Shumona Sinha: „Kalkutta“

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Eine poetische Reise nach Kalkutta, die von einer Kindheit in Indien erzählt. Ein Rückblick auf die Geschichte der Familie und deren Zerfall, der einhergeht mit der blutigen Geschichte des Landes.

Die Autorin erzählt sehr metaphorisch, zart und sehr poetisch die Sicht einer Frau, die Jahre in Paris gelebt hat und nun durch den väterlichen Verlust in die Heimat reist. Das Gegenwärtige prallt auf die Erinnerungen der Vergangenheit, gleich einer Kerze, die von beiden Seiten angezündet wurde.

Shumona Sinha wuchs ebenfalls in Kalkutta auf, lebt aber jetzt, gleich der Protagonistin in Paris. „Kalkutta“ ist ihr dritter Roman. Bekannt wurde die indisch-französische Autorin mit den Roman „Erschlagt die Armen!“.

Der Roman beginnt mit der Einäscherung von Trishas Vater. Die Asche wird mit einem Stock vorsichtig zerteilt und in den verbrannten  Überresten findet sie eine Blume, die nicht gepflückt werden darf. Nach der Trauerfeier möchte sie nicht mit den anderen mitgehen, sondern zieht in das leerstehende Elternhaus. Die Tage, die sie in dem Haus verbringt, werden zu einer sinnlichen Reise in ihre Vergangenheit. Sie beginnt, sich zu erinnern. Durch das Erleben des Viertels in Kalkutta, des Hauses und der ganzen Gegenstände und nicht zuletzt der Pistole des Vaters, wird es eine emotionale Reise in die Erschütterungen der Familie und der Politik. Die Geschichte Westbengalens von der britischen Kolonialzeit, der kommunistischen Regierung bis zur Gegenwart. Trishas Vater, Shankya, hat neben dem alltäglichen Erscheinungsbild eine andere Rolle eingenommen. Durch seine politische Aktivität gären negative Emotionen im Elternhaus. Er ist ein intelligenter Lehrer und Anhänger der kommunistischen Bewegung. Die Liebe zwischen ihm und Umila, Trishas Mutter, ist kompliziert. Die Beklemmung wächst durch die Depression der Mutter, die ihre verlorene Liebe betrauert. In der Gegenwart der Geschichte lauscht Trisha ihren Gedanken in den schweigenden Räumen des Hauses. Durch das Ergreifen der Gegenstände im Haus kommt das Begreifen. Die Erinnerungen kommen nicht chronologisch, aber wir werden langsam Zeuge bei der Entdeckung der gehüteten Familiengeheimnisse und der vielen turbulenten Geschehnisse in der Familie und in Indien.

Ein Roman, in den man allein schon durch die poetische Sprache versinkt. 2014 erschien „Calcutta“ und wurde bereits vielfach ausgezeichnet. Jetzt liegt das Buch erstmalig aus dem Französischen übersetzt vor. Ein Roman, der Familiäres dem Politischen gegenüber und gleichstellt. Ein Leben in Indien während der Veränderungen.

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