Stefan Schwarck und Christina Müller: „weg sein“

Wenn jemand geht, für immer, ist es für die Bleibenden ein unbegreiflicher Verlust und Schmerz. Gesellschaftlich wird leider dabei zwischen nahen Verwandten, Familienmitgliedern oder Freunden eine unausgesprochene Grenze der Trauertoleranz gezogen. Warum das so ist, bleibt unerklärlich. Verlustschmerz ist stets eine lähmende, atemraubende Emotion.

Stefan Schwarck ist Autor, Poet und Poetry Slammer aus Kiel. Mit seiner Stiftung und Verlag „Die blaue Stadt“ organisiert er Kunst- und Kulturprojekte für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die von Verlust und Trauer betroffen sind. Jetzt hat er mit Christina Müller „Weg sein“ geschrieben. Ein kurzer und  bewegender Text, der berührt, egal in welcher Situation und in welchem Alter dieser gelesen wird. Er ist für Jugendliche ab 12 Jahren geeignet und ist eine Geschichte vom Verlieren, vom Vermissen und vom Trauern.

Das Vermissen wird körperlich und ein Eisklumpen breitet sich innerlich aus und sendet seine kalten Wellen. Mal schrumpft der Eisblock, mal wächst er bedrohlich. Aber immer ist er da. Es sind zwei Jugendliche, zwei die immer zusammen gehören und unzertrennlich sind. Die Lehrer und Mitschüler wissen dies und die albernen Witze über diese Nähe gab es nie oder verstummten schnell. Ihre echten Namen benutzen sie kaum, sie sind einfach Fish und Cat. Sie sind ein Team ohne Wenn und Aber, wie ein Naturgesetz. Freundschaft und Liebe sind hier gleichbedeutend und kennen keine Grenze. Auch wenn sie sich den ganzen Tag gesehen haben, gibt es im Chatroom abends noch genug zu sagen. Doch plötzlich stimmt etwas nicht. Ihre Welt gerät aus dem Gleichgewicht. Cat muß ins Krankenhaus, mit dem Blut stimmt etwas nicht. Cat ist immer müde und schwach. Die spätere Diagnose ist für alle ein Schock. Wut, Trauer und Verzweiflung brechen in die Seelenwelt und jener Eisklumpen bildet sich.

Die Treffen und Gespräche sind tänzelnd, keiner wagt das Unvermeidliche auszusprechen. Denn als es im Raum steht, bricht die Welt zusammen. Wie bei  den Walen, die auch lange versuchen, das sterbende Tier an der Oberfläche zu halten. Wale üben nicht nur deswegen eine große Faszination auf die beiden aus.

Der Eisklumpen bleibt, auch nach dem Wegsein. Alles bleibt Erinnerung und Schmerz. Der Verlust, der kaum auszuhalten ist, findet die Worte kaum. Stefan Schwarck und Christina Müller finden sie und können diesen in einer Geschichte mit einem besonderen Sprachraum einfangen, der jugendlichen und erwachsenen Lesern viel Mitgefühl, Verständnis und eventuell auch Trost zu schenken vermag.

Der Text lässt Stille zu, wo diese nötig ist und erzählt lediglich, was gesagt gehört. Schonungslos und ehrlich. Die Emotionen wachsen bildhaft. Die Nähe zu den Erzählstimmen, den Figuren bindet sich an uns distanz- und geschlechtslos.

Die Stiftung „Die blaue Stadt“ organisiert zu diesem Buch Lesungen und Workshops, bei denen Jugendliche die zentralen Themen des Buches kreativ umsetzen können.

Danke, dass wir zum Buch ein kleiner Wegbegleiter sein durften und es bereits vorab lesen und bei der Gestaltung mitwirken durften.

Zum Buch in unserem Onlineshop

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