Dorit Rabinyan: „Wir sehen uns am Meer“

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Eine Liebe hinter Mauern. Ein Liebesroman, der von einer Liebe zwischen einer Israelin und einem Palästinenser erzählt.

Ein friedliches Miteinander ist machbar, wenn der Mensch die Grenzen – auch jene im Kopf – überschreitet. Wir sind alles Menschen, egal in welchem Land wir zufällig geboren wurden und welcher Religion wir angehören. Wir sehnen und wünschen uns wohl fast alle das Gleiche. Wir lieben die Literatur, die Musik und die Kunst. Kunst, besonders Literatur und Musik, ist die Sprache, die einkehrt in die Emotionen und in die Seele. Dieses Verständnis kann durch äußere Gegebenheiten verdrängt werden. So auch in dem vorliegenden Roman, der bereits für viel Gesprächsstoff und durch die Streichung von der Lektüreliste der Schulen ins Israel Skandale hervorrief.

Liat ist als Übersetzerin in New York, wird aber in wenigen Monaten wieder nach Tel Aviv zurückkehren. Auch in Amerika ist sie vielen Vorurteilen ausgesetzt. In einem Café wurde sie beobachtet, wie sie hebräisch schrieb und das FBI wurde auf sie angesetzt. Die Handlung spielt 2001 kurz nach den Anschlägen. In dem Café ist sie kurz danach mit einem Freund verabredet, der nicht kommen kann und einen Freund bittet, ihr dies auszurichten. So lernen sich Liat und Chilmi kennen. Chilmi ist Maler, d.h. Künstler, und kommt aus Ramallah. In der Heimat hätten sich die beiden nie kennenlernen können. Beide erzählen und erinnern sich an fast die gleiche Landschaft. Beide haben eine Sehnsucht zum Meer, das er immer nur aus der Ferne sehen konnte, und ihrer Heimat. Doch jeder auf seine eigene, erlebte und anerzogene Weise. Ihre Gespräche werden politisch und sie geraten oft in Streit. Daher vermeiden sie immer mehr die Politik anzusprechen, denn sie wissen, ihre Zeit ist begrenzt und die Beziehung hat ein Enddatum, denn Liat wird zurückreisen.

Liats Eltern dürfen niemals von ihrer Liebe zum Chilmi erfahren. Sie verleugnet ihn bei den Telefongesprächen und vor den Freunden und Verwandten, denen sie zufällig in einer U-Bahnstation über den Weg laufen. Auch bei einer Familienfeier bei ihm kommt es zum Streit, denn die Gefühle und Erlebnisse können nicht vergessen werden und sind auch mit ihnen nach New York gereist. Ein Konflikt zweier Staaten verkörpert durch die Protagonisten. Ein politisches Konzept und der Konflikt einer Ein- oder Zwei-Staatenlösung. Eine binationale Wirklichkeit, in der die Landschaft, der Himmel nicht teilbar sind. Sie fragen sich, warum sie, die Liebenden, auch scheitern, wo die ganze Welt seit Jahren bereits scheiterte? Ist ein glückliches Ende für die beiden in der Liebe und im realen Leben vorgesehen?

Sie entfremden sich immer mehr. Es beginnt im Herbst, in der bunten Jahreszeit, wandelt über in den farblosen, kalten Winter und endet in der Hitze des Sommers. Eine perspektivlose Beziehung, denn auch ihre Liebe ist begrenzt. Gibt es trotz des Hintergrunds ein Recht auf persönliches Glück?

Es ist ein Roman, der wohl viel biographisches von der Autorin erzählt. Dorit Rabinyan wurde als Tochter einer iranisch-jüdischen Familie in Israel geboren. Der Roman könnte etwas mehr Tiefgang haben, muss er aber nicht, denn die Geschichte der Protagonisten steht im Vordergrund.

Ein Roman, der hochgelobt wird von Amos Oz. Es ist ein gutes Buch, denn es lässt sich sehr gut lesen und neben der eigentlichen Liebesgeschichte entwickelt sich viel mehr und man geht ein kleines Stückchen klüger aus dem Buch hervor.

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„Wir sehen uns am Meer“Bericht: Bayerischer Rundfunk

 

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