Britta Röder: „Fliehkraft“

Der Titel spielt auf eine Kraft hin, die aus einer Drehbewegung aus dem Mittelpunkt etwas nach außen drängt. Sie wird auch Trägheitskraft genannt, denn eine Masse wird aus ihrer Trägheit zum Weiterbewegen gezwungen. Somit verlässt das Ursprüngliche seine gewohnte Linie. Es ist eine Energie, die äußerlichen Einfluss nimmt und viel Kraft benötigt. Diese Zentrifugalkraft wirkt aber auch beschleunigend für die Fortbewegung oder den Ausbruch. Die Möglichkeit, etwas Gewohntes zu verändern. Es geht um  die Begegnung oder um jenen Anstoß, der auf den bisherigen Weg einwirkt. Sieben Kurzgeschichten, die alle leicht zugänglich und ohne viel Aufsehens jene Drehkraft beschreiben. Eine Kraft, die aber auch zuweilen eine Bewegung um sich selbst beschreibt, ohne tatsächlich fortzukommen. Diese Geschichten sind über einen längeren Zeitraum entstanden und vereinen das übergeordnete Thema, das in der titelgebenden Geschichte gut benannt wird.

Es sind Erzählungen, die das Alltägliche zeigen, dann aber den Ausbruch, die Veränderung anzeigen. Vergleichbar mit Deborah Levy, die stets in die Brüche unseres heutigen Bewusstseins sticht. Kurzgeschichten sind wunderbare komprimierte Literatur, die durch ihre Knappheit und Verdichtung fesseln.

Es geht um Zwischenmenschliches, um die Ehe und um die Freizeit. Ein Campingausflug, der missglückt, aber doch auch Glück bringt und der Urlaub eines Angestellten, der seinen Vorgesetzen trifft. Das gemeinsame Glück eines Hochzeitstages kann sich aber auch verwandeln. Eine Ehe, die stagniert und von Langeweile zerfressen ist, bekommt durch ein geplantes festliches Essen ein Ende gesetzt, das dann doch ganz anders kommt. Es sind fast schon gewöhnliche Lebenssituationen, die durch eine innere Schubkraft oder äußere Einwirkung die Protagonisten sich wandeln lassen. Die Konsequenzen des Lebens und der Beziehungen sind es, die jene Fliehkraft anstößt. Dabei spielt Röder mit dem Wiedersehen, der Trennung oder der ungewollten Begegnung. Verwandtschaft, Ehepartner und das berufliche Umfeld wirken auf uns ein und bringen uns ins Rotieren. Liebe, Gewissen und Empathie als innere Triebkraft.

Mit einer einfachen Sprache bringt die Autorin uns zu den Wendepunkten des Lebens. Es geht um den verlorenen Mittelpunkt im Leben und die Figuren durchleben diese neuen Zustände, um Gedankenanregungen zu erzeugen. Die Lektüre ist kurzweilig und sehr unterhaltsam.

Zum Buch in unserem Onlineshop

Weitere Lesetipps von mir und tolle Gäste auf YouTube: Leseschatz-TV

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Erlesenes

Hinterlasse einen Kommentar