Paolo Maurensig: „Der Teufel in der Schublade“

Paolo Maurensig Der Teufel in der Schublade Nagel & Kimche

Paolo Maurensig hat endlich ein neues Werk geschrieben. Der Text ist eine Schachtel in einer Schachtel und kommt als Fabel nicht an Goethe vorbei. Ein Protagonist, der mephistophelisch eine Dorfgemeinschaft aufwiegelt und sich dabei schlau empfindet wie jenes Fabeltier Reineke Fuchs. Eine aberwitzige Erzählung, die uns hier im Roman als eine eigene Geschichte aufgetischt wird. Was passiert wenn der Leibhaftige seine Giftpfeile in unser aufgeblähtes Ego schießt und dabei unseren Ehrgeiz und die Eitelkeit bis zum Ende ausreizt?  Ist der Hass ansteckend und kann er sich wie eine Tollwut verbreiten?

Paolo Maurensig begeisterte vor Jahren mit „Die Lüneburg-Variante“, „Spiegelkanon“, „Der Schatten und die Sonnenuhr“ und „Sommerspiel“. Werke, die alle einen tiefen Eindruck hinterlassen haben und in die Weltliteratur gehören. Durch „Der Teufel in der Schublade“ ist ein neues, kurzweiliges Meisterwerk erschienen und lässt hoffen, dass das Gesamtwerk in Kürze wieder verfügbar gemacht wird. Aus dem Italienischen wurde es von Rita Seuß übertragen.

Der eigentliche Erzähler taucht nur kurz auf, denn dieser findet ein Manuskript, das ihm anonym zugespielt wurde. Auch in diesem Text ist der Protagonist nur jemand, dem die eigentliche Geschichte von einem Geistlichen erzählt wird.

In einem Dorf, das der Einfachheit halber nur „Dichtersruh“ genannt wird, logierte vor rund 200 Jahren Johann Wolfgang von Goethe. Seitdem fühlt sich jeder Mensch dort zum Schreiben berufen. Doch ist von den Menschen aus dem Dorf noch nichts veröffentlicht worden. Dennoch geben die Bewohner nicht auf und versenden fleißig ihre geistigen Ergüsse an die Verlage. Eines Tages kommt ein Luzerner Verleger in das Dorf. Eigentlich sind Neuankömmlinge ungern gesehen und Neuansiedelungen mehr als unerwünscht. Aber als sich jener Dr. Fuchs als bedeutender Verleger vorstellt, bricht jedes Eis und alle Dämme. Ihm wird ein Verlagshaus in Aussicht gestellt und als Interimslösung Räumlichkeiten des Rathauses. Nur der Geistliche ahnt, nicht nur durch seine beständige Angst vor Füchsen, wen sich hier seine Gemeinde eingeladen hat. Er sieht in ihm den Teufel. Die Schreibwelt in Dichtersruh wird von Dr. Fuchs noch mehr angestachelt. Schnell ist die Idee eines Literaturpreises entstanden. Das ganze Dorf ist in Aufregung und alle reichen ihre Manuskripte ein. Doch das Gremium versendet bisher nur Absagen. Dies spaltet die Gemüter und die ganze Dorfgemeinschaft. Als dann auch noch ein Oberhaupt der Kirche stirbt, werden die Bewohner unruhig und wenden sich an den Pater, der von vornherein vor dem Teufel gewarnt hatte. Kann dieser das Dorf vom Leibhaftigen befreien?

Das Bedrohliche ist in uns selbst. Der Hass, der Neid und die Missgunst verwandeln uns und können sich wie eine Seuche ausbreiten. Paolo Maurensig spielt gekonnt mit der Literatur, mit den Figuren und letztendlich mit uns, seinen Lesern.  Der Roman ist ein tolles Spiel auf mehrdimensionaler Ebene.

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