weg beschreiten.  Bücher sind zufällige Wegbereiter, die uns Türen öffnen können, von denen man vorher nicht ahnte, dass sie existierten.

Von der heilsamen Wirkung des Lesens erzähl Satoshi Yagisawa auf sehr charmante Weise. Es ist der Debütroman des Autors und war in Japan ein großer Erfolg. Nun liegt die deutsche Übersetzung von Ute Enders vor.

Takako ist 25 Jahre jung, hat eine Wohnung und einen Job in Tokio. Bei der Arbeit hat sie ihren Freund kennengelernt, mit dem sie, so meint sie, fest zusammen ist. Bei einem gemeinsamen Essen in einem Restaurant, eröffnet er ihr freudig, dass er bald heiraten wird. Da sie nicht die zukünftige Braut ist und, wie sie nun erfährt, nur eine Affäre war, bricht für sie eine Welt zusammen. Da beide im selben Betrieb arbeiten, kündigt sie und verkriecht sich in ihre Wohnung. Eines Tags meldet sich ihr Onkel bei ihr und lädt sie ein, bei ihm in seinem Antiquariat zu wohnen. Über dem Buchladen habe er eine freie Stube, die sie nutzen könne, wenn sie ihm in den Morgenstunden im Geschäft aushelfe.

Die Buchhandlung Morisaki befindet sich im berühmten Bücherviertel Jinbocho in Tokio. In diesem Stadtteil reiht sich Buchhandlung an Buchhandlung und jede hat sich spezialisiert. Buchfreunde, Sammler und Lesebegeisterte tummeln sich in Jinbocho. Takako findet sich vorerst nicht zurecht, auch das zugewiesene Zimmer muss sie sich mit vielen Büchern teilen. Da sie bisher keine große Leserin ist, findet sie vorerst die Arbeit und das Lebensumfeld nicht ganz so reizvoll und zieht sich weiterhin zurück. Doch durch die Kunden, die neuen Freunde, die sie dort findet, und besonders durch die Zuwendung ihres Onkel taut sie immer mehr auf und greift auch dann eines Abends zu einem Buch und die Welt der Romane wird für sie zu einer Rettung. Ihre verlorene Liebe ist im Vergleich zu der traurigen Liebesgeschichte ihres Onkels lediglich ein kleiner Emotionssturm. Denn Momoko, Takakos Tante, ist eines Tages einfach weggegangen. Doch hofft der Onkel weiterhin auf die Rückkehr seiner Frau. Das Warten auf die Liebe wiederholt sich durch das zufällige Treffen mit einem jungen Mann in einem schönen Café im Bücherviertel. Doch welche Geschichte sich daraus ergibt und ob Momoko zurückkehrt und welche Geschichten sie getrieben hat, muss selbst erlesen werden.

Alle eint die Verbindung und die Liebe zum Buch. Bücher, die man findet, auf die man warten muß oder die einem zufällig begegnen, haben die Chance, lebensverändernd zu sein. Wie in der Liebe und im Leben muss man auch in der Welt der Bücher den Mut haben, sich auf diese einzulassen. Auch wenn man mal enttäuscht wird. Doch je mehr gelesen wird, obsiegt die positive Überraschung. Eine solche Überraschung ist „Die Tage in der Buchhandlung Morisaki“.

Ein leicht, zugängliches Werk, das warmherzig geschrieben ist und für wunderschöne Lesestunden sorgt.

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Walter Hönigsberger: „Polly Polydeukes“

Dieser Roman sprudelt über vor Ideen und ist nicht nur durch die Raffinesse ein Lesegenuß, sondern Walter Hönigsberger spannt ein literarisches Netz aus purer Fabulierlust, die wir bereits bei „Clos Gethseman“ erleben konnten. Seine Romane sind packend und sprachlich toll erzählte Werke, die viele Bögen schlagen, aber diese niemals überspannen, sondern diese gekonnt ausgewogen verzurren.

In seinen Romanen vermischt sich stets Privates, Familiäres mit Weltgeschichte, Mythologie und Philosophie. „Polly Polydeukes“ erzählt eine Familiengeschichte, die in ihre Mitte die namensgebende Heldin setzt, die nicht nur durch den Namen eine Verbindung zu den Dioskuren zulässt. In der Mythologie handelt es sich hierbei um die Halb- und Zwillingsbrüder Kastor und Polydeukes. Polydeukes war der Sohn von Leda und Zeus, der sie in Gestalt eines Schwans verführt hatte. Bei Kastors Abstammung gibt es Ungereimtheiten. Er gilt als der Sohn von Leda und ihrem Gemahl Tyndareos. Er wurde in derselben Nacht wie Polydeukes gezeugt. Somit sind Kastor und Polydeukes, der Faustkämpfer, ungewöhnliche und gänzlich unterschiedliche Zwillingsgeschwister.

Dieser Mythos ist die die Vorlage zu dem vorliegenden Roman. Dabei spielt die Handlung in unserer Welt und spannt einen Bogen über mehrere Jahrzehnte. Sie ist gefüllt mit Wissen über Kultur und Geschichte. Immer wieder ist die Verwicklung des Zufalls bei den Biographien beteiligt und fußt in der Kolonialzeit in Südamerika und verzweigt sich in der neueren deutschen Geschichte.

Die Ereignisse drehen sich um die Familie Brandler. Der Vater, Dietrich, ist Wissenschaftler und taucht am Anfang des Romans als wissenschaftlicher Berater bei den Dreharbeiten des Films „Mission“ mit Robert de Niro auf. Die Mutter, Lena, hat ihre Goetheforschung für ihre Zwillinge aufgegeben. Dietrich und Lena wurden ein Paar und erlebten im Jahr 1967 den „summer of love“. In den Dünen der Côte d’Argent im Südwesten Frankreichs machen sie Urlaub. Unter einer sternenvollen Nacht lieben sie sich und danach geht Dietrich im Atlantik schwimmen und kämpft mit den Strömungen. Während seines Gefechts mit den Wellen ist Lena noch berauscht von Drogen und Sex und gibt sich erneut einem athletischen, schwanenartigen Mann hin. Lena und Dietrich verschweigen lange, was ihnen jeweils in der Nacht widerfuhr. Lena ist schwanger und bekommt Zwillinge. Bereits die Geburt trennt die unterschiedlichen Kinder. Eines wird kurz vor Mitternacht und das andere kurz nach Mitternacht geboren und somit haben beide einen anderen Geburtstag. In Bezug auf die Gestirne und dem berühmtesten Zwillingspaar der antiken Mythologie heißen die Zwillinge Caspar und Polly. Polly ist ein Mädchen, das bestimmend und kämpferisch ist. Sie lebt vor und ihr Bruder, Caspar, folgt. Auch in der Schule bleiben die Zwillinge untrennbar und doch gänzlich anders. Es rumort in Caspar eine Hassliebe. Polly verschwindet später für eine längere Zeit und taucht schwanger wieder bei ihrer Familie auf.

Dietrich macht bei den Dreharbeiten Bekanntschaft mit einem Stuntman und Double in Südamerika. Er ist der Sohn eines Mannes, der als Nazi dorthin geflohen war und eine enge Bindung mit der Familiengeschichte der Brandlers hat. Somit erwächst eine Geschichte um die Wirren der Nachkriegszeit und birgt bereits ihre Geheimnisse in jenen Zeiten, als der Jesuitenorden den Stamm der Guarani in Paraguay missionierte.

Ein Quell an Geschichten und Geschichte sprudelt somit fröhlich aus dem Text. Es geht um die Geschwisterliebe, die Suche nach dem geheimnisvollen und leiblichen Vaters und die historischen Katastrophen. Dabei spielen die Nazizeit und der 150 Jahre andauernde Jesuitenstaat eine Rolle. Alles ist in diesem Roman auf wundersame Weise verknüpft. Dabei buhlt das Drama stets mit dem Witz und birgt dabei großartige, kluge und kunstvolle Unterhaltung. Ein wundersames, wunderbares und kluges Buch. Jede kleinste Szene hat einen großen Raum an Entdeckungen zu bieten. Wahrlich ein großer Roman.

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Markus Orths: „Mary & Claire“

Ein Werk voller Hingabe zur Literatur, dem Leben und dem unbändigen Wunsch nach Freiheit. Mit „Alpha & Omega“ zeigte der Autor seinen Spaß am tiefgründigen Humor und dem Spiel mit dem Raum zwischen den Wirklichkeiten. Zwischen einer gelungenen literarischen Umsetzung des Requiems, das er mit anderen Autoren verfasste, erweckte er Max Ernst, Stan Laurel und Thomas von Aquin in seinen Werken zum Leben. Stets spielt er mit Fakten und den historischen Lücken, die diese jeweiligen Biographien haben. Auch lässt er seine Charaktere zuweilen in einer verfremdeten oder bizarren Umgebung auftauchen.

Sein neues Werk beleuchtet die Beziehung von Mary Shelley und ihrer Stiefschwester Claire Clairmont. Aber der Blick verweilt nicht nur bei diesen Frauen allein, sondern belebt das Umfeld und Wegbegleiter ihres Lebens und Schaffens. Dargestellt oft im Bild der Dreierbeziehungen. Die Halbschwester, von der jungen Mary Geist genannt, taucht auf und später natürlich Percy Shelley und Lord Byron.

Früh kommt Mary mit der Kraft und Wirkung der Literatur in Berührung. Ihr Vater ist Schriftsteller und ihre Stiefmutter betreibt eine Buchhandlung. Im Roman erfährt sie als Kind durch das Epos „The Rime of the Ancient Mariner“ von Samuel Taylor Coleridge, dass Sprache und Geschichten Menschen zum Zuhören zwingen können und sie ihrer tatsächlichen Umgebung berauben. Seitdem gibt sie sich kontinuierlich ihrer Phantasie hin und erfindet fantastische Geschichten. Ihr Weltruhm basiert auf ihrem Roman „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“. Das unheimliche und stimmungsvolle Grauen schleicht sich auch in diesen Roman subtil ein. Die Einstiegsszene spielt zum Beispiel auf einem fröhlichen Friedhof. Immer wieder taucht das Vergängliche in Marys Leben auf. Eine Melancholie umschwebt Mary, denn der Tod ihrer Mutter im Kindsbett beschäftigt sie sehr. Aber dem Düsteren stehen stets der Lebenshunger und der Freiheitsdrang gegenüber. Besonders durch die überspannte und liebenswerte Claire, die sich ihren Namen selbst gegeben hat. Beide Schwestern sind durch den wohl berühmtesten Schreibwettbewerb bekannt. Oft schon besprochen oder sogar verfilmt wurde die Schreibgemeinschaft am Genfer See, aus der Frankenstein hervorging. Die Entstehungsgeschichte dieser Weltliteratur ist schon besonders und regt die Phantasie an. Doch geht es im Roman mehr um die Menschen, um Lebenswege, Beziehungen und um das Familiäre, das Mary durch die Stiefmutter die kalte Schulter zeigte. Später kommt die Liebe hinzu, die Leidenschaft und Liebe zu Percy. Doch auch Claire empfindet etwas für Percy und die Frauen entfliehen mit ihm dem Bürgerlichen auf der Suche nach ihrer Freiheit, Geschichte und Literatur.

Ein sprudelnder Roman voller Ideenreichtum, Tiefgang und Humor. Markus Orths schreibt über die Menschen, die wirklich gelebt haben. Dabei ist das Bekannte lediglich ein Gerüst, um das Markus Orths das Unbekannte, das Verborgene und das Phantastische aufzieht. Im Mittelpunkt stehen dabei immer die Stiefschwestern, die sich im Leben und in der Literatur befeuerten. Eine romantische, enthusiastische Geschichte, die wie eine humorvolle Vanitas aufgebaut ist und die Liebe und die Literatur um besondere Persönlichkeiten der Literaturgeschichte beleuchtet. Die Charaktere und die damalige Zeit werden im Text sehr lebendig, denn Markus Orths ist erneut ein großartiger, bildreicher Roman gelungen.

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