Christine Wunnicke: „Die Dame mit der bemalten Hand“

Christine Wunnicke Die Dame mit der bemalten Hand Berenberg

Egal wo wir Menschen leben oder woher wir kommen, wir schauen alle zu den Sternen. Das ganze Firmament beinhaltet in jeder Kultur unzählige Geschichten. Ein Sternbild ist klein oder groß, jeweils wie wir es gelernt haben. Für einige ist es zum Beispiel die Kassiopeia und für andere ist dies nur ein Auszug, eine bemalte Hand, aus einem größeren Sternbild. Dennoch verbindet das Sternedeuten und -betrachten. Es ist in gewisser Weise eine Sehnsucht nach Erklärung, Sprache und Wissen. Gleichzeitig aber auch Wegweiser in der astronomischen Navigation.

In dem wunderschönen und teilweise humorvollen Roman geht es um den Mathematiker, Kartografen und Forschungsreisenden Carsten Niebuhr, der auf Meister Musa, einen persischen Gelehrten und Astrolabienbauer aus Jaipur, im Jahre 1764 trifft. Meister Musa hat gerade ein kunstvolles Astrolabium an einen Kunden geliefert, der dies gar nicht zu würdigen weiß, sondern nur als Sammelstück in seine Ausstellung stellt. Eigentlich wollte Meister Musa weiter nach Mekka reisen. Doch auf der Reise in Indien, nahe Bombay, gerät das Schiff in eine Flaute und Meister Musa lässt missgelaunt an einer kleinen Insel anlegen.

Carsten Niebuhr reist mit einer Forschungsgruppe, im Auftrage des dänischen Königs und des Göttinger Theologen und Orientalisten Johann David Michaelis, nach Arabien und nach Vorderasien. Johann David Michaelis hält wenig von dem jungen Niebuhr und schikaniert ihn vor der Abreise bei seinen Vorlesungen. Die Forschungsreise soll Beweise und Wahrheiten für den Inhalt der Bibel sammeln. Doch Carsten Niebuhr möchte auf den von Johann David Michaelis formulierten Fragenkatalog gerne stets mit dem eigenen oder bestätigten Unwissen antworten. Alle wissenschaftlichen Gefährten werden auf der Reise sterben und Niebuhr erkrankt an der bis dahin unerforschten Krankheit Malaria. Daher ist es fraglich, ob alles, was er in Folge erlebt, sich tatsächlich so zugetragen hat. Er strandet auf seiner Reise ebenfalls auf der vor Bombay liegenden Insel Elephanta. Die Insel ist heutiges Kulturerbe.

Es treffen also Meister Musa und Carsten Niebuhr aufeinander. Sie warten auf Rettung und begeben sich zusammen auf Erkundung der jeweils anderen Kultur. Persisches Wissen trifft auf die Errungenschaften der frühen Neuzeit. Geschichten treffen auf Mystik und Poesie.

Mit feiner Ironie und ganz viel Poesie ist dieser Roman ein Eintauchen in eine reale und doch fantastische Welt. Die wissenschaftliche „Arabische Reise“ als Ideengrundlage von Europäern, die in die Ferne reisen, um eigentlich doch nur ihre Geschichten belegt zu finden und doch dann auf mehr gestoßen werden. Ein Warten auf Rettung zweier Menschen unterschiedlicher Kulturen, die sich nicht nur über Sternbilder unterhalten. Wie es endet steht wahrlich in den Sternen.

Ein Roman, der mit Historischem spielt und daraus eine eigene Kunst macht. Das Buch ist eine kluge und unterhaltsame Lesereise.

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4 Kommentare

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4 Antworten zu “Christine Wunnicke: „Die Dame mit der bemalten Hand“

  1. Hallo,

    dem Buch bin ich natürlich schon auf der Longlist des Deutschen Buchpreis begegnet und war gespannt auf die ersten Rückmeldungen von Bloggern, denen ich folge! Diese Rezension macht Lust darauf, das Buch auch zu lesen – hätte ich mir nur nicht schon so viele Titel der Longlist vorgenommen…

    LG,
    Mikka

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