Maryse Condé: „Mein Lachen und Weinen“

Ein kleines Buch, in dem die Erinnerungen der großartigen Autorin aufblitzen. Es sind autobiographische Kindheitserinnerungen, die sich einzeln wie Kurzgeschichten lesen, aber chronologisch ein lesenswertes Ganzes ergeben. Der Titel „Mein Lachen und Weinen“ deutet schon die Gegensätzlichkeit der Emotionen, die diese wahren Geschichten beinhalten, an. Das Buch ist 1999 bereits im Original erschienen und wurde nun aus dem Französischen von Ingeborg Schmutte übersetzt, die auch den Text durch wissenswerte Anmerkungen ergänzt hat.  

Es beginnt mit einem Familienporträt und das ganze Buch hat die Autorin ihrer Mutter gewidmet. Sie wächst in einer gutsituierten Familie in Pointe-à-Pitre, Guadeloupe auf. Geboren wurde sie 1937 und diese literarischen biographischen Schnipsel beginnen mit ihrer Geburt und ziehen einen Bogen bis in ihr Teenageralter. Ihre Eltern hatten bereits ein gewisses Alter erreicht, als sie erneut schwanger wurden.  Die Mutter deutet ihre Schwangerschaft vorerst als ein Anzeichen ihrer Menopause. Maryse wird somit als kras à boyo, als das letzte Kind in diese kinderreiche Familie geboren. Maryse ist das jüngste von acht Kindern. Die Eltern fühlen sich gänzlich als Franzosen und ihre Heimat ist Frankreich. Doch beherrschen stets Rassen- und Klassenkonflikte den Alltag. Somit handeln diese Geschichten von Herkunft- und Identitätssuche. Ihr Abnabeln von den Eltern ist getragen von einer Art des Entfremdungs-Konflikts. Als Maryse Condé später ihre wahren Leidenschaften und Interessen findet, muss sie sich ebenfalls den Eltern gegenüber behaupten. Ihre bisherige und bekannte Welt wird ihr zu klein und sie studiert in Paris.

Mit einer Leichtigkeit und mit feinen, klugen Sätzen umgarnt Maryse Condé ihre Kindheit und entwirft damit ein ganzes gesellschaftliches Panorama. Die Geschichten sind emotional und ergreifend geschrieben. Ein Buch, das fasziniert und erfahrungsreicher macht. Maryse Condé promovierte an der Sorbonne und lebte danach viele Jahre in Westafrika. Sie lehrte anschließend bis 2002 in New York und erhielt für ihr literarisches Schaffen viele Auszeichnungen. Ihre Romane und Theaterstücke sind stets politisch und für ihr Gesamtwerk wurde ihr der alternative Nobelpreis verliehen. Dies vorliegende Buch ist wohl eine ihrer persönlichsten Schriften.

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