T.C. Boyle: „Sprich mit mir“

T.C. Boyle hat wieder eine aufsehenerregende Geschichte geschrieben, in der es erneut um unseren Platz in der Natur geht. Besonders das Verhältnis zwischen Mensch und Tier. Sieht sich der Mensch immer noch als Krone der Schöpfung an und meint, Tiere hätten keine Verstand oder sind nicht zu Gefühlen fähig, sollte er bei Tieren einfach mal genauer hinsehen oder dieses unterhaltsame Buch lesen. Dass T.C. Boyle es immer wieder versteht, gelungene Lesestunden zu kreieren, wissen wohl nicht nur seine Fans. Neben dem Lesevergnügen werden bei seinen Romanen aber auch wichtige Themen angesprochen oder skurrile Persönlichkeiten, Geschichten oder Forschungsprojekte zum Leben erweckt. T.C. Boyle, für manche auch der Rock-Star der amerikanischen Literatur, verbindet somit stets Wissen mit Humor und Spannung.

Es beginnt auch mit Rockmusik. Die Talking Heads haben ihr zweites Album veröffentlicht und die Studentin Aimee sieht, wie viele andere auch, eine Fernsehshow, um sich vom Lernen abzulenken. Diese Gameshow verändert ihr Leben. In dieser Sendung hat Professor Schemerhorn seinen Auftritt, der behauptet, er bringe Affen das Sprechen bei. Sein Beweis entpuppt sich als eigentlicher Star der Spielshow. Es ist Sam, der zweijährige Schimpanse, der mit Gebärdensprache kommuniziert und während der TV-Show unter anderem einen Cheeseburger bestellen möchte. Aimee weiß nun was sie will, sie möchte für dieses Projekt tätig werden und für Professor Schemerhorn arbeiten, der zufälligerweise auch an ihrer Uni doziert und eine neue Assistentin sucht. Es gibt eine weitere Mitbewerberin, aber Sam, der die eigentliche Entscheidung zu fällen hat, hat sich sofort Aimee ausgesucht. Der Einstieg für Aimee ist sehr chaotisch, denn kurz vor ihrem Eintreffen auf der Farm hatte Sam einen kleinen Wut- und Tobsuchtsanfall. Der kleine Schimpanse verliebt sich in Aimee und hat sie zu seiner neuen Bezugsperson erkoren.

In kleinen Zwischenkapiteln springt der eigentliche Handlungsverlauf in zukünftige Geschehnisse und Sam ist seiner gewohnten Umgebung beraubt und in einem Käfig eingesperrt. Die Wärter scheinen aus seiner Sicht etwas dumm zu sein, denn sie verstehen seine Gebärden nicht und behandeln ihn sehr unmenschlich. In den Nachbarkäfigen beobachtet Sam Käfer. Etwas später ist auch noch einer dieser schwarzen Käfer in seine Zelle gekommen. Sam, der stets mit Menschen lebte und diese als Familie ansah, versteht langsam, was diese Käfer zu sein scheinen.

In der Haupthandlung versucht Professor Schemerhorn, sein Projekt populär zu machen und versucht, weitere Fernsehauftritte zu organisieren. Aimee lebt sich gut ein und hat sich ebenfalls in den kleinen Schimpansen verliebt und ist stets für diesen da. Dass das Experiment Schwierigkeiten bekommt, ahnt man zumindest durch die Zwischenspiele, in denen sich Sam in einem Käfig befindet. Von der Vision der Vermenschlichung des Tieres können nicht alle überzeugt werden und die Fördergelder werden eingestellt. Der Schirmherr des ganzen Projekts kündigt seinen Besuch an.

Was unterscheidet uns vom Tier? Gibt es in der Natur auch Wertevorstellungen, Ethik und Moral? Kann ein Tier, hier ein Schimpanse, der uns Menschen sehr ähnlich ist, Zukünftiges erblicken? Kann er planen, empfinden und seine Gedanken formulieren?

Ein typischer Boyle, der aus dem Englischen von Dirk van Gunstern übersetzt wurde. Dieser Roman ist keine Aufwärmung von „Link – Der Butler“ oder „Planet der Affen“, macht aber hier und dort kleine Andeutungen. Eine wichtige, einfühlsame, bildgewaltige und komische Geschichte, die uns Menschen wieder auf ihren Platz innerhalb der Natur setzt.

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